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Veröffentlicht am 27.10.2025

Fantasievolles Buch mit Lücken in der Message

Ete Petete & Tohu Wabohu - Gegensätze ziehen sich an
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Als ich das Buch meiner dreijährigen Nichte zum ersten Mal vorgelesen habe, hat sie von Anfang bis Ende aufmerksam zugehört. Besonders der Name Ete Petete hat sie begeistert – sie fand ihn so lustig, dass ...

Als ich das Buch meiner dreijährigen Nichte zum ersten Mal vorgelesen habe, hat sie von Anfang bis Ende aufmerksam zugehört. Besonders der Name Ete Petete hat sie begeistert – sie fand ihn so lustig, dass sie ihn den ganzen Tag über wiederholt hat. Der Ausdruck war ihr vorher gar nicht bekannt, was den Spaß beim Lesen noch vergrößert hat.

Die Illustrationen sind für mich ein echtes Highlight. Sie sind mit unglaublich viel Liebe zum Detail gestaltet und fangen die Figuren sowohl stilistisch als auch farblich perfekt unperfekt ein. Ete Petete mit ihrer ordentlichen Wohnung, perfekt sitzender Kleidung und Blumenbeeten in Reih und Glied – und Tohu Wabohu als ihr komplettes Gegenstück, das personifizierte Chaos. Beides ist farblich und in den kleinen Details kontrastreich und humorvoll dargestellt. Allein dafür würde ich fünf Sterne vergeben – die Bilder machen das Buch zu einem kleinen Kunstwerk.

Inhaltlich hätte ich mir allerdings ein oder zwei Doppelseiten mehr gewünscht, um die Entwicklung zwischen Ete Petete und Tohu Wabohu etwas deutlicher zu zeigen. Der Moment, in dem sich beide plötzlich verstehen, kam mir etwas zu schnell. Für ein Bilderbuch ist das zwar noch im Rahmen, aber ich hätte es schön gefunden, wenn man am Ende stärker gesehen hätte, was die beiden voneinander lernen oder wie sie sich ergänzen. Auch der Aspekt, dass Tohu Wabohu anfangs recht laut und rücksichtslos ist, wird später nicht mehr aufgegriffen. Eine kleine Szene, in der er zeigt, dass er künftig mehr Rücksicht nimmt, hätte die Geschichte runder abgeschlossen.

Man kann sich trotz aller Unterschiede verstehen – ja! Aber auch Kommunikation und Kompromisse gehören dazu. Das hätte man in ein bis zwei zusätzlichen Doppelseiten am Ende noch schön darstellen können. Außerdem bleibt offen, was aus Ete Petetes zerstörtem Beet wird, das Tohus Hund zu Beginn verwüstet. Zwar reden beide in ein einer anderen Szene darüber gemeinsam aufzuräume. Es wird allerdings absolut nicht deutlich was genau aufgeräumt wird. Man kann es in der Situation demnach eher so deuten als wäre vielleicht nur das Chaos vom gemeinsamen Abend gemeint. Stellenweise wirkt es fast so, als würde Ete Petetes Lebensstil kritisiert und der von Tohu Wabohu als besser dargestellt werden.

Trotz dieser Kritikpunkte hatten meine Nichte und ich großen Spaß beim Lesen. Die Grundidee, dass man sich auch trotz großer Unterschiede verstehen kann, kommt gut an – und die liebevollen Illustrationen machen das Vorlesen zu einem echten Vergnügen. Ich füge beim Vorlesen manchmal eigene kleine Ergänzungen hinzu, etwa dass Tohu hilft, das zerstörte Beet wieder in Ordnung zu bringen oder nachts keinen Lärm mehr macht – so wird die Geschichte für uns noch runder.

Fazit: Ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch mit einer schönen Botschaft und hinreißenden Illustrationen. Für Kinder ab etwa 3 Jahren sehr gut geeignet – besonders für alle, die Freude an fantasievollen Namen und bunten Figuren haben.

Meine Bewertung: ★★★★☆ (4 von 5 Sternen)

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Bilder
Veröffentlicht am 27.10.2025

Glaub nicht alles, was erzählt wird

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Uketsu ist spätestens seit Hen Na E – Seltsame Bilder kein Unbekannter mehr in der deutschsprachigen Buchszene. Mit Hen Na Ie – Das seltsame Haus liegt nun auch sein Erstlingswerk in deutscher Übersetzung ...

