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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2025

Mein Lieblingsbuch aus 2024

Windstärke 17
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Bereits nach 22 Bahnen hatte ich hohe Erwartungen an Caroline Wahls erzählerische Kraft und ihre Fähigkeit, in die Gefühlswelt ihrer Figuren einzutauchen. „Windstärke 17” hat diese Erwartungen jedoch noch ...

Bereits nach 22 Bahnen hatte ich hohe Erwartungen an Caroline Wahls erzählerische Kraft und ihre Fähigkeit, in die Gefühlswelt ihrer Figuren einzutauchen. „Windstärke 17” hat diese Erwartungen jedoch noch übertroffen. Die Wut der Protagonistin war auf jeder Seite spürbar: roh, ungezähmt und so echt, dass ich sie fast körperlich nachempfinden konnte. Es gab Momente, in denen ich sie am liebsten geschüttelt hätte, um sie aus ihrem Strudel zu reißen. Und dann wiederum gab es Passagen, in denen ich sie am liebsten in den Arm genommen hätte, um ihr Halt zu geben. Diese ständige Spannung zwischen Abwehr und Zuneigung hat das Lesen zu einem zutiefst intensiven Erlebnis gemacht.

Caroline Wahl gelingt es auf bewundernswerte Weise, die Gefühlswelt ihrer Figur nicht nur abzubilden, sondern mich mitten hineinzuziehen. Mit einer Sprache, die zugleich klar und poetisch ist, dringt sie tief in das Innere der Protagonistin vor, dorthin, wo Verletzungen, Sehnsucht und Stärke untrennbar miteinander verwoben sind.

Für mich war „Windstärke 17” nicht einfach nur ein Roman, sondern ein emotionaler Sturm, der mich durchgerüttelt und zugleich berührt hat. Caroline Wahl hat es geschafft, dass ich nicht nur eine Geschichte gelesen, sondern ein Gefühlsbeben erlebt habe.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

WOW! Eins meiner absoluten Lieblingsbücher!

22 Bahnen
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Selten hat mich ein Buch so unmittelbar berührt wie „22 Bahnen”. Die Stimmen der beiden Schwestern haben mich nicht nur bewegt, sondern mich in eine Gefühlswelt gezogen, die mir gleichzeitig vertraut und ...

Selten hat mich ein Buch so unmittelbar berührt wie „22 Bahnen”. Die Stimmen der beiden Schwestern haben mich nicht nur bewegt, sondern mich in eine Gefühlswelt gezogen, die mir gleichzeitig vertraut und neu erschien. Ihre Beziehung, die von Nähe, Spannungen und unausgesprochener Sehnsucht geprägt ist, hat mich tief getroffen, weil sie so unverstellt und ehrlich erzählt wird.

Besonders stark empfand ich, wie die Autorin weibliche Erfahrungen sichtbar macht. Für mich war es nicht nur eine Geschichte, sondern ein Moment der Anerkennung: ein literarischer Raum, in dem die Gefühle, Kämpfe und Hoffnungen von Frauen Gewicht haben. Ich habe mich in ihrer Verletzlichkeit wiedererkannt, aber auch in ihrer Stärke und ihrer Fähigkeit, sich gegen Erwartungen und Zuschreibungen zu behaupten.

Beim Lesen habe ich nicht nur die Schwestern, sondern auch mich selbst neu verstanden. „22 Bahnen” hat in mir den Gedanken gestärkt, dass weibliche Stimmen und Geschichten nicht nur gehört, sondern ernst genommen werden müssen. Es war für mich nicht einfach ein Roman, sondern ein sehr persönliches, feministisches Erlebnis.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Vielschichtige Dorfwelten

Heimat
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Hannah Lühmanns Roman „Heimat“ hat mich diesen Sommer tief beeindruckt und nachhaltig beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Jana, die mit ihrer Familie von der Stadt aufs Land zieht und dort auf eine Dorfgemeinschaft ...

Hannah Lühmanns Roman „Heimat“ hat mich diesen Sommer tief beeindruckt und nachhaltig beschäftigt. Im Mittelpunkt steht Jana, die mit ihrer Familie von der Stadt aufs Land zieht und dort auf eine Dorfgemeinschaft trifft, deren Enge und politische Haltungen sie immer wieder irritieren. Besonders faszinierend ist das Verhältnis zwischen Jana und ihrer Nachbarin Karolin, einer selbstbewussten und traditionsbewussten „Tradwife“, die auf Jana gleichermaßen eine anziehende wie auch abstoßende Wirkung hat. Die Autorin versteht es meisterhaft, diese Begegnung differenziert und ohne Klischees darzustellen. Beide Protagonistinnen sind vielschichtig, authentisch und mit all ihren inneren Widersprüchen und Sehnsüchten lebendig gezeichnet. Vor allem Janas inneres Ringen zwischen eigenen Überzeugungen, dem alltäglichen Stress und dem Wunsch nach Dazugehörigkeit wirkt äußerst glaubwürdig.

Das Stadt-Land-Gefälle und der unterschwellige Rechtsruck werden von Lühmann sensibel und niemals verharmlosend thematisiert. Politische Strömungen wie die AfD sowie Fragen von Ausgrenzung und Zugehörigkeit erscheinen nicht als platte Thesen, sondern sind feinfühlig im Alltag der Figuren verankert. Das verleiht dem Roman große Aktualität und gesellschaftliche Relevanz.

