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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2020

Gartenfrucht

Das Leben ist ein wilder Garten
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Der Landschaftsgärtner Carlo Weiss hat es wirklich nicht leicht, seine Frau hat ihn verlassen, seine Tochter studiert im Ausland. Jetzt verschwindet seine Mutter aus ihrem Seniorenheim. Die beginnende ...

Der Landschaftsgärtner Carlo Weiss hat es wirklich nicht leicht, seine Frau hat ihn verlassen, seine Tochter studiert im Ausland. Jetzt verschwindet seine Mutter aus ihrem Seniorenheim. Die beginnende Demenz der Mutter war eine Ursache dafür. Carlo Weiss droht den Boden unter seinen Füssen zu verlieren, oder um im Bild zu bleiben, sein Lebensgarten verwildert. Auf einem Jugendbild der alten Dame erkennt Weiss das Grand Hotel ihres Heimatortes. Könnte sie dort wohl sein? Ein Telefongespräch bringt Klarheit. Zusammen mit seinem Assistenten Agon macht er sich auf den Weg. Es ist eine Reise ins Grandhotel, aber auch zurück in die früheren Jahre.
Sein Assistent Agon ist in dieser Zeit sehr wichtig. Er betreut den verwilderten Garten auf allen Ebenen.
Rhetorisch bewegt sich der Roman auf hohem Niveau. Die Sprache ist sehr bildhaft und poetisch. Leider zerfaserte sich die Spur der Protagonisten im wilden Garten ein wenig. Es fiel mir schwer, die einzelnen Schicksale auseinanderzuhalten. Es wurde alles zu einer, den Garten überwuchernden Pflanze.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.09.2020

Zukunft wie und wann

Im nächsten Leben wird alles besser
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Das Cover mit seinen bunten Buchstaben macht neugierig auf das Buch. Bei uns noch eher abstrakte Elemente wie KI fallen nicht gleich ins Auge. Und doch ist der Roman dem wissenschaftlichen Fortschritt ...

Das Cover mit seinen bunten Buchstaben macht neugierig auf das Buch. Bei uns noch eher abstrakte Elemente wie KI fallen nicht gleich ins Auge. Und doch ist der Roman dem wissenschaftlichen Fortschritt sehr nahe gekommen. Einige der Erwartungen aus der Zukunft, klopfen heute schon an unsere Tür.
Die hier als Roman erarbeitete Vorlage hat bei den Zukunftsvisionen starken Anklang an die Werke von Y.N. Harari! Hier sind die Ideen der Zukunft sehr viel nüchterner und sachlicher verarbeitet.
Stelle sie sich vor, sie werden wach in einem fremden Bett, in einem unbekannten Raum, dann betritt der persönliche Assistent, Gustav, den Raum und erklärt Arnold Kahl , dass sich die Welt 25 Jahre weiter gedreht hat. Er gilt jetzt als alter Mann. Gustav entpuppt sich als KI mit synthetischem Charakter. Trotzdem werden Arnold und Gustav Freunde. Gustav hilft Arnold sich in der neuen Welt zu orientieren. Er steht ihm auch zur Seite als er Bilanz über sein Leben zieht.
Hans Rath hat die teilweise bedrückenden Zukunftsaussichten mit seinem Bildern und seiner Sprache in einen Rahmen gepackt, der uns die Zukunft mit einem Schuss Humor gedanklich nahe bringt. Es ist ein Buch zum lachen und schmunzeln. Es macht zugleich nachdenklich, wie es uns in dieser Zukunft ergeht. Arnold Kahl fällt seine Entscheidung..... Lesen sie selbst!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2020

Die Geschichte geht weiter

Margos Töchter
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Jetzt gibt es die Fortsetzung zu "Ab heute heiße ich Margo" von Cora Stephan! In "Margos Töchter" erzählt sie vom Leben der Töchter im noch geteilten Deutschland. Dabei rückt das Leben in der Provinz, ...

Jetzt gibt es die Fortsetzung zu "Ab heute heiße ich Margo" von Cora Stephan! In "Margos Töchter" erzählt sie vom Leben der Töchter im noch geteilten Deutschland. Dabei rückt das Leben in der Provinz, der RAF Terrorismus und die Maueröffnung mit in den Fokus der Autorin!
Cora Stephan bedient ´sich einer bilderreichen Sprache und einer angepassten Rhetorik. Besonders nach dem Mauerfall gab es nicht nur positive Stimmen. Menschen wurden enttäuscht oder waren einfach verbittert. Mit deutlichen Worten beschreibt sie die Spannungen, die unter der Oberfläche des gefeierten Sieges mit liefen.
Die Protagonistinnen des Buches und auch die weiteren Charaktere finden sehr deutliche Worte, obwohl ihre Sprache nicht immer sehr einfach ist. Als Leserin hatte ich eher schon einmal mit Längen im Text zu kämpfen.
Allerdings hielt mich das mit verarbeitete Recherche Material immer wieder bei der Stange.
Die Geschichte der Töchter wird nacheinander erzählt, was gerade den Übergang besonders spannend macht. Der dritte Teil mit dem Schwerpunkt auf Leonore zog mich sehr in seinen Bann.
Mich beeindruckt die gute Recherche hinter dem Roman. Sie vermittelt neben der Geschichte noch Aspekte der Deutsch - Deutschen Geschichte, die mir nicht geläufig waren.

