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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2026

Doomsday - brutal, grausam und fesselnd

Insel der Ratten
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„Während ich jetzt hier auf dem Dach des Wolkenkratzers stehe und dem Helikopter lausche, habe ich noch immer den Geschmack des Seils im Mund, höre die Schreie meiner Liebsten aus dem Haus und spüre die ...

„Während ich jetzt hier auf dem Dach des Wolkenkratzers stehe und dem Helikopter lausche, habe ich noch immer den Geschmack des Seils im Mund, höre die Schreie meiner Liebsten aus dem Haus und spüre die bittere Gewissheit, alles, einfach alles, zu verlieren.“ (S. 27)

Meine Meinung:
Diese Geschichte wurde im Original bereits 2021 in dem Sammelband „Rotteøya og andre fortellinger“ veröffentlicht. Hier nun erstmals auf Deutsch und in einem knapp 200 Seiten umfassenden Einzelband.

In „Insel der Ratten“ geht es um eine Welt, die nach einer Pandemie vollkommen aus den Fugen geraten ist und droht, in Anarchie zu versinken. Jo Nesbø, der mit dieser kurzen Geschichte die Corona-Pandemie verarbeitet zu haben scheint, erzählt seine Geschichte aus zwei Perspektiven und zeitlich nicht linear. Das sorgt beim Lesen zu Beginn für ein paar Fragezeichen, aber gleichzeitig auch für eine sich stetig steigernde Neugier darauf, wie dies alles zeitlich und inhaltlich zusammenhängt.

Gespannt bin ich dieser beklemmenden Story gefolgt, die stellenweise sehr grausam und brutal ist. Es gibt hier ein paar Schockmomente und schwer verdauliche Szenen, aber dies passt zum dystopischen Setting und zur Story. Sehr erstaunt war ich, wie schnell es dem Autor gelungen ist, mich an seine Geschichte zu fesseln und ebenso beeindruckend ist es, wie Nesbø es schafft, auf dieser vergleichsweise geringen Seitenzahl eine „vollwertige“ Story aufzubauen und zu erzählen, ohne dass mir hier etwas an „narrativem Beiwerk“ gefehlt hätte. Natürlich bleiben Nebencharaktere hierdurch blass und zweidimensional, was mich aber nicht gestört hat. Hier merkt man einmal mehr die Klasse des Autors.

Am Ende bleiben keine wesentlichen Fragen unbeantwortet bis auf eine ganz zentrale, die Nesbø aber (wie ich denke) bewusst offenlässt, um hier den Gedanken seiner Lesenden freien Raum zu lassen. Auch wenn manche Entscheidungen der Figuren im Verlauf der Geschichte für mich nicht ganz nachvollziehbar waren (aber wer weiß schon, wie man sich selbst in einer Dystopie verhalten würde?), ist es dennoch eine in sich runde, fesselnde und latent verstörende Story, die sehr atmosphärisch und gekonnt erzählt ist.

FAZIT:
Eine bedrohliche, teils brutale und verstörend dystopische Nah-Zukunftsvision, gekonnt erzählt.

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Veröffentlicht am 22.06.2026

Wenn das Ende erst der Anfang ist - spannende Drachen-Romantasy

Dragon Cursed – Zeig keine Gnade (Deluxe-Ausgabe)
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Meine Meinung:

Ruck-zuck zieht einen diese Geschichte in ihren Bann, da Autorin Elise Kova nicht lange fackelt und Protagonistin Isola mit ihrem coolen Side-Kick Saipha gleich auf den ersten Seiten in ...


Meine Meinung:

Ruck-zuck zieht einen diese Geschichte in ihren Bann, da Autorin Elise Kova nicht lange fackelt und Protagonistin Isola mit ihrem coolen Side-Kick Saipha gleich auf den ersten Seiten in eine brenzlige Situation schickt. So taucht man atemlos ein in diese phantastische Geschichte um den letzten Rest der Menschheit, der sich in der Stadt Vingard verbarrikadiert hat, um den Drachen, die die Welt beherrschen zu entkommen. Einmal im Jahr müssen sich alle 18jährgen Vingards einer geheimnisvollen, gefährlichen Prüfung unterziehen, denn nur so kann sichergestellt werden, dass sie nicht den Fluch in sich tragen und sich eines Tages in einen todbringenden Drachen verwandeln…

Das klaustrophobisch anmutende Setting der verwinkelten und ständig vom Tod bedrohten Stadt Vingard ist großartig gewählt, und mit Isola und Saipha verfügt die Story über zwei starke, sympathische Charaktere, mit denen ich gerne mitgefiebert habe. Zu der klassischen, teils Quest-artigen und mitunter grausamen Prüfungs-Storyline gesellt sich eine slow-burn Romance. Eine gute Mischung, die zu dieser Geschichte passt und eng mit der Storyline verwoben ist. Stellenweise hat mir das Zusammenspiel zwischen Isola und Lucan aber doch zu breiten Raum eingenommen, gerade in der ersten Hälfte des Buches. Hier wäre für meinen Geschmack weniger mehr gewesen, da sich die beiden gefühlt immer wieder um die gleichen Themen drehen. Das war schon seeeehr „slow“.