Uketsu ist spätestens seit Hen Na E – Seltsame Bilder kein Unbekannter mehr in der deutschsprachigen Buchszene. Mit Hen Na Ie – Das seltsame Haus liegt nun auch sein Erstlingswerk in deutscher Übersetzung vor – basierend auf seiner Manga-Reihe The Strange House. Der Erfolg von Hen Na E machte es möglich, dass dieses frühere, experimentelle Werk nun einem größeren Publikum zugänglich ist.

Uketsu verfolgt mit seinen Büchern ein klares Ziel: Er möchte junge Menschen zum Lesen bringen, die sonst selten zu einem Buch greifen. Das merkt man Hen Na Ie deutlich an. Der Stil ist nüchtern, beinahe protokollarisch. Das Buch besteht überwiegend aus Dialogen und Hausgrundrissen; Beschreibungen von Emotionen oder Umgebungen fehlen fast völlig. Diese bewusste Reduktion erzeugt eine eigentümliche Distanz – und genau daraus bezieht der Text seinen Reiz. Das Ergebnis erinnert an eine Mischung aus Drehbuch, Theaterstück und True-Crime-Protokoll.

Inhaltlich begleiten wir zwei Personen, die sich immer tiefer in Theorien über ein mysteriöses Haus und seine Bewohner verstricken. Nach und nach treffen sie Menschen, die in Verbindung zur Familie stehen – doch das titelgebende Haus bleibt unerreicht und ein Rätsel bis zuletzt.

Hen Na Ie ist kein klassisches literarisches Meisterwerk, doch das war auch nie Uketsus Anspruch. Vielmehr gelingt es ihm, den unbegreiflichen Horror der Realität in eine ungewöhnliche, fesselnde Form zu bringen. Gegen Ende wird die Geschichte allerdings zunehmend wirr: Die Handlung schlägt plötzlich eine ganz andere Richtung ein, ohne dass zuvor klare Fährten gelegt wurden. Statt eines überzeugenden Plot Twists wirkt es, als hätte Uketsu während des Schreibens die Richtung geändert – vielleicht absichtlich, für mich jedoch zu wenig durchdacht.

Das Buch ist klar experimenteller Natur – das wird einige Leser faszinieren, andere irritieren. Wer Freude an spekulativen Theorien, realistisch wirkendem Horror und True-Crime-Anklängen hat, wird hier auf seine Kosten kommen. Für Fans von Hen Na E lohnt sich die Lektüre ohnehin: Hen Na Ie ist stringenter konstruiert, grotesker in seinen Bildern und trägt denselben eigenwilligen Charme in sich.

Mir persönlich gefiel Hen Na E besser, da man dort eine deutliche Weiterentwicklung des Autors spürt. Obwohl das Ende durch das Nachwort an Tiefe gewinnt, hätte ich mir ein stärkeres Spiel mit den anfänglich gestreuten Hinweisen und ambivalenter gezeichnete Figuren gewünscht. So bleibt ein mulmiges Gefühl zurück, doch man taucht nie ganz in den Fall ein. Vielleicht war genau das Uketsus Absicht: Am Ende beginnt man selbst zu spekulieren – ganz wie die Figuren im Buch. Und schon ändert sich der Fokus: War man zuvor nicht tief in der Geschichte, so wirkt sie nach.

Einige Tage nach der Lektüre fiel mir noch eine gesellschaftskritische Subebene auf, die das Werk rückblickend aufwertet. Ohne zu spoilern, möchte ich mit ein paar Fragen schließen: Wer hat schon einmal eine Geschichte geglaubt, ohne Beweise dafür zu haben? Welche Folgen hatte das – für dich oder für andere? Und wird eine Geschichte wahrer, je mehr Menschen sie glauben?

Eines steht fest: Hen Na Ie wird die Meinungen spalten. Auch in meiner Leserunde entspann sich eine rege Diskussion darüber, wie dieses Buch überhaupt zu werten sei – und genau das macht seinen Reiz aus. Ich selbst schwankte während des Lesens und auch danach in meiner Bewertung. Normalerweise kann ich mich klarer festlegen, doch hier hatte ich das Gefühl, ich könnte ebenso gut eine 2-Sterne- wie eine 5-Sterne-Rezension schreiben – je nachdem, worauf ich den Fokus lege.

Da das Buch nicht nur Diskussionsstoff bietet, sondern auch lange nachhallt und mich nachhaltig irritiert hat – etwas, das mir selten passiert –, entscheide ich mich für 3,5 Sterne, aufgerundet auf 4.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.10.2025

Realistisch und hochaktuell

NERVE - Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen
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INHALT: Nerve - so heißt das allseits beliebte Online-Spiel, bei dem man im echten Leben peinliche Challenges bestehen muss. Je verrückter, desto mehr Watcher (zahlende Zuschauer) und Fans gewinnt man ...

