Fantasievolles Buch mit Lücken in der Message
Ete Petete & Tohu Wabohu - Gegensätze ziehen sich anAls ich das Buch meiner dreijährigen Nichte zum ersten Mal vorgelesen habe, hat sie von Anfang bis Ende aufmerksam zugehört. Besonders der Name Ete Petete hat sie begeistert – sie fand ihn so lustig, dass ...
Als ich das Buch meiner dreijährigen Nichte zum ersten Mal vorgelesen habe, hat sie von Anfang bis Ende aufmerksam zugehört. Besonders der Name Ete Petete hat sie begeistert – sie fand ihn so lustig, dass sie ihn den ganzen Tag über wiederholt hat. Der Ausdruck war ihr vorher gar nicht bekannt, was den Spaß beim Lesen noch vergrößert hat.
Die Illustrationen sind für mich ein echtes Highlight. Sie sind mit unglaublich viel Liebe zum Detail gestaltet und fangen die Figuren sowohl stilistisch als auch farblich perfekt unperfekt ein. Ete Petete mit ihrer ordentlichen Wohnung, perfekt sitzender Kleidung und Blumenbeeten in Reih und Glied – und Tohu Wabohu als ihr komplettes Gegenstück, das personifizierte Chaos. Beides ist farblich und in den kleinen Details kontrastreich und humorvoll dargestellt. Allein dafür würde ich fünf Sterne vergeben – die Bilder machen das Buch zu einem kleinen Kunstwerk.
Inhaltlich hätte ich mir allerdings ein oder zwei Doppelseiten mehr gewünscht, um die Entwicklung zwischen Ete Petete und Tohu Wabohu etwas deutlicher zu zeigen. Der Moment, in dem sich beide plötzlich verstehen, kam mir etwas zu schnell. Für ein Bilderbuch ist das zwar noch im Rahmen, aber ich hätte es schön gefunden, wenn man am Ende stärker gesehen hätte, was die beiden voneinander lernen oder wie sie sich ergänzen. Auch der Aspekt, dass Tohu Wabohu anfangs recht laut und rücksichtslos ist, wird später nicht mehr aufgegriffen. Eine kleine Szene, in der er zeigt, dass er künftig mehr Rücksicht nimmt, hätte die Geschichte runder abgeschlossen.
Man kann sich trotz aller Unterschiede verstehen – ja! Aber auch Kommunikation und Kompromisse gehören dazu. Das hätte man in ein bis zwei zusätzlichen Doppelseiten am Ende noch schön darstellen können. Außerdem bleibt offen, was aus Ete Petetes zerstörtem Beet wird, das Tohus Hund zu Beginn verwüstet. Zwar reden beide in ein einer anderen Szene darüber gemeinsam aufzuräume. Es wird allerdings absolut nicht deutlich was genau aufgeräumt wird. Man kann es in der Situation demnach eher so deuten als wäre vielleicht nur das Chaos vom gemeinsamen Abend gemeint. Stellenweise wirkt es fast so, als würde Ete Petetes Lebensstil kritisiert und der von Tohu Wabohu als besser dargestellt werden.
Trotz dieser Kritikpunkte hatten meine Nichte und ich großen Spaß beim Lesen. Die Grundidee, dass man sich auch trotz großer Unterschiede verstehen kann, kommt gut an – und die liebevollen Illustrationen machen das Vorlesen zu einem echten Vergnügen. Ich füge beim Vorlesen manchmal eigene kleine Ergänzungen hinzu, etwa dass Tohu hilft, das zerstörte Beet wieder in Ordnung zu bringen oder nachts keinen Lärm mehr macht – so wird die Geschichte für uns noch runder.
Fazit: Ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch mit einer schönen Botschaft und hinreißenden Illustrationen. Für Kinder ab etwa 3 Jahren sehr gut geeignet – besonders für alle, die Freude an fantasievollen Namen und bunten Figuren haben.
Meine Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)