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Veröffentlicht am 08.08.2018

If I fall

Ein Song bleibt für immer
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Als musikbegeisterte Leserin (und nach dem Lesen der Leseprobe) wollte ich diesen Roman, der auf der wahren Geschichte von Alice Martineau basiert, unbedingt lesen. Der gefühlvolle und mitreißende Schreibstil ...

Als musikbegeisterte Leserin (und nach dem Lesen der Leseprobe) wollte ich diesen Roman, der auf der wahren Geschichte von Alice Martineau basiert, unbedingt lesen. Der gefühlvolle und mitreißende Schreibstil der Autorin macht die Handlung um eine sehr starke junge Frau zu etwas ganz Besonderem.
Denn Alice leidet seit ihrer Geburt an der unheilbaren Lungenkrankheit Mukoviszidose.
Da ich vor vielen Jahren einen Erfahrungsbericht einer Mutter in Buchform gelesen habe, wusste ich bereits was es mit dieser Krankheit auf sich hat und wie niedrig die Lebenserwartungen ohne einer Transplantation sind.

Zu Beginn lesen wir den Tagebucheintrag ihrer Mutter Mary, die mit Alice Geburt und der Diagnose Mukoviszidose beginnt. Jahre später lernen wir eine lebensfrohe und starke junge Frau kennen. Alice lebt ihr Leben in einem raschen Tempo, denn sie hat nichts zu verlieren - außer ihr Leben. Und dieses sieht durch ihre Lungenkrankheit ganz anders aus, als von uns gesunden Menschen. Ein strenger Tagesrhytmus ist Pflicht. Eine Krankenschwester, Medikamente, Therapien und viele Krankenhausaufenthalte sind für Alice ein notwendiges Übel. Nur so kann sie überhaupt überleben. Ihre Energie und ihre Lebensfreude bleiben jedoch unerschütterlich.
Seit ihrer Kindheit liebt Alice die Musik und schreibt eigene Songs. Ihren langgehegten Wunsch Karriere als Sängerin zu machen, schiebt sie allerdings immer vor sich her. Bereits in der Schule hat ihr diese Idee die Klavierlehrerin mit einer stark geschwächten Lungenfunktion singen zu wollen erfolgreich ausgeredet. So widmet sich Alice anderen Dingen, doch die Musik lässt sie nicht wirklich los... und Alice kämpft schlussendlich für ihre Leidenschaft. Sie schafft es tatsächlich einen Produzenten für ihre Songs zu begeistern. Ob sich ihr Wunsch nach einer eigenen Musikkarriere erfüllen wird?

„ Ich möchte, dass etwas von mir bleibt. ... Meine Musik wird weiterleben, ....“

Bei der Vernissage ihres Bruders lernt sie Tom kennen. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick, doch zuerst weiß er nichts von ihrer Krankheit. Im Gegensatz zu Alice Exfreunden lässt er sich jedoch darauf ein. Beide kämpfen darum ein annähernd normales Leben führen zu können. Doch die Krankheit lässt sich nicht aufhalten und Alice lässt sich schlussendlich auf die Warteliste für eine Herz-Lungen-Lebertransplantantion setzen. Sie spürt, dass Tom, wie alle ihre Freunde, eine Familie haben möchte und er sich zurückzuziehen beginnt. Gibt es überhaupt eine Chance für die Beiden?

