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Veröffentlicht am 12.12.2017

Besinnliche Weihnachten

7 Kilo in 3 Tagen
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Christian (Pokerbeats) Huber schreibt Kolumnen und Comedyprogramme für Radio und TV. Seine Erzählung "7 Kilo in 3 Tagen" erscheint im Rowohlt Verlag.



Bastian fährt über die Weihnachtstage heim zu ...

Christian (Pokerbeats) Huber schreibt Kolumnen und Comedyprogramme für Radio und TV. Seine Erzählung "7 Kilo in 3 Tagen" erscheint im Rowohlt Verlag.



Bastian fährt über die Weihnachtstage heim zu seinen Eltern in die Kleinstadt. In dieser trauten Eintönigkeit gibt er sich seinen Jugenderinnerungen und dem besten Bier des Planeten hin. Erst besorgt er sich selbst seine Geschenke, dann wird er von Mutti mit ihren selbstgebackenen Keksen gemässtet und bei den familiären Treffen wird hauptsächlich gegessen bis nichts mehr geht. Ein Einblick in eine Familie zur besinnlichsten Zeit des Jahres.


"Drei Tage unbequem schlafen und exzessiver Alkoholkonsum, laute Menschen und eine komplizierte Toilettensituation: Die Weihnachtstage sind das Festival für Erwachsene." Zitat Seite 57


Weihnachten mit der Familie, vor allem der Besuch der Eltern wird zum Fest unausweichlich. So geht es auch Bastian, als er zum Fest in die eintönige Kleinstadt seiner Jugend reist. Seine Geschenke muss er sich selbst besorgen, die Mahlzeiten nehmen kein Ende und auch das typische Baumschmücken und der Besuch in der früheren Stammkneipe kennt man so oder ähnlich.



Mir hat dieses Buch mit seinen amüsanten Einblicken in Bastians Familie gut gefallen. Manches kommt mir bekannt vor, einiges ist etwas auf die Spitze getrieben, aber im Grunde zeigt es die üblichen Erfahrungen, die in den meisten Familien an Weihnachten so gemacht und erlebt werden.

Man erhofft sich besinnliche Stunden im trauten Kreise der Familie und erlebt wie es gerade an diesen Tagen zu Konflikten kommt. In Bastians Fall sorgt sich der Vater um die berufliche Zukunft seines Sohnes und problematisch ist auch der Besuch von Fine, der Ex-Freundin Bastians, die inzwischen seinen Bruder an Weihnachten begleitet. Das kann nur schief gehen.



Christian Huber schreibt locker, flockig und mit etwas überspitztem Humor, aber er bringt es gekonnt auf den Punkt, wie sich Bastian fühlt und was ihn umtreibt. Man kann gar nicht anders als viel schmunzeln oder lachen.


Wer sich in der Weihnachtszeit humorvoll einstimmen möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Bei einigen Szenen wird man einiges wiedererkennen, lustig wird es auf alle Fälle.

Veröffentlicht am 10.12.2017

Gut unterhaltende Familienkomödie

Ziemlich unverbesserlich
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Diese Geschichte ist wunderbar zu lesen, sehr lebensnah geschrieben und hält inhaltlich einige Überraschungen bereit. Es ist ein Roman, der den Leser sofort in die Handlung versetzt und bei dem man die ...

Diese Geschichte ist wunderbar zu lesen, sehr lebensnah geschrieben und hält inhaltlich einige Überraschungen bereit. Es ist ein Roman, der den Leser sofort in die Handlung versetzt und bei dem man die Charaktere sofort ins Herz schliesst.

Ich habe gelacht, gebangt und mich gefreut, auch emotional ist man mit diesem Roman schnell verwachsen.

Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass hier ein reales Lebensgefühl erzeugt wird, nichts wirkt gekünstelt oder konstruiert. Die Probleme mit den Kindern, der Spagat zwischen Arbeit und Familie und die Schwiegermutter, die an das Gute im Menschen glaubt. Halt genau wie im echten Leben.

Auch die juristischen Einschübe, die Frau Scheunemann als promovierte Juristin gern einpflegt, sorgen für Authenzität und interessante Hintergründe, die dem Roman die nötige Tiefe verleihen und nicht ins Klischeehafte abgleiten lassen. So spielt das wahre Leben und so etwas möchte man auch lesen.

