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Veröffentlicht am 16.01.2017

Himmel über fremdem Land

Himmel über fremdem Land
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Die erst 13-jährige Demy van Kampen, gebürtige Niederländerin, muss gegen ihren Willen ihre Schwester Tilla als Gesellschafterin nach Berlin begleiten. Um dies zu ermöglichen, gibt Tilla ihre kleine Schwester ...

Die erst 13-jährige Demy van Kampen, gebürtige Niederländerin, muss gegen ihren Willen ihre Schwester Tilla als Gesellschafterin nach Berlin begleiten. Um dies zu ermöglichen, gibt Tilla ihre kleine Schwester älter aus, als sie in Wahrheit ist. Die arrangierte Ehe mit dem Sohn von Joseph Meindorff senior, einem großbürgerlichen Fabriksbesitzer, soll beiden Familien von Vorteil sein.
Zum Clan der Meindorffs gehören neben Tillas Bräutigam Joseph jun. auch Sohn Hannes, der eher das unbekümmerte Leben eines Großindustriellensohnes führt, bis er sich in die Arbeiterin Edith verliebt, sowie sein älterer Ziehbruder Philippe, das schwarze Schaf der Familie. Dieser kämpft als Offizier in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Trotzdem verbindet die beiden Männer eine tiefe Freundschaft, denn Meindorff senior führt ein strenges Regiment in seinem Haus und ist ein wahrer Tyrann.
Auch Demy lebt sich nur schwer in Berlin ein. Als Gesellschafterin steht sie zwischen dem Personal und der Familie. Sie fühlt sich gänzlich fehl am Platz, nur mit Hannes verbindet sie mit der Zeit eine Freundschaft. Als Demy eines Tages die etwa gleichaltrige Lieselotte kennenlernt, sieht sie die andere Seite von Berlin, denn ihre neue Freundin lebt mit ihrer Familie im sogenannten Scheunenviertel in ärmlichsten Verhältnissen.

In St. Petersburg lebt die dritte Schwester, Anki van Campen, die als Kindermädchen in einer angesehenen russischen Adelsfamilie arbeitet. Sie fühlt sich wohl im Kreise der Familie, die mit der Zarenfamilie befreundet ist. Doch eines Abends lernt sie Grigori Jefimowitsch kennen, besser bekannt als Rasputin, der ihr riesige Furcht einflößt...

Meine Meinung:
Die bereits im Klappentext angeführten Schauplätze haben neben der Geschichte ebenfalls mein Interesse geweckt. Geschickt wechselt die Autorin von Berlin nach Windhuk oder St. Petersburg, wobei hier im ersten Band der russische Schauplatz etwas zu kurz kommt. Sehr interessant fand ich die Erzählungen aus Deutsch-Südwestafrika, wo Philippe sich in die Afrikanerin Udako verliebt und geplante Überfälle auf Diamantenfelder untersuchen soll. Noch ahnt er nicht, in welch großer Gefahr er schwebt.

Der Großteil der Geschichte spielt jedoch in Berlin, dem Dreh- und Angelplatz der Meindorffs. Was jedoch alle drei Stränge vereint ist der gesellschaftliche Unterschied und die bereits schwelende Unruhe des Arbeiterstandes gegen die Adeligen und Großbürger, sowohl in Deutschland, als auch in Russland. Ebenso ein Thema ist die startende Frauenbewegung. Es ist die Zeit der "Suffragetten" und Demys Freundin Lieselotte schließt sich den Aktivistinnen mit viel Engagement an. Auch die nicht standesgemäße Liebe der beiden jüngeren Meindorffsöhne birgt Konfliktpotential.

Elisabeth Büchle hat diese Themen hervorragend in die Geschichte einflechten lassen und sehr interessant beschrieben. Man spürt die Unruhe und Spannung....die Welt beginnt sich zu ändern. Neben den vielen neuen wissenschaftlichen Errungenschaften wollen auch die einfachen Leute ihr Leben nicht mehr hinnehmen.
Auch die Gefühlswelt der kleinen Demy wirkt sehr authentisch, die sich, obwohl umgeben von vielen Menschen im Hause Meindorff, schrecklich einsam fühlt.

Während zu Beginn des Romans der Leser in die Geschichte eingeführt wird und alle Personen und Schauplätze kennenlernt, schlich sich meiner Meinung nach in der Mitte eine kleine Länge in die Erzählung ein. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen von Demy und ihre Einführung in die Gesellschaft fand ich etwas langweilig. Im letzten Drittel steigt allerdings die Spannung rasant und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, bis ich das Buch mit einem Seufzen zugeschlagen hatte. Leider endete es mit einem etwas fiesen Cliffhanger, deswegen bin ich schon gespannt, wie die Trilogie weitergehen wird und welche Schicksalsschläge noch auf Demy, Tilla, Philippe, Hannes und Anki warten, denn der erste Weltkrieg steht noch vor der Tür....

