Sturz in den Tod
Playa de PalmaLevke Sönkamp ist vor einem Jahr ein schwerer Schicksalsschlag widerfahren. Seitdem hat die junge Frau jeden Lebenswillen verloren und fliegt zum Jahrestag nach Mallorca um sich das Leben zu nehmen. Sie ...
Levke Sönkamp ist vor einem Jahr ein schwerer Schicksalsschlag widerfahren. Seitdem hat die junge Frau jeden Lebenswillen verloren und fliegt zum Jahrestag nach Mallorca um sich das Leben zu nehmen. Sie bereist nochmals alle Plätze, die sie mit ihrem Mann Max besucht hat, den sie auf der Insel kennen- und lieben gelernt hat. In Valldemossa erinnert sie ein junges Pärchen an sich selbst und ihren Mann. Insa, die junge Deutsche, ist jedoch am nächsten Tag tot. Sie stürzt im selben Hotel, in dem Levke abstieg, vom Balkon und fällt Rafael, einem Polizeireporter, fast vor die Füße. Als Chefinspektor Jordi Barceló eintrifft, geht er von einem Sebstmord aus. Doch Levke glaubt nicht daran. Insa war doch frisch verliebt und überglücklich. Sie nimmt mit Insas Freundin Anna Kontakt auf, die mit ihr zusammen angereist ist. Durch den sinnlosen Tod des Mädchens gewinnt Levke wieder ein bisschen Lebensmut und verbeißt sich in den Fall, der für sie eindeutig Mord war. Dabei begibt sie sich selbst in Lebensgefahr....
Mit Levke hatte ich anfangs ein bisschen Schwierigkeiten. Doch nachdem man nach und nach erfährt, welche Tragödie sie seit einem Jahr begleitet, beginnt man zu verstehen, dass sie sich auf eine Art Abschiedsreise begeben hat. Ihre Trauer fühlt sich real und greifbar an. Warum sie jedoch die Erinnerungen an die gemeinsam verbrachten Orte auslöschen möchte, war mir nicht ganz klar.
Mit Levke begibt man sich auf eine malerische Reise quer über die Insel. Die bildhaften Beschreibungen haben mich an meine beiden Urlaube auf Mallorca erinnert. Ich war mit Levke in Valldemossa und habe Chopin gelauscht, bin in Söller in die Straßenbahn gestiegen und bin in Palma durch die engen Gassen spaziert. Die Autorin hat mich mit ihrer Lektüre wieder von der Baleareninsel träumen lassen - trotz Mord- und Totschlag.
Der Krimi ist eher unblutig und der Spannungsaufbau beginnt gemächtlich. Die Ermittlungsarbeit tritt ein bisschen in den Hintergrund, den Levke nimmt ihre "Aufgabe" ernst und ist meist Kommissar Barceló einen kleinen Schritt voraus. Dieser kämpft mit den üblichen privaten Problemen eines Ermittlers...gescheiterte Ehe und Troubles mit den Kindern. Auch Polizeireporter Rafael scheint ein Geheimnis zu haben, das bis zum Ende hin nicht wirklich gelüftet wird (und hoffentlich in einem Folgeband meine Neugier befriedigt wird). Beide Männer wirken sehr authentisch. Besonders gut hat mir die konstante Entwicklung der Hauptcharaktere, besonders die von Levke, gefallen.
Der Krimi hat mich wunderbar unterhalten. Ich habe fleißig mitgerätselt und hatte bald einen Verdacht, der sich auch bestätigt hat. Hier hätte ich mir ein paar mehr überraschende Wendungen gewünscht, die den Leser in die Irre führen.
Der Krimi besticht vorallem durch seine Atmosphäre, den bildhaften Beschreibungen der Insel und den sehr authentischen Charakteren. Punkto Spannung hat er aber noch Luft nach oben.
Einen kleinen Minuspunkt muss ich erwähnen. Das Buch lässt sich furchbar schlecht lesen. Man muss es mit beiden Händen halten, um die Seiten ganz aufklappen zu können, um diese zu lesen. Es ist sehr fest gebunden und man benötigt viel Kraft, was über längere Zeit ziemlich mühsam wird.
Schreibstil:
Stina Jensen glänzt mit einem flüssigen und ansprechenden Schreibstil und hat in ihrem Debütkrimi sehr viel Lokalkolorit einfließen lassen. Man möchte am liebsten sofort den Koffer packen und der Baleareninsel einen Besuch abstatten. Auch die Charaktere sind lebendig und haben alle ihre Ecken und Kanten. Die Entwicklung jeder einzelnen Figur ist absolut gelungen.
Die Kapitel sind mit dem Namen der Person versehen, die wir als Leser in der dritten Person begleiten. Es gibt auch einige wenige Kapitel mit der Überschrift "Er", der kleine Einblicke in die Gedanken des Täters werfen lässt.
Fazit:
Ein unblutiger und ruhiger Krimi mit viel Lokalkolorit, toller Atmosphäre und sehr authentischen Figuren. Der Spannngsbogen steigt jeoch erst im letzten Drittel an. Hier gibt es noch Luft nach oben....
Für Mallorcaliebhaber und Krimifreunde sehr zu empfehlen.