Veröffentlicht am 23.08.2020

Das Leben in die Hand nehmen

Ein verzehrendes Geheimnis
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Als ich das Buch in die Hand nahm, schloss ich vom Titelbild her auf einen Roman der in einer eher heilen Welt angesiedelt ist. Doch weit gefehlt - es wurde, spannend, teilweise brutal, mysteriös und ...

Als ich das Buch in die Hand nahm, schloss ich vom Titelbild her auf einen Roman der in einer eher heilen Welt angesiedelt ist. Doch weit gefehlt - es wurde, spannend, teilweise brutal, mysteriös und unbedingt lesenswert.

Die Geschichte spielt in der Mitte des 19 Jahrhunderts in den Appalachen. Der Tod der Großmutter Forbis führt die kleine Cadi zu einem Geheimnis, das die Menschen im Tal betrifft. Cadi lebt mit ihrer Familie im Tal. Zur Großmutter hatte sie eine ganz besondere Beziehung. Bletsung, eine Frau die allein in einer abseits gelegenen Hütte lebt bringt es auf den Punkt:

"Ich kenne keine Menschenseele, im ganzen Tal, die nicht traurig und beladen ist!"

So sagt sie bei einem Besuch der 10jährigen Cadi. Der ist da allerdings noch nicht klar, dass sie versuchen wird hinter dies Geheimnis zu kommen. Der Tod der Großmutter löst eine Kettenreaktion aus.

Bei einer Beerdigung in dem Tal wurde immer der Sühnemann gerufen, der die Sünden der Verstorbenen in einem Ritual auf sich nimmt. Ihm darf man nicht in die Augen schauen. Cadi, die noch ein Geheimnis auf der Seele hat riskiert trotz des strikten Verbotes einen Blick in die Augen des Sühnemanns, bei der Beerdigung von Oma Forbis. Seit dem Tag wünscht Cadi nichts sehnlicher als den Sühnemann zu finden, um ihm ihre Schuld zu geben. Cadi begibt sich auf eine spannende Suche, die am Ende nicht nur für sie Erlösung bedeutet.

Die Autorin hat ein anrührendes und berührendes Buch verfasst. Es fußt auf einer Tradition, die schottische Einwanderer mit nach Amerika brachten, und hier weiter praktizierten. Daneben spielt die Frage der Schuld und der Vergebung eine wesentliche Rolle. Plastisch fast greifbar und mit passenden Worten beschrieben wird das harte und entbehrungsreiche Leben den Einwanderer. Gut herausgearbeitet ist das Miteinander und die Spiele um Macht und Habgier. Schuld bekommt hier auch einen Platz im Miteinander.

Cadi und ihr Freund Fagan bringen durch ihre Erfahrungen und Begegnungen bei der Suche nach dem Sühnemann eine neue Botschaft mit ins Tal: "Sie spricht von Liebe und Vergebung. Diese Liebe sprengt alte erstarrte Strukturen auf und öffnet die Menschen für eine neue Form des Miteinanders."

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Ich finde es lässt sich gut auf das heutige Miteinander übertragen.


Veröffentlicht am 18.08.2020

Nachbarn wahrnehmen

Huchting - Geschichten von der Straße
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Huchting ist ein Stadtteil von Bremen. Eigentlich nichts Besonderes. Hier leben Menschen mit ganz unterschiedlichen Nationalitäten, aber ihren je eigenen Geschichten.

In zwölf Geschichten schaut der ...

Huchting ist ein Stadtteil von Bremen. Eigentlich nichts Besonderes. Hier leben Menschen mit ganz unterschiedlichen Nationalitäten, aber ihren je eigenen Geschichten.

In zwölf Geschichten schaut der Autor auf das Leben der Menschen hier. Es steckt noch mehr in den Geschichten. Der Autor lädt ein über die Themen nachzudenken. Denn Huchting ist eigentlich überall. Seine Geschichten sind humorvoll, manchmal traurig, feine Ironie findet sich ebenfalls.

Egal ob der kleine Denis, Nasrin, oder Frau Schmidt, die Deutschlehrerin im Flüchtlingsheim im Vordergrund stehen, es ist berührend von ihren Schicksalen und Erfahrungen zu hören.

Beim Lesen fielen mir auch die Kapitelüberschriften auf. Sie sind in eine Straßenkarte des Ortsteils eingebettet. So wird immer wieder der Bezug zum Ortsteil verstärkt.

Als Fazit kann ich festhalten, Geschichten aus dem Leben gegriffen, mit allen Facetten die der Alltag so bietet.



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere