Profilbild von subechto

subechto

Lesejury Star
offline

subechto ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit subechto über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2017

Ein Mann sieht rot

Die Abbieger
0

„Die Abbieger“ von Thomas Schweres ist bereits der vierte Fall für den Dortmunder Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“, und den Reporter Tom Balzack. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, ...

„Die Abbieger“ von Thomas Schweres ist bereits der vierte Fall für den Dortmunder Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“, und den Reporter Tom Balzack. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Zwei Kaninchenfreunde und Staugegner, Klausi und Freddy, haben den Chef der Landesbehörde Straßen.NRW entführt. Dr. Weissfeldt soll ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, täglich im Stau stehen zu müssen. Morgens und abends hoppelt er nun in Rabbit über die A 40, vorbei an Baustellen, Blitzern und Betonleitplanken. Dazu muss er sich den unbequemen Fragen Klaus-Werner Lippermanns stellen.
Schüppe und Tom geben alles, um das Leben der Geisel zu retten. Doch der Kampf gegen die Zeit und die Staus fordert Opfer…
Allein die Idee ist genial. Wer hat sich nicht schon mal geärgert und Rachepläne erdacht, wenn er im Stau steht?
Am Anfang des Buchs gibt es ein Personenregister. Voll das Klischee: Elfriede Lippermann, Mutti von Klausi (Klaus-Werner), spricht Ruhrpott-Dialekt, trägt Sandalen und weiße Socken. Klausi ist 42, Single, wohnt noch in seinem Kinderzimmer im Hotel Mama und fährt einen Jetta. Aber Klausi ist schlau. Er weiß ganz genau, wie viel Lebenszeit er im Stau verbracht hat und er hat es satt…
Thomas Schweres hat erneut eine wunderbar schräge Geschichte geschrieben, spannend und informativ zugleich mit viel schwarzem Humor und lauter skurrilen Typen. Oft hatte ich beim Lesen Tränen in den Augen, aber nicht aus Mitleid mit dem Chef von Straßen.NRW, sondern vor Lachen.
Über das Wiedersehen mit Schüppe, Gültekin, Tom & Co. habe ich mich sehr gefreut. Auch Toms Sohn Christos ist mit dabei. Neben dem Hauptthema Stau besticht der Krimi für mich auch durch die interessanten Einblicke in die Arbeit eines freien Journalisten und Reporters, Tom und sein Team.
Doch Veränderungen deuten sich an. Stichwort: Next Generation. Wird Tom das operative Geschäft seinem Sohn Chris übergeben? Wird Gültekin seinen Chef Schüppe als Nachfolger beerben? Egal, Hauptsache, die Reihe geht weiter! Aber wir sind nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isset.

Fazit: Ich habe mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch köstlich amüsiert.

Veröffentlicht am 20.03.2017

Wo ist Lucía?

Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Mädchen
0


Die Hauptrolle spielt Monteperdido, ein Dorf hoch oben in den Pyrenäen, im Schatten bedrohlicher Berge, wo die Sonne früh untergeht, auch wenn es noch nicht spät ist. Die Menschen leben seit Generationen ...


Die Hauptrolle spielt Monteperdido, ein Dorf hoch oben in den Pyrenäen, im Schatten bedrohlicher Berge, wo die Sonne früh untergeht, auch wenn es noch nicht spät ist. Die Menschen leben seit Generationen in einer verschworenen Gemeinschaft. Fremden begegnen sie mit Misstrauen. Dennoch sind vor fünf Jahren zwei 11-jährige Mädchen spurlos verschwunden, die Freundinnen Ana und Lucía.
Eines Tages wird die inzwischen 16-jährige Ana bewusstlos in einem Wagen gefunden, der in eine Schlucht gestürzt ist. Der Fahrer ist tot. Wo ist Lucía? Die Berge schweigen, trügerisch rauschen die Pappelwälder, gefährlich fließen die reißenden Fluten des Esera. Unter den Bewohnern von Monteperdido greifen die Verdächtigungen um sich: War es ein Fremder oder einer von ihnen?
Kommissarin Sara Campos und Inspektor Santiago Baín aus Madrid ermitteln. Sie stoßen schon bald auf ein komplexes Geflecht aus Lügen, Verrat und Gewalt. »Hat er was zu dir gesagt?«, fragte Sara. »›Eines Tages bringe ich dich um.‹ Das hat er gesagt. ›Wenn du am wenigsten damit rechnest, bringe ich dich um.‹ Dann hat er das Gewehr sinken lassen und mir wieder den Sack über den Kopf gezogen.«
Sara muss sich nach und nach eingestehen, dass der Fall eine viel größere und gefährlichere Dimension hat als zunächst angenommen. Nichts ist, wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Fast jeder in Monteperdido hat ein Geheimnis, eine dunkle Seite.
Der Leser merkt sofort, dass der Autor ein Profi ist. In bildgewaltiger und intensiver Sprache erzählt Agustín Martínez seine Geschichte. Eine Geschichte, die eine ganz eigene Farbe und Temperatur hat. Mit atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen verbreitet der Autor viel Lokalkolorit. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Besonders Sara ist mir sofort ans Herz gewachsen. Auch sie kämpft noch mit ihren eigenen Dämonen aus der Vergangenheit. Doch sie ist schlau. Die Geschichte nimmt viele überraschende, dramatische und auch brutale Wendungen, bis zum unerwarteten Ende.