Schreibstil:
Elisabeth Büchle schreibt sehr lebendig und einfühlsam. Es wurde gut recherchiert und viele historische Persönlichkeiten sind mit der fiktiven Geschichte verwoben.
Die Atmosphäre dieser Zeitepoche wurde von der Autorin wunderbar widergegeben. Man fühlt sich direkt vor Ort. Der Wechsel des Schauplatzes wird am Beginn des jeweiligen Kapitels angezeigt, ebenso Monat und Jahr.
Im Anhang befindet sich ein Glossar über die wichtigsten historischen Persönlichkeiten.

Fazit:
Bewegender Auftakt einer Familiensaga, die mit interessanten Schauplätzen und Figuren punkten kann. Das rasante Ende und ein Cliffhanger lassen mich nun gespannt auf den nächsten Teil warten, den wir wieder gemeinsam lesen möchten.

Veröffentlicht am 16.01.2017

Die Himmelsstürmerinnen

Unsere Hälfte des Himmels
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Der neue Roman von Clarissa Linden hat zwei Kernthemen: Frauen als Pilotinnen und die Frauenbewgeung der 70-iger. Aber auch das Thema Freundschaft und Mutter/Tochter-Beziehung stehen im Vordergrund. In ...

Der neue Roman von Clarissa Linden hat zwei Kernthemen: Frauen als Pilotinnen und die Frauenbewgeung der 70-iger. Aber auch das Thema Freundschaft und Mutter/Tochter-Beziehung stehen im Vordergrund. In zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt die Autorin von Lieselotte und ihrer Mutter Amelie.

Während Lieselotte Anfang der 1970-iger in einer unglücklichen Ehe "gefangen" ist, erleidet ihre Mutter einen schweren Autounfall. Das Verhältnis der Beiden war eher unterkühlt, da Amelie ihrer Tochter nicht viel Beachtung schenkte. Liebe und Aufmerksamkeit erhielt sie nur von ihrer Großmutter Luise. Als Lieselotte die Nachricht erhält, dass ihre Mutter Amelie im Koma liegt, reist sie nach Frankfurt. Dort quartiert sie sich kurzfristig in ihrer Wohnung, was ihrem Mann Eduard gar nicht recht ist. Bald schon stellt sie fest, dass die junge Studentin Marga, die in der Wohnung gegenüber wohnt, ein ganz anderes Bild von ihrer Mutter hat. Und dann scheint Amelie auch noch ein Mitglied der "Himmelsstürmerinnen" zu sein, einer Gruppe von Frauen, die sich dem Fliegen verschrieben haben. Lieselotte macht sich auf die Suche nach der Vergangenheit und lernt eine ganz andere Frau kennen, als die, die sie meint zu kennen....

Im Vergangenheitsstrang lernen wir Amelie als junges Mädchen kennen, die gerne Segelfliegerin werden möchte. Nur in der Luft fühlt sie sich frei und gemeinsam mit ihren Freundinnen sind sie die "Himmelsstürmerinnen". Doch 1935 stehen bereits alle Zeichen auf Sturm und für Frauen wird es immer schwerer überhaupt einen Beruf zu ergreifen, denn die "richtige deutsche Frau" ist Ehefrau, Hausfrau und Mutter vieler arischer Kinder.

"Wie du schon gesagt hast: Frauen müssen sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist. Männer können alles haben. Männer müssen sich nie gegen etwas entscheiden" - Seite 251

Doch Amelie und ihre beste Freundin Hanni geben ihre Träume nicht so schnell auf. Nichts soll ihren gemeinsamen Weg als Freundinnen und Fliegerinnen trennen. Doch dann verliebt sich Amelie in Felix von Bissingen....

Wie bei fast allen Büchern, die in zwei Zeitstränge geteilt sind, hat mir auch hier wieder der Part in der Vergangenheit besser gefallen.

Amelie ist eine junge Frau, die es nicht leicht hat, aber ihren großen Traum leben möchte. Ihre Mutter Luise unterstützt sie dabei. Amelie steht jedoch immer im Schatten der willensstarken Johanna, ihrer besten Freundin. Diese setzt alles daran ihr gemeinsames Ziel zu erreichen und schreckt dabei auch nicht vor unlauteren Mitteln zurück....
Die Freundschaft zwischen Hanni und Amelie nimmt großen Raum in der Handlung ein. Hanni war für mich zwar kein angenehmer Charakter, aber ich hatte sie sehr lebendig vor Augen. Sie ist verwöhnt und egozentrisch, fokusiert sich alleine auf ihren großen Wunsch und zerstört dabei alles um sich herum. Ihr nahm ich die Liebe zum Segelfliegen ab, bei Amelie hatte ich allerdings nicht immer das Gefühl. Leider geht die Geschichte rund um die Fliegerei im Laufe des Romans zugunsten der Liebesgeschichte verloren. Das fand ich sehr schade! Auch die politischen Ereignisse sind nur kurz angerissen und hier hätte ich gerne etwas mehr Hintergrundinformationen dazu gehabt.

