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The Things Gods Break – SchattenverführtNach dem sehr gelungenen ersten Band waren meine Erwartungen an die Fortsetzung entsprechend hoch. Umso größer ist die Ernüchterung über die erzählerische Richtung, die der zweite Band einschlägt. Während ...
Nach dem sehr gelungenen ersten Band waren meine Erwartungen an die Fortsetzung entsprechend hoch. Umso größer ist die Ernüchterung über die erzählerische Richtung, die der zweite Band einschlägt. Während der Auftakt noch durch Originalität, starke Prüfungen und eine in sich schlüssige Handlung überzeugte, wirkt die Fortsetzung überfrachtet, unnötig kompliziert und in vielen Teilen konstruiert.
Ein zentrales Problem ist die Überladung der Handlung. Statt sich auf ein oder zwei tragende Konflikte zu konzentrieren, verfolgt der Roman gleichzeitig eine Vielzahl von Handlungssträngen, die sich gegenseitig die Wirkung nehmen. Die Geschichte verliert dadurch an Fokus und Dynamik. Hinzu kommt eine auffällige Menge an inneren Monologen und erklärenden Passagen, die den Lesefluss hemmen. Wiederholte Erläuterungen zu Charakteren und Zusammenhängen verstärken den Eindruck, dass der Text deutlich hätte gekürzt werden können.
Besonders enttäuschend ist die Umsetzung der Prüfungen. Während diese im ersten Band zu den größten Stärken zählten, bleiben sie hier blass und spannungsarm. Die Einsätze wirken gering, die Aufgaben eher wie beiläufige Nebenhandlungen, obwohl sie eigentlich von zentraler Bedeutung sein sollten. Auch neue Charaktere, insbesondere die Titanen, bleiben emotional weitgehend wirkungslos und bauen keine echte Bindung zur Leserschaft auf.
Die erste Hälfte des Buches entwickelt sich entsprechend zäh und schleppend. Die Handlung wird spürbar hinausgezögert, zentrale Informationen werden künstlich zurückgehalten, was weniger Spannung als Frustration erzeugt. Erst ab etwa der Mitte gewinnt die Geschichte wieder an Klarheit und Richtung, was jedoch den insgesamt unausgewogenen Eindruck nicht vollständig ausgleichen kann.
Positiv hervorzuheben sind einzelne Aspekte, insbesondere die Kapitel aus Hades’ Perspektive. Seine Hintergrundgeschichte und die Einblicke in seine Entwicklung gehören zu den stärksten Momenten des Romans. Dennoch wirkt seine Rolle insgesamt untergenutzt, fast so, als würde ihm die narrative Bedeutung aus dem ersten Band genommen.
Problematisch erscheinen zudem zahlreiche moderne Referenzen – etwa auf Social Media, KI oder Popkultur –, die den mythologischen Ton stören und teilweise unfreiwillig aus der Geschichte herausreißen. Auch die übermäßige Verwendung von vulgärer Sprache trägt nicht zur Atmosphäre bei, sondern wirkt eher aufgesetzt.
Insgesamt hinterlässt der zweite Band einen zwiespältigen Eindruck. Er ist handwerklich solide geschrieben und keineswegs ein schlechtes Buch, bleibt jedoch weit hinter dem Potenzial seines Vorgängers zurück. Die Geschichte wirkt unnötig verlängert und in eine Serie gepresst, obwohl der erste Band auch für sich hätte stehen können. Trotz der Enttäuschung besteht weiterhin Interesse an den Charakteren und an der Fortsetzung – allerdings mit deutlich gedämpften Erwartungen.