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Veröffentlicht am 15.01.2018

Eine faszinierende, moderne Science-Fiction-Story mit Wow-Effekt

Pheromon 1: Pheromon
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„all ihre Schönheit verblasste, als er die Hässlichkeit ihrer Seele roch“ (S. 73)

Meine Meinung:
„Pheromon- Sie riechen dich“ ist ein Gemeinschaftswerk der beiden deutschen Autoren Rainer Wekwerth (u.a. ...

„all ihre Schönheit verblasste, als er die Hässlichkeit ihrer Seele roch“ (S. 73)

Meine Meinung:
„Pheromon- Sie riechen dich“ ist ein Gemeinschaftswerk der beiden deutschen Autoren Rainer Wekwerth (u.a. „Camp 21: Grenzenlos gefangen“ und die „Labyrinth“-Trilogie) und Thariot (u.a. „EchtzeiT“- und „Solarian“-Reihe). Mit Büchern, die von zwei oder mehreren Autoren gemeinschaftlich geschrieben wurden, bin ich normalerweise eher vorsichtig, aber „Pheromon“ liest sich wirklich wie ein Buch aus einem Guss.

Die Geschichte teil sich in zwei sich stetig abwechselnde Handlungsstränge auf, zum einen um den Teenager Jake Merdon im Jahr 2018 und zum anderen um Dr. Travis Jelen (68) im New York des Jahres 2118, einer pulsierenden 40 Millionen-Metropole. Während sich die Geschehnisse um Jake zunächst relativ unspektakulär und eher unterschwellig, aber dennoch sehr rätselhaft entwickeln, nimmt die Story um den abgehalfterten und von schweren Selbstvorwürfen geplagten Arzt Travis schneller an Fahrt auf. Beide Stränge verlaufen über die meiste Zeit des Buches sehr unterschiedlich, aber stets mysteriös und spannend. Jakes Geschichte hat dabei zunächst eher einen „coming of age“-Charakter mit Mystery-Touch und Travis´ Handlungsstrang scheint zu Beginn eher eine Crime-Story zu sein. Im Verlaufe des Buches wandelt sich die Story aber und bekommt immer mehr Science-Fiction-Charakter, so dass sich insgesamt ein sehr gelungener Mix diverser Genres ergibt, wobei man Science-Fiction schon grundsätzlich mögen sollte, um dieses Buch zu genießen.

Besonders faszinierend fand ich an diesem Buch die Grundidee, auf der die gesamte Story fußt und die ich hier natürlich nicht verraten möchte. Sie hat für mich schon etwas innovatives, faszinierend-schockierendes und ist auf jeden Fall absolut „hollywoodtauglich“. Über weite Strecken hatte ich Zweifel, ob es den beiden Autoren gelingen würde, ihre beiden Handlungsstränge am Ende überzeugend zusammenzuführen. Doch zum Schluss gelingt es, ein überzeugendes, extrem actionreiches und auch dramatisches Finale mit einem absoluten Überraschungsmoment zu präsentieren, so dass ich beim Lesen mehr als einmal „WOW“ gedacht habe. Obgleich „Pheromon“ als Trilogie angelegt ist (Band zwei soll im Herbst 2018 erscheinen), ist das Ende auch ein (erster) Abschluss der Handlungen dieses ersten Bandes, so dass man das Buch aus der Hand legen kann, ohne sich vollkommen „verloren“ zu fühlen. Dennoch freue ich mich schon jetzt auf Band zwei!

FAZIT:
Ein spannender Genre-Mix mit Science-Fiction-Schwerpunkt und einer faszinierenden wie gleichfalls schockierenden Grundidee. Absolut top!

Veröffentlicht am 08.01.2018

Düstere, blutige Fantasy – ein vielversprechendes Debut

Der Fluch des Feuers
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„Im Mittelpunkt aller Magie steht die Harmonie. Jedes Lebewesen besitzt einen wahren Namen, ein einzigartiges Lied, das einen Bestandteil des größeren Ganzen bildet, und diese Harmonie ähnelt ihm.“ (S. ...