Ihre Familie und Tom sind für Alice der Fels in der Brandung. Alle haben ihre Wünsche hintenangestellt, denn die Krankheit bestimmt den Lebensrhytmus der Familie. Gemeinsam kämpfen sie für eine annähernd normale Lebensqualität für Alice. Ihre Mutter und ihr Vater sind immer für sie da und ihr Bruder Jake ist ihr bester Freund. Die Selbsthilfegruppe, die Alice mit zwei anderen an Mukoviszidose erkrankten Mädchen gegründet hat, hilft den Freundinnen sehr. Sie machen sich gegenseitig Mut und sind Leidensgenossinen. Denn trotz der schweren Krankheit sind sie auch dem Spott anderer Menschen ausgeliefert... (wenn dich ein Taxifahrer als fauler Sack beschimpft, weil du keine Kraft mehr hast das letzte Stück zu Fuß zu gehen und kaum mehr Luft bekommst oder in der Schule wegen deinem Spezialessen ausgelacht wirst). Man erlebt hier als Leser eine wahre Gefühlsachterbahn.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Alice, Mary und Tom erzählt. Natürlich nimmt der Teil von Alice den größten Teil des Buches ein. Doch auch die Parts mit Tom's Sichtweise oder die Tagebucheinträge ihrer Mutter Mary offenbaren dem Leser neue Gedanken und Gefühle. Der Familienzusammenhalt ist einfach großartig.
Nach dem Lesen des Romanes werden sich hoffentlich ein paar mehr Menschen mit dem Thema Organspende auseinandersetzen.

Das Buch beruht auf der Geschichte der britischen Sängerin Alice Martineau und die Autorin hat ihr Schicksal als Gerüst für den Roman verwendet. Hört doch mal in "If I fall" bei YouTube hinein. Ich mag den Song sehr!
Googelt aber erst nach der Lektüre nach der Sängerin selbst, denn dies würde euch zu viel von der Geschichte verraten!

Schreibstil:
Alice Petersons Beschreibung des Lebens einer schwerkranken Frau, die nie die Hoffnung verliert und unheimlich stark ist, ist sehr emotional und berührend, verliert aber nie den Bezug zur Realität.
Die Charaktere sind allesamt authentisch beschrieben und haben Ecken und Kanten. Die Autorin schafft es wunderbar die Hoffnungen, Wünsche und Träume aller Beteiligten zu vermitteln. Die Höhen und Tiefen die hier fast alle Figuren durchmachen werden sehr emotional beschrieben. Alice Peterson hat hervoragend recherchiert und die Familie von Alice Martineau miteinbezogen.

Fazit:
Der Roman hat mich von der ersten Seite an begeistert. Alice Peterson erzählt mitreißend und einfühlsam über Wünsche und Träume einer schwerkranken jungen Frau, die unglaublich stark ist und die Hoffnung nie aufgibt. Sie hat das Schicksal der britischen Musikerin Alice Martineau dafür als "Vorlage" genommen. Ein Roman der noch lange in Erinnerung bleibt. Berührend und authentisch. Eine Leseempfehlung!

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  • Charaktere
  • Gefühl
  • Thema
Veröffentlicht am 06.08.2018

Was ist Familie?

Bis zum Himmel und zurück
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Von der Autorin habe ich vor wenigen Monaten ihren Debütroman "Auf Null" oder "Liebe wird aus Mut gemacht", wie der geänderte Titel des Taschenbuches heißt. Dieser Roman hat mich posititv überrrascht und ...

Von der Autorin habe ich vor wenigen Monaten ihren Debütroman "Auf Null" oder "Liebe wird aus Mut gemacht", wie der geänderte Titel des Taschenbuches heißt. Dieser Roman hat mich posititv überrrascht und so war es für mich klar, dass ich auch ihren neuersten Roman lesen werde.

Mit Katja haben wir diesmal eine chaotische junge Frau als Hauptprotagonistin, die in ihrer Kindheit ein tragisches Unglück miterleben musste, welches ihre Familie zerstörte. Seitdem hat sie keinen Kontakt mehr zu ihrern Eltern und schlägt sich mit Schuldgefühlen herum. In ihrem Job als Drehbuchautorin kann sie ihr eigenes Leben hinter sich lassen und unzählige andere leben. Doch dann bekommt sie das Angebot das Drehbuch für eine neue Familienserie schreiben. Katja hat allerdings nicht viel Ahnung von heiler Familie. So steht sie vor einer großen Herausforderung.