Fazit: Ein guter Krimi, ein großes Drama. Düster und beklemmend!

Veröffentlicht am 12.03.2017

Hart und heftig

Sie werden dich finden
0


Um es gleich vorwegzunehmen, die Südafrikaromane des Autors hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Sie werden dich finden“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen ...


Um es gleich vorwegzunehmen, die Südafrikaromane des Autors hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Sie werden dich finden“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen rasanten Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. James Rayburn alias Roger Smith lebt inzwischen in Thailand. Thailand ist auch der Hauptschauplatz seines neuen Hardcore-Thrillers. Worum geht es?

Kate Swift ist auf der Flucht. Als ihr Mann von der CIA ermordet wird, macht sie die Machenschaften ihres ehemaligen Arbeitgebers publik und wird seitdem gejagt. Zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter Suzie flüchtet sie nach Thailand. Dort trifft sie sich mit Harry Hook. Denn der ist bekannt für seine genialen Ideen. Ein zufälliger Flugzeugabsturz kommt ihm dabei zur Hilfe. Doch Lucien Benway, ihr damaliger Chef, gibt nicht auf.

„Sie werden dich finden“ ist kein klassischer Agententhriller mit einer bösen, ausländischen Macht. Denn seit dem 11. September 2001 hat sich die Welt, speziell in den USA, grundlegend geändert. Es geht um die Agenten selbst, nicht um Politik. Es geht es um Terrorismus und Patriotismus, Überwachung - und um Rache.

James Rayburn aka Roger Smith lässt uns in seinem Thriller nicht viel Zeit. Er reißt uns mitten in eine Geschichte, bei der es einzig und allein ums Überleben geht. Exotische Schauplätze, ein Heer von Protagonisten und viel Action. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Drogen und Gewalt, das kenne ich schon aus seinen Südafrika-Thrillern.

Kate und Harry sind mir sofort ans Herz gewachsen. Leider sind die Figurenzeichnungen, außer bei den Hauptfiguren, nicht besonders tiefgründig. Der einzelne Mensch wird oftmals hart getroffen von den Handlungen der Mächtigen und ihrer brutalen Handlanger. Und so ist das Ende vorhersehbar (Titel!), aber ein Happy-End mit Zuckerguss hätte hier nicht gepasst!

Fazit: Alles in allem ein tempo- und actionreicher Thriller, der jedoch nicht an die Südafrikaromane des Autors heranreicht.

Veröffentlicht am 10.03.2017

Der erste Fall für Oberkommissar Max Bischoff

Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe
0


Um es gleich vorwegzunehmen, ich habe fast alles von Arno Strobel gelesen. „Die Flut“ hatte mich begeistert und so war ich schon gespannt auf seinen neuen Thriller „Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe“. ...