„Im Mittelpunkt aller Magie steht die Harmonie. Jedes Lebewesen besitzt einen wahren Namen, ein einzigartiges Lied, das einen Bestandteil des größeren Ganzen bildet, und diese Harmonie ähnelt ihm.“ (S. 42)

Meine Meinung:
„Der Fluch des Feuers“ (OT: „Infernal“) ist der Debutroman des britischen Schriftstellers Mark de Jager. Der Start in die Geschichte ist ein wenig „ziellos“, denn der Protagonist Stratus erwacht mitten in einer Einöde, mehr tot als lebendig, und hat keinerlei Erinnerungen mehr. Er stolpert von Situation zu Situation, wird gefangen genommen, kann entkommen und so weiter und so fort. Erst als er auf der Suche nach sich selbst in eine größere Stadt kommt, nimmt die Geschichte langsam Konturen an und wird spannend.

Im Folgenden entspinnt sich eine Story, die sehr ortsgebunden um den Charakter Stratus und die zentrale Frage kreist, wer oder was er ist. Mehrfach führt Mark de Jager seinen Protagonisten und die Leser in unterirdische Katakomben und Gruften, in denen es mehr als ein Rätsel zu lösen, zahlreiche Gefahren zu bestehen und nahezu zahllose Gegner zu besiegen gilt. Hierbei geht es nicht sehr zimperlich und durchaus ganz schön brutal und blutig zu. Das muss man schon mögen bzw. daran darf man sich nicht stören, sonst sollte man dieses Buch lieber nicht zur Hand nehmen! Mich hat diese Geschichte mit ihren vielen Kämpfen und düsteren Settings sehr an klassische Rollenspiele á la „Das schwarze Auge“ oder auch „Dungeons & Dragons erinnert“. So schreibt der Autor auch in seiner „Danksagung“, er hätte gewisser Weise mit dem Schreiben begonnen, als er „zum ersten Mal einen Würfel aufhob“. Auch diesen Rollenspielcharakter sollte man als Leser grundsätzlich schon mögen, um mit diesem Buch seinen Lesespaß zu haben.

Der rätselhafte Protagonist Stratus dürfte ziemlich polarisieren. Auf jeden Fall ist er kein klassischer „Held“, der dem Leser von Beginn an sympathisch ist. Viele seiner Handlungsweisen erklären sich erst gegen Ende des Buches, wenn es zu einer Auflösung des Rätsels um seine Person kommt. Dennoch hat Mark de Jager mit der zweiten Protagonistin, der taffen Kämpferin Tatyana Henkman einen tollen Charakter erschaffen, der mir von Anfang an absolut sympathisch war. Überhaupt ist die Interaktion zwischen diesen beiden Charakteren eine der zentralen Stärken dieses Debuts, denn die beiden geben ein zwar sehr ungleiches, aber wirklich extrem unterhaltsames Duo ab. Insbesondere die Dialoge zwischen Stratus und Tatyana, die häufig von gegenseitigen Un- oder Missverständnissen geprägt sind, sind immer wieder erfrischend unterhaltsam und oftmals humorvoll zu lesen („Du bist ja sowas von männlich. – Danke“ - S. 287). Überhaupt hat mir der trockene Humor, der zwischen all den blutigen und grausamen Szenen immer wieder aufblitzt, sehr gut gefallen („EIN Wachmann. Ich fühlte mich tatsächlich ein wenig beleidigt“ – S. 251).

Eine weitere Stärke ist für mich das faszinierende und überzeugende Magiesystem, das sich der Autor erdacht hat. So gibt es beispielsweise Zauberer und Hexer, die ihre magische Energie erst aus „Kraftlinien“ auftanken müssen, ehe sie Zauber wirken können. Es gibt mächtige Schutzbanne und Hexengeflechte, die sich je nach Wirkung formen lassen, die man aber auch nicht „überdosieren“ sollte. Und noch etwas hat mir diesbezüglich gut gefallen: Die Magie ist in dieser Welt zwar mächtig, doch niemals ein Garant dafür, sich damit aus allen Situationen befreien zu können. Ein in sich stimmiges Konzept!


FAZIT:
Düster, brutal und blutig – aber auch sehr fantasievoll und mit toller Charakterinteraktion. Mich hat die Story gefesselt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Action
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Idee
Veröffentlicht am 18.12.2017

Nach einem etwas „ruhigen“ Start ein gelungenes Prequel

His Dark Materials 0: Über den wilden Fluss
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Meine Meinung:
„Der goldene Kompass“, der erste Teil der „His Dark Materials“-Trilogie von Philip Pullman, gehört inzwischen zweifellos zu den modernen Klassikern. Mehr als 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung ...

