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Veröffentlicht am 18.03.2020

Fesselnder Krimi mit spanischem Flair und interessanten Charakteren

Spanischer Feuerlauf
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Der Krimi "Spanischer Feuerlauf" ist der dritte Teil der Barcelona-Krimireihe von Catalina Ferrera, Pseudonym von Eva Siegmund. Die Reihe erscheint im Droemer Knaur Verlag.

Wie in jedem Jahr findet in ...

Der Krimi "Spanischer Feuerlauf" ist der dritte Teil der Barcelona-Krimireihe von Catalina Ferrera, Pseudonym von Eva Siegmund. Die Reihe erscheint im Droemer Knaur Verlag.

Wie in jedem Jahr findet in Barcelona der tradtionelle Feuerlauf Correfoc statt, Karl Lindberg, seine schwangere Frau Alba und sein Schwager Alex Diaz beobachten das muntere Spektakel vom Balkon ihrer Freunde aus. Inmitten der Feierlustigen kippt plötzlich die fröhliche Stimmung, es muss etwas passiert sein. Karl und Alex finden auf der Strasse eine tote Frau, die scheinbar vom Himmel gefallen sein muss. War es ein Unfall, wo kam die Frau her und vor allem, wer ist sie? Die Ermittlungen führen die Kommissare in ein entlegenes Bergdorf in den Pyrenäen.

Auch der dritte von mir herbei gesehnte Barcelona-Krimi für den Berliner Ex-Kommissar Karl Lindberg und seinen katalanischen Schwager Comisario Alex Diaz von der Mossos d`Esquadra konnte mich wieder vollständig überzeugen.

Denn der Fall ist äußerst knifflig, verbirgt einige Geheimnisse und kommt zu einer Zeit, wo Karl Lindberg eigentlich auf Abruf für seine hochschwangere Frau Alba bereit stehen wollte, denn die Geburt ihres Kindes steht kurz bevor und sein Sohn zieht aus, mit einem Freund in ihre erste Wohnung.

Die Ermittlungen im Fall der toten Frau führen zu einem einflussreichen Baulöwen, dessen über alles geliebte Frau verschwunden gemeldet ist. Angeblich war die Ehe glücklich, die zwei Kinder vermissen ihre Mutter entsetzlich und auch wenn man auf eine Entführung tippen würde, gab es kein Erpresserschreiben, die Frau verschwand einfach spurlos. Besondere Spuren führen in die Pyrenäen und dort entdecken die Kommissare die dunkle Vergangenheit der Frau.

Die verschiedenen aus den Vorbänden bekannten Figuren bleiben sich und ihren Charakterzügen treu, deshalb kann man ihnen wunderbar durch das Buch folgen. Für Neueinsteiger sollte das aber kein großes Problem darstellen. Nur empfehle ich zum besseren Verständnis natürlich die Einhaltung der Reihe.

Neben der fesselnden Handlung bringt Catalina Ferrera auch das stimmige Barcelona-Flair gut zum Ausdruck, sodaß Barcelona-Liebhaber ihnen bekannte Schauplätze wiedererkennen werden und alle anderen Reisefieber bekommen. Ich habe das ungleiche Ermittlerduo wieder gern begleitet, Alex ist schon ein spezieller Fall, aber sehr charmant und Karl ist nachdenklicher als sonst, er macht sich viele persönliche Gedanken um die Zukunft mit seinem neuen Kind. Gleichzeitig hält die Ermittler der knifflige Fall in Atem und natürlich ist Karl nicht vor Ort, als die Wehen einsetzen.

Einige amüsante Dialoge und spezielle Situationen runden wie immer den fesselnden Fall ab.

Die Auflösung des Falls wird am Ende noch einmal richtig spannend und gefährlich, die Geburt des Kindes mischt sich natürlich genau in diese Zeit.

Dieser Krimi hat mich von Anfang bis Ende mitgerissen, die privaten Einblicke lockern den wirklich spannenden Kriminalfall unterhaltsam auf und das Flair und die Küche Barcelonas kommt ebenfalls nicht zu kurz.


Ein fesselnder und besonders kniffliger Krimi, der mit spanischem Flair und interessanten Charakteren punkten kann. Gerne weiter so, Frau Ferrera!

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Veröffentlicht am 16.03.2020

Unterhaltsamer Ostseekrimi in vorweihnachtlicher Zeit

Küstenlüge
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Mit der beschaulichen Stimmung der Vorweihnachtszeit auf der Insel Fehmarn ist es schlagartig vorbei, als ein durch zig Messerstiche getöteter Mann aufgefunden wird. Er liegt in der Küche, die einzige ...