INHALT: Nerve - so heißt das allseits beliebte Online-Spiel, bei dem man im echten Leben peinliche Challenges bestehen muss. Je verrückter, desto mehr Watcher (zahlende Zuschauer) und Fans gewinnt man als Spieler dazu. Vee ist ein eher unauffälliges Mädchen und steht nur ungern im Mittelpunkt. Nachdem ihr Schwarm jedoch mit ihrer besten Freundin anbandelt, beschließt sie etwas zu tun, dass niemand von ihr erwartet hätte. Sie registriert sich als Spieler bei dem unberechenbaren Online-Spiel, ohne zu wissen worauf sie sich da wirklich einlässt.


MEINUNG: Ich habe dieses Buch innerhalb von gerade mal knapp zwei Tagen durchgelesen. Es beginnt direkt ohne Umschweife spannend und schon begleitet man Vee dabei wie sie sich aus einem Impuls heraus einfach bei NERVE anmeldet. Die ersten Challenges, die sie als Player bestreitet sind zwar peinlich und ziehen große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, sind aber größtenteils harmlos. Mit der Zeit werden die Aufgaben, die Vee erfüllen muss jedoch immer fragwürdiger und dringen immer tiefer in die Privatssphäre ein. Aufzuhören wäre natürlich eine Option, doch die Preise für bestandene Aufgaben sind zu verlockend. Schließlich weiß NERVE dank des Internets was sich die Player wünschen. Glücklicherweise hat Vee im späteren Verlauf die tatkräftige Unterstützung durch einen weiteren Player namens Ian. Dieser zeigt zwar auch Interesse an Vee, aber eine Romanze steht bei diesem Roman nicht im Vordergrund. Es geht wirklich in erster Linie um das Spiel und darum inwiefern Menschen dadurch manipuliert werden können. Ein nicht allzu unrealistisches Szenario. Gerade in der heutigen Zeit in der immer mehr Apps aus dem Boden schießen. Somit ist es sogar ziemlich erschreckend real. Es ist nicht undenkbar, dass es ein Spiel wie NERVE in naher Zukunft geben könnte. Doch will man das wirklich? Man kann das Buch kaum aus der Hand legen, weil man einfach wissen will, welche Aufgaben noch auf Vee oder andere Spieler warten. Das Finale gefiel mir zu einem gewissen Punkt auch sehr gut. Hier wird die Absurdität und Grausamkeit des Spiels auf die Spitze getrieben. Allerdings bleibt das Ende ziemlich offen und kann frei interpretiert bzw. weiter gesponnen werden.

Passend zu dem Buch kam ein Film mit Emma Roberts und Dave Franco in der Hauptrolle heraus. Hierzu sei jedoch anzumerken, dass dieser mit dem Inhalt des Buchs so ziemlich gar nichts gemeinsam hat. Die Challenges im Film sind eher actionreicher als es im Buch der Fall ist. Auch wurden die Charaktere anders dargestellt und das Ende ist verändert. Mir gefielen beide Versionen gut, da beide unterschiedliche Stärken und Schwächen hatten. Eine Mischung aus beidem Varianten hätte vielleicht die richtige Mischung gegeben. Trotz dieser Kritik hat NERVE seine 4 Sterne voll und ganz verdient.

PRO & CONTRA: + Es passiert immer etwas Neues, wodurch man gespannt weiter liest und es nicht langweilig wird
+ mysteriöse, bildhafte Atmosphäre
+ sehr aktuelles und realistisches Thema, das zum Nachdenken anregt
- etwas seltsame und wenig ausgearbeitete Charaktere
- zu offenes Ende

FAZIT: Ein Buch, das durch immer neue Wendungen kaum aus der Hand zu legen ist. Die Charaktere bleiben bei dem Tempo jedoch leider etwas auf der Strecke und wirken wenig ausgearbeitet. Alles in allem jedoch ein spannender Roman, der zu unterhalten weiß.

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.10.2025

Mhhh...

Mörderhotel
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Ein Roman nach einer wahren Geschichte. Herman Webster Mudgett war einer der wohl brutalsten und gleichermaßen unheimlichsten Serienmörder weltweit. Er ließ um 1890 herum ein riesiges Hotel in Chicago ...

