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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.11.2023

Spannend, neu und aufregend gruselig

Der Wald
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Das ist auf jeden Fall mal ein ganz anderer Weltuntergang. Ich habe schon einige gelesen aber so etwas noch nicht. Hier gibt es eine grauenhafte tödliche Pflanze, eine Killerpflanze, resistent gegen alles ...

Das ist auf jeden Fall mal ein ganz anderer Weltuntergang. Ich habe schon einige gelesen aber so etwas noch nicht. Hier gibt es eine grauenhafte tödliche Pflanze, eine Killerpflanze, resistent gegen alles und jedes, die die Menschen verätzt, vergast, verbrennt.

Markus Holland macht sich auf, die Welt zu retten. Er ist Pflanzenforscher, ein Wissenschaftler, ein Förster und ein bekannter Autor. Und das ist im Grunde meine einzige Kritik an dem Buch. Die Hauptfigur ist lahm, Indiana Jones ohne Hut und Gesicht.

Ansonsten ist es toll, die Geschichte ist neu spannend, actionreich gruselig, wunderbar erzählt. Sie bietet jede Menge Überraschungen und das Ende ist durch und durch unvorhersehbar.

Den Hörbuchsprecher muss man ein klein wenig beschleunigen, dann hat man ein wunderbares Hörbuch, spannend, neu und aufregend gruselig.

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Veröffentlicht am 23.11.2023

Enttäuschend

Lichtspiel
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Ich war von „Tyll“ schwer beeindruckt und habe dieses Buch für einen sicheren Tipp gehalten. Und der Prolog scheint das noch absolut zu bestätigen. Da wird ein dementer Mann aus seinem Pflegeheim in eine ...

Ich war von „Tyll“ schwer beeindruckt und habe dieses Buch für einen sicheren Tipp gehalten. Und der Prolog scheint das noch absolut zu bestätigen. Da wird ein dementer Mann aus seinem Pflegeheim in eine Fernsehshow gezerrt. Man möchte ihn zu seiner Vergangenheit als Filmschaffender befragen, aber er gibt nicht die Antworten, die man sich gewünscht hat. Und was ist mit dem Film, der nie veröffentlicht wurde?

Das ist ein genialer Einstieg in ein Buch mit genialem Thema und macht genau das, was mir am Tyll so gefallen hat: Es transportiert elegant allzu Menschliches und deutet unterschwellig einen Hintergrund an, der eigentlich nicht erzählt wird. Leider erschöpft sich das im Prolog.
Was danach kommt, ist durchaus eine interessante, geschickt aufgebaute Geschichte, nur die Figuren werden dabei so überzeichnet, dass man kaum noch jemanden ernst nehmen kann.

Das Leben von G.W. Pabst bietet eine ganze Menge Themen. Als einer der ersten Filmregisseure hat er Filmhistorie miterlebt und gestaltet, den deutschen Film durchs Dritte Reich begleitet und sogar Asyl in Hollywood gesucht. Sein verschollenes Werk ist bis heute ein Mysterium und dessen Entstehung bringt sogar eine Spur Enthüllungsjournalismus ins Spiel. Nur geht dieser geniale Ansatz komplett unter, indem man ihn durch Witzfiguren ausgestalten. Sogar Papst selbst tritt weitgehend als unbeholfener Wicht in Erscheinung, der von seinem eigenen Hausmeister tyrannisiert wird, der selbst irgendwas zwischen Quasimodo und Dracula ist.
Wir lernen Berühmtheiten in Massen kennen, von denen keiner ein Gesicht bekommt. Nahezu blankes Namedropping berührt niemanden.

Meine anfängliche Begeisterung für dieses Buch hat sehr schnell nachgelassen. Es ist eine tolle Geschichte und ein originelles Stück Historie, die einem nahe gehen sollte. Ich konnte sie leider zu großen Teilen nicht ernst nehmen.

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Veröffentlicht am 23.11.2023

Wundervoll

Das Klugscheißerchen
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Eigentlich dachte ich, man kann unmöglich das neue Bilderbuch von Marc Uwe Kling als Hörbuch hören, weil man dann doch die wunderbaren Zeichnungen verpasst. Ich wollte es nicht tun, aber dann lief es mir ...

Eigentlich dachte ich, man kann unmöglich das neue Bilderbuch von Marc Uwe Kling als Hörbuch hören, weil man dann doch die wunderbaren Zeichnungen verpasst. Ich wollte es nicht tun, aber dann lief es mir zu und ich tat es doch und hatte ganz wunderbare 28 Minuten.

Ist das niedlich! Wir bekommen hier das garantiert wunderbare Bilderbuch als Hörspiel mit Musikuntermalung, toll gelesen vom Autor selbst. Das kann einfach niemand besser machen.

Es geht natürlich um Leute, die immer alles besserwissen müssen und da liegt die Familie Teufel ganz vorne. Tina und Theo Teufel haben das Erbsenzählen von Vater gelernt, das liegt ihnen im Blut und deshalb können auch nur sie das seltsame kleine blaue Wesen sehen. (Genau genommen ist es türkis, klar.) Ob Papa es auch sehen kann?