Mit der beschaulichen Stimmung der Vorweihnachtszeit auf der Insel Fehmarn ist es schlagartig vorbei, als ein durch zig Messerstiche getöteter Mann aufgefunden wird. Er liegt in der Küche, die einzige Zeugin ist seine Ex-Frau, die ebenfalls schwer verletzt im Badezimmer kauert. Sie ist traumatisiert und spricht nicht, nur Hauptkommissar Dirk Westermann kommt an sie heran, er erfährt ihre Lebensgeschichte und allerhand Details. Als kurze Zeit später ein weiterer Todesfall die Insel erschüttert, wird die Sache brenzlig. Die Kommissare Westermann und Hartwig tappen im Dunkeln.

Bei diesem Krimi kann man gut mitraten, wird in die winterliche Stimmung auf Fehmarn mitgenommen und erlebt auch Meinungsverschiedenheiten unter den Kommissaren. Während Westermann für die Ex-Frau Verständnis und Anteilnahme aufbringt, hält Thomas Hartwig sie für tatverdächtig.

Glücklicherweise spielt ja noch Charlotte Hagedorn mit, die sogenannte Miss Marple von Fehmarn. Sie hat wieder entscheidend an der Aufklärung der Ermittlungen mitgewirkt. Durch ihre Sicht auf die Dinge findet sie stets wichtige Hinweise und bringt damit die Kommissare auf den richtigen Weg.

Mit Watson bekam das Ermittlerteam einen unerwarteten Neuzugang, der frischen Wind in die Handlung bringt und für unterhaltsame Momente sorgt.
Auch wenn ich durch eine spezielle Sache schon einen gewissen Verdacht hatte, musste ich bis zum Ende auf die Lösung warten und fand alles sehr schlüssig und logisch erklärt.

Der eingängige Schreibstil mit kurzen Sätzen und bildhaft beschreibenden Stimmungsbildern liest sich wunderbar lebendig und man ist gern mitten im Geschehen.

In ihren Krimis geht Heike Meckelmann immer sehr nah auf die verschiedenen Figuren und ihr Leben ein, sie möchte unterhalten und ihre Kommissare und auch die Täter sind Menschen wie du und ich. Deshalb spielt das Alltagsleben immer eine große Rolle, es gibt Eiergrog gegen die Kälte und für eine Fischfrikadelle ist auch immer eine Gelegenheit. Mit etwas romantischen Gefühlen kann dieses Mal Thomas Hartwig aufwarten, doch warten wir ab, was aus der Sache wird.

Mit der bunten Mischung aus Krimispannung, einer gewitzten Miss Marple und der nötigen Inselstimmung hat mich Heike Meckelmann erneut gut unterhalten. Wer die Fehmarnkrimis noch nicht kennt, sollte sich diese Reihe nicht entgehen lassen. Es ist ein Urlaubskrimi zum Mitraten und Entspannen.

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Veröffentlicht am 15.03.2020

Eine gefühlvoll erzählte, dramatische Geschichte um Schuldgefühle

Ein halbes Herz
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Im Goldmann Verlag erscheint der Roman "Ein halbes Herz" von Sofia Lundberg.

Die Schwedin Elin Boals ist verheiratet, Mitte Vierzig, Mutter einer Tochter und erfolgreiche Portraitfotografin in New York. ...

Im Goldmann Verlag erscheint der Roman "Ein halbes Herz" von Sofia Lundberg.

Die Schwedin Elin Boals ist verheiratet, Mitte Vierzig, Mutter einer Tochter und erfolgreiche Portraitfotografin in New York. Sie lebt hinter ihrer Kamera wie in einem abgeschirmten Bereich, fernab von anderen Menschen, die sie nicht an sich herankommen lässt. In ihrer Arbeit geht sie auf, vernachlässigt sogar Ehemann Sam und ihre Tochter. Als sie eine Nachricht aus ihrer Heimat Gotland erhält, brechen lange verborgene Erinnerungen hervor und Elin wird klar, sie muss sich ihrer Vergangenheit stellen.


Auf Sofia Lundbergs neuen Roman habe ich schon hingefiebert. In diesem Buch stellt sie uns Elin Boals vor, deren Leben im ständigen Wechsel durch zwei Zeitperspektiven immer näher beleuchtet wird. Die Gegenwart im Jahr 2017 zeigt Elin als gefragte Fotografin in New York und die Vergangenheit dreht sich um Elins Kindheit in den Jahren 1979 und 1982.

