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Veröffentlicht am 06.12.2018

erschreckende Paralellen

NSA - Nationales Sicherheits-Amt
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Weimar im Jahre 1942. Der Krieg ist auf seinem Höhepunkt und vieles wird auf seine Kriegswichtigkeit überprüft. So auch das Tun im NSA, dem nationalen Sicherheitsamt. Schon seit der Kaiserzeit werden hier ...

Weimar im Jahre 1942. Der Krieg ist auf seinem Höhepunkt und vieles wird auf seine Kriegswichtigkeit überprüft. So auch das Tun im NSA, dem nationalen Sicherheitsamt. Schon seit der Kaiserzeit werden hier Programme gestrickt und Daten ausgewertet. Und nun ist es an der Zeit zu beweisen, dass diese Dienste auch weiterhin außergewöhnlich sind und dem Regime von Nutzen sein können. Eugen Lettke und Helene Bodenkamp arbeiten beide für das NSA, er als Analytiker, sie als Programstrickerin. Lettke nutzt die Daten des Amts vor allem, um seine privaten Ziele zu erreichen, wohingegen Helene eigentlich nur ihrer Leidenschaft fürs Programm stricken nachgeht, ohne groß darüber nachzudenken, wofür genau diese Programme genutzt werden. Als eines Tages Himmler das Amt besucht und ihm vorgeführt wird, wie mit Hilfe ihrer Programme versteckte Juden entdeckt werden können, wird Helene klar, zu was sie da Mithilfe leistet. Und stellt fest, dass sie damit nicht ihr Gewissen belastet, sondern auch ihre Freunde und ihre große Liebe in Gefahr bringt.

Andreas Eschbach spinnt in NSA den Gedanken fort, was gewesen wäre, hätte das Regime unter Hitler bereits die Möglichkeit gehabt auf Computer zuzugreifen und sich soziale Medien zu Nutzen zu machen. Er betreibt sozusagen "spekulative Geschichte" So wie seine Figur Arthur in seiner Abschlussarbeit, nur unter anderen Vorzeichen.
Es ist schon erschreckend was man so alles aus den Daten, die tagtäglich über uns gesammelt werden, lesen kann. Wir haben heute das Glück, dass diese Daten im Normalfall dazu genutzt werden, um uns mit gezielter Werbung zum Kaufen zu animieren.
Im dritten Reich hätte das ganze wohl deutlich andere Schwerpunkte gehabt. Und die Vernichtungs- und Verfolgungsmaschinerie wäre wohl noch deutlich effizienter gewesen.
Eschbach gelingt es dieses Szenario glaubwürdig darzustellen. Nicht nur in dem er die Bezeichnungen eindeutscht, sondern auch in dem er uns Helene über die Schulter kucken lässt, wenn sie die Programme "strickt". Da ist im ersten Moment nichts Dramatisches dabei, das wird erst klar, als die Programme dazu eingesetzt werden, um Regimekritiker aufzuspüren und zu überwachen.
Auch Dinge, die für uns heute noch in der vermutlich nahen Zukunft liegen, wie Gesichtserkennung und neuronale, selbstlernende Netze, werden thematisiert.

Ich war sehr angetan von diesem Buch, auch wenn es mir manchmal schwergefallen ist weiterzulesen. Mit Lettke und Helene schafft Eschbach zwei Charaktere, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Während Lettke nur mit sich selbst und seinem Vorteil beschäftigt ist, entwickelt Helene nach und nach ein Gewissen und den Blick über die Grenzen des eigenen Ichs.
Und auch wenn Lettke eindeutig die Hassfigur des Buches ist, fand ich auch seine Entwicklung höchst interessant.
Die Entwicklung der Programme und das ganze technische Drum Rum sind gut erklärt und machen deutlich, dass Eschbach sich mit der Materie auskennt. Für nicht-IT-affine Menschen mögen die Teile in denen Helene und Lettke über die Programme diskutieren nicht so interessant sein, aber für mich als ITler war es sehr interessant und gut nachvollziehbar. Und auch erschreckend wie einfach doch manche Dinge sind.
Mich hat dieses Buch sehr nachdenklich zurückgelassen. Wieviel Freiheit und Selbstbestimmung sind wir bereit für ein bisschen Bequemlichkeit aufzugeben? Den meisten Bürgern im deutschen Reich ist ja nicht einmal klar, welche Daten über sie gesammelt werden, sie freuen sich nur über das schnelle bargeldlose Zahlen und die einfache Erreichbarkeit über die tragbaren Telephone. Dass sie sich damit zum gläsernen Bürger machen ist ihnen nicht einmal bewusst.

