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Veröffentlicht am 23.12.2022

Fortsetzung der Geschichte um Floras Küche - unterhaltsamer Weihnachtsroman mit fröhlichem Chaos

Weihnachten im kleinen Inselhotel
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Ein Jahr nach dem Tod von Colton Rogers soll das Inselhotel "The Rock" endlich festlich zu Weihnachten eröffnet werden. Fintan, der noch immer um seinen Ehemann trauert und sich wieder auf den Bauernhof ...

Ein Jahr nach dem Tod von Colton Rogers soll das Inselhotel "The Rock" endlich festlich zu Weihnachten eröffnet werden. Fintan, der noch immer um seinen Ehemann trauert und sich wieder auf den Bauernhof der Familie zurückgezogen hat, tut sich mit dem Vermächtnis und der Verantwortung für das Hotel schwer. Flora, die noch in Elternzeit ist, unterstützt ihren Bruder mit ihrer Erfahrung aus ihrem Café "Annies Küche". Zudem wird ein exzentrischer französischer Chefkoch engagiert, der als einer der wenigen Kandidaten für die entlegene Insel zwischen Schottland und Norwegen in Frage kam und sein Küchenpersonal herumscheucht. Darunter ist Isla, die bisher in Floras Café gearbeitet hat und Adelsspross Konstantin, der von seinem Vater ins Exil verbannt wurde, um endlich erwachsen zu werden und zu lernen, was richtige Arbeit ist.
Bis zur geplanten Eröffnung von "The Rock" geht es drunter und drüber, während jeder der Bewohner zudem mit ganz eigenen Problemen beschäftigt ist.

"Weihnachten im kleinen Inselhotel" ist Band 4 der Buchreihe um Floras Café auf der Insel Mure und setzt die Geschichte nach "Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer" ein Jahr später wieder zu Weihnachten fort.

Es ist ein Wiedersehen mit bekannten und liebgewonnen Protagonisten und gleichzeitig ein Neuanfang mit weiteren Charakteren, die durch das zu eröffnende Inselhotel, das als Luxusprojekt geplant ist, Einzug halten. Aufgrund der Vielzahl der Personen, die durch einen kurzen Überblick eingangs vorgestellt werden, und ihre Vorgeschichten, empfiehlt es sich, "Floras Küche" der Reihe nach zu lesen, um einen engeren Bezug zur Insel und den Menschen zu haben.

Die Geschichte wird wieder aus der Sicht eines allwissenden Erzählers mit Blick auf verschiedene Schauplätze und Personen geschildert und legt neben Flora und Fintan den Schwerpunkt auf Isla und Konstantin. Jeder hat mit Ballast zu kämpfen - Flora muss sich in ihre neue Rolle als Mutter einfinden, Fintan den Tod von Colton verarbeiten, die schüchterne Isla muss ihr Talent in einem größeren Team unter Beweis stellen und der verwöhnte Konstantin muss überhaupt erst lernen, was es heißt, zu arbeiten. Zusammen versuchen sie das Inselhotel erfolgreich zu eröffnen und vor dem Ruf als "Großbritanniens übelstes Hotel" zu bewahren.

Die Erzählung ist turbulent und behandelt wie schon der Vorgängerband ernste Themen, ist dabei aber weit weniger schwermütig, da die Szenen im Inselhotel für Humor sorgen. Das Chaos in der Küche wirkt auf der ein wenig überzeichneten Charaktere zwar ein wenig inszeniert, ist aber dennoch unterhaltsam. Die selbstverliebten und sarkastischen Bemerkungen des Chefkochs Gaspard sind dabei genauso erfrischend wie die Inselbewohner beim Schmücken ihres Eilands zu beobachten.
Durch die vielen einzelnen Handlungsstränge, die auch wieder die verbotene Liebe von Dr. Saif Hassan und Schuldirektorin Lorna und Floras Konflikt mit der ach so perfekten jungen Mutter Jan umfassen, ist das Buch abwechslungsreich. Romantik, Dramen, Konflikte und Weihnachten - der Roman erfüllt alle Erwartungen an einen nicht zu seichten Wohlfühlroman.