Sehr berührend empfand ich die Schilderung ihrer Kindheit mit der manisch depressiven Mutter und einem Vater im Gefängnis. Ständig war sie mit den beiden Brüdern den Wutausbrüchen der Mutter ausgesetzt, nie konnte sie es ihr recht machen, es gab nicht genug zu essen und im Grunde war Elin mehr um die Brüder besorgt als ihre Mutter. Elin fehlte ihr Vater, die Mutter hatte einen neuen Liebhaber und die belastenden Probleme waren für ein Kind wie Elin einfach zuviel. Diese Kindheitserfahrungen machen Elin noch als Erwachsene zu schaffen, außerdem gab es ein schreckliches Erlebnis mit dauerhaften Schuldgefühlen, die nie austherapiert wurden. Elin muss sich ihrer Vergangenheit stellen.



Die Zeitschiene aus der Kindheit hat mich komplett mitgerissen, ich habe viele Emotionen gefühlt und war in dieser bewegenden Schilderung regelrecht gefangen. Das Schicksal der Kinder und Elins Kampfgeist hat mich ergriffen und ich freute mich über jede noch so kleine liebevolle Geste ihnen gegenüber.

Dagegen war mir die erwachsene Elin regelrecht fremd, sie vergräbt sich in ihre Arbeit, übergeht ihren Mann. Merkwürdig unausgereift, leer und gefühlslos wirkte sie auf mich, von Selbstvorwürfen zerfressen, so konnte sie mich leider nicht so packen. Sicherlich sollte Elin so unnahbar wirken, für den Lesesog war aber hauptsächlich die Vergangenheit für mich relevant.

Der Roman hat eine melancholische Grundstimmung, die durch die bestehenden Probleme entsteht und auch nicht durch schöne bildhaft beschriebene Landschaften und Stimmungen weichen kann.

Elins Geheimnis liegt über der Geschichte wie ein dunkler Schatten, diese lange verdrängte Schuld, kann nur durch eine Reise in ihre Heimat aufgearbeitet werden.

Sofia Lundberg hat mich mit ihrem wunderschönem Sprachstil und ihren besonderen Figuren erneut begeistert. Auch wenn mich manches Verhalten der Charaktere gestört hat, war es mir ein besonderes Vergnügen, die Figuren durch die Handlung zu begleiten. Das Denken und Handeln von Menschen ist nicht immer geradlinig, logisch und klar, man muss auch ihr Anderssein akzeptieren.


"Ein halbes Herz" ist eine dramatische Geschichte mit einem klaren Erzählvorteil in der Vergangenheit. Es lässt schlimme Schuldgefühle ans Tageslicht kommen. Nur wenn man sich seinen Problemen stellt, kann man ein zerbrochenes, halbes Herz heilen.

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Veröffentlicht am 14.03.2020

Ein Wohlfühlroman mit Amore unter der Sonne Italiens

Liebe ist tomatenrot
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Ursi Breidenbachs Roman "Liebe ist tomatenrot" entführt ins sommerliche Italien, das Buch erscheint im Penguin Verlag.


Nelli ist geschieden, sie hat eine große Tochter und lernt an ihrem 40. Geburtstag ...

Ursi Breidenbachs Roman "Liebe ist tomatenrot" entführt ins sommerliche Italien, das Buch erscheint im Penguin Verlag.


Nelli ist geschieden, sie hat eine große Tochter und lernt an ihrem 40. Geburtstag den gutaussehenden Luca kennen und beginnt mit ihm eine Affaire, die ihr gut tut. Allerdings hat die Sache einen Haken, Luca ist wesentlich jünger als sie. Obwohl sie nicht glaubt, dass Luca der Mann fürs Leben ist, willigt sie in seinen Vorschlag für eine romantische Kurzreise nach Italien ein. Doch dort wartet seine ganze Familie auf sie.


"Ich habe erkannt, dass es wunderbar entspannt, wenn man sich Phasen zugesteht, in denen das Leben ruhig ein bisschen eiern darf." Zitat Seite 252



Nellis Reise führt sie in das kleine Dorf Tabbio, wo sich die Bewohner auf den nachhaltigen Tomatenanbau spezialisiert haben. Kaum angekommen, ist Nelli sofort dem Zauber dieser Gegend erlegen und natürlich auch der köstlichen Tomatensauce, die Lucas Großmutter aus den sonnengereiften Tomante kocht. Ihr Verhältnis mit Luca wird akzeptiert und als Lucas Vater auftaucht, entdeckt Nelli auch für ihn große Gefühle.