Ein Roman nach einer wahren Geschichte. Herman Webster Mudgett war einer der wohl brutalsten und gleichermaßen unheimlichsten Serienmörder weltweit. Er ließ um 1890 herum ein riesiges Hotel in Chicago bauen. Da er verschiedene Unternehmer beschäftigte, besaß keiner einen exakten Grundriss des Hotels. Nur so konnte er seinen Plan viele verschiedene Geheimgänge und -Räume zu errichten bestens in die Tat umsetzen. Diese brauchte er für seine zahlreichen Folter- und Gaskammern. Auch Säurebäder soll es gegeben haben. Um sich einen exklusiven Lebensstil zu ermöglichen, erleichterte er seine Opfer um ihr Geld und verkaufte einzelne Teile der Leichen an Mediziner oder Universitäten. Mehr als 200 Morde soll er bereits verübt haben als die Polizei ihm auf die Schliche kam.


MEINUNG:
Ohne Frage, Wolfgang Hohlbein hat einen angenehmen Schreibstil. Somit findet man auch gut in diesen Roman rein. Allerdings wurde sehr viel in die Länge gezogen. Das Buch hat über 800 Seiten, hätte aber locker um die 300 Seiten gekürzt werden können. Da man sich kapitelweise manchmal einfach nur durch die Geschichte quält, verliert der Roman einiges an Spannung. Dabei hat der Roman durchaus seine Höhepunkte, die ich wirklich sehr gerne gelesen habe. Die Langatmigkeit vermieste mir den Lesespaß nur auf die Dauer.
Als Pluspunkt sehe ich jedoch, dass die Atmosphäre der damaligen Zeit sehr gut rüber gebracht wird. Man kann sich sehr gut in das Damals hinein versetzen, in der vieles vom Umbruch bestimmt war, die Leute den Fortschritt feierten, während die Probleme der Elendsviertel übergangen wurden.
Zudem gefiel es mir, dass die Kapitel keine chronologische Reihenfolge hatten und man zwischendurch in der Zeit umher gesprungen ist. Dies dürfte für andere allerdings vielleicht auch verwirrend sein.


Das Mörderhotel existierte wirklich. Trotzdem wurde hier mit den historischen Fakten sehr freigiebig umgegangen. Einiges wurde abgeändert, anderes dazugedichtet. Dies ist auch nicht weiter störend, wie ich finde. Wer allerdings einen möglichst authentischen historischen Roman erwartet, sollte hier besser die Finger von weg lassen. Auch sollte man nicht allzu empfindlich sein, was blutige oder ekelige Szenen angeht. Hohlbein lässt bei den Beschreibungen der Gräueltaten kaum ein Detail aus und das kann und möchte bestimmt nicht jeder lesen. Die Charaktere waren thematisch bedingt nicht wirklich sympathisch, aber meiner Meinung nach gut und logisch ausgearbeitet. Leider gab es nur keinen richtigen Handlungsstrang oder einen Spannungsbogen. Alles wirkt eher wie eine Anreihung von Ereignissen: Erst passierte dies, dann das usw. Somit konnte mich das Buch nach der Hälfte nicht mehr wirklich begeistern und ich weiß auch nicht, ob ich es wirklich empfehlen kann.


PRO & CONTRA:
+ Settings und Atmosphäre der damaligen Zeit werden bildhaft und authentisch widergegeben
- sehr langatmig, hätte um einige Seiten kürzer sein können
- kein richtiger Handlungsstrang


FAZIT:
Ein Buch, das Geduld verlangt. Der über 800 Seiten schwere Wälzer bietet keinen richtigen Spannungsbogen, zeigt aber durchaus eine interessante Fallstudie um die Taten des Herman Webster Mudgett alias H.H. Holmes. Leider verliert sich Hohlbein hier zu sehr in Details, sodass es irgendwann einfach nur ermüdend ist. Wer den Inhalt jedoch interessant findet, sollte einen Blick in "American Horror Story: Hotel" werfen. Auch hier diente das Mörderhotel als Inspiration für die Handlung.

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Veröffentlicht am 24.10.2025

Zeitlos

Echo Boy
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Zu allererst muss ich sagen, dass ich mir dieses Buch nicht geholt hätte, wenn Matt Haig nicht der Autor wäre. Der Roman klingt zwar zunächst interessant, aber auch nicht sonderlich innovativ. Roboter ...

