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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2025

Lesenswert

Drei Tage im Schnee
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Die stille Winterlandschaft des Romans spiegelt Hannahs inneren Zustand auf eindrucksvolle Weise wider: Alles scheint erstarrt und eingefroren.

Ihr Alltag war lange fremdbestimmt, kaum blieb Raum für ...

Die stille Winterlandschaft des Romans spiegelt Hannahs inneren Zustand auf eindrucksvolle Weise wider: Alles scheint erstarrt und eingefroren.

Ihr Alltag war lange fremdbestimmt, kaum blieb Raum für sie selbst. Doch kann man in nur drei Tagen ein Leben lösen, das sich über Jahre verfestigt hat?

Die kurzen Kapitel und die ruhige Sprache machen das Buch zu einer idealen „Auszeit-Lektüre“. Dennoch bleibt Hannahs Entwicklung weitgehend vorhersehbar, wodurch es der Handlung etwas an Überraschung und Tiefe fehlt.

Der Roman richtet den Blick nicht auf große Katastrophen, sondern auf auf Selbstreflexion und auf Veränderung im Kleinen.

Insgesamt ist Drei Tage im Schnee ein leises Buch für alle, die sich vom Lärm des Alltags erholen und für einen Moment Atem holen möchten.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Enttäuschend

After Death - Ein Thriller
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Selten habe ich mich durch ein Buch so gequält wie durch After Death. Dean Koontz scheint hier nicht das Ziel gehabt zu haben, den Leser zu fesseln – sondern ihn zu prüfen. Ganze Seiten sind mit endlosen ...

Selten habe ich mich durch ein Buch so gequält wie durch After Death. Dean Koontz scheint hier nicht das Ziel gehabt zu haben, den Leser zu fesseln – sondern ihn zu prüfen. Ganze Seiten sind mit endlosen Bandwurmsätzen gefüllt, die sich winden und schließlich in ihrem eigenen Geschwafel ersticken. Manche sind so überladen, dass man am Ende nicht mehr weiß, wo sie begonnen haben – geschweige denn, worum es überhaupt ging.

Nach rund 150 Seiten stellte sich nicht mehr die Frage, ob man weiterliest, sondern warum. Was wie ein Thriller beginnt, entpuppt sich als bleierne Ansammlung blutleerer Szenen, bevölkert von hölzernen Figuren, die bedeutungslose Dialoge austauschen, als würden sie selbst gern aus dieser Geschichte fliehen.

Wer Koontz frühere Werke kennt, fragt sich fassungslos, was von diesem Autor eigentlich übrig geblieben ist.

After Death ist kein Thriller, sondern ein sprachlicher Hindernislauf. Wer hier Spannung erwartet, bekommt nur ermüdende Wortakrobatik und hat das ungute Gefühl, seine Zeit an literarischen Schrott verschwendet zu haben.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Menschliche Schwächen, Egoismus und dunkle Abgründe

Wassermanns Zorn
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Ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Andreas Winkelmann versteht es hervorragend, mit kurzen Kapiteln, einem klaren, temporeichen Stil und pointiert gesetzten Cliffhangern ...

Ein Buch, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Andreas Winkelmann versteht es hervorragend, mit kurzen Kapiteln, einem klaren, temporeichen Stil und pointiert gesetzten Cliffhangern einen Sog zu erzeugen, dem man sich kaum entziehen kann.

Besonders auffällig ist, dass viele Figuren nicht unbedingt Sympathieträger sind. Einige wirken kühl, berechnend oder schlicht unsympathisch – was beim Lesen zunächst irritieren mag, der Geschichte jedoch eine unerwartete Authentizität verleiht. Schließlich ist nicht jeder ein Held, und manche Entscheidungen entspringen nun einmal Egoismus oder innerer Kälte.

Für mich war Wassermanns Zorn ein echter Pageturner. Die düstere Atmosphäre, die spannungsgeladene Handlung und der flüssige Schreibstil haben mich durch die Seiten getragen – auch wenn ich mir von den Charakteren stellenweise mehr Nähe und Sympathie gewünscht hätte.

Alles in allem ist Wassermanns Zorn ein packender Thriller, der mit hohem Tempo und atmosphärischer Dichte überzeugt. Wer bereit ist, sich auf kantige, nicht immer angenehme Figuren einzulassen, wird mit einer Geschichte belohnt, die bis zum Schluss fesselt und nachwirkt.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Ein Reaktor außer Kontrolle, ein Wettlauf gegen die Zeit

Reaktor
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In „Reaktor“ handelt es sich um ein hochaktuelles und brisantes Thema: die Gefahr durch einen nuklearen Zwischenfall. Die Grundidee weckt Neugier, aber die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Der ...

In „Reaktor“ handelt es sich um ein hochaktuelles und brisantes Thema: die Gefahr durch einen nuklearen Zwischenfall. Die Grundidee weckt Neugier, aber die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Der Schreibstil ist angenehm direkt und flüssig, was das Buch leicht zugänglich macht. Man kommt schnell voran, ohne sich in komplizierten Konstruktionen zu verlieren. Leider entfaltet sich die Spannung sehr zögerlich. Viele Handlungselemente folgen einem bekannten Thriller-Muster, wodurch der Plot recht vorhersehbar wirkt.
Zwar wird ein solides Grundtempo aufgebaut, doch echte Höhepunkte oder überraschende Wendungen gibt es kaum.

Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass sich das Buch mühelos lesen lässt und für Zwischendurch gute Unterhaltung bietet. Wer einen unkomplizierten, aktuellen Thriller für zwischendurch sucht, wird auf seine Kosten kommen.

Wer Thriller mit mehr psychologischer Tiefe, dichter Atmosphäre oder originellen Ideen sucht, wird hier vermutlich enttäuscht.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Eine Geschichte über Heimat, Fremdsein und die Suche nach Zugehörigkeit

Altes Land
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Der Roman hat mir gut gefallen, auch wenn der Einstieg etwas ungewohnt war.
Es ist ein vielschichtiges Buch, mit einer Mischung aus feinem Humor, Melancholie und sprachlicher Eigenwilligkeit, und es erzählt ...

Der Roman hat mir gut gefallen, auch wenn der Einstieg etwas ungewohnt war.
Es ist ein vielschichtiges Buch, mit einer Mischung aus feinem Humor, Melancholie und sprachlicher Eigenwilligkeit, und es erzählt die Geschichte zweier Frauen: Vera, die als Flüchtlingskind ins „Alte Land“ kam, und ihre Nichte Anne, die mit ihrem Sohn aus Hamburg in das alte Bauernhaus zieht.

Der Sprachstil ist besonders: sehr knapp, oft mit kurzen, fast abgehackten Sätzen. Am Anfang fand ich das etwas gewöhnungsbedürftig, aber mit der Zeit merkt man, wie gut das zur Geschichte und zur norddeutschen Atmosphäre passt. Gerade die spröde, klare Sprache macht das Buch authentisch und bringt die Eigenheiten der Figuren gut rüber.

Mir hat gefallen, dass die Geschichte ohne große Dramen auskommt und trotzdem berührt. Man erkennt vieles wieder – das Festhalten an Traditionen, das Misstrauen gegenüber Fremden, aber auch die Sehnsucht nach Geborgenheit.

Ein lesenswertes Buch, wenn man sich auf den besonderen Stil einlässt.

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