Katja ist eine junge Frau, die ihre Vergangenheit nie richtig aufgearbeitet hat. Sie lebt in ihrer eigenen Blase, die hauptsächlich aus Arbeit besteht. Ihre "Familie" sind ihre Freudin Alexa und der etwas schräge Ratko, mit denen sie in einer WG lebt. Als sie die Nachricht erhält, dass ihr Vater im Krankenhaus im Koma liegt und sie eine kleine Halbschwester hat, die plötzlich vor ihrer Tür steht, scheint diese Blase zu zerplatzen.
Rückblenden in die Vergangenheit eröffnen dem Leser die ganze Tragik ihres Lebens. Der Vater ließ die Familie im Stich und die Mutter wurde Alkoholikerin. Beide ließen die erst zwölfjährige Katja mit ihrem Leid und den Schuldgefühlen alleine. Als Leser brennt man darauf zu erfahren, welches Unglück die einstmals heile Familie zerstören konnte und was mit Katja geschah. Das Zusammentreffen mit der neuen Familie ihres Vaters lassen die alten Wunden wieder aufbrechen, aber Jella, ihre kleine Halbschwester, erobert bald mit wundervoller Frische und Ungezwungenheit Katjas Herz. Und auch mit Joost verbindet sie einiges, was ihr erst nach einiger Zeit bewusst wird.
Und so wird auch das Drehbuch zur neuen Familienserie immer länger und Katjas eigenem Leben immer ähnlicher....

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Katja geschrieben. Man erkennt sehr schnell, wie verletzt Katja ist und welche Mauer sie rund um sich aufgebaut hat. Die Autorin erzählt von der großen Einsamkeit inmitten vieler Menschen. Dabei wird auch die Oberflächlichkeit der Fernsehbranche angesprochen.
Die Einblicke in die Astronomie und Raumfahrt fand ich sehr interessant.
Auch die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und glaubwürdig. Katja steht eindeutig im Mittelpunkt der Geschichte. Ihre Verletzlichkheit, die sie hinter einer Fassade aus Oberflächlichkeit und Witz versteckt, bekommt durch den Schlaganfall ihres Vaters Risse. Wie sie sich ihrer Vergangenheit stellt und welche Last damals auf ihren kindlichen Schultern abgeladen wurde, zeigen tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt.
Trotzdem hat mir Catharina Junks Debütroman "Auf Null"/"Liebe wird aus Mut gemacht" einen ticken besser gefallen.

Schreibstil:
Wie schon im ersten Roman der Autorin versteht es Catharina Junk wieder hervorragend die traurige Grundstimmung aus dem Vergangenheitspart richtig zu dosieren und mit Humor zu würzen. Die Themen Trauer, Verlust und Schuldgefühle werden mit so viel Fingerspitzengefühl erzählt, dass die Geschichte trotzallem mit einer Leichtigkeit daherkommt und trotzdem Tiefe hat. Catharina Junk versteht diesen Balanceakt einfach großartig.

Fazit:
Eine gelungene Mischung aus schweren Themen, gewürzt mit einer Prise Humor, die der Geschichte trotzalledem eine Leichtigkeit geben. Dieses Fingerspitzengefühl beherrscht die Autorin perfekt! Trotzdem hat mir ihr Debüt noch ein bisschen besser gefallen.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Nicht der beste Band der Reihe, aber wie immer unterhaltsam

Der Sommer der Wünsche
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"Der Sommer der Wünsche", Band 6 der Blossom Street Reihe, konzentriert sich diesmal wieder auf Lydia, unsere Hauptprotagonistin aus Band 1, die mit ihrem kleinen Wolllädchen "A Good Yarn" und den Strickkursen ...