Um es gleich vorwegzunehmen, ich habe fast alles von Arno Strobel gelesen. „Die Flut“ hatte mich begeistert und so war ich schon gespannt auf seinen neuen Thriller „Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe“. Worum geht es?
Erst wenige Wochen arbeitet Oberkommissar Max Bischoff beim KK11, der Mordkommission in Düsseldorf, als eines Morgens ein Mann auf dem Polizeipräsidium auftaucht. Er kann sich nicht erinnern, was in der Nacht zuvor geschehen ist. Aber er ist von oben bis unten voller Blut. Der Mann heißt Harry Passeck und ist Journalist. Und er weiß sogar noch, wo er sich zuletzt aufgehalten hat, in einer Wohnung in Unterbilk.
Als Max und sein erfahrener Partner Horst Böhmer dort ankommen, scheint es sich auf den ersten Blick nicht um einen Tatort zu handeln. Bis sie das Schlafzimmer betreten. Hier ist alles voller Blut. Das Blut stammt jedoch nicht von Passeck, sondern von einer Frau, die seit über zwei Jahren als vermisst gilt. Die Schauspielerin Miriam Winkel war von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden.
Hat Passeck sie damals entführt, gegen ihren Willen festgehalten und sie jetzt, in dieser Wohnung, getötet? Aber wo ist dann ihre Leiche? Und weshalb sollte Passeck zur Polizei gehen und behaupten, man habe ihn bei seinen aktuellen Recherchen unter einem Vorwand in eine Falle gelockt und in diese Wohnung bestellt?
Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Als sich Max in eine Kollegin von Miriam verliebt, wird der Fall für ihn sehr persönlich.
„Tiefe Narbe“ ist der Auftakt einer Trilogie um den jungen Ermittler Max Bischoff. Eine Mischung aus Krimi und Psychothriller. Arno Strobel erzählt die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, auch aus Sicht des Täters. Der Titel erschließt sich einem erst ganz zum Schluss.
Ein typischer Strobel. Der Schreibstil ist klar und prägnant, die Figurenzeichnung glaubhaft und durchdacht. Max und Horst, ein ungleiches, aber erfolgreiches Duo. Jugend und Neugier gepaart mit Fachkenntnis und Lebenserfahrung - eine gute Kombination.

Fazit: Max Bischoff ermittelt in Düsseldorf. Spannend!

Veröffentlicht am 10.03.2017

Der elfte Fall für Ostfrieslands beliebteste Kommissarin

Ostfriesentod
0

Erst als man sie des Mordes verdächtigt, begreift Ann Kathrin Klaasen, dass jemand ihre Identität gestohlen hat und sie vernichten will.
Zitat: Sie fand, die Dinge entwickelten sich gut. Bald schon, sehr ...

Erst als man sie des Mordes verdächtigt, begreift Ann Kathrin Klaasen, dass jemand ihre Identität gestohlen hat und sie vernichten will.
Zitat: Sie fand, die Dinge entwickelten sich gut. Bald schon, sehr bald würde Ann Kathrin Klaasen vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Der Verhörspezialistin der ostfriesischen Kriminalpolizei würden in Kürze selbst einige unbequeme Fragen gestellt werden. Wie viel musste denn noch passieren, damit sie endlich suspendiert wurde? »Ich geb dir keine zwei Wochen mehr, Ann Kathrin«, sagte sie leise, »dann sind wir in Phase fünf: der Tod.«
Ich bin ein großer Fan von Klaus-Peter Wolf und habe alle seine Kriminalromane gelesen. Zuletzt Ostfriesenschwur und Ostfriesenfete. Und so war ich schon gespannt auf Ostfriesentod. Doch diesmal wurde ich enttäuscht.
Nichts ist, wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Es geht um Mobbing, Manipulation - und Mord. Eine unglaubliche Geschichte, wenn auch reichlich konstruiert.
Die Figuren sind überzeichnet, allen voran das Männer verzehrende, mordende Monster, das über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen. Und Ann Kathrin merkt es nicht. So naiv ist sie doch sonst nicht?
Ein Glück, dass es Rupert gibt, der immer wieder für humorvolle Einlagen sorgt. Allerdings nervt es, dass real existierende Personen, wie der Maurer Peter Grendel, der Journalist Holger Bloem und Wolfs Ehefrau Bettina Göschl, penetrant genannt werden.
Zitat: »Ja, ich hätte auch lieber bei ten Cate Kaffee getrunken und Ostfriesentorte gegessen, aber ich war nicht bei Wünsch dir was, sondern bei So isses.« Ein Satz mit X - das war wohl nix.

Fazit: Spannendes Thema, groteske Umsetzung. Ein Krimi, den man lesen kann, aber nicht muss.