Viele Dinge, die im Buch angesprochen werden, sind heute schon Realität. Alleine die Beeinflussung in den sozialen Netzwerken ist ja auch heute immer wieder Thema.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es bietet spannende Lesestunden und viele Denkanstöße.

Veröffentlicht am 04.12.2018

nicht meins

Der Winter der Wunder
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Katherine verdient ihr Geld mit medizinischen Übersetzungen und dem Schreiben von Weihnachtsbriefen. Eines Tages läuft ihr der Autor von "Das freie Kind" Wynn Jeffries über den Weg. Nach diesem Erziehungsratgeber ...

Katherine verdient ihr Geld mit medizinischen Übersetzungen und dem Schreiben von Weihnachtsbriefen. Eines Tages läuft ihr der Autor von "Das freie Kind" Wynn Jeffries über den Weg. Nach diesem Erziehungsratgeber erzieht Katherines Schwester seit neuestem ihre Kinder und stößt damit auf wenig Gegenliebe bei Katherine. Nun nutzt Katherine die Chance, Wynn die Meinung zu seinen Erziehungstipps zu sagen.

Ich muss sagen, ich bin ein wenig enttäuscht von diesem Buch. Irgendwie bleibt alles sehr oberflächlich, die Figuren haben so gut wie keine Tiefe. Das Buch gehört zur Reihe um die Geschäfte in der Blossom Street und macht irgendwie den Eindruck, als hätte man unbedingt noch einen Weihnachtsband herausbringen müssen. Ich weiss, dass die Autorin definitiv mehr kann.

Katherine, genannt K.O. (eine Abkürzung, die mich beim Lesen sehr irritiert hat) ist einerseits eine strikte Gegnerin von Wynns Erziehungstipps, verfällt ihm aber schon beim ersten Date. Was ein teures Restaurant da nicht so alles ausmacht. Wynn scheint irgendwie ein echter Supermann zu sein, sehr zuvorkommend und höflich, an sich ein Traummann. Mir aber irgendwie zu glatt. Warum er die Erziehungsmethoden aus seinem Buch vertritt, wird nur angedeutet, auch die Beziehung zu seinem Vater bleibt eher oberflächlich.

Aus dem Konflikt bezüglich der Umsetzbarkeit seines Buches hätte man deutlich mehr machen können, hier ist viel Potenzial verschenkt worden.

Von daher von mir leider keine Leseempfehlung, auch wenn das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen werden konnte.

Veröffentlicht am 02.12.2018

Schöner Familienroman

Die vergessene Burg
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Paula Cooper lebt als Gesellschafterin bei der Cousine ihrer Mutter. Dort ist sie nicht wirklich glücklich, irgendwie ist auf Dauer alles nur wie eine Leihgabe und sie muss ihr Leben komplett zurückstellen. ...

Paula Cooper lebt als Gesellschafterin bei der Cousine ihrer Mutter. Dort ist sie nicht wirklich glücklich, irgendwie ist auf Dauer alles nur wie eine Leihgabe und sie muss ihr Leben komplett zurückstellen. Da erfährt sie eines Tages, dass eben jene Cousine einen Brief, der an Paula gerichtet war, unterschlagen hat, angeblich um sie zu schützen. Es stellt sich heraus, dass Paula einen Onkel in Bonn hat, der ihr geschrieben hat, da er sehr krank ist und sie gerne noch einmal sehen würde.


Nachdem sich sowohl ihre Mutter als auch ihre Cousine weigern, Paula zu erklären, warum sie den Kontakt zu Onkel Rudy nicht wünschen, macht sich Paula auf den Weg nach Bonn, um ihren Onkel kennenzulernen und von ihm etwas über ihren verstorbenen Vater zu erfahren.


In Bonn angekommen, stellt sich heraus, dass Onkel Rudy ein liebenswerter Mensch ist und Paula genießt die neu erworbene Freiheit. Als sie jedoch herausfindet, dass ihr Vater unter seltsamen Umständen verschwunden ist, macht sie sich auf die Suche nach dem, was damals passiert ist.

Dabei lernt sie den Fotografen Benjamin Trevor kennen und schätzen. Gemeinsam mit ihm gelingt es tatsächlich das lang gehütete Familiengeheimnis zu lüften.


Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Die Beschreibungen der Rhein-Landschaften sind einfach toll, man sieht den Fluss und seine Umgebung förmlich vor sich. Und auch die kleine englische Gemeinde, die in Bonn lebt, ist wirklich liebevoll beschrieben.


Paula ist zwar schon 32 Jahre alt, aber bisher ist in ihrem Leben immer alles von anderen entschieden worden. Als sie sich entscheidet ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, macht sie eine wirklich erstaunliche Verwandlung durch und entdeckt ihre eigene Stärke. Diese Entwicklung hat mir wirklich sehr gut gefallen, gibt es doch auch immer wieder Rückschläge und Selbstzweifel. Paula mutiert nicht einfach so zur Superwoman.

