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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.12.2025

2 ⭐

The Things Gods Break – Schattenverführt
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Nach dem sehr gelungenen ersten Band waren meine Erwartungen an die Fortsetzung entsprechend hoch. Umso größer ist die Ernüchterung über die erzählerische Richtung, die der zweite Band einschlägt. Während ...

Nach dem sehr gelungenen ersten Band waren meine Erwartungen an die Fortsetzung entsprechend hoch. Umso größer ist die Ernüchterung über die erzählerische Richtung, die der zweite Band einschlägt. Während der Auftakt noch durch Originalität, starke Prüfungen und eine in sich schlüssige Handlung überzeugte, wirkt die Fortsetzung überfrachtet, unnötig kompliziert und in vielen Teilen konstruiert.

Ein zentrales Problem ist die Überladung der Handlung. Statt sich auf ein oder zwei tragende Konflikte zu konzentrieren, verfolgt der Roman gleichzeitig eine Vielzahl von Handlungssträngen, die sich gegenseitig die Wirkung nehmen. Die Geschichte verliert dadurch an Fokus und Dynamik. Hinzu kommt eine auffällige Menge an inneren Monologen und erklärenden Passagen, die den Lesefluss hemmen. Wiederholte Erläuterungen zu Charakteren und Zusammenhängen verstärken den Eindruck, dass der Text deutlich hätte gekürzt werden können.

Besonders enttäuschend ist die Umsetzung der Prüfungen. Während diese im ersten Band zu den größten Stärken zählten, bleiben sie hier blass und spannungsarm. Die Einsätze wirken gering, die Aufgaben eher wie beiläufige Nebenhandlungen, obwohl sie eigentlich von zentraler Bedeutung sein sollten. Auch neue Charaktere, insbesondere die Titanen, bleiben emotional weitgehend wirkungslos und bauen keine echte Bindung zur Leserschaft auf.

Die erste Hälfte des Buches entwickelt sich entsprechend zäh und schleppend. Die Handlung wird spürbar hinausgezögert, zentrale Informationen werden künstlich zurückgehalten, was weniger Spannung als Frustration erzeugt. Erst ab etwa der Mitte gewinnt die Geschichte wieder an Klarheit und Richtung, was jedoch den insgesamt unausgewogenen Eindruck nicht vollständig ausgleichen kann.

Positiv hervorzuheben sind einzelne Aspekte, insbesondere die Kapitel aus Hades’ Perspektive. Seine Hintergrundgeschichte und die Einblicke in seine Entwicklung gehören zu den stärksten Momenten des Romans. Dennoch wirkt seine Rolle insgesamt untergenutzt, fast so, als würde ihm die narrative Bedeutung aus dem ersten Band genommen.

Problematisch erscheinen zudem zahlreiche moderne Referenzen – etwa auf Social Media, KI oder Popkultur –, die den mythologischen Ton stören und teilweise unfreiwillig aus der Geschichte herausreißen. Auch die übermäßige Verwendung von vulgärer Sprache trägt nicht zur Atmosphäre bei, sondern wirkt eher aufgesetzt.

Insgesamt hinterlässt der zweite Band einen zwiespältigen Eindruck. Er ist handwerklich solide geschrieben und keineswegs ein schlechtes Buch, bleibt jedoch weit hinter dem Potenzial seines Vorgängers zurück. Die Geschichte wirkt unnötig verlängert und in eine Serie gepresst, obwohl der erste Band auch für sich hätte stehen können. Trotz der Enttäuschung besteht weiterhin Interesse an den Charakteren und an der Fortsetzung – allerdings mit deutlich gedämpften Erwartungen.

Veröffentlicht am 16.12.2025

2 ⭐

Game of Greed
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Der Roman entführt den Leser in eine Welt von Reichtum, Luxus und gesellschaftlicher Inszenierung, schafft es jedoch nur bedingt, die erzählerischen Versprechen einzulösen. Jaynas Entscheidungen wirken ...

Der Roman entführt den Leser in eine Welt von Reichtum, Luxus und gesellschaftlicher Inszenierung, schafft es jedoch nur bedingt, die erzählerischen Versprechen einzulösen. Jaynas Entscheidungen wirken häufig widersprüchlich und wenig nachvollziehbar, wodurch die Spannung eher aus äußeren Tabus und Konflikten als aus authentischer Charakterentwicklung entsteht. Ihre Situation – geprägt von finanziellen Zwängen und moralischen Dilemmata – wird dramaturgisch zugespitzt, doch innere Konflikte und emotionale Tiefe werden nur unzureichend dargestellt.