Meine Meinung:
„Der goldene Kompass“, der erste Teil der „His Dark Materials“-Trilogie von Philip Pullman, gehört inzwischen zweifellos zu den modernen Klassikern. Mehr als 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung dieses Weltbestsellers legt der Autor nun das Prequel zu dieser Trilogie vor. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an dieses Buch.

Der Beginn der Geschichte verläuft sehr atmosphärisch, erzählerisch leicht und als Fan der Trilogie macht es einfach nur Spaß, wieder in diese Welt einzutauchen. Allerdings kommt die Spannung ein bisschen zu kurz. Man könnte fast sagen, dass die Geschichte wie ein träger Fluss ein bisschen vor sich hinplätschert. Über die ersten ca. 100 Seiten hinweg lernt der Leser den elfjährigen Malcolm kennen, den Sohn eines Wirtshausbesitzers, der seinem Vater geflissentlich zur Hand geht und die Gespräche mit den Wirtshausbesuchern liebt, die ihm von der weiten Welt und den erstaunlichen Erkenntnissen der Wissenschaft berichten können. Erst langsam baut sich der eigentliche Plot auf und die Kenner der Trilogie werden auch erst etwas später hellhörig, als sie den Namen des geheimnisumwitterten Babys erfahren, dass im Kloster auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses klammheimlich untergebracht wurde: Lyra. Nun ist klar, dass dieser Band rund 10 Jahre vor „Der goldene Kompass“ beginnt.

Nach rund dem ersten Viertel des Buches steigert sich dann aber die Spannung und es entspinnt sich eine Geschichte rund um geheime Machenschaften, mysteriöse Organisationen und einem Zwist zwischen Kirche und Wissenschaft. Spätestens ab hier mochte ich das Buch eigentlich kaum noch aus der Hand legen. Typisch für Philip Pullman ist dabei, dass er nicht „nur“ einen spannenden Plot entwickelt hat, sondern gleichzeitig auch philosophische und religiöse Themen behandelt und sich mit der Welt der Wissenschaft auseinandersetzt (wunderbar: Malcolm liest „Eine kurze Geschichte der Zeit“!).

Wer diese phantastische und extrem atmosphärische Welt noch nicht kennt, mag sich zu Beginn vielleicht über Daemonen, Gypter & Co. wundern. Hier empfehle ich den Reihen-Neulingen den entsprechenden Wikipedia-Eintrag „His Dark Materials“ als kleines Kompendium zu diesem Fantasy-Universum.

FAZIT:
Ein gelungenes Prequel zu einer der bedeutendsten Reihen der modernen Fantasy-Literatur.

Veröffentlicht am 18.12.2017

Ein modernes kleines Weihnachtsmärchen

Gustafssons Jul
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„Die ganze Sippe passte zu Weihnachten wie der Teufel zum Weihwasser.“ (S. 87)
„Doch vielleicht besaß Weihnachten ja eine Macht, die alle unterschätzt hatten“ (S. 148)

Meine Meinung:
Autor Lars Simon, ...

„Die ganze Sippe passte zu Weihnachten wie der Teufel zum Weihwasser.“ (S. 87)
„Doch vielleicht besaß Weihnachten ja eine Macht, die alle unterschätzt hatten“ (S. 148)

Meine Meinung:
Autor Lars Simon, immer ein Garant für humorvolle Unterhaltung, entführt seine Leser einmal mehr nach Schweden (wo er selbst sechs Jahre mit seiner Familie gelebt hat) in die verschneite Einöde des herrschaftlichen Landsitzes der Familie Gustafsson, denn Familienoberhaupt Carl-Johann hat nach Jahren der Einsamkeit die ganze Sippe zum gemeinsamen Weihnachtsfest geladen.

Im Gegensatz zu den Büchern der „Torsten & Rainer“-Reihe oder den beiden „Lennart Malmkvist“-Krimis ist der Humor, ja die ganze Geschichte um Gustafssons Weihnachtsfest deutlich „leiser“ und dezenter. Natürlich gibt es auch hier feine Noten von Humor, aber insgesamt hat diese Geschichte wirklich etwas Besinnliches an sich, auch wenn sie von einer ganz und gar „unbesinnlichen“ Familie erzählt, in der fast jeder seine Geheimnisse, Sorgen und Nöte hat. Entsprechend unharmonisch verlaufen die zwei gemeinsamen Tage vor Weihnachten, nimmt die Gereiztheit immer weiter zu und entlädt sich passender Weise kurz vor dem Fest zu einem reinigenden Gewitter.