Dennoch hat mich die Story von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, wobei nicht Isola oder Lucan mein liebster Charakter gewesen sind, sondern die toughe und so bedingungslos treue Saipha. Die einzelnen Prüfungen haben dabei zwischendurch immer wieder für Action und Schockmomente gesorgt. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass es hier „trotz Romantasy“ stellenweise durchaus blutig und brutal zugeht.

Richtig überrascht hat mich die Autorin dann gegen Ende dieses ersten Bandes, und zwar nicht nur einmal. Vor lauter überraschenden Plot-Twists konnte einem da beim Lesen regelrecht schwindelig werden. Großartig gemacht! Und selbstverständlich, wie bei einer Dilogie erwartbar, endet Band 1 derart offen, dass ich am liebsten sofort weitergelesen hätte.

Zur Hörbuchproduktion:
Im Hörbuch leiht Aileen Wrozyna ihre Stimme der Protagonistin Isola, und das macht sie sehr gut und authentisch. Mit viel Gefühl und stets passender Betonung verleiht sie Isola eine glaubwürdige Eigenständigkeit. Es macht Spaß, ihr zuzuhören!

FAZIT:
Düster, spannend, teils blutig und am Ende echt überraschend - eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Cosy Crime unter der Sonne Italiens

Salute - Das letzte Foto
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„So eine Leiche am Morgen kann einem den ganzen Tag versauen.“ (S. 23)

Meine Meinung:

In der Erwartung eines traumhaften Blicks über den Gardasee bezwingen die beiden Camper Tatjana und Klaus früh am ...

„So eine Leiche am Morgen kann einem den ganzen Tag versauen.“ (S. 23)

Meine Meinung:

In der Erwartung eines traumhaften Blicks über den Gardasee bezwingen die beiden Camper Tatjana und Klaus früh am Morgen mit ihren Rädern den Aufstieg zum Rocca di Garda. Doch nach all der sportiven Plackerei erwartet sie dort oben nicht nur der bezaubernde Anblick des Gardasees…

Nein, auf die erste Leiche hat uns Autor Friedrich Kalpenstein noch nie lange warten lassen und so startet auch der vierte Fall für Barista Paul „Paolo“ Zeitler und Commissario Lanza bereits nach wenigen Seiten. Auch ansonsten bleibt der Autor seinem Erfolgsrezept treu: Trotz Gewaltverbrechen versprüht auch dieser Cosy Crime-Band jede Menge italienische Leichtigkeit samt „dolce vita“-Feeling und bietet so manch humorvolle Szene, meist Dank Zeitlers flotten Sprüchen, um die er seltenst verlegen ist. Natürlich serviert uns Friedrich Kalpenstein wieder einmal gleich mehrere verdächtige Personen, vom typischen Stereotype(n) bis hin zu (zumindest auf den ersten Blick) erfrischend-sympathischen Charakter-Neuzugängen in Bardolino. Die herzliche Einladung an seine Lesenden zum Miträtseln und „Mitermitteln“ hat in seinen Krimis mittlerweile schon Tradition. Das alles sorgt für einen sehr beschwingten Lesefluss und jede Menge Lesespaß. Dass man dabei das ein oder andere Mal auf die falsche Fährte gesetzt wird, gehört natürlich zum guten Ton und dürfte wohl jeden Krimifan nur noch mehr anspornen. 😉

Besonders gefreut hat es mich in diesem Band, dass das Ermittler-Duo „Lanza & Zeitler“ so langsam in seine „Rolle“ hineinwächst und der zugeknöpfte Lanza Vertrauen zum weltoffenen und manchmal für seinen Geschmack wohl etwas zu jovial daherkommenden Ex-Kommissar Zeitler gewinnt.

Es macht einfach Spaß, diesen Krimi zu lesen und durch die Seiten zu fliegen, bis man am Ende nach einem runden und schlüssigen Finale das Buch zuklappt und sich fühlt, als hätte man gerade einen sonnigen Kurzurlaub am Gardasee hinter sich.

FAZIT:
Sonnige Krimiunterhaltung kombiniert mit Urlaubsfeeling - was will man mehr? 😊

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Ein raffinierter Plot voller Twists und Überraschungen

Weil sie lügt
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„Unser ganzes Leben wird auseinandergerissen, fortgeschwemmt, unwiederbringlich zerstört. Nur gibt es für meine Familie und mich keine Rettungsleine an einem Hubschrauber. Niemand wird kommen und uns retten. ...