Xavier, der Sohn ihres Sugar Daddys, bleibt trotz der wiederholten Betonung seines „verbotenen“ und anziehenden Wesens ein flacher Charakter. Seine Rolle dient primär als Auslöser für Spannungsmomente, bietet aber kaum psychologische Substanz. Die Beziehung zwischen den Protagonisten stützt sich stark auf Machtgefälle, Geheimnisse und Tabubrüche, ohne dass deren Konsequenzen oder die moralische Dimension der Entscheidungen wirklich reflektiert werden.

Im letzten Teil des Buches wirkt die Handlung besonders gehetzt. Konflikte werden abrupt aufgelöst, emotionale Entwicklungen bleiben weitgehend aus, und die narrative Spannung lässt nach. Die Geschichte verliert dadurch an Kohärenz und Tiefe. Die dramaturgische Zuspitzung wird nicht durch glaubwürdige Charakterinteraktionen getragen.

Insgesamt hinterlässt der Roman den Eindruck einer oberflächlich funkelnden, aber inhaltlich schwachen Erzählung. Trotz der anziehenden Thematik und der dunklen, sinnlichen Atmosphäre bleibt die psychologische und emotionale Substanz der Charaktere unzureichend ausgearbeitet, sodass das Potenzial der Geschichte nur zum Teil genutzt wird.

Veröffentlicht am 16.12.2025

0 ⭐

Culpa Nuestra – Unsere Schuld
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Ich kann rückblickend kaum nachvollziehen, weshalb ich diese Reihe bis zum dritten Band weitergelesen habe. Spätestens hier wird jedoch deutlich, dass es sich nicht um eine misslungene Liebesgeschichte, ...

Ich kann rückblickend kaum nachvollziehen, weshalb ich diese Reihe bis zum dritten Band weitergelesen habe. Spätestens hier wird jedoch deutlich, dass es sich nicht um eine misslungene Liebesgeschichte, sondern um die fortlaufende Reproduktion problematischer Narrative handelt. Band 3 setzt die bereits zuvor etablierten Muster aus Misogynie, emotionalem Missbrauch und Täter-Opfer-Umkehr nicht nur fort, sondern verschärft sie – ohne erkennbare kritische Einordnung oder Konsequenz.

Das als romantische Dynamik inszenierte Verhältnis zwischen den Hauptfiguren basiert auf Kontrolle, Schuldzuweisungen und wiederholter Grenzüberschreitung. Insbesondere Nicks Verhalten bleibt durchgehend manipulativ, übergriffig und in Teilen offen gewalttätig, während Noahs Perspektive zunehmend entwertet und ihr Leid narrativ relativiert wird. Schwerwiegende Themen wie sexueller Missbrauch, Machtmissbrauch und psychische Traumata werden zwar angeschnitten, jedoch nicht reflektiert oder verantwortungsvoll aufgearbeitet.

Anstelle von Entwicklung oder Einsicht greift der Roman auf Eskalation, Wiederholung und schließlich auf konventionelle erzählerische Notlösungen zurück. Das Ergebnis ist kein glaubwürdiger Abschluss, sondern ein abschreckendes Beispiel dafür, wie toxische Beziehungsmodelle unter dem Deckmantel von Romantik normalisiert werden.

Veröffentlicht am 16.12.2025

1 ⭐

Culpa Tuya – Deine Schuld
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Band 2 vertieft leider all das, was bereits im ersten Teil problematisch angelegt war. Die Beziehung zwischen Noah und Nick ist durchgehend von Kontrolle, emotionaler Gewalt und Grenzüberschreitungen geprägt, ...

Band 2 vertieft leider all das, was bereits im ersten Teil problematisch angelegt war. Die Beziehung zwischen Noah und Nick ist durchgehend von Kontrolle, emotionaler Gewalt und Grenzüberschreitungen geprägt, ohne dass diese Dynamiken kritisch aufgearbeitet werden. Nicks Verhalten ist nicht nur toxisch, sondern mehrfach eindeutig übergriffig: Er ignoriert klare Ablehnung, setzt Noah körperlich und emotional unter Druck und benutzt ihre Traumata gezielt gegen sie. Dennoch wird sein Handeln narrativ immer wieder relativiert oder romantisiert.