"Der Sommer der Wünsche", Band 6 der Blossom Street Reihe, konzentriert sich diesmal wieder auf Lydia, unsere Hauptprotagonistin aus Band 1, die mit ihrem kleinen Wolllädchen "A Good Yarn" und den Strickkursen immer wieder die zentrale Figur der Reihe darstellt. Hat man die Vorgängerbände gelesen, fühlt man sich schnell wieder in der Blossom Street in Seattle wohl und freut sich auf Begegnungen mit alten Bekannten.

In allen Geschichten wird die Überwindung von Schicksalschlägen thematisiert. So steht diesmal der neue Strickkurs in Lydias Wollparadies unter dem Thema "Altes hinter sich lassen" - egal ob man sich einer Sucht oder Probleme stellen will.
Alix, die wir schon aus den Vorgängerbänden kennen und im Café gegenüber arbeitet, ist die erste Kursteilnehmerin. Sie möchte sich das Rauchen abgewöhnen, weil sie ein Baby plant. Sie gesellt sich zu den neuen Strickbegeisterten Phoebe und Bryan, genannt Hutch.
Phoebe hat sich von ihrem Verlobten Clark getrennt, der sie mehrmals betrogen hat. Dieser versucht sie jedoch weiterhin zu manipulieren und setzt dabei auch verbotene Mittel ein.
Bryan ist Geschäftmann und hat den Strickkurs von seinem Arzt zur Entspannung verschrieben bekommen, da er völlig überarbeitet ist und sein Gesundheitscheck nicht sehr gut ausgefallen ist. Er hat viel zu früh die Schokoladenmanufaktur seines Vaters übernommen, nachdem dieser plötzlich verstorben ist. Im Moment bereitet ihm noch zusätzlich eine Klage gegen die Firma Kopfzerbrechen.
Lydia hingegen stellt sich einer neuen Aufgabe. Sie möchte ein Baby adoptieren, nachdem sie selbst keine eigenen Kinder mehr bekommen kann. Anne-Marie aus dem Buchladen "Blossom Street Books", die Adoptivmuutter der kleinen Ellen, ist ihr dabei eine große Hilfe und stellt den Kontakt zu ihrer damaligen Vermittlerin her. Doch statt dem erhofften Baby kommt erstmal die 12-jährige Casey als Pflegekind zu Lydia, Brad und Codey.
Aber auch Anne-Marie und ihre Adoptivtochter Ellen sind wieder mit dabei. Die Vergangenheit holt die Beiden ein und Anne-Marie sieht sich nicht nur einer neuer Herausforderung gegenüber stehen, sondern entdeckt, dass sie nach dem Tod ihres Mannes wieder frei für die Liebe ist.

Wie in allen Geschichten rund um die Blossom Street und ihre Bewohner, wird jedes Kapitel einer Figur gewidmet. Wechselweise wird aus der Sicht der jeweiligen Charaktere erzählt. Diese sind sehr lebendig und facettenreich dargestellt. Debbie Macomber beherrscht die Beschreibung ihrer Figuren wirklich meisterhaft.

Das Stricken nimmt diesmal nicht wirklich viel Raum ein. Obwohl die Bücher leichte Lektüre zum Entspannen sind, war diesmal die Geschichte sehr vorherhsehbar. Bis auf eine kleine Überraschung traf alles genauso ein, wie ich schon zu Beginn des Buches vermutet hatte. Hier hätte ich mir ehrlich gesagt etwas mehr Überraschungsmomente und Wendungen gewünscht.
Auch die Punkte rund um die beiden Adoptionen bzw. Pflegestellen war mir zu lasch und konstruiert. Als Anne-Marie Probleme bekommt, denkt sie nicht einmal daran bei der Behörde nachzufragen. Auch Lydia nimmt alles als gegeben hin. Das war mir eindeutig zu viel Blick durch die rosarote Brille....

Nicht unbedingt der beste Band der Reihe und leider sehr, sehr vorhersehbar. Trotzdem wieder unterhaltsam und für Freunde der Blossom Street trotzallem nett zu lesen. Perfekt für die momentanen heißen Temperaturen, bei denen es schwer fällt nachzudenken und einfach zum Entspannen.