Die Weihnachtsstimmung wird durch die Vorbereitungen im Inselhotel und das Schmücken der Insel mit Tannenbäumen und Beleuchtung viel besser als in Band 3 eingefangen, was den Titel und das dazu passende Cover rechtfertigt.

Für alle, die sich selbst schon auf Mure heimisch fühlen und wissen wollen, wie es mit Flora und den anderen Inselbewohnern weitergeht, ist die Fortsetzung ein Mustread, aber auch Leser*innen, die einen unterhaltsamen Weihnachtsroman mit fröhlichem Chaos lesen möchten und keine Angst vor einer Vielzahl an Personen und Einzelgeschichten haben, ist der Roman empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 21.12.2022

Wendungsreicher Psychothriller mit hintergründigem Grauen und schlüssiger Aufklärung

Liebes Kind
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Im Januar 2004 verschwindet die 23-jährige Studentin Lena Beck aus München spurlos. 14 Jahre später wird eine Frau bei einem Autounfall verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Dort berichtet ihre Tochter ...

Im Januar 2004 verschwindet die 23-jährige Studentin Lena Beck aus München spurlos. 14 Jahre später wird eine Frau bei einem Autounfall verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Dort berichtet ihre Tochter Hannah, dass ihre Mutter Lena heißt und erzählt scheinbar unberührt von ihrem Martyrium, das für sie Normalität war, in einer Hütte im Wald im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet, wo die Familie vom Vater all die Jahre festgehalten wurde und strengen Regeln unterworfen war.
Der Entführer wird erschlagen in der Hütte aufgefunden, seine Identität ist zunächst ungeklärt. Die Ermittlungen in dem Vermisstenfall beginnen von Neuem, wobei es immer mehr Ungereimtheiten gibt. Die beiden Kinder sind traumatisiert und keine Unterstützung bei den polizeilichen Ermittlungen und auch Lenas Eltern kommen nicht zur Ruhe.

Die Geschichte beginnt mit dem Auffinden der entführten Frau und wird aus den verschiedenen Perspektiven der Opfer und Angehörigen erzählt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Gegenwart, um den komplexen Entführungs- bzw. Vermisstenfall aufzuklären, schildert jedoch auch rückblickend, was sich in der Hütte im Wald ereignet hat.
Insbesondere die Kindessicht der 13-jährigen Hannah ist erschütternd, die kein anderes Leben kannte, als die Gefangenschaft in der hermetisch abgeriegelten Hütte und für die der Täter einfach ihr Vater ist, der für ein geordnetes Leben sorgte.

Durch die kurzen Kapitel und häufig wechselnden Perspektiven ist der Roman dynamisch und spannend geschildert. Nahezu alle Charaktere sind undurchsichtig und nicht unbedingt sympathisch, was den Fall noch interessanter macht. Die Traumata, die sowohl Opfer als auch leidende Angehörige erfahren und verarbeiten müssen, machen ihre Eigenarten und abwehrenden Verhaltensweisen jedoch nachvollziehbar.

Durch zahlreiche Wendungen und geschickte Cliffhanger im Wechsel der unterschiedlichen Sichtweisen ist der Thriller fesselnd bis zum Schluss, um nicht nur die Identität des Täters zu klären, sondern auch was es mit dem Verschwinden Lenas auf sich hat.
Die Aufklärung ist schlüssig, auch wenn das Motiv des Täters noch stärker hätte herausgearbeitet werden können.
Es ist eine Geschichte, bei der das Grauen nicht plakativ, sondern mehr hintergründig und zwischen den Zeilen zu lesen ist, was trotz Befreiung und Tod des Entführers dauerhaft ein ungutes Gefühl vermittelt und die Tat besonders perfide erscheinen und erahnen lässt, dass die Leidensgeschichte für alle noch nicht zu Ende ist.

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Veröffentlicht am 19.12.2022

Lebendige und rührende Fortsetzung, aber aufgrund der schwermütigen Themen ohne Weihnachtsstimmung

Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer
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Es ist Winter auf der kleinen Insel Mure im Norden Schottlands, wo der sibirische Wind für eisige Temperaturen sorgt. Während ihr Freund Joel beruflich noch in New York ist, stellt Flora überraschend fest, ...

Es ist Winter auf der kleinen Insel Mure im Norden Schottlands, wo der sibirische Wind für eisige Temperaturen sorgt. Während ihr Freund Joel beruflich noch in New York ist, stellt Flora überraschend fest, dass sie schwanger ist. Die Freude darüber ist getrübt, denn sie weiß nicht, wie sie es Joel erklären soll, der für eine Familiengründung noch nicht bereit ist.
Floras Schwager Coltan, der an Krebs erkrankt ist, geht es immer schlechter und dann taucht auch noch sein Bruder Tripp aus Texas auf, der offenbar nur aus finanziellen Gründen nach Mure gekommen ist.
Der syrische Inselarzt Dr. Saif Hassan, der erst vor wenigen Monaten seine beiden Söhne wiedergefunden hat, weiß noch immer nichts über den Verbleib seiner Ehefrau Amena, die seine große Liebe ist. Gefühle hat er inzwischen auch für Lorna, die Lehrerin seiner Kinder entwickelt, was ihm schwer zu schaffen macht und auch Lorna ist unglücklich in ihn verliebt und verzehrt sich vor Sehnsucht.

"Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer" ist der dritte Band von "Floras Küche" und knüpft fast nahtlos an die beiden Bücher zuvor an. Durch eine kurze Vorstellung der wesentlichen Charaktere zu Beginn des Romans ist man schnell wieder mitten im Geschehen und freut sich auf ein Wiedersehen mit den Figuren auf dieser abgelegenen, nordischen Insel.
Cover und Titel sowie die Werbung als "Ein Roman so süß und winterlich wie Weihnachts-Shortbread und Früchtekuchen" weckt allerdings etwas falsche Erwartungen, denn Floras Café und auch Weihnachten stehen nicht im Vordergrund der Geschichte. Stattdessen dreht sich das Buch um die Sorgen und Probleme von Flora und Joel, die mit einer unerwarteten Schwangerschaft konfrontiert werden, um Fintan und den todkranken Colton, die von einander Abschied nehmen müssen und um Said und Lorna, die ihre Liebe zueinander nicht ausleben können. Es ist deshalb über weite Teile ein eher schwermütiger Roman über das Unglück der Inselbewohner.

Der Schreibstil von Jenny Colgan ist wie gewohnt bildhaft und warmherzig. Durch die stetigen Wechsel der Perspektiven fällt es zudem leicht, sich in die Lebenssituation der Hauptpersonen hineinzudenken und mitzufühlen.

Das Buch schreibt die Geschichte auf Mure lebensnah, lebendig und rührend fort. Für einen Weihnachtsroman ist mir Band 3 der Reihe jedoch mit zu vielen betrüblichen Themen wie Krankheit, Tod, Abschied und unglücklichen Liebesbeziehungen besetzt.
Ich bin gespannt, ob der vierte Band der Reihe, "Weihnachten im kleinen Inselhotel", der bereits erschienen ist, mehr in die Kategorie Wohlfühlroman einzuordnen und insgesamt hoffnungsvoller gestimmt ist.

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Liebesgeschichte für alle, die an die EINE große Liebe glauben. Leider wenig realistisch und aufgrund des wirklichkeitsfremden Verhaltens der Charaktere frustrierend

Mein Wunsch für dich
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49 Jahre lang hat Elizabeth jedes Jahr am 7. September von ihrer ersten großen Liebe Tom einen blauen Krokus und eine Karte mit einem persönlichen Wunsch erhalten. Die beiden hatten sich 1968 ineinander ...

49 Jahre lang hat Elizabeth jedes Jahr am 7. September von ihrer ersten großen Liebe Tom einen blauen Krokus und eine Karte mit einem persönlichen Wunsch erhalten. Die beiden hatten sich 1968 ineinander verliebt, aber aufgrund der Tatsache, dass Elizabeth bereits einem anderen Mann versprochen war und in dem Jahr auch noch ihre Mutter starb, keine Chance auf eine Zukunft.
50 Jahre später erhält Elizabeth zum ersten Mal kein Geschenk von Tom. Die Ungewissheit und Sorge um Tom sowie eine jahrzehntelange Sehnsucht lassen sie von Cornwall nach London fahren, um die Liebe ihres Lebens wiederzusehen. Als Elizabeth Tom findet, wird sie damit konfrontiert, dass die gemeinsame Zeit endlicher ist als gedacht. Sie beschließt, ihm so viele der 49 Wünsche wie möglich zu erfüllen, leidet jedoch unter dem schlechten Gewissen, Tom ein Geheimnis aus der Vergangenheit vorenthalten zu haben.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und erzählt in der Gegenwart, wie Elizabeth Tom wiederfindet und das Beste aus der verbleibenden gemeinsamen Zeit herausholen möchte. Die Kapitel in der Vergangenheit erzählen unter welchen Umständen sich Elizabeth und Tom kennengelernt und ineinander verliebt haben und durch welche Intrige sie sich letztlich haben trennen lassen.

Die Idee einer unsterblichen 50-jährigen Liebe ist wunderschön romantisch und auch, dass die beiden 50 Jahre lang aneinander gedacht und Tom dies mit seiner Geste jedes Jahre aufs Neue bestätigt hat, ist bewegend.
Während die zarte Annäherung der beiden in der Vergangenheit glaubwürdig geschildert ist und am Ende auch nachvollziehbar ist, warum die beiden aufgrund der äußeren Umstände keine Kraft und keine Hoffnung hatten, um einander zu kämpfen, konnte ich nicht glauben, dass die beiden Jahre später keinen Versuch unternommen haben, sich wiederzusehen oder zumindest den Kontakt wieder aufzunehmen. Jedes Jahr am 7. September hatten sie die Chance dazu und hatten sie nie genutzt - obwohl sie sich all die Jahre so geliebt haben und mit ihrem jeweiligen Partner nicht glücklich geworden sind? Ich empfand diese Konstellation als arg konstruiert, gerade weil das Wiedersehen zwischen den beiden so simple und unspektakulär war, als wäre keine so lange Zeit zwischen ihnen vergangen und Elizabeth gerade vom Einkaufen zurückgekehrt. Ganz problemlos integriert sich Elizabeth in Toms Leben. Mir fehlten Emotionen und vor allem ein klärendes Gespräch.

Am Ende hat man das Gefühl, dass Elizabeth und Tom ihr Leben bis zu ihrer Wiederbegegnung verschwendet haben. Weil das Schicksal auch noch weiter zuschlägt, fehlten mir am Ende für eine Liebesgeschichte trotz ihres späten Liebesglücks positive Aspekte und ein Fünkchen Hoffnung.
"Mein Wunsch für dich" ist eine Liebesgeschichte für Leser*innen, die an die EINE große Liebe glauben und die für die Romantik Abstriche an eine realistische Konstruktion machen. Ich fand die Geschichte aufgrund des wirklichkeitsfremden Verhaltens der Charaktere frustrierend.

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Veröffentlicht am 16.12.2022

Der Faden des Lebens - was passiert, wenn das Sterbedatum bekannt wird? Dystopie, die spannende Fragen über das Leben und das Sterben aufwirft.

Die Vorhersage
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Eines Frühlings finden die Menschen vor ihrer Tür eine kleine Holzbox, in der ein Faden enthalten ist. Es stellt sich heraus, das die Länge des Fadens die Länge des Lebens bedeutet und nach wenigen Monaten ...

