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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2019

Das kann sie besser...

Die letzte Witwe
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Endlich! Da ist er! Der siebte Teil der Georgia-Serie! Alle Slaughter-Fans – inklusive mir – klatschen gerade begeistert in die Hände, weil wir endlich erfahren können wie es mit Will und Sara weitergeht. ...

Endlich! Da ist er! Der siebte Teil der Georgia-Serie! Alle Slaughter-Fans – inklusive mir – klatschen gerade begeistert in die Hände, weil wir endlich erfahren können wie es mit Will und Sara weitergeht.
Aber natürlich geht es nicht nur um die beschwerliche Beziehung der Gerichtsmedizinerin und des Special Agent, sondern auch um einen Terror-Anschlag, ganz in der Nähe der Beiden. Doch statt Hilfe zu leisten zu können, rennen die beiden schnurstracks in eine Falle und plötzlich ist Sara deren Gefangene ohne, dass Will etwas dagegen tun kann. Ein Wettlauf um die Zeit beginnt, in der Will und Faith nicht nur die Neonazi-Gruppierung verfolgen, sondern vor allem Sara retten wollen.
…das klingt wie ein typischer Karin-Slaughter Roman. Spannende Idee, gutes Setting – Gänsehaut und Nervenkitzel vorprogrammiert. Was aber folgte war Vieles, aber nicht Slaughter. Vielleicht sind meine drei Sterne zu hart, aber eins ist klar: Das kann Slaughter besser. Obwohl „Die letzte Witwe“ mit 560 Seiten eins der längeren Werke ihrer Reihen ist, tun die Bonusseiten nichts Gutes. Viele leere Phrasen, viel zu ausschweifende Erzählungen, wenig Substanz. Was ist da passiert? Nach der Hälfte des Buches war ich nicht im gewohnten Slaughter-Rausch, sondern blickte verzweifelt auf die restlichen 280 Seiten.
Ich glaube, bei anderen Autoren wäre ich milder und würde sagen, dass es ein langer, teilweise trockener Thriller mit einer guten Storyline ist, aber Karin Slaughter ist nun mal oberste Liga und einer meiner Lieblingsautorinnen. Sara begleite ich schon seit Belladonna und bin daher fast erschüttert wieviel Raum der Roman einnimmt und wie wenig er aussagt.
Daher: Für die breite Masse sicherlich ein spannender Roman, für Fans aber sicherlich eins der schlechteren Werke, das natürlich trotzdem spannend, aber an vielen Stellen zu lang und dröge ist.

Veröffentlicht am 30.08.2019

Mitten ins Herz.

Im Freibad
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Es gibt Orte, mit denen wir Erinnerungen verknüpfen und die, vielleicht nicht nur für einen, sondern für viele Menschen, eine große Bedeutung haben. Aber was, wenn ein solcher Ort auf einmal geschlossen ...

Es gibt Orte, mit denen wir Erinnerungen verknüpfen und die, vielleicht nicht nur für einen, sondern für viele Menschen, eine große Bedeutung haben. Aber was, wenn ein solcher Ort auf einmal geschlossen werden soll oder verschwindet? Was, wenn man selbst noch etwas tun kann?

Genauso ein Ort ist das Freibad aus "Im Freibad" von Libby Page. Ein schicksalshafter Ort, der voller Erinnerungen steckt, aber zeitgleich noch immer Menschen verbindet. Doch wie das so ist, soll das Freibad - das weder hip noch modern ist - geschlossen werden und Eigentumswohnungen weichen. Doch Rosemary, die älteste aller Besucher, will versuchen das Bad, an das ihr ganzes Leben geknüpft ist, zu erhalten. Dabei lernt sie Kate - Journalistin, belastet mit vielen eigenen Problemen, kennen. Während diese eigentlich nur einen Artikel über die aktuelle Situation schreiben soll, entwickelt sich nicht nur eine Freundschaft zwischen den beiden Frauen, auch Kate selbst über ihre eigenen Ängste hinauszuwachsen.