Lieselotte entspricht den damaligen Frauenbild. Sie ist nicht viel mehr als die Haushälterin ihres Mannes und versucht ihm alles recht zu machen. Dabei stellt sie alle ihre Bedürfnisse zurück. Erst durch den Unfall ihrer Mutter und der Gleichgültigkeit ihres Mannes gegenüber dem Geschehen, scheint Lieselotte aufzuwachen.
Mit Marga haben wir eine selbstbewusste Studentin, die Lieselotte zu helfen versucht, endlich auf ihren eigenen zwei Beinen zu stehen. Hier verbindet die Autorin gekonnt das Thema Frauenbewegung in den Siebziger Jahren in den Roman mit ein. Es geht um das Recht der Abtreibung (Mein Körper gehört mir!) und auch Scheidungen werden immer öfter zum Thema. Diese Passagen haben mir gut gefallen und zeigen auf, was sich im letzten Jahrhundert punkto Gleichberechtigung alles getan (oder nicht getan) hat.
So richtig überzeugt von Lieselottes Wandlung war ich allerdings nicht. Sie bleibt mir zu lasch und selbst die Recherchen über die Vergangenheit ihrer Mutter gibt sie in fremde Hände.

Ein bewegender Roman mit sehr interessanten Themen, der mich allerdings nicht auf allen Ebenen vollkommen überzeugt hat. Auch die obligatorische Katze durfte wieder nicht fehlen und findet mit "Cat Balou", der Katze von Marga, ihren Einsatz =).
Sehr empfehlen kann ich Clarissa Lindens Roman "Ich warte auf dich, jeden Tag" meine Rezi, den ich wirklich großartig fand!

Schreibstil:
Der Schreibstil von Clarissa Linden alias Christiane Lind ist wahnsinnig gut zu lesen, flüssig und bildgewaltig. Bei ihr rauscht man immer durch die Handlung und möchte gar nicht aufhören zu lesen, egal unter welchen Namen oder über welche Themen sie schreibt.
Zu Beginn des Romans gibt es eine kleine Personenliste, unter den Kapitelüberschriften des Stranges aus der Vergangenheit stehen Zitate bekannter Fliegerinnen.

Fazit:
Ein bewegender Roman mit sehr interessanten Themen, der mich allerdings nicht auf allen Ebenen vollkommen überzeugen konnte. Vielschichtig und wunderbar zu lesen!

Veröffentlicht am 16.01.2017

Ein Stern beginnt zu leuchten

Die Schattenschwester
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Auch der dritte Band der "Sieben Schwestern Reihe" von Lucinda Riley schließt nahtlos an die beiden Vorgängerbände an. Kurz wird wieder in einem kleinen Rückblick dem Tod von Pa Salt gedacht und diesmal ...

Auch der dritte Band der "Sieben Schwestern Reihe" von Lucinda Riley schließt nahtlos an die beiden Vorgängerbände an. Kurz wird wieder in einem kleinen Rückblick dem Tod von Pa Salt gedacht und diesmal aus der Sicht von Star erzählt.
Star oder Asterope ist die Schwester, die in den ersten beiden Bänden eher ein Schattendasein zugebracht hat, denn Star gab es nur im Doppelpack mit CeCe. Während die vierte Schwester eine eher muntere und furchtlose, immer im Mittelpunkt stehende junge Frau ist, ist Star die wortkarge und besonnenere der Beiden, die jedoch oftmals gar nicht nach ihrer Meinung gefragt und übergangen wurde. Als sie den Brief ihres Vaters öffnet, hat auch Star bereits das leise Gefühl ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen zu wollen und nicht nur als Einheit mit ihrer Schwester aufzutreten. Der passende Satz von Pa Salt

""Eiche und Zypresse gedeihen nicht im Schatten des jeweils anderen." - Seite 41

bleibt ihr im Gedächtnis haften. Doch so einfach ist es nicht, sich von CeCe zu lösen, denn so stark wie ihre Schwester nach außen hin erscheint, ist sie in Wirklichkeit gar nicht.

Die Koordianten, die Figur eines schwarzen Panthers, der Name Flora MacNichol und eine Adresse im Herzen von London führen Star schlussendlich zu einer antiquarischen Buchhandlung. Dort lernt sie den etwas eigenartigen Orlando kennen, der ihre Affinität zur Literatur erkennt und sie anstellt. Durch ihn lernt sie auch seinen Bruder "Maus", seine Kusine Marguerite und den taubstummen Neffen Rory kennen, die in Kent leben. Star beginnt mehr aus sich herauszugehen und liebt sowohl das Haus und die Umgebung, in der die Familie von Orlando lebt. Doch welchen Bezug soll die Familie Orlando's zu ihrer eigenen Herkunft haben? Als sie dieTagebücher von Flora MacNichols zum Lesