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Veröffentlicht am 19.02.2024

TRAURIG

Himmelwärts
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Dieses Buch sollte man unbedingt mit einem Warnhinweis versehen: Achtung, TRAURIG!!!

„Es war einmal, da war die Schwerkraft noch nicht so schwer. Da war unser Lachen noch ohne das Summen zwischen den ...

Dieses Buch sollte man unbedingt mit einem Warnhinweis versehen: Achtung, TRAURIG!!!

„Es war einmal, da war die Schwerkraft noch nicht so schwer. Da war unser Lachen noch ohne das Summen zwischen den Atomen.“

Toni-Pepperoni ist 10 Jahre alt und ihre Mutter ist gestorben. Sie ist traumatisiert und tieftraurig und erzählt sie uns hier höchst persönlich, was sie so denkt, während sie mit ihrer Freundin Yum Yum im Garten zeltet. Mit ihrem selbstgebauten kosmischen Radio wollen sie versuchen, mit Mama im Himmel zu reden.

Es ist toll erzählt, warmherzig, poetisch und durchweg herzzerreißend. Spätestens wenn Toni die wichtigen Momente mit Mama notiert, damit sie sie nicht vergisst, bleibt kein Auge trocken. Das wirft aber auch die Frage auf: Für wen ist dieses Buch geeignet? Es ist als Kinderbuch ab 10 Jahren ausgewiesen. Ich würde aber unbedingt empfehlen, dieses Buch mit einem Kind gemeinsam zu lesen. Das Thema „Mama ist tot und ich bin traurig“ wird hier höchst plastisch behandelt. Möglicherweise kann das Kindern, die in dieser Situation sind, ein wenig helfen, alle anderen triggert es maximal.

Dies ist ein wunderschönes Buch mit einer originellen Idee, wunderbarer Sprache und kunstvollen Illustrationen, das ich meinem Kind eher nicht kaufen würde. Erstaunlich, oder?

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Banal

Klarkommen
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Dieses Buch ist im Grunde nicht der Rede wert. Darüber eine Rezension zu schreiben ist eigentlich müßig, aber vielleicht muss das auch gesagt werden.

Hier erzählt ein Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden ...

Dieses Buch ist im Grunde nicht der Rede wert. Darüber eine Rezension zu schreiben ist eigentlich müßig, aber vielleicht muss das auch gesagt werden.

Hier erzählt ein Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenwerden von ihren Problemen. Objektiv betrachtet, hat sie gar keine, außer dass das Leben eben schwer ist und sie sich schon ihr Leben lang benachteiligt fühlt. Sie musste in einem Provinznest aufwachsen, in der Gartenstr. 34, obwohl doch das Leben in der Stadt stattfand. Sie hatte keine Akademikereltern und konnte deshalb nur das Restegymnasium besuchen. Ein wirklich hartes Schicksal, coole Kinder gehen auf Privatschulen.

Jetzt hat sie ihr Abi in der Tasche und zieht mit ihren Freunden zum Studieren in eine WG in die Stadt. Da machen sie Sachen, die junge Leute in der Stadt so machen.

Das ist eine Geschichte, die eigentlich gar keine ist. Was hier passiert ist an Banalität nicht zu überbieten und nur zu ertragen, wenn es mit Esprit erzählt wird. Daran versucht sich die Autorin leidlich, es wirkt aber eher bemüht. Man kann es witzig finden, wenn die Küche an „adoleszenter Chaotisierung“ leidet, das macht aber noch längst nicht ein Küchenchaos zum Erlebnis.

„Ich legte mich in einen Sarg Selbstmitleid und dachte mir neue Rillen ins Hirn, bis mir die Kräfte ausgingen.“ , könnte berühren, wenn man denn den Eindruck gewonnen hätte, dass dieses Mädchen echte Probleme hat. So wirkt es wie spätpubertäre Wortakrobatik.

Wir erfahren alles über die 20 Pflegeprodukte, mit denen sich ihre Freundin Munia täglich eincremt, aber was sie denn eigentlich studieren und wie das so ist, ist kein Thema. Das tut mir leid, aber so wird auch sie keine Akademikerin, klar, sie hat es ja auch nicht in die Wiege gelegt bekommen, die Arme.

Das Hörbuch liest Jodie Ahlborn angemessen betroffen, kann aber auch nicht aus dem Gejammer ein Drama gestalten. Zum Glück ist der Schmerz nur kurz, es dauert 3 Stunden und 28 Minuten.

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Veröffentlicht am 09.02.2024

Liest sich von selbst

Geordnete Verhältnisse
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Dieses Buch liest sich von selbst, hat man es aufgeschlagen, ist man schon fast durch.

Es erzählt eine tragische Geschichte, die man nicht so recht einordnen kann. Es ist beinahe eine Liebesgeschichte, ...

Dieses Buch liest sich von selbst, hat man es aufgeschlagen, ist man schon fast durch.

Es erzählt eine tragische Geschichte, die man nicht so recht einordnen kann. Es ist beinahe eine Liebesgeschichte, aber auch eine von besonderen Menschen, die ihren Platz im Leben suchen.