Ein wunderbar leichtes Buch, das sich schnell und zügig lesen lässt und mehr Tiefgang mit sich bringt als es zunächst erwarten lässt. Manche Dialoge und Nebengeschichten sind etwas zu schmal gehalten, werden dann auch durch platte, schnelle Verläufe abgefrühstückt. Entweder hätten diese Nebenparts ganz rausfliegen oder mit mehr Substanz beschaffen werden können. Doch trotzdem ist "Im Freibad" ein wunderbares kleines Buch über die Rettung solcher Einrichtungen, die vielleicht nicht immer etwas Neuem und Modernen herhalten müssen. Außerdem eine wunderbare Geschichte über Freundschaft, Ängste überwinden und Zusammenhalt.

Ein gutes Buch für zwischendurch für ein paar schöne Momente.

Veröffentlicht am 21.08.2019

unerwartet gut!

Wir von der anderen Seite
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Als Rahel aufwacht, weiß sie nicht wo sie ist, wie sie dorthin gekommen ist und was die letzten Tage passiert ist. Rahel lag im Koma – wieso, wie lange und warum? Das erzählt Anika Decker in ihrem Roman ...


Als Rahel aufwacht, weiß sie nicht wo sie ist, wie sie dorthin gekommen ist und was die letzten Tage passiert ist. Rahel lag im Koma – wieso, wie lange und warum? Das erzählt Anika Decker in ihrem Roman „wir von der anderen Seite“. Was klingt wie ein ernster Roman um Leben und Tod ist aber gleich viel mehr. Witzig, fesselnd und ernst zugleich.

Rahel schreibt Drehbücher und kennt sich also mit seltsamen Situationen und Personen aus. Doch als sie aus dem Koma erwacht, ist ihr nicht nur die Erinnerung abhandengekommen, sondern auch das Gefühl für sich selbst, für das Schreiben und für ihr Leben. Was vorher noch so wichtig war, wirkt im Krankenhaus und in der Reha sinnlos. Wer braucht schon Unmengen an Klamotten? Wozu Diäten halten? Denn viel wichtiger ist es gerade auf die Beine zu kommen und auch die Erinnerungen wieder zu finden. Doch ihre Familie und ihr Freund wirken unsicher, was wirklich passiert ist – also setzt Rahel über einen langen Zeitraum Puzzlestück an Puzzlestück bis sie ihre Geschichte hat.

Dabei erleben wir dramatische, traurige, aber auch witzige Momente, denn zum einen gehört zu Rahel ein beißender Humor, der einen mitnimmt, zum anderen kann Anika Decker aber auch einfach sehr gut schreiben. Daraus resultierend ist „Wir von der anderen Seite“ schnell zu lesen, mit vielen Schmunzlern und dem ein oder anderen „aha“-Moment, wenn man zusammen mit Rahel ihre Geschichte zusammensetzt. Manche Dinge ahnte man schon, mache kamen überraschend. Genauso wie es sein sollte.
„Wir von der anderen Seite“ ist ein angenehmes Buch, mit einem ernsten Thema, aber einer witzigen und starken Protagonistin, die das Buch mit ihren Erfahrungen und Witzen trägt.

Veröffentlicht am 21.08.2019

Spannend und am Zahn der Zeit!

R.I.P.
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Instagram, Facebook, Snapchat – das gehört für viele einfach dazu. Die sozialen Medien haben einen gewissen Stellenwert in unserem Leben eingenommen. Wir posten nicht nur Inhalte unseres Lebens, sondern ...