Veröffentlicht am 02.08.2018

Tod an der Tante von Göring?

Donaudämmerung
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Der historische Roman von Thomas Buchner ist der zweite Band der Reihe rund um Bezirksinspektor Josef Steininger. Leider habe ich Band 1 "Der Fall Schinagl" nicht gelesen, was allerdings kein Problem darstellte. ...

Der historische Roman von Thomas Buchner ist der zweite Band der Reihe rund um Bezirksinspektor Josef Steininger. Leider habe ich Band 1 "Der Fall Schinagl" nicht gelesen, was allerdings kein Problem darstellte. Wir befinden uns im Jahre 1939 in Linz. Österreich ist als Ostmark ein Teil des Deutschen Reiches geworden. Der Krimi spielt im Zeitrahmen des Anschlusses Österreichs und dem Überfall auf Polen.

Der Linzer Bezirksinspektor Josef Steinigener steht kurz vor seiner Pensionierung und möchte seine letzten Monate eher gemächtlich verbringen. Doch da wird in einem Mehrparteienhaus in Linz eine Frau ermordet aufgefunden. Wäre Ernestine Bremstaller nicht vorher in den Zeitungen mit Reichsmarschall Hermann Göring abgelichtet und als seine Tante erwähnt worden, hätte Steiniger in Ruhe den Mordfall bearbeiten können. Doch mit dem Gerücht, dass die Tote eine große Erbschaft gemacht hat und angeblich mit Göring verwandt sein soll, mischt auch bald die Gestapo mit und macht Steininger Feuer unter dem Hintern...

Das Ermittlerteam rund um den behäbigen Bezirksinspektor setzt sich aus dem schwerhörigen Kollegen Heumader, sowie Adolf Ertl, der früher Untermieter bei Ernestine Bremstaller war, jedoch aus den Ermittlungen ausgeschlossen wird, zusammen. An seiner Stelle kommt aus Wien Krininalassistentin Anna Rabitsch. Eine Frau als Kriminalbeamtin war zu dieser Zeit eine Seltenheit. Sie wird auch alles andere als freundlich aufgenommen und muss sich mit den typischen Bemerkungen und Männerwitzen abfinden.
Während Steininger unter Druck der Gestapo bald einen regimekritischen Gegner als Täter gefunden hat, ist Anna Rabitsch nicht wirklich vom angeblichen Mörder überzeugt. Sie geht die Befragungen der Hausbewohner nochmals analytisch durch und kommt dem wahren Täter auf die Spur....

Wir haben hier einen klassischen Plot, der ein bisschen an Agathe Christie erinnert. Viele Verdächtige in einem Wohnhaus, wo einer davon der Mörder sein muss. Man rätselt mit dem kopflosen Ermittlerteam herum und stellt sich vorallem die Frage: Welches Motiv gab es für den Mord? Habgier? Oder ist es ein politisches Motiv? Vergeblich hoffte ich, dass Steininger endlich zu ermitteln beginnt, aber ihn interessieren seine Wiener Schnitzeln weitaus mehr und sein Exkollege Sedlak, der zur Gestapo gegangen ist, gibt ihn sowieso die Richtung für den Tatverdächtigen vor...

Die vielen Figuren, die von Kapitel zu Kapitel wechseln, machten mir den Einstieg etwas schwer. Kaum hat man sich mit einer Person bekannt gemacht, wechseln wir zur nächsten. So fällt die Identifikation nicht einfach. Das wird zwar mit der Zeit besser, aber hat zu Beginn etwas mein Lesevergnügen getrübt.
Im Mittelpunkt stehen nicht nur die zahlreichen Personen, die allesamt nicht wirklich sympathisch sind, sondern die politische Atmosphäre zu dieser Zeit. Propaganda zur Aufschürung des Hasses gegen die Polen und die Juden oder die Wichtigkeit des Ariernachweises, sowie dem Aufstieg zwielichtiger Gestalten, die bei der Gestapo Karriere machen.