Also, dieses Buch ist wundervoll, klug, witzig, spitzfindig, herrlich gelesen und viel zu schnell vorbei. Leider habe ich die Bilder verpasst. Ich schätze man braucht ganz dringend beides, das Buch und das Hörbuch, weil auch die Buchbesitzer ganz unbedingt etwas verpasst haben, wenn sie nicht dieses Hörbuch hören.

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Veröffentlicht am 23.11.2023

Überraschend und unterhaltsam

Das Nachthaus
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Dieses Buch führt einen immer wieder hinterhältig aufs Glatteis.

Anfangs meint man, in einem Jugendbuch gelandet zu sein. Richard ist 13, ein Nerd, ein Außenseiter, der plötzlich Dinge erlebt, die man ...

Dieses Buch führt einen immer wieder hinterhältig aufs Glatteis.

Anfangs meint man, in einem Jugendbuch gelandet zu sein. Richard ist 13, ein Nerd, ein Außenseiter, der plötzlich Dinge erlebt, die man sonst nur in Gruselfilmen sieht. Als sein Freund Tom verschwindet, ist die Wahrheit so absurd, dass Richard sie nicht der Polizei sagen kann. Niemand würde ihm glauben. Aber mit seinen schwammigen Aussagen macht er sich selbst verdächtig.

Das Geschehen ist spooky und noch absonderlicher ist, dass man etwas liest, was man von Jo Nesbø ganz und gar nicht erwartet hat. Über etwa zwei Drittel des Buches meint man, im falschen Film gelandet zu sein, bis das Ganze dann eine unerwartete Wendung nimmt, eigentlich sogar mehrere.

Im Nachhinein betrachtet ist das genial. Jo Nesbø hat hier maximalen Grusel und Verwirrung auf mehreren Ebenen geschaffen, ein fein komponiertes Verwirrspiel, das ich gerne genossen hätte. Leider konzentriert sich das auf den letzten Teil des Buches, während man die meiste Zeit mit einem Jugendbuch beschäftigt war, das man nicht lesen wollte und das ist wirklich schade.

Das Hörbuch dauert 7 Stunden, 5 Minuten und wird von David Nathan gelesen, den man eine Winzigkeit schneller drehen muss.

Alles in allem ist dieses Hörbuch unterhaltsam und wahrlich unerwartet.

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Veröffentlicht am 23.11.2023

Hauptsächlich anstrengend

Die sieben Monde des Maali Almeida
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Anfangs war ich davon überzeugt, ein neues Lieblingsbuch erwischt zu haben. Der Erzählstil ist grandios, frech, witzig, zynisch und dabei doch irgendwie originell poetisch. Dazu ist das Thema unschlagbar ...

Anfangs war ich davon überzeugt, ein neues Lieblingsbuch erwischt zu haben. Der Erzählstil ist grandios, frech, witzig, zynisch und dabei doch irgendwie originell poetisch. Dazu ist das Thema unschlagbar genial.
Maali Almeida, ein Kriegsfotograf aus Colombo, Spieler, Lebenskünstler und Liebhaber eines Ministersöhnchens, ist plötzlich tot und im Dazwischen gelandet. Er hat sieben Monde Zeit, seine Angelegenheiten zu regeln und die Aufnahmeformalitäten zu erledigen, dann wird entschieden, wie es mit ihm weitergeht. Darf er ins Licht gehen? Will er das überhaupt? Erst einmal will er wissen, warum er gestorben ist und dann sind da noch brisante Fotos, die die Welt sehen muss.
Das Geschehen hat Witz und morbiden Charme. Wie es im Dazwischen zugeht, wollten wir doch schon immer mal wissen. Das „Leben“ dort unterliegt Regeln, von denen noch niemand gehört hat und es ist bevölkert von Geistern und Dämonen jeder Art. Maali trifft hilfreiche Geister und auch andere. Im Dazwischen tummeln sich Tote, die eine Rolle in seinem Leben spielten oder auch historische Größen und erzählen aus Maalis Leben, gleichzeitig aber auch von der Geschichte Sri Lankas, einem Land mit Problemen, die gerade in einem brutalen Bürgerkrieg gipfeln.
Die Situation ist kompliziert.
"… such gar nicht erst nach den Guten, denn die gibt´s nicht. Jeder ist stolz und gierig, und keiner kann irgendwas lösen, bevor Geld geflossen ist oder Fäuste erhoben wurden"
Das hilft ein bisschen, macht aber nichts besser. In Sri Lanka leben Tamilen und Singalesen und bekriegen sich in den 80er Jahren aufs Blutigste, warum, scheinen sie selbst nicht genau zu wissen. Als Leser muss man damit leben, dass man oft nur mit höchster Konzentration versteht, wer gerade agiert, wie der ins Bild passt und welchem Lager er angehört. Auch da scheinen die Grenzen fließend zu sein. Jeder ist korrupt, jeder ist verlogen, niemandem geht es um die Sache, weil keiner weiß, was Sache ist.
So etwas zu lesen ist anstrengend. Trotz aller Bewunderung für die Idee und den Erzählstil hat mich das Buch bald mehr geärgert als begeistert. Dieses Buch muss man sich abringen.
Es mag sein, dass so ein Buch in vielerlei Hinsicht preisverdächtig ist, ein Lesevergnügen ist es jedenfalls nicht. Ich bin froh, es hinter mir zu haben.

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