Eine kurzweilige literarische Reise zur Vor- und Nachbereitung der eigenen Rheinreise
Der Rhein“Der Rhein” ist ein Sachbuch von Karl-Heinz Göttert, in dem der Fluss aus zweifacher Sicht als literarischer Ort betrachtet wird: einerseits als Ort, den Autor*innen aufsuchten, andererseits als Handlungsort ...
“Der Rhein” ist ein Sachbuch von Karl-Heinz Göttert, in dem der Fluss aus zweifacher Sicht als literarischer Ort betrachtet wird: einerseits als Ort, den Autor*innen aufsuchten, andererseits als Handlungsort von literarischen Werken. Göttert folgt dabei der Fließrichtung des Rhein - vom Alpenrhein, Bodensee und Hochrhein über den Ober- und Mittelrhein hin zum Niederrhein und (niederländischen) Deltagebiet. Auf der Reise werden eine Vielzahl kleinerer und größerer Orte längs des Rhein besucht, in denen sich Literarisches zugetragen hat. So finden sich 95 sehr eingängig lesbare Artikel (ca. 3 Seiten lang, ergänzt mit farbigen Abbildungen), die die Orte aus Sicht der Literaturwissenschaft näher einordnen. In diesem Sinne begegnen wir dem Rhein zu Beginn unserer Reise bei Tacitus und Caesar als Grenzfluss von “Barbaren”, sehen den Rhein aus der lyrischen Perspektive Friedrich Hölderlins, besuchen die Klosterbibliothek St. Gallen und setzen uns mit Marcel Reich-Ranickis Verriss zu Martin Walsers in Wasserburg (Bodensee) spielenden “Ein springender Brunnen” auseinander. Man merkt schon: In “Der Rhein” werden mehrere Epochen berührt, auch wenn der Schwerpunkt auf der Neuzeit liegt. Einzelnen Autoren begegnen wir auf unserer Reise mehrfach: So treffen wir auf Friedrich Hölderlin nicht nur am Ursprung des Rheins, auch in Speyer, wo er den Dom in Augenschein nahm, lugt er ums Eck; Johann Wolfgang von Goethe taucht gleich mehrfach auf: u.a. am Rheinfall in Schaffhausen, den er plastisch beschrieb, im Angesicht des Straßburger Münsters und in Bingen beim Rochusfest. Örtlich stehen im Fokus von “Der Rhein” natürlich die längs des Rheins befindlichen Großstädte (allein Köln hat 9 Artikel erhalten, in denen bspw. Albertus Magnus’ Vorlesung “De animalibus”, Georg Forsters Ansichten des Kölner Doms und das “Kölnbild” Heinrich Bölls betrachtet werden) oder touristische Hotspots wie die Loreley, die wir bei Clemens von Brentano, Heinrich Heine und Erich Kästner finden. Daneben werden aber auch immer wieder Abstecher in kleinere Orte unternommen. So z. B. nach Winkel (Heimatort des Hochstaplers Felix Krull (Thomas Mann)), nach Bacharach (Handlungsort der fragmentarischen Erzählung “Der Rabbi von Bacherach” (Heinrich Heine)) oder nach Kleve (als Schwanenritter-/Lohengrinstadt). Von all diesen Orten und (literarischen) Geschichten berichtet Göttert fesselnd und kurzweilig, wobei sich wissenschaftliche Kurzanalysen mit literarhistorisch Anekdotischem schön die Waage halten. Insgesamt ist “Der Rhein” eine kurzweilige literarische Reise, mit der man nachhaltig seine eigene Rheinreise vor- oder nachbereiten kann.