Steininger ist ein unsympathischer Ermittler, der es mir auch nicht immer leicht gemacht hat. Die Charaktere der Figuren sind lebendig beschrieben und wurden sehr unterschiedlich dargestellt. Jeder der Protagonisten hat Ecken und Kanten und handelt nicht immer gesetzeskonform. Sie sind Alltagsmenschen, wie du und ich.

Schreibstil:
Thomas Buchner punktet bei seinem historischen Krimi durch perfekte Recherche und stimmigen Lokalkolorit. Die politische Atmosphäre wurde perfekt umgesetzt. Als Historiker weiß der Autor, wovon er schreibt. Witzige Dialoge lockern die etwas düstere Stimmung etwas auf. Die lebendige Sprache und viele Dialoge, sowie die eingestreuten Passagen im Dialekt, gebenn dem historischen Krimiden notwendigen Kick.
Am Ende des Buches gibt es noch ein Glossar mit Übersetzungen der Dialektwörter für alle Nicht-Östereicher.

Fazit:
Ein historischer Krimi mit klassischem Plot, der vorallem durch seine politische Atmosphäre glänzt und der hervorragend recherchiert wurde. An Spannung fehlte es leider manchmal etwas, wobei das Ende jedoch gelungen und logisch ist.

Veröffentlicht am 31.07.2018

Streckenweise unglaubwürdig

Die letzte Stunde
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Minette Walters ist eine bekannte Krimiautorin. Nun hat sie sich an einem richtigen Wälzer, einem historischen Roman, versucht. Für mich war es generell mein allererstes Buch der Autorin.

Wir befinden ...

Minette Walters ist eine bekannte Krimiautorin. Nun hat sie sich an einem richtigen Wälzer, einem historischen Roman, versucht. Für mich war es generell mein allererstes Buch der Autorin.

Wir befinden uns im 14. Jahrhundert in Südengland: Die Pest hat auf die britische Insel übergegriffen. Innerhalb kurzer Zeit rottet die Krankheit Dörfer und Landstriche aus. Zu diesem Zeitpunkt ist Lady Anne's Ehemann, Sir Richard, auf dem Weg zum zukünftigen Ehemann seiner Tochter Eleanor. Dieser soll erkrankt sein und der Herr von Develish möchte diesem Gerücht auf den Grund gehen, bevor die Hochzeit fixiert wird. Er erkennt nicht, wie groß das Ausmaß der Krankheit bereits ist, die nicht nur Eleonores schwächlichen Verlobten bereits erfasst hat. Nur Lady Annes Vertrauter Gyles Startout durchschaut, was seinem Herren verheimlicht werden soll und er bittet Sir Richard frühzeitig aufzubrechen. Doch der Mann ist ein eingebildeter und grausamer Herrscher, noch dazu nicht sehr helle. So stirbt der Großteil seines Gefolges den schwarzen Tod und bringt die Krankheit bis vor die Tore von Develish. Lady Anne ist jedoch für ihre Heilkunst angesehen und ergreift für diese Zeit eine völlig ungewöhnliche Maßnahme. Sie schließt die Tore, verbrennt die Zugbrücke und verhängt somit eine Quarantäne über ihr Volk. Auch die wenigen Rückkehrer, ihren Mann eingeschlossen, verweigert sie den Zutritt. Sie setzt den alten Verwalter ihres Mannes ab und setzt stattdessen Thaddeus ein, einen Bastard, der jedoch ein äußert kluger Kopf ist. Das versetzt einige Bewohner des Dorfes in Aufregung und bald darauf geschieht ein Mord...