Diese Familienkomödie ist die bunte Mischung aus normalem Alltagswahnsinn, Aufdeckung eines Drogenhandels und einer sympathischen Familie mit der Hoffnung auf eine neue große Liebe machen diesen Roman zu einer wunderbar fesselnden Lektüre.


Herrlich lockere Unterhaltung ist hier garantiert und wenn man die Charaktere erst einmal lieb gewonnen hat, ist das Interesse am Nachfolgeband geweckt. Volle Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 10.12.2017

Dieser regionale Kultkrimi aus der Provinz ist wieder TOP!

Grießnockerlaffäre
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"Und schon haben sich die zwei am Krawattl. Ich persönlich lehn mich erst mal zurück und schau mir das ein Weilchen an. Vier Fäuste für ein Halleluja - Schwangerschaftsgymnastik dagegen. Wie aber mein ...

"Und schon haben sich die zwei am Krawattl. Ich persönlich lehn mich erst mal zurück und schau mir das ein Weilchen an. Vier Fäuste für ein Halleluja - Schwangerschaftsgymnastik dagegen. Wie aber mein Bierglas ins Wanken gerät, muss ich mich einmischen." Zitat Seite 152


Genau so ist er, der Eberhofer! Der ist so was von unangenehm, dass er schon wieder sympathisch ist.
Und Franz wäre nicht Franz, wenn nicht sein Jargon vor bayrischen Kraftausdrücken nur so strotzen würde. So gibt es seiner Meinung nach auch wieder jede Menge Volldeppen, Kampfweiber, Verwaltungsschnepfen und lebende Fleischpfanzerl in seiner nächsten Umgebung. Wer hier noch auf Wortsuche ist, findet sicher noch einige Beleidigungen mehr.
So kennen wir den Franz, er ist halt, wie er ist! Auch wenn er inzwischen vom Dorfpolizisten zum Kommissar aufgestiegen ist, ändert das ja nichts an seinem Naturell und man muss ihn trotz all seiner Unarten dennoch mögen.


Dieses Mal gerät Franz selbst in Verdacht, seinen verhassten Kollegen Barschl gelyncht zu haben. Bei der Befragung der Witwe, die früher Prostituierte war, erliegt Franz seinen niederen Trieben.
Überhaupt gibt es jede Menge Affären in diesem Buch.

Rita Falk hat mich mal wieder zum Lachen gebracht. Ich bin ausgesprochener Fan der Familie Eberhofer und habe daher gern verfolgt, was sich hier so alles abspielt. Speziell die Oma und die kleine "Sushi" haben es mir besonders angetan.

Die Kriminalfälle sind nun wirklich nicht die schwierigsten und auch eher vorhersehbar. Aber die Art und Weise der Aufklärung, bei der Franz Freund Rudi Birkenberger mal wieder einen großen Anteil hat, überrascht mich immer wieder aufs Neue.
Bei dieser Reihe tragen die speziellen Charaktere zur guten Unterhaltung bei. Einfache Gemüter mit bayrischem Sturschädel machen diese Krimireihe so kurzweilig und amüsant.


Ein Glossar und einige Rezepte aus Oma Lenis Kochbuch ergänzen das Buch. Denn das Essen kommt auch dieses Mal in Niederkaltenkirchen nicht zu kurz. Frei nach der Devise vom Franz: Erst essen, dann ermitteln! Na denn: Mahlzeit!

Veröffentlicht am 10.12.2017

Rasanter Verlauf, etwas verworrene Aufklärung

Sei mein Tod
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Dieser Thriller ist spannend geschrieben, der Fall beängstigend realistisch geschildert und die Handlung rasant. Und doch hatte ich so meine Probleme mit dem Buch.
Ich wurde mit dem Detektiv nicht warm, ...

Dieser Thriller ist spannend geschrieben, der Fall beängstigend realistisch geschildert und die Handlung rasant. Und doch hatte ich so meine Probleme mit dem Buch.
Ich wurde mit dem Detektiv nicht warm, er kam mir mit seinen Gedanken und seinem Verhalten nicht wirklich nahe und auch die Gefühle und das Innenleben der Entführungsopfer werden nicht so beschrieben, dass ich mir ein Bild von ihnen machen konnte.