Der Schreibstil besticht durch Präzision, Feingefühl und kluge Zurückhaltung. Lühmann lässt viel Raum für Zwischentöne und leise Ironie. Ihre journalistische und essayistische Erfahrung zeigt sich in einer klaren, eleganten Sprache, die gleichermaßen emotional wie analytisch ist und an vielen Stellen tief berührt. Auch das Cover greift diese Ambivalenz gelungen auf. Es ist schlicht gehalten, gleichzeitig mehrdeutig und spiegelt die Vielschichtigkeit der erzählten Welt wider.

Alles in allem ist „Heimat“ ein Roman für alle, die sich für gesellschaftliche Entwicklungen, neue Rollenbilder und aktuelle politische Debatten interessieren. Wer Hannah Lühmann noch nicht kennt, wird sie hier als wache und empathische Erzählerin entdecken. Mein Fazit: Ein tiefgründiges und kluges Buch, das nachhallt und das ich uneingeschränkt empfehle, gerade in einer Zeit, in der Fragen nach Heimat und Identität wieder sehr präsent sind.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Feministisches Meisterwerk

Mein Name ist Emilia del Valle
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Mit „1866 erblickt Emilia del Valle“ zeigt Isabel Allende erneut, warum sie zu den bedeutendsten Stimmen feministischer Literatur zählt. Ihr Roman erzählt die Geschichte einer Frau, die sich in einer männerdominierten ...

Mit „1866 erblickt Emilia del Valle“ zeigt Isabel Allende erneut, warum sie zu den bedeutendsten Stimmen feministischer Literatur zählt. Ihr Roman erzählt die Geschichte einer Frau, die sich in einer männerdominierten Welt nicht bloß behauptet, sondern selbstbestimmt ihren eigenen Weg geht. Emilia del Valle, geboren als Tochter einer irischen Nonne und eines chilenischen Aristokraten, wächst in einem armen Viertel von San Francisco auf. Von Beginn an setzt sie sich mit den Erwartungen ihrer Umgebung auseinander, entwickelt einen scharfen Verstand, rebellischen Geist und eine Leidenschaft fürs Schreiben.

Allende zeichnet Emilia als facettenreiche und eigensinnige Figur, die Fehler macht, sich mit dem Literaturbetrieb anlegt und unter Pseudonym veröffentlicht. Das ist ein stiller, aber bedeutender feministischer Akt angesichts der Unterdrückung weiblicher Stimmen im 19. Jahrhundert. Emilia bleibt jedoch nicht im Verborgenen, sondern will gestalten, erleben und als Reporterin gesellschaftliche Grenzen überschreiten. Der Roman verwebt persönliche Emanzipation mit politischen Umbrüchen und wirkt dabei nie dogmatisch.

Beeindruckend ist, dass Emilia nicht als makellose Heldin, sondern als echte und widersprüchliche Frau dargestellt wird. Liebe ist nicht das Ziel ihres Lebens, sondern eine Facette davon. Die Beziehung zu Eric ist intensiv und ambivalent, bleibt aber stets im Hintergrund gegenüber ihrem Streben nach Selbstverwirklichung. Besonders hervorzuheben ist Allendes differenzierter Blick auf Mutterschaft und Herkunft. Die Geschichte von Emilias Eltern bricht mit traditionellen Familienbildern und wird als Ursprung für eine neue, widerständige Weiblichkeit erzählt, fern jeder Romantisierung.

Insgesamt gelingt Isabel Allende ein kraftvoller und vielschichtiger Roman, der zeigt, wie Frauen im 19. Jahrhundert nicht nur ihren Platz suchen, sondern ihn sich selbstbewusst nehmen.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Fehlende Spannung

In einem Zug
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„In einem Zug“ konnte mich leider nicht überzeugen. Die Ausgangsidee – ein intensives, schicksalhaftes Zusammentreffen im Zug – verspricht zwar Spannung, doch die Umsetzung wirkt aus meiner Sicht häufig ...

„In einem Zug“ konnte mich leider nicht überzeugen. Die Ausgangsidee – ein intensives, schicksalhaftes Zusammentreffen im Zug – verspricht zwar Spannung, doch die Umsetzung wirkt aus meiner Sicht häufig zu konstruiert. Die Handlung ist mit zahlreichen Wendungen überfrachtet, von denen manche unglaubwürdig erscheinen und eher auf einen schnellen Spannungsaufbau als auf eine natürliche Entwicklung abzielen. Die Figuren bleiben dabei blass; ihre Dialoge und Gedanken erschienen mir meist künstlich und wenig authentisch, wodurch es schwerfiel, eine emotionale Verbindung zu ihnen aufzubauen. Auch die typische, feine Glattauer-Atmosphäre bleibt diesmal auf der Strecke: Sie wirkt gezwungen und vermisst jene subtile, leise Spannung, die seine früheren Bücher ausgezeichnet hat. Trotz der grundsätzlich reizvollen Idee hat das Buch insgesamt meine Erwartungen an ein besonderes Leseerlebnis nicht erfüllt. Es bleibt deutlich hinter den Stärken von Glattauers bisherigen Werken zurück und fokussiert zu sehr auf Plot-Twists, während das emotionale Fundament fehlt.

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