Können zwei gebrochene Herzen gemeinsam heilen?
The Trail of Lost HeartsLasst uns als aller erstes Bücher das Cover reden! Ich finde es traumhaft, sowohl einfach nur von der Optik her als auch den Vibe passend zur Handlung.
Das Buch gliedert sich deutlich in zwei ca. gleichgroße ...
Lasst uns als aller erstes Bücher das Cover reden! Ich finde es traumhaft, sowohl einfach nur von der Optik her als auch den Vibe passend zur Handlung.
Das Buch gliedert sich deutlich in zwei ca. gleichgroße Teile, die sich sowohl in ihrer Stimmung als auch in ihrer Handlung merklich voneinander unterscheiden.
Der erste Teil hat mich wirklich begeistert. Wren Waters ist eine Person, die daran geglaubt hat, dass das Universum einem genau das schickt, was man braucht, wenn man nur aufmerksam genug ist. Ihr Leben nimmt jedoch eine tragische Wendung. Bei einem Verkehrsunfall verliert sie ihren Verlobten. Der nächste schmerzhafte Schlag folgt sogleich, denn eine erschütternde Wahrheit wird offenbart: Der „Liebste“ war schon verheiratet und hatte eine Familie. Um Abstand von Ihrem Leben und der Trauer zu gewinnen, macht sie eine Soloreise nach Oregon um Geocaching abseits von allem und jeden zu betreiben. Während einer dieser Touren trifft sie auf Marshall Hendricks, einen attraktiven Psychologen mit einem großen Herzen und ebenfalls leidenschaftlichen Geocacher. Er rettet sie aus einer bedrohlichen Lage. Als er daraufhin vorschlägt, die Woche über zusammen zu reisen, stimmt Wren schließlich widerstrebend zu. Es folgt ein vorsichtiger Prozess des Bekanntwerdens zweier Personen, die beide versuchen, ihrer Trauer zu entkommen und doch irgendwie Stück für Stück etwas heilen. Die beiden finden zahlreiche Gemeinsamkeiten und nähern sich allmählich an. Doch Wren wird bewusst, dass Marshall nicht alles mit ihr teilt. Obwohl sie mittlerweile bereit ist, sich wieder auf einen Mann einzulassen: Halbwahrheiten wird sie sich nicht noch einmal gefallen lassen. Dieser erste Teil hätte von mir glatte 4 Sterne verdient.
Der zweite Teil, der ansetzt als Wren wieder zu Hause ist, konnte mich leider nicht mehr in gleicher Weise überzeugen. Ohne zu viel zu spoilern, denn der Plottwist sollte jeder selbst beim Lesen mitleben … Die Wendung der Handlung war für mich persönlich ein sehr unliebsamer Richtungswechsel, der zu sehr ins Klischeehafte und Stereotype abdriftet. Es geht weiterhin um Trauerbewältigung und wie man im Anschluss sein Leben leben kann. Es rückt auch Marshall psychische Lage stärker in den Vordergrund obwohl er eigentlich gar nicht vor Ort ist. Er heilt und öffnet sich mehr. Das ist grundsätzlich schön, aber der zentrale Plot dieses Abschnitts hat mich nicht überzeugt. Im Vergleich zum angenehm bodenständigen ersten Teil wirkt das Ende doch recht unrealistisch. Auch wenn ich weiß, dass es sich hier um einen Liebesroman handelt und ein positiver Ausgang dazugehört. Für diesen Teil würde ich nur 2 Sterne vergeben.
Der Schreibstil hat mir sehr zugetan. Tracey Garvis Graves erzählt ruhig, emotional und erstaunlich lebensnah. Das Thema Trauer und Heilung wird auf eine Weise behandelt, die sich echt anfühlt. Man leidet mit Wren und Marshall, man versteht sie, man mag sie. Auch das Geocaching wird für Laien wunderbar greifbar beschrieben, ohne je belehrend zu wirken. Besonders positiv fällt auf, dass beide Protagonisten in ihren Dreißigern sind. Das verleiht der Geschichte eine wohltuende Ehrlichkeit und gewisse Reife. Es gibt keine unnötigen Dramen, stattdessen leise Entwicklungen, ehrliche Gespräche und ein spürbares Zögern. Das ist keine stürmische Liebesromanze, sondern etwas Sanftes, ein vorsichtiges Aufeinanderzugehen zweier Menschen, die beide wissen, wie sehr Liebe wehtun kann.
Fazit: Wer gerade Lust auf eine ruhige, erfrischende Romance hat, die sich wohltuend von der breiten Masse abhebt, liegt hier richtig. Auch wenn mich das Buch im zweiten Teil nicht mehr ganz abholen konnte, bleibt es insgesamt ein schönes, emotionales Werk – eines, das beim Verarbeiten von Verlust und dem vorsichtigen Zurückfinden ins Leben auf leise Art begleitet.