Tolles Zeitdokument - spielerisch lehrreich
Paul und der KriegMit "Paul und der Krieg" hält man ein Jugendsachbuch in der Hand, welches so ganz anders ist, als man es kennt. Das beginnt schon beim Format (A4) und endet bei den Fotos der Originalunterlagen aus den ...
Mit "Paul und der Krieg" hält man ein Jugendsachbuch in der Hand, welches so ganz anders ist, als man es kennt. Das beginnt schon beim Format (A4) und endet bei den Fotos der Originalunterlagen aus den Jahren 43-45. Für mich eine sehr interessante Lektüre, die besonders für Kinder und Jugendliche von 12 - 15 Jahren wichtig ist. Diese Biografie bringt nicht nur Fakten, sondern direkte Einblicke in das Leben eines Gleichaltrigen während des Zweiten Weltkrieges. Pauls Tochter hat aus seinen Briefen an die Eltern und an Bruder Werner, sowie aus seinen persönlichen Kriegerinnerungen ein Buch geschrieben, das diese prägende Zeit in Pauls Leben veranschaulicht.
Die Biografie ist sehr ansprechend für das eigentlich Zielpublikum gestaltet. Aber auch als Erwachsener entdeckt man neue Informationen über diese schlimme Zeit. Das Buch besticht jedoch besonders durch die begleitenden Fotos und Informationskästchen, die geschichtliche Fakten wiedergeben. Ich bin mir sicher, dass ich es noch öfters zur Hand nehmen werde.
Nachdem die Zeitzeugen des letzten Weltkrieges langsam aussterben, finde ich generell alle Informationen zum Krieg wichtig. Die Autorin bringt dem Leser die Zeit des Nationalsozialismus anhand dieses Einzelschicksals näher. Durch den jugendliche Protagonisten wird meiner Meinung nach diese Altergruppe besonders gut angesprochen.
Paul wird bereits mit 15 Jahren als Flakhelfer eingezogen. Anfangs ist es für die Jungen ein richtiges Abenteuer, dem sie gegenüber dem Schulunterricht noch den Vorzug geben. Doch die Ernüchterung folgt bald. Wirklich bewusst wird ihnen erst bei den größeren Bombardierungen, in welche Gefahr sie sich begeben und was sie eigentlich tun. Übermüdung und Lehrer, die strenge Disziplin verlangen und jede noch so geringe Kleinigkeit mit Urlaubsentzug bestrafen, setzen den Jungen zu. Auf der einen Seite werden sie behandelt und maßgeregelt wie Soldaten, auf der anderen Seite gehören sie der Hitler Jugend an.
Die Unbeschwertheit geht bald verloren. Versprechungen an die Eltern und ihre Kinder werden gebrochen, die Jugendlichen bereits in der Schule stark politisch beeinflusst. Paul ist religiös und erkennt bald, dass der Krieg für die Deutschen nicht mehr gewonnen werden kann. Genau zu diesem Zeitpunkt wird er aber als Soldat mit dem "Volkssturm" an die Front geschickt.
Neben den Abschriften seiner persönlichen Briefe, Fotos und Originaldokumenten ist diese Biografie ein hervorragendes Zeitdokument über die letzten drei Jahre des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht eines Jugendlichen, der zum Mann wird.
Trotzallem ist es das Buch eher ein Erfahrungsbericht, der mit einfachen Sätzen auskommt und auch in Etappen gelesen werden kann. Wie ich schon oben erwähnt, werde ich sicherlich noch öfters durch Pauls Kriegsjahre blättern und dabei an meinen mit nur 19 Jahren gefallen Onkel denken, der nur wenige Jahre älter als Paul war und der den Krieg verachtet hat (wir haben einige Feldpostkarten von ihm, die sehr ergreifend sind)
Fazit:
Ein außerordentliches Zeitdokument für Jugendliche, das mit persönlichen Fotos und Briefen einen Bezug zum erst 15jährigen Protagonisten herstellt. Durch sein jugendliche Alter können sich Gleichaltrige sicherlich gut mit Paul identifizieren. Für den Schulunterricht bestens geeignet und von mir gibt es eine Leseempfehlung!