Phillipp und Faina sind anders, schon immer. Schon in der Schule haben sie gemeinsam die Außenseiterecke besetzt. Beide haben unglaublich rote Haare und einen schwierigen familiären Hintergrund, der sie beeinflusst und von anderen abgrenzt und beide haben psychische Probleme, die in ihrer Familie niemanden interessiert. Sie werden Freunde, die gelernt haben, die Eigenarten des anderen zu verstehen, wie sonst niemand.

Das bekommt man hier wunderbar einleuchtend erzählt, nimmt abwechselnd Philipps und Fainas Blickwinkel an, lernt sie sehr gut kennen und beinahe verstehen.

Später sind sie erwachsen, noch immer speziell und führen sehr anschaulich vor, wie toxische Beziehungen entstehen können. Ganz allmählich landet man in einem schrecklichen Drama.

Diese Geschichte ist originell, toll erzählt, sehr fesselnd und berührt. Allerdings bemüht sie sich auch sehr, Dramatik zu erzeugen. Philipp und Faina haben reichlich Probleme, fast ein bisschen viele für meinen Geschmack.

Ein tolles Buch ist es trotzdem. Ich habe es in kürzester Zeit verschlungen und bin nach dem Lesen sehr aufgewühlt. Das Ende ist eine echte Überraschung.

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Veröffentlicht am 04.02.2024

Allerfeinste Satire

Die Rassistin
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Heutzutage ist es nicht leicht, sich richtig zu verhalten und niemanden dabei zu verletzen oder zu diskriminieren. (Ist „Niemand“ eigentlich garantiert geschlechtslos?)
Jana Scheerer behauptet vorsichtshalber, ...

Heutzutage ist es nicht leicht, sich richtig zu verhalten und niemanden dabei zu verletzen oder zu diskriminieren. (Ist „Niemand“ eigentlich garantiert geschlechtslos?)
Jana Scheerer behauptet vorsichtshalber, ihr neues Buch wäre nicht von ihr, sondern von einem Freund geschrieben worden. Da geht es um Rassismus und davon kann man sich gar nicht weit genug entfernen (das meine ich ernst!)
Hier kam es zu einem rassistischen Vorfall an einer Universität. Nora Rischer ist Dozentin für Germanistik, lesbisch noch dazu, und meint, sie wäre die personifizierte Weltoffenheit. Kann ausgerechnet sie sich verquatscht haben? Und wenn ja, war es doch nicht so gemeint, wie es klingt. Ganz und gar nicht.
Der Institutsrat (und zahlreiche Freunde und Bekanntinnen der Autorin und ihres Ghostwriters) versuchen, den Vorfall aufzuklären. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Frage, ob die Geschehnisse denn wohl einen Vorfall darstellen und wie der einzuordnen wäre.
Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Es ist ein Fest der bissigen Spitzfindigkeiten, die hier Schlag auf Schlag ausgeteilt werden und die man verdauen muss. Es ist aber auch ein erlesener Spaß. Ich habe lange nicht mehr so oft beim Lesen gelacht.
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Veröffentlicht am 02.02.2024

Ein Thriller der anderen Art

Notizen zu einer Hinrichtung
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Dies ist ein Thriller der anderen Art.

Anselm Packer ist ein Serienmörder. Er hat Frauen ermordet, weiß, dass das schlecht ist und bereut es trotzdem nicht. Anselm, ein Psychopath aus dem Bilderbuch, ...

Dies ist ein Thriller der anderen Art.

Anselm Packer ist ein Serienmörder. Er hat Frauen ermordet, weiß, dass das schlecht ist und bereut es trotzdem nicht. Anselm, ein Psychopath aus dem Bilderbuch, sitzt in der Todeszelle und schreibt seine Gedanken nieder, die einen das Gruseln lehren.

Es kommen aber auch Frauen zu Wort, die eine Rolle in seinem Leben gespielt haben. Seine Mutter, seine Exfrau, eine Polizistin, seine Nichte, sie alle haben ihn gekannt, erlitten, aber auch beeinflusst.

Anselms Leben wird sehr gründlich beleuchtet von seiner ersten Stunde an. Man bekommt eine Idee davon, was so einen Mörder zum Mörder macht, aber auch davon, wie es sich mit ihm lebt, wie man ihn jagt, fängt und verurteilt.

Und während man all das erfährt, läuft gnadenlos der Countdown zur Hinrichtung, grausig, unaufhaltsam.

Sehr atmosphärisch, spannend und eindringlich, beleuchtet dieses Buch das Für und Wider der Todesstrafe. Es zeigt deutlich, dass niemandem damit geholfen ist, wenn der Mörder getötet wird, bringt elegant und unaufdringlich eine wichtige Botschaft auf den Weg.

Mit lebendigen Figuren und schöner Sprache hat Danya Kukafka hier einen Thriller entworfen, der mehr will und mehr kann als schnöder Thrill. Es ist ein Buch, das gleichzeitig unterhält und unter die Haut geht.

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