Die nette Story mit dem aufgedunsenen Charakterfeld
Love, Simon (Filmausgabe) (Nur drei Worte – Love, Simon)62 / 100
Als „Love, Simon“ vor rund sechseinhalb Jahren ins Kino kam, war mir die Romanvorlage gänzlich unbekannt. Den Film fand ich (damals™) sehr gut; nun habe ich die Brücke zum Buch geschlagen.
Älterwerden ...
62 / 100
Als „Love, Simon“ vor rund sechseinhalb Jahren ins Kino kam, war mir die Romanvorlage gänzlich unbekannt. Den Film fand ich (damals™) sehr gut; nun habe ich die Brücke zum Buch geschlagen.
Älterwerden – in letzter Konsequenz ein unabänderliches Laster – hat in diesem Fall wohl dazu geführt, dass mich die Story zwar in ihrer einigermaßen vorhandenen Originalität, nicht jedoch in ihrer Ausführung mitgenommen hat. Vielleicht bin ich für diese Highschool-Stories einfach schon zu oll (wobei ich nebenbei bemerkt ohnehin schade finde, dass Coming-Of-Age- wie auch queere Geschichten im Allgemeinen mit Charakteren jenseits der 20 kaum stattzufinden scheinen).
Bedauerlicherweise wurde mir Simon mit seinen hin und wieder schnippisch-arrogant durchscheinenden Charakterzügen immer wieder etwas unsympathisch (ganz schlecht für einen Protagonisten). Auch seine Beziehung zu Leah wirkt undurchschaubar dafür, dass sie sich als beste Freunde bezeichnen – und zugleich über Jahre sehr praktische Dinge voreinander verbergen können (um den Spoiler zu vermeiden und ein aus meiner Sicht inhaltliches Plothole aufzuzeigen).
Überhaupt finden auf den rund 300 Seiten derart viele Figuren statt, sodass es von vornherein unmöglich ist, ihnen auch nur ansatzweise Tiefe zu verschaffen. Und so ist die Geschichte relativ bald zu Ende und das an einer Stelle, an der noch so viel zu erzählen gewesen wäre (es sei bemerkt, dass der Kinofilm sogar noch eher aus der Handlung aussteigt). Apropos: Schade, dass das Cover der Filmausgabe die Fantasie raubt, die Figuren selbst zu skizzieren. So trägt Simon beispielsweise eine Brille, Nick Robinson dagegen nicht. Kleinigkeiten, sicher, aber für ein Buch sollte die eigene Vorstellungskraft ausreichen.
Im Sommer las ich Anita Kellys „Wir sind wild und wunderbar“ mit starkem Fokus auf die zwei Hauptfiguren und einer insgesamt etwas erwachseneren Beschreibung. Vielleicht ist das was für das Publikum und die Liebhaber:innen von „Love, Simon“, wenn sie ein wenig älter geworden sind.