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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein Wohlfühlort

Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume
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Im Herzen des Seouler Stadtteils Yeonnam-dong liegt ein kleiner Waschsalon, unscheinbar und doch voller Geschichten. Zwischen dem rhythmischen Surren der Maschinen und dem Duft frisch gewaschener Wäsche ...

Im Herzen des Seouler Stadtteils Yeonnam-dong liegt ein kleiner Waschsalon, unscheinbar und doch voller Geschichten. Zwischen dem rhythmischen Surren der Maschinen und dem Duft frisch gewaschener Wäsche befindet sich ein grünes, gemeinsames Tagebuch. Jeder, der vorbeikommt, darf darin seine Sorgen, Ängste oder Erinnerungen hinterlassen – und erhält dafür Antworten von Fremden, die vielleicht nur für einen Augenblick im selben Raum verweilen.

Durch dieses Tagebuch knüpft sich ein feines Band zwischen fünf Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder trägt eigene Lasten, eigene Wünsche im Herzen. Und doch finden sie über die anonymen Worte auf den Seiten zueinander.

Kim Jiyun erzählt diese Begegnungen mit einer ruhigen, behutsamen Stimme, die ein Auge für jene kleinen Momente hat, die im Alltag leicht übersehen werden – und die doch mehr verändern, als man ahnt.

Statt großer Dramen entfaltet sich ein sanftes, tröstliches Buch über Gemeinschaft, über Einsamkeit und die Möglichkeit eines stillen Neubeginns.

Befremdlich wirkte auf mich allerdings der Umgang mit dem äußeren menschlichen Erscheinungsbild: dass Kinder Schönheitsoperationen geschenkt bekommen oder Erwachsene wegen eines kleinen Kratzers sofort zur Laserbehandlung greifen, bleibt mir fremd und schwer nachvollziehbar.

Trotzdem: ein ruhiger, berührender Wohlfühlroman, der lange nachklingt.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Wenn die Toten mehr sagen als die Lebenden

Über die Toten nur Gutes
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Wer die Bücher von Andreas Izquierdo kennt, erwartet meist warmherzige Figuren und feinsinnige Beobachtungen. Ich liebe den Schreibstil und die Bücher des Autors. Umso überraschter war ich über diesen ...

Wer die Bücher von Andreas Izquierdo kennt, erwartet meist warmherzige Figuren und feinsinnige Beobachtungen. Ich liebe den Schreibstil und die Bücher des Autors. Umso überraschter war ich über diesen unerwarteten „Seitensprung“ des Autors, der einen völlig neuen Ton anschlägt: bitterböse, sarkastisch und mit rabenschwarzem Humor.

Der verschrobene Protagonist, der sich plötzlich mit Toten, Altlasten und allerlei skurrilen Situationen herumschlagen muss, ist gleichzeitig absurd, tragikomisch und überraschend ernsthaft.

Bei den makabren Wendungen und bissigen Dialogen ertappt man sich dabei zu lachen, obwohl man gar nicht sicher ist, ob man das eigentlich sollte.
Dieses Buch ist eine frische und fast freche Abzweigung seiner sonstigen Werke. Wer schwarzen Humor liebt, wird hier positiv überrascht.

Ein herrliches Buch des Autors, das einmal mehr zeigt, wie vielseitig der Autor schreiben kann: düster, überraschend witzig, aber unverkennbar Izquierdo.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Leider anders, als erwartet

Das Buch der verlorenen Stunden
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„Das Buch der verlorenen Stunden“ ist ein mutiger Roman voller Magie, Geheimnisse und zwischenmenschlicher Spannungen und mit einer Idee, die fasziniert. Aber der Anspruch, Fantasy, Geschichte, Politik ...

„Das Buch der verlorenen Stunden“ ist ein mutiger Roman voller Magie, Geheimnisse und zwischenmenschlicher Spannungen und mit einer Idee, die fasziniert. Aber der Anspruch, Fantasy, Geschichte, Politik und Liebesgeschichte zu verbinden, führt nicht durchgehend zu einem stimmigen Ergebnis.

Mir fiel sofort die hohe Brutalität auf, die sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht.
Das mag Spannung erzeugen, doch es wirkt schnell übertrieben und unnötig drastisch. Anstatt über psychologische Tiefe zu fesseln, setzt der Roman auf Schockmomente.