Die für diese Zeit sehr ungewöhnliche Rolle einer Frau lässt mich etwas zwiespältig zurück. Auch wenn Lady Anne adelig und die Ehefrau des Gutsherren Sir Richards ist, handelt sie nicht ihrer Zeit gemäß. Und kein Mann hätte sich von ihr etwas Vorschreiben lassen.
Hygiene und Sauberkeit waren zu dieser Zeit- ja sogar bis ans Ende des 19. Jahrhundert - etwas völlig Unbekanntes! Lady Anne hat in Develish allerdings schon zu dieser Zeit einige Maßnahmen dazu ergriffen. Außerdem lernt sie dem Großteil ihrer Dienerschaft Lesen und Schreiben, wo im 14. Jahrhundert nur Mönchen und Priestern dieses Wissen zuteil wurde. Hier kann ich gegebenenfalls ein Auge zudrücken, da sie selbst in einem Kloster erzogen wurde....

Die Charaktere sind sehr schwarz-weiß gemalt. Die machthabenen Herren sind allesamt dumm und richtig üble Burschen. Ihr eigener Ehemann ist ein Abziehbild dieser Gattung. Ihm ebnen Macht und Gier, sowie Grausamkeiten den Weg. Die einzige grausame weibliche Ausnahme ist Eleonor, seine Tochter, die komplett nach ihrem Vater kommt. Sie brachte es fertig mich die fast 700 Seiten nur zu verärgern. Diese furchtbar dumme und hartherzige junge Frau liebt es Grausamkeiten an ihren Untergebenen auszuprobieren. Dabei nutzt sie ihre Schönheit und ihren Stand schamlos aus und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück. Ich hasste sie aus tiefstem Herzen.
Lady Anne hingegen kommt fast einer Heiligen gleich, die sich für ihre Dienerschaft einsetzt und zu einer wahren Ikone wird. Ihr gelingt es das Vertrauen ihrer Untertanen zu erlangen, jedoch nicht das ihrer Tochter. Lady Anne wurde von der Autorin viel zu modern und neuzeitlich für diese Epoche erschaffen.
Weitere Helden - und diesmal aus der männlichen Liga, sind der gut gebaute und intelligente Leibeigene Thaddeus. Tja, klischeehafter geht es kaum mehr.... Er wird dank Lady Annes Unterstützung der neue Verwalter. Ein Bastard? Echt jetzt?

Gefallen hat mir hingegen, wie man über die Pest und deren Entstehen nachdenkt, sowie den Schrecken der unbekannten Krankheit, die die Menschen wie Fliegen sterben lässt. Und obwohl es einige Längen gibt und vieles zu modern dargestellt wurde, konnte mich doch die Handlung größtenteils fesseln. Trotzdem wäre es besser gewesen einige Handlungsstränge zu kürzen, denn es kommen in diesem Wälzer doch einige Längen auf.
Nachdem man den letzten Seiten immer näher kommt, fragt man sich willkürlich, wie die Autorin hier noch ein logisches Ende finden will. Und die Frage ist berechtigt, denn nach fast 700 Seiten ist man alles andere als erfreut, wenn man den letzten Satz im Buch liest! Der heißt nämlich: "Fortsetzung folgt!"
Dass der Verlag kein Wort dazu verliert, finde ich nicht ganz in Ordnung und ich bin froh, dass ich das Buch aus meiner Bücherei geborgt hatte.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist der Zeit angemessen. Minette Walters erzählt ihren Roman eher ausschweifend und detailliert. Durch unterschiedliche Sichtweisen einiger Figuren kann sich der Leser gut in andere Personen versetzen (oder auch nicht: Elenore)

Fazit:
Ein interessanter Plot, der jedoch durch einige Längen und vorallem durch die eher unglaubwürdige Darstellung einer Frau zu dieser Zeit, stark verliert. Die sehr schwarz-weiß gemalten Charaktere und vorallem der letzte Satz im Buch: "Fortsetzung folgt!" haben mir weniger gefallen. Ob ich den Folgeband lesen werde, weiß ich noch nicht...