Auch die Mischung aus Spannung und beschaulichen Szenen im Buch haben mir gut gefallen, so wurde es nie langweilig.


Von mir daher eine Leseempfehlung für dieses schöne Buch!

Veröffentlicht am 22.11.2018

Nett für zwischendurch

Es muss ja nicht gleich Liebe sein
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Nora und Stephen passen an sich gut zusammen, aber jeder der beiden hat seine Gründe, warum er sich nicht dauerhaft auf eine Liebesbeziehung einlassen will. Eine Freundschaft mit gewissen Vorzügen hingegen ...

Nora und Stephen passen an sich gut zusammen, aber jeder der beiden hat seine Gründe, warum er sich nicht dauerhaft auf eine Liebesbeziehung einlassen will. Eine Freundschaft mit gewissen Vorzügen hingegen wäre etwas, worauf man sich gerade noch einigen könnte.

Und so beginnen sie genau das, auch wenn sich daraus mehr entwickelt, als geplant.

Es muss ja nicht gleich Liebe sein ist der zweite Teil der Reihe um den Lone Star Canyon. Man kann das Buch aber hervorragend ohne die Kenntnis des Vorgängers lesen.

Ich muss sagen für mich ist das Buch eines der schwächeren von Susan Mallery. Dass es in solchen Büchern auch immer phänomenalen Sex gibt, ist ja normal, aber dass der schon phänomenal ist, bevor er überhaupt stattfindet, war mir einfach zu viel des Guten.

Insgesamt waren mir die Bettszenen einfach auch zu viel.

Dabei sind die beiden Charaktere Nora und Stephen durchaus interessant und ausbaufähig. Dass die beiden Arzt und Friseurin sind spielt aber in dem Fall nur eine Nebenrolle. Daraus hätte man durchaus noch mehr machen können.

Trotz aller Kritik hat mir das Buch gefallen, es lässt sich gut lesen und ist auf jeden Fall ein netter Pageturner für zwischendurch.

Veröffentlicht am 18.11.2018

1000 Jahre Deutschland

Land im Sturm
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In Land im Sturm begleiten wir 2 Familien und deren Nachkommen durch die Wirren der deutschen Geschichte. Das Ganze beginnt mit dem Jahr 995 und der Schlacht auf dem Lechfeld. Hier treffen Arnulf, der ...

In Land im Sturm begleiten wir 2 Familien und deren Nachkommen durch die Wirren der deutschen Geschichte. Das Ganze beginnt mit dem Jahr 995 und der Schlacht auf dem Lechfeld. Hier treffen Arnulf, der Schmied und Ewalt von Billung aufeinander. Weiter geht es mit der Zeit des Kreuzzuges gegen die Wenden im Jahr 1148 in Norddeutschland und dann mit dem Ende des dreißigjährigen Krieges.
Die letzten beiden Abschnitte liegen zeitlich deutlich näher beieinander, 1814 kurz vor der Völkerschlacht und 1848 zur Märzrevolution in Berlin. Hier trifft man im zweiten Abschnitt auch handelnde Personen aus dem vorhergehenden Abschnitt wieder.

Jeder Abschnitt wird mit einleitenden Worten begonnen, der einen ungefähren Überblick über die jeweilige Zeit gibt. Die Geschichte selbst wid dann aus dem Blickwinkel der jeweiligen Protagonisten erzählt. So gewinnt man einen Einblick in das Handeln und Denken der einfachen Menschen dieser Zeiten. Interessant fand ich dabei wie sehr die Religion in den Jahrhunderten immer wieder das Leben der Menschen beeinflusst hat. Aber auch Dinge wie Gesellschaftsformen und damit einhergehend, Frauen- und Arbeiterrechte werden thematisiert.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es mir immer wieder schwergefallen ist, nach einem Abschnitt Abschied zu nehmen. Ich hätte dann doch gerne mehr über die Familien und die Schicksale der einzelnen Personen gewusst. Aber das hätte den Rahmen dieses Buches definitiv gesprengt. So waren es jeweils ca. 200 Seiten pro Zeitabschnitt, die wir die Protagonisten begleiten konnten.
Ich hätte auch nichts gegen eine Serie von mehreren Büchern gehabt, um jeweils tiefer in die Geschichten eintauchen zu können.
Zu lesen war dieses Buch sehr flüssig, die Seiten flogen nur so dahin und man war auch immer schnell im jeweiligen Geschehen.

Von mir daher durchaus eine Leseempfehlung für diesen Roman, der es schafft uns knapp 1000 Jahre deutscher Geschichte lebendig zu machen.