„Unser ganzes Leben wird auseinandergerissen, fortgeschwemmt, unwiederbringlich zerstört. Nur gibt es für meine Familie und mich keine Rettungsleine an einem Hubschrauber. Niemand wird kommen und uns retten. Wir müssen uns aus eigener Kraft aus den Fluten ziehen, sonst ertrinken wir.“ (S. 137)

Meine Meinung:
Annas Familie ist von Grund auf zerstört, seit ihre große Schwester Juli vor anderthalb Jahren spurlos verschwunden ist. Ihr Vater sitzt deswegen in Untersuchungshaft, ihre Mutter leidet unter starken psychischen Problemen und ist kaum zurechnungsfähig. Anna muss stark sein. Für sich, für ihren kleinen Bruder, für ihre Eltern - und für Juli. Sie kann nicht an die Schuld ihres Vaters glauben und nimmt eigene Ermittlungen auf. Doch diese führen zu furchtbaren Geheimnissen und werden brandgefährlich…

Von der ersten Seite an fiebert man mit Anna mit, der so unglaublich starken und toughen Protagonistin dieses Thrillers. Der Fall selbst ist für uns Lesende genauso verworren und rätselhaft wie für Anna selbst. Je mehr Seiten dahinfliegen, desto mehr Fragen sammeln sich an. Obgleich der Kreis der Charaktere vergleichsweise überschaubar ist, scheint doch jeder hier seine ganz eigenen Geheimnisse zu haben. Schnell führt das beim Lesen dazu, dass man niemandem mehr vertraut, ja regelrecht paranoid allen Figuren hier misstraut. Wer ist Opfer, wer der Täter? Und welche Figur lügt? Das alles hat Caroline Seibt wirklich akribisch und sehr gekonnt konstruiert.

Durch die kurzen Kapitel, die abwechselnd aus der Sicht von Anna und der Ermittlerin Katharina geschrieben sind, bleibt das Tempo extrem hoch und es ergeben sich immer wieder kleine, aber fiese Cliff-Hanger an vielen Kapitelenden. So entwickelt diese Geschichte einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Gebannt bin ich der Story in kürzester Zeit bis zum Ende gefolgt. Und selbst rund 40 Seiten vor dem Ende hatte ich noch keine wirklich belastbare Idee, wie das hier alles zusammenhängen könnte. Am Ende serviert uns Caroline Seibt ein rasend spannendes und dramatisches Finale, das mit einer letzten, faustdicken Überraschung daherkommt und einen beim Lesen fast fassungslos zurücklässt. Doch am Ende sind tatsächlich die wichtigen Fragen, die sich während des Lesens turmhoch angehäuft haben, beantwortet worden und die Autorin hat es geschafft, ihren intelligenten Plot zu einem runden, und letztendlich in Teilen sogar versöhnlichen Ende zu bringen.

Die Hörbuchfassung hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Gerade da die Geschichte aus der Perspektive von Anna und Katharina erzählt wird, ist es toll, dass auch das Hörbuch von zwei Sprecherinnen gesprochen wird. Rebecca Veil und Elke Appelt haben beiden Figuren auf eine sehr einfühlsame und authentische Art „Leben eingehaucht“. Sprechtempo, Modulation und Betonung passten in meinen Augen stets perfekt. Eine sehr gute Hörbuchproduktion!

FAZIT:
Chapeau, ein ganz starker Thriller und für mich ein absolutes „Must-Read“!

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Ein cooler Rätsel-Comic mit tollem Artwork und wohligem Gänsehaut-Faktor

Licht ins Dunkel
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„Licht ins Dunkel“ ist ein Rätsel-Comic des mehrfach ausgezeichneten Illustrators und Autors Steffen Gumpert. Wir lernen hier die Familie Rumpelstil kennen, und insbesondere den Filius Rupert, der sehr ...

„Licht ins Dunkel“ ist ein Rätsel-Comic des mehrfach ausgezeichneten Illustrators und Autors Steffen Gumpert. Wir lernen hier die Familie Rumpelstil kennen, und insbesondere den Filius Rupert, der sehr darunter leidet, dass sein Vater eines Tages spurlos verschwunden ist. Die ganze Familie scheint ein bisschen spooky zu sein und Rupert ist auch in der Schule der klassische Außenseiter, dem die merkwürdigsten Dinge nachgesagt werden.

Schnell wird klar, dass bei den Rumpelstils zu Hause, in der Modergasse 13, tatsächlich unerklärliche und mysteriöse Dinge passieren. Und der furchtlose Rupert schickt sich kurzerhand an, den Geheimnissen des Hauses und seiner Familie auf den Grund zu gehen.

Dabei gibt es jede Menge Rätsel zu lösen, genauer gesagt auf jeder Doppelseite eines. Das reicht von ganz einfachen Beobachtungsaufgaben, über Suchbilder und Labyrinthe bis hin zu einem kniffeligen Zahnrad-Rätsel. Dabei nutzt Steffen Gumpert sein großartiges Zeichentalent und das Comic-Format, um die Rätsel grafisch geschickt umzusetzen. Und wenn man einmal partout nicht auf die Lösung kommen will - kein Problem! Denn schon im ersten Panel der Folgeseite gibt es stets die Auflösung der Rätsel.

So begleiten wir Rupert nicht nur durch eine spannende Story mit wohligem Gänsehautfaktor, sondern können kniffeln & knobeln und uns auf jeder Doppelseite neu an dem wirklich tollen Artwork dieses Buches erfreuen. Mein persönlicher Liebling war dabei die kleine Lumpenpuppe Günther.

FAZIT:
Tolles Konzept, überraschende Story, Rätsel, die Spaß machen und tolle Bilder. Ganz nach meinem Geschmack!

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