Eines Frühlings finden die Menschen vor ihrer Tür eine kleine Holzbox, in der ein Faden enthalten ist. Es stellt sich heraus, das die Länge des Fadens die Länge des Lebens bedeutet und nach wenigen Monaten der Vergleiche der Fäden von Toten kann jeder klar bestimmen, in welchem Alter er sterben wird - wenn er die Box denn öffnet. Das Wissen oder Nichtwissen über das eigene Lebensende und des von geliebten Menschen bestimmt fortan das Leben der Menschen, führt zu Wut, Chaos und Leid, zu Diskriminierung und einer Gefahr des Auseinanderdriftens der Gesellschaft.
Nina ist seit zwei Jahren mit Maura zusammen, als sie ihre Boxen öffnen und feststellen, dass Mauras Faden viel kürzer ist, als Ninas. Ninas Schwester Amie öffnet ihre Holzkiste nicht, um ihr vorbestimmtes Schicksal nicht zu erfahren. Ben und Hank sind Kurzfaden, die sich in einer Selbsthilfegruppe kennenlernen, durch die Ben eine Brieffreundschaft mit A. eingeht.
Senator Anthony Rollins kandidiert für die Präsidentschaft und macht sich dabei den Konflikt aus Lang- und Kurzfaden zunutze. Sein Neffe Jack, ein Soldat der U.S. Army ist wie er mit einem Langfaden gesegnet und tauscht diesen mit seinem Kameraden Javier, der es in seinen Augen weit mehr verdient hat, als Soldat zu dienen.

"Die Vorhersage" ist eine Dystopie, die spannende Fragen über das Schicksal, das Leben und das Sterben aufwirft. Anhand von acht Protagonisten werden die Auswirkungen des Auftretens der Fäden geschildert, die den Menschen unmissverständlich aufzeigen, wann ihr Leben zu Ende sein wird.
Zunächst ist es ein wenig unübersichtlich den Überblick über die acht Personen, aus deren Sicht die Geschichte geschildert ist und die in kurzen Kapiteln wechseln, zu behalten. Im weiteren Verlauf verbinden sich jedoch ihre Leben, was dem Buch mehr Lebendigkeit und Dynamik verleiht.

Die Fäden verursachen Unsicherheit und Chaos, sowohl für jeden Menschen persönlich als auch für die Gesellschaft. Unweigerlich beginnt eine Zweiklassengesellschaft zu entstehen: Langfaden, die vermeintlich wertvoller sind und Kurzfaden, die als unberechenbar und Gefahr dargestellt werden.

Die Geschichte ist durch die verschiedenen Einzelschicksale, die die Folgen der Fäden anschaulich darstellen emotional und regt zum Nachdenken an, wie man selbst handeln würde. Würde man seine Box öffnen, um Gewissheit zu haben oder bedeutet ein Nichtwissen letztlich mehr Freiheit und Unbeschwertheit? Wie würde man sein Leben als Kurzfaden leben, wenn die Zukunft nur kurz ist? Was bedeutet dies für Beziehungen, Familienplanung und Beruf? All diese Themen werden angesprochen und zeigen, dass es letztlich eine persönlich Entscheidung ist und dass es nicht auf die Länge des Lebens, sondern auf die Tiefe ankommen sollte.

Das Buch bleibt reine Fiktion, denn für das Erscheinen der Boxen gibt es keine plausible Erklärung. Die Geschichte zeigt jedoch sehr realistisch, wie leicht eine Gesellschaft auseinanderdriften kann, wie schnell Menschen ungerecht behandelt, diskriminiert und stigmatisiert werden und das die Auswirkungen auch in demokratischen Ländern verheerend sein können, wenn Ängste geschürt werden und eine Ungleichbehandlung gesetzlich legitimiert wird. Jedoch werden nicht nur die negativen Folgen betrachtet, sondern auch die Entwicklungen, die Hoffnung schenken, wenn Menschen solidarisch für Gleichheit kämpfen und eine Welle der Empathie und des Mitgefühls entsteht.
"Die Vorhersage" ist eine facettenreiche Geschichte, die das Leben feiert und an Menschlichkeit und Solidarität appelliert.

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