Instagram, Facebook, Snapchat – das gehört für viele einfach dazu. Die sozialen Medien haben einen gewissen Stellenwert in unserem Leben eingenommen. Wir posten nicht nur Inhalte unseres Lebens, sondern nutzen diese auch als Kommunikation mit Freunden und Eltern. Aber was, wenn auf einmal jemand diese Blase zerstört? Und Freunde sowie Familie seiner Opfer an seinen Taten teilhaben lässt und die letzten Minuten teilt?
Was klingt wie ein blanker Albtraum, ist der Plot von Yrsa Sigurdardottirs neustem Buch aus der Reihe rund um die Psychologin Freyja. Und wie immer verspricht die isländische Autorin, die schon durch ihre Dora-Reihe überzeugen konnte, nicht zu viel. R.I.P. ist modern, temporeich und spannend und kann locker an die Vorgänger SOG und DNA anknüpfen.
Mit den Themen wie Snapchat – was vielleicht schon wieder auf dem absteigenden Social-Media-Ast ist – trifft sie trotzdem den Zahn der Zeit, verwebt neue Problematiken wunderbar in ihre Geschichte ein und schreibt drumherum eine spannende Geschichte im Kampf gegen die Zeit.
Freya und ihre Entwicklung zwischen Psychologie und Studium kommt mir persönlich etwas zu kurz, andererseits übernimmt Huldar dafür einen Großteil der Zeit, der Freya in den alten Werken zustand. Grundlegend hätte Sigurdardottir hier weitaus mehr in die Tiefe gehen können, sei es in der Beziehung von Freya und Huldar, als auch genrell in der Charakterarbeit.
So spanend auch der Plot von R.I.P. ist, so sehr fehlt doch stellenweise ein anschließen an die letzten beiden Werke und eine Entwicklung der Protagonisten.
Dafür leistet Sigurdardottir grundlegend gute Arbeit mit aktuellen Themen, rund um Mobbing, soziale Medien, usw.
Alles in allem daher ein sehr gutes Buch, spannend geschrieben und für Fans von Sigurdardottirs Büchern ein absolutes Muss!

Veröffentlicht am 07.07.2019

Zu wenig Tiefgang

Immer kommt mir das Leben dazwischen
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Karl ist das durchschnittliche Kind zweier extremst begabter Akademiker. Karl ist aber gerade mal 13 und hat weder sich selbst noch seinen Platz im Leben gefunden. Als ihm seit toter Opa im Traum begegnet ...

Karl ist das durchschnittliche Kind zweier extremst begabter Akademiker. Karl ist aber gerade mal 13 und hat weder sich selbst noch seinen Platz im Leben gefunden. Als ihm seit toter Opa im Traum begegnet und ihm rät eine Youtube-Karriere zu starten als auch seiner Oma zu helfen, ist er begeistert und macht sich so gleich an die Arbeit.
Mit „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ hat Katrin Schrocke einen witzigen Jugendroman für zwischendurch geschrieben. Karl ist ein angenehmer, wenn auch etwas blasser Charakter, der durch sein junges Alter teils gewollt teils ungewollt komisch rüberkommt und von seinem Leben mit hochbegabten Eltern, Liebesproblemen und einer pubertären Identitätskrise. Das Buch ist mit seinen 192 Seiten fix gelesen und passt perfekt an einen Sommerabend. Leider ist das auch eins der größten Probleme des Romans. Das Buch ist so fix gelesen, dass man zu Karl oder den anderen Figuren kaum eine Beziehung eingehen kann. Die Geschichte rund um die Oma, die ausziehen will und die Youtube-Karriere sind so mager, dass es kaum wahrnehmbare Entwicklungen gibt, die nicht vorhersehbar waren.
Natürlich ist „Immer kommt mir das Leben dazwischen“ ein Jugendbuchroman ab 12 Jahre, so dass man sicherlich nicht vom neuen Kafka ausgehen kann. Doch trotzdem hätte ein bisschen Tiefgang, ein bisschen mehr Witz, ein bisschen mehr von allem dem Buch gut getan.
Nichtsdestotrotz ist Immer kommt mir das Leben dazwischen witzig, humorvoll und dadurch perfekt für zwischendurch. Schnell gelesen, kleine Schmunzler und eine Oma zum Liebhaben.