Der Schreibstil ist flüssig und mitreißend und auch die Geschichte ist an und für sich handwerklich gut gemacht. Doch ich zweifelte mehrfach an den Inhalten. Ging Kayley freiwillig mit dem Entführer mit und warum schweigt Samantha über den damaligen Täter? Nach 20 Jahren sollte sie über die Sache sprechen können.

Bei den Charakteren erscheinen mir zu viele Personen auf einmal. Es fällt mir schwer, hier den Überblick zu behalten, wer zu den guten oder den bösen Menschen und Psychopathen zählt.
Warum wurde die Polizei nicht eingeschaltet, als eine Entführung sicher war? Hier kämpfen Nathan und Noreen an einsamer Front und sollen als Helden und Superermittler dargestellt werden. Insgesamt ist die Handlung durch die Zeitsprünge etwas unübersichtlich und wieso hängen genau diese beiden Fälle von Samantha und Kayley auch mit den beiden Hauptpersonen zusammen? Solche Zufälle mag ich bei Thrillern gar nicht.


Dieser Thriller hat mich verwirrt, wobei mir die Idee an sich gut gefallen hat, konnte die Umsetzung der Geschichte mich nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 10.12.2017

Etwas überkonstruiert und Weinzierls Gefühlswelt geht mir auf die Nerven!

Markttreiben
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Markttreiben beginnt mit einem spektakulären Prolog. Hier wird man hautnah Zeuge, wie ein Skifahrer bei einem Lawinenunglück verschüttet wird. Doch im Folgenden ist davon erst mal nicht wieder die Rede.

Denn ...

Markttreiben beginnt mit einem spektakulären Prolog. Hier wird man hautnah Zeuge, wie ein Skifahrer bei einem Lawinenunglück verschüttet wird. Doch im Folgenden ist davon erst mal nicht wieder die Rede.

Denn Kommissar Weinzierl erhält einen Anruf seines Ex-Chefs Baier, der von einem Toten, Leo Lang, bei einem Filmset in Peiting berichtet. Der Tote sollte das teure Kameraequipment bewachen, dieses fehlt, also geht man von einem Raubmord aus. Am Set gibt es Wortwechsel über Differenzen zwischen echten Bayern und echten Allgäuern. Das kann man als Lokalkolorit ansehen, ich würde das nicht so bezeichnen und finde es eher störend.

Es ist mein erster Fall mit Kommissar Weinzierl und ich stelle fest, er sucht das Abenteuer, hat eine wechselhafte, merkwürdige Beziehung mit Kollegin Johanna und scheint voll in der Midlifecrisis zu stehen.

Als Weinzierl Miriam kennen lernt, ist er hin und weg und beginnt eine Affäre mit ihr. Kurz darauf stirbt sie, scheinbar ein Selbstmord. Weinzierl geht der Sache nach. Seine Nachforschungen führen ihn bis nach Südafrika. Was sich hier dem Leser an Tierbeschreibungen und landschaftlichen Einblicken zeigt, ist mein eigentlicher Höhepunkt des Krimis. Allerdings sollte, wo Oberbayern-Krimi draufsteht, auch Oberbayern drin sein.
Ursache sind diverse Morde in Bayern, die zum Teil als Unfälle getarnt daherkommen; da der Ermittler jedoch mit einem Opfer eine kurze Affäre hatte, hat er ein persönliches Interesse daran, den Hintergrund des vermeintlichen Selbstmordes aufzuklären.

Auf mich macht der Krimi einen sehr konstruierten Eindruck, Weinzierl wird mir nicht sympathisch, eher mag ich seinen Rentner-Chef Baier.

Dabei gefällt mir der Schreibstil der Autorin sehr gut, ich mag die mundartlichen Einschübe und ich finde auch die Zusammenführung der Handlungsstränge und letztendliche Auflösung gelungen.


Dieser Krimi wirkt wie eine vorabendliche Unterhaltungsserie und ich kann ihn mir auch gut verfilmt vorstellen. Gerade der Ausflug nach Südafrika würde da in schönen Bildern erstrahlen.