Ein informatives Sachbüchlein
Weihnachten bei Goethe“Weihnachten bei Goethe” ist ein Sachbuch von Werner Völker, das sich mit der Rolle des Weihnachtsfestes im Leben von Johann Wolfgang von Goethe auseinandersetzt. Völker geht dabei chronologisch vor, beginnend ...
“Weihnachten bei Goethe” ist ein Sachbuch von Werner Völker, das sich mit der Rolle des Weihnachtsfestes im Leben von Johann Wolfgang von Goethe auseinandersetzt. Völker geht dabei chronologisch vor, beginnend mit dem Weihnachtsfest im Frankfurter Hirschgraben, bei dem Goethe und seine Geschwister ein Puppentheater von ihrer Großmutter geschenkt bekamen. Es folgen das Fest in Leipzig als Student bei der Familie Stock und Goethes Schlittschuhfahrten auf dem zugefrorenen Main in Frankfurt. Ebenfalls eine wichtige Rolle in “Weihnachten bei Goethe” spielen die auf der italienischen Reise erlebten Weihnachtsfeste, bei denen Goethe u.a. durch mehrere katholische Gottesdienste tingelte - was den protestantischen Dichterfürsten sichtlich beeindruckte. Auch die Weihnachtsfeste in Weimar werden schlaglichtartig behandelt: So wird ein weihnachtlicher Brief von Frau Aja, Goethes Mutter, nach Weimar ebenso ausführlich besprochen wie der Briefwechsel zwischen Goethe und seiner (späteren) Ehefrau Christiane zu Weihnachten 1800, an dem Goethe zu spät zum Fest kam. Daneben finden sich weihnachtliche Geschenkgedichte von Goethe an Charlotte von Stein, ein Bericht von Johanna Schopenhauer über den Weihnachtsbesuch Goethes in ihrem Salon, Äußerungen über Goethes Essgewohnheiten sowie dessen Umgang mit seinen Enkel (denen er im Alter besondere Geschenke überreichte). Zusätzlich wird die Rolle des Weihnachtsfestes in Goethes “Werther” sowie im “Wilhelm Meister” überblicksartig besprochen. Den Abschluss bildet ein Blick auf das Weihnachtsfest im Frauenplan 1838, in dem der Geist des bereits verstorbenen Goethe für alle Besucher noch nachhallt. Man ahnt es an meiner kurzen Zusammenfassung schon: Immer wieder kommen Zeitgenossen zu Wort - seien es Christiane Vulpius, Johanna Schopenhauer oder Franz Woltreck; manchmal auch Goethe selbst -, sodass ein lebendiges wie informationsreiches Bild entsteht. Weihnachten, so lässt sich resümieren, war für Goethe mal ausgelassen, mal sentimental, immer arbeitsreich. Abgerundet wird das Büchlein durch Gemälde der beschriebenen Personen sowie Fotografien von (verschenkten) Gegenständen. Der Ton von Werner Völker ist meistens sachlich, bisweilen fällt er aber auch in einen erzählerischen Sprech. Der wirkte auf mich stellenweise etwas zu dick aufgetragen, ist allerdings unterm Strich nicht allzu nachteilig. Insgesamt ist “Weihnachten bei Goethe” ein interessantes, schön aufgemachtes Sachbüchlein, in dem man den Mensch Goethe kennenlernen kann.