Die Geschichte wird ziemlich romantisch, was aber hauptsächlich am italienischen Flair der tollen Atmosphäre in der Großfamilie liegt. Luca ist ein toller Liebhaber, doch es fehlen die gemeinsamen Interessen zwischen ihm und Nelli. Sie braucht eine Weile, bis sie heraus findet, dass nicht nur Jugendlichkeit ihren Reiz hat, sondern auch gelebtes Leben und damit die Spuren des Alterns durchaus ihre Vorzüge haben.



Vom ersten Moment in Italien habe ich mich bei dieser Familie sofort wohlgefühlt, mich mit Nelli sofort in das alte Steinhäuschen, die Casseta, verliebt und wäre dort selbst gern eine Weile geblieben. Während Luca im Ort seine alten Freunde trifft, überdenkt Nelli ihr Gefühlschaos und verbringt immer mehr Zeit in der Casseta, mit Lucas Vater Roberto und Großvater Hans. Anders als mit Luca laufen die Gespräche mit Roberto auf einer gemeinsamen Wellenlänge, Lebenserfahrung ist eben doch ein großer Schatz.



Ursi Breidenbach erweckt mit ihrem wunderbar bildhaften Schreibstil das italienische Dolce vita und die Beziehungen zwischen Nelli, Luca und Roberto zum Leben. Es entsteht sofort ein Gefühl als würde man die Geschichte aus der Nähe miterleben.

Ihre abwechslungsreichen Figuren sind facettenreich gezeichnet, alle sind auf ihre Art und Weise liebenswert und es macht sich in der Geschichte eine Stimmung breit, bei der man wie Nelli allmählich zur Ruhe kommt und erkennt, worauf es im Leben wirklich ankommt. Diese Familie tut richtig gut.


Die Liebesgeschichte läuft mit einigen Überraschungen ab, auch Tochter Laura reist Hals über Kopf nach Tabbio und das sorgt für abwechslungsreiche Unterhaltung, in die man gerne eintaucht und die herrlichen Bilder von Tomaten und der schönen Gegend genießt.



Dieser gefühlvolle Roman sorgt für angenehme Wohlfühlstimmung, bei dem man die Sonne Italiens spürt und die köstliche Salsa del Paradiso und die emotionalen Momente einfach nur genießen kann.



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Veröffentlicht am 14.03.2020

Unterhaltsamer Cosy Crime aus Bayern

Klingeltod und Kaiserschmarrn
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Der Alpenkrimi "Klingeltod und Kaiserschmarrn" von Kate Delore führt nach Bayern, in die Nähe von Garmisch-Partenkirchen.


Provinzkrimis lese ich immer gerne, weil in ihnen das Setting für regionale Eindrücke ...

Der Alpenkrimi "Klingeltod und Kaiserschmarrn" von Kate Delore führt nach Bayern, in die Nähe von Garmisch-Partenkirchen.


Provinzkrimis lese ich immer gerne, weil in ihnen das Setting für regionale Eindrücke sorgt und die Charaktere in ihrem Dialekt reden und gerade wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ein paar Schimpfworte dürfen da auch schon mal fallen, hier sorgen einige Ausbrüche für amüsante Szenen. Auf bildhafte Beschreibungen wurde hier viel Wert gelegt, ob bei den Schafen, im Wald oder in dem dunklen Versteck, man kann sich viele Szenen sehr gut vorstellen und erlebt die jeweilige Stimmung gut mit.


Der Plot war spannend, etwas verworren verstrickt, und konnte mich am Ende überraschen. Das Motiv hat mich leider nicht ganz überzeugt und die Aufklärung war gerade in der Schlussgeraden etwas auf reichlich Aktion hin ausgerichtet. Irgendwie konnte ich mir nicht von allen Figuren ein richtiges Bild machen und das hat meinen Lesefluss gestört. Die Perspektivwechsel wurden hier sehr schnell abgerissen und wechselten in eine neue Szene, sodaß ich das Gefühl hatte, ständig hin und her zu springen.

Die Charaktere Emma, ihr Bruder Valentin und Lieselotte wirken sympathisch und sehr authentisch, ihnen bin ich gern gefolgt, etwas mehr Tiefe hätte ihnen aber gut getan. Für die Kürze des Buches waren es eventuell einige Figuren und Vorgänge zu viel. Das geht zu Lasten der Handlung und sorgt für einen etwas gehetzten Eindruck.



Ein kleines Glossar Bayrisch-Deutsch erklärt am Ende des Buches einige Begriffe, wobei mir die meisten bekannt vorkamen.



Diese Krimilektüre hat mir Spaß gemacht, sie ist etwas für den Urlaub, für zwischendurch und liest sich mit dem Dialekt gut weg.

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