Besonders schwer wiegt, dass Gewalt und Missbrauch nicht als solche benannt werden. Noah wird wiederholt beschuldigt, verantwortlich für Eskalationen zu sein, während Nicks eigene Grenzüberschreitungen – inklusive Untreue – kaum Konsequenzen haben. Statt Reflexion folgt Schuldumkehr. Die Einführung weiterer Konflikte (Eifersucht, Fremdgehen, Schweigen statt Kommunikation) wirkt konstruiert und dient ausschließlich der Dramatisierung.

Noahs Charakter verliert im Verlauf zunehmend an Glaubwürdigkeit. Ihre Entscheidungen erscheinen inkonsequent, ihre Entwicklung stagniert. Traumatische Erlebnisse werden entweder bagatellisiert oder instrumentalisiert, statt sensibel behandelt. Besonders irritierend ist der Umgang mit sexueller Gewalt, die entweder nicht ernst genommen oder narrativ verwässert wird.

Unterm Strich verstärkt Band 2 den Eindruck, dass hier eine hochproblematische Beziehung als leidenschaftliche Liebe verkauft wird. Statt Entwicklung oder Verantwortung gibt es Wiederholung, Eskalation und Rechtfertigung.

Veröffentlicht am 16.12.2025

1.5 ⭐

Culpa Mía – Meine Schuld
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Was als emotional aufgeladene Enemies-to-Lovers-Geschichte gedacht ist, entpuppt sich leider als eine problematische Mischung aus toxischer Dynamik, fragwürdigen Entscheidungen und romantisierter Grenzüberschreitung. ...

Was als emotional aufgeladene Enemies-to-Lovers-Geschichte gedacht ist, entpuppt sich leider als eine problematische Mischung aus toxischer Dynamik, fragwürdigen Entscheidungen und romantisierter Grenzüberschreitung. Zwar war der Roman stellenweise unterhaltsam, doch genau darin liegt auch sein größtes Problem: Er verwechselt Drama mit Tiefe und Lautstärke mit Entwicklung.

Die Beziehung zwischen Noah und Nick basiert nicht auf Wachstum oder gegenseitigem Respekt, sondern auf Kontrolle, Besitzdenken und ständiger Eskalation. Nicks Verhalten ist durchgehend aggressiv, manipulativ und übergriffig — und wird dennoch als leidenschaftlich oder schützend umgedeutet. Besonders irritierend ist, dass klare Grenzsetzungen von Noah wiederholt ignoriert werden, ohne dass dies ernsthaft reflektiert oder Konsequenzen nach sich zieht.

Auch die Altersdynamik verstärkt dieses Unbehagen. Die Sexualisierung einer minderjährigen Protagonistin, kombiniert mit einem deutlich älteren männlichen Gegenpart, wird nicht kritisch hinterfragt, sondern narrativ normalisiert. Das passt weder zum Young-Adult-Label noch zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den angesprochenen Themen.

Noah selbst ist keine konsequent geschriebener Charakter. Zwar wird sie als stark inszeniert, handelt jedoch oft widersprüchlich und unrealistisch naiv. Konflikte werden künstlich verlängert, Missverständnisse nicht ausgeräumt, Kommunikation konsequent vermieden — alles zugunsten weiterer Eskalation. Die wenigen Nebencharaktere, die emotional stabil oder unterstützend wirken, bleiben Randerscheinungen.

Hinzu kommt ein Schreibstil, der stark auf Wiederholung, innere Monologe und sexualisierte Gedanken setzt, dabei aber Atmosphäre, Tiefe und glaubwürdige Entwicklung vermissen lässt. Viele problematische Aussagen über Frauen, Beziehungen und Machtverhältnisse bleiben unkommentiert stehen.

Unterm Strich bleibt ein Buch, das zwar Drama liefert, aber auf Kosten von Glaubwürdigkeit, Respekt und Verantwortung. Unterhaltung allein reicht hier nicht aus, um die Vielzahl an inhaltlichen Schwächen zu überdecken.