Zu allererst muss ich sagen, dass ich mir dieses Buch nicht geholt hätte, wenn Matt Haig nicht der Autor wäre. Der Roman klingt zwar zunächst interessant, aber auch nicht sonderlich innovativ. Roboter in der Zukunft, die zur Bedrohung werden und eine übertechnisierte Welt - das alles hatten wir schon öfter. Interessant und anders ist hier jedoch die Herangehensweise bei der Entwicklung der Echos. Das Beste vom Menschen und das Beste aus der Technik soll hier miteinander verbunden werden. Echos besitzen Organe, eine fleischliche Hülle und gleichen einem echten Menschen nahezu komplett. Sie brauchen allerdings keinen Schlaf, nur eine kurze Aufladezeit von zwei Stunden und Zuckerwasser, dass sie am Leben und aktiv hält. Gefühle haben sie nicht. Sie sind programmiert um zu gehorchen. Dementprechend herablassend wird auch mit ihnen teilweise umgegangen. Sie sind nur Produkte. Allerdings ist nicht jeder Echo gleich. Jeder wird speziell nach bestimmten Schwerpunkten hergestellt. Während einige speziell für die Buchhaltung produziert werden, gibt es wieder andere Modelle für Pflegeberufe usw.

Nach dem Tod von Audreys' Eltern zieht sie zu ihrem Onkel, der den führenden Konzern zur Entwicklung und Herstellung von Echos führt. Hier fühlt Audrey sich zu Beginn durch die ständige Begegnung mit Echos unwohl nach den vergangenen Geschehnissen. Ihr Onkel kümmert sich jedoch gut um sie und gibt ihr Zeit alles zu verarbeiten. Einer der Echos scheint sie jedoch nicht in Ruhe zu lassen. Er wird Daniel genannt und rettet Audrey schon bald das Leben. Er scheint fehlerhaft, anders als die anderen Echos und Audrey wird schon bald herausfinden wieso.

Mehr möchte ich zum Inhalt auch nicht sagen. Matt Haig spielt hier sehr gut mit Werten und Gefühlen, die einen Menschen ausmachen oder auch nicht ausmachen. Ab wann verhält sich ein Mensch mehr wie eine Maschine oder eine Maschine wie ein Mensch? Was ist Menschlichkeit? Welche positiven, aber auch negativen Aspekte verbinden sich in diesem Wort? Dies wird sehr philosphisch dargestellt, aber auch dramatisch inszeniert. Ich fand es auch gut, dass hier zu der typischen Darstellung dieser Thematik auch gezeigt wurde wie Menschen eine Gefahr für "Roboter" werden können und nicht nur umgekehrt. Was macht es aus einem Menschen, wenn er jederzeit menschenähnliche Roboter um sich herum hat, die nur ihrem Befehl gehorchen? Einiges blieb nur angerissen und wurde nicht tiefer beleuchtet. Dies liegt aber überwiegend wohl daran, dass dies hier ein Jugendbuch ist und manche Aspekte zu explizit oder verstörend für Jugendliche oder auch Kinder wären. Andeutungen genügen dort und reichen auch sich noch eigene Gedanken selber dazu zu machen.

Die angekündigte Liebesgeschichte beginnt erst im letzten Drittel des Buches und hat wenig Gewicht. Man hätte diese auch getrost weg lassen können und es hätte mich nicht gestört. Auch wirkt diese leider etwas unausgereift und plötzlich. Ich hatte das Gefühl, dass diese etwas deplatziert war, auch wenn mir die Idee an sich gefiel. Um dieser Geschichte jedoch mehr Raum zu geben, hätte das Buch locker 100 Seiten mehr gebraucht.

Dies soll aber nicht weiter stören. Die Welt, die Haig geschaffen hat ist gut inszeniert und man kann sich alles gut vorstellen. Die Macht von Tecknik-Konzernen liegt nahezu über denen der Politiker. Macht wird vor allem durch Geld erreicht. Eine düstere Zukunft, die durch Korruption und manipulierter Technik besteht. Keine schöne Vorstellung. Leider ist die Story allerdings für mich speziell sehr vorhersehbar gewesen. Ich ahnte schnell worauf das alles hinaus läuft. Dies brachte der Geschichte trotzdem keinen Abbruch. Gute 4 Sterne. Nicht der beste Roman von Matt Haig, aber keineswegs schlecht.

FAZIT:
Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Eine altbekannte Thematik bekommt hier einen neuen Schliff. Weniger Liebesgeschichte, dafür aber mehr Science-Fiction-Thriller. Durch die vielen angeschnittenen Thematiken eignet sich das Buch meiner Meinung auch sehr gut für Diskussionen in der Schule.

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