Hierbei könnte man den Namen Gustafsson auch durch Meier, Müller, Schmidt oder jeden beliebigen Familiennamen ersetzten. Denn wer hat es noch nicht erlebt, dass zu Weihnachten die Nerven blank liegen und die Stimmung alles andere als besinnlich ist. Doch diese Geschichte wäre keine Weihnachtsgeschichte, wenn nicht alle Beteiligten doch noch zur „Besinnung“ kommen würden und sich die Familie endlich bewusst wird, wie wichtig und schön es doch ist, überhaupt eine Familie zu haben.

Nach den rund 170 Seiten dieser „kleinen“, aber feinen Geschichte habe ich dieses liebevoll gestaltete Büchlein (am Ende findet sich übrigens ein Stammbaum der Gustafssons!) mit einem wohligen Gefühl im Bauch zur Seite gelegt und war ein deutlich spürbares bisschen weihnachtlicher eingestimmt als noch zuvor.

FAZIT:
Ein wunderbarer Beweis, dass auch Geschichten mit leisen Tönen und ohne Spannung, Action oder große Dramatik bestens unterhalten und zum Nachdenken anregen können.

Veröffentlicht am 18.12.2017

Das perfekte Debut – ein sehr guter Thriller mit allem, was dazu gehört

Die perfekte Gefährtin
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Meine Meinung:
„Die perfekte Gefährtin“ ist das Debut und der Auftakt zu einer neuen Thrillerreihe der britischen Autorin, Produzentin und Anwältin Helen Fields. Bereits nach wenigen Seiten hatte mich ...

Meine Meinung:
„Die perfekte Gefährtin“ ist das Debut und der Auftakt zu einer neuen Thrillerreihe der britischen Autorin, Produzentin und Anwältin Helen Fields. Bereits nach wenigen Seiten hatte mich die Autorin an ihren Plot gefesselt. Ungewöhnlicher Weise lernt der Leser den Täter schon sehr früh im Buch kennen, was allerdings der Spannung überhaupt keinen Abbruch getan hat. Eher im Gegenteil: Es entspinnt sich eine Art perfides Katz- & Mausspiel zwischen dem äußerlich unscheinbaren, aber zutiefst psychopathischen Täter und dem Chefermittler DI Luc Callanach. Hierbei scheint der Täter seinen Häschern immer einen Schritt voraus zu sein, insbesondere auch aufgrund seiner langfristigen und pedantischen Planung. Obgleich man durch die stetig wechselnden Handlungsstränge immer wieder einen Einblick in die Psyche, die Motivation und die Vorgehensweise des Täters erlangt, schafft es Helen Fields doch problemlos, nicht nur für das Team von Luc Callanach einige Überraschungen bereit zu halten, sondern auch für ihre Leser. So entwickelt dieser Thriller einen drängenden Sog, der die Seiten nur so dahin fliegen lässt und mich bis zum furiosen Finale gefesselt hat.

Sehr bemerkenswert fand ich es auch, dass die Autorin ihren Lesern parallel gleich noch einen zweiten Fall serviert, der die Abwechslung und das Tempo zusätzlich befeuert. Dieser Fall ist die Bühne für Fields´ zweite Protagonistin: DI Ava Turner – eine extrem taffe und bodenständige Ermittlerin, die mir noch besser gefallen hat als Luc Callanach. Dieser war mir durch seine straighte und direkte Art zwar ebenfalls sehr sympathisch, legte durch eine dunkle, sehr belastende Vorgeschichte allerdings doch von Zeit zu Zeit Verhaltensweisen an den Tag, die mir ein wenig suspekt erschienen sind. Letztendlich hat die Autorin hier aber ein wirklich tolles Protagonisten-„Paar“ geschaffen, von dem ich sehr gerne mehr lesen würde. Komplettiert wird das Ganze durch eine ebenfalls sehr gelungene „zweite Reihe“ von Figuren, die einen bunten Strauß kantiger Charaktere bereithält.

FAZIT:
Absolut fesselnd, erfrischend anders und durchaus überraschend – ein Thriller mit Sogwirkung!

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