Ein weiterer Punkt ist die ausufernde politische Ebene. Während politische Hintergründe in Fantasy ohnehin oft wichtig sind, wirken sie hier stellenweise erdrückend.

Der Mix aus Fantasy, historischem Hintergrund, Liebesgeschichte, Agenten/Spionage sowie magischem Setting wirkt bisweilen etwas aufgesetzt: Manchmal scheint das Buch zu viele Genre-Bausteine auf einmal verwenden zu wollen. Das kann den Eindruck erwecken, das Buch wolle zu viel auf einmal — und nehme dafür Tiefe in anderen Bereichen in Kauf.

Die Grundidee des Buches – die Verbindung von Magie mit persönlichen Verlusten und dem Umgang mit der Vergangenheit – ist spannend. Doch sie wird durch die Kombination aus Härte und politischer Komplexität überlagert.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Interessant und spannend

Wie Risse in der Erde
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„Wie Risse in der Erde“ ist für mich ein starker Roman, der es schafft, Herz und Verstand zu erreichen. Ich fand die Kombination aus sanfter Naturbeschreibung und knisternder, dunkler Spannung sehr wirkungsvoll. ...

„Wie Risse in der Erde“ ist für mich ein starker Roman, der es schafft, Herz und Verstand zu erreichen. Ich fand die Kombination aus sanfter Naturbeschreibung und knisternder, dunkler Spannung sehr wirkungsvoll. Beths Lebensgeschichte – von der unbeschwerten Jugendliebe bis zum Leben als Frau mit einer tragischen Vergangenheit – wirkt authentisch und mitreißend.

Manchmal wird es etwas dramatisch, und ja – die Liebesgeschichte ist nicht gänzlich ohne bekannte Motive. Etwas weniger hätte es auch getan. Dennoch überwiegt bei mir der Gewinn: Ich wurde emotional abgeholt, habe mitgefühlt, und war überrascht von der Wendung am Schluss – die Andeutung, wer wirklich Schuld trägt, ist bis fast zur letzten Seite gut verborgen.

Ich würde das Buch Lesern empfehlen, die gerne melancholische Liebesgeschichten lesen, die aber auch Krimi-Spannung und Familiendynamik mögen. Wer hingegen eher leichte, unbeschwerte Lektüre will, könnte das Gewicht der Gefühle und der Tragödie als zu schwer empfinden.

Leserinnen und Leser von „Der Gesang der Flusskrebse“ werden hier vermutlich ganz auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Ein leises Plädoyer für Menschlichkeit, Mut und zweite Chancen.

Der Club der Traumtänzer
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„Der Club der Traumtänzer“ ist ein warmherziger, zugleich humorvoller Roman über die Macht zufälliger Begegnungen – und darüber, wie sie das Leben auf leise, aber tiefgreifende Weise verändern können.

Gabor ...

„Der Club der Traumtänzer“ ist ein warmherziger, zugleich humorvoller Roman über die Macht zufälliger Begegnungen – und darüber, wie sie das Leben auf leise, aber tiefgreifende Weise verändern können.

Gabor Schöning, ein Mann von blendender Selbstsicherheit und gepflegter Arroganz, glaubt, alles unter Kontrolle zu haben – bis zu dem Tag, an dem er die Direktorin einer Sonderschule mit dem Auto anfährt. Um eine Anzeige und damit den drohenden Verlust seines Jobs zu vermeiden, lässt er sich widerwillig auf ihren ungewöhnlichen Vorschlag ein: Er soll fünf lernbehinderten Schülern das Tanzen beibringen.

Mit feinem Humor, großem Einfühlungsvermögen und spürbarer Menschlichkeit erzählt der Autor die Geschichte eines Mannes, der in der Begegnung mit außergewöhnlichen Menschen sich selbst wiederzufinden beginnt. Die Figuren sind liebevoll beschrieben, vielschichtig und oft wunderbar skurril – jede von ihnen trägt auf ihre Weise dazu bei, Gabor Schöning zu verändern.

Der Stil des Autors ist lebendig, pointiert und von stiller Poesie durchzogen. Man liest und spürt, dass es eine Geschichte ist, der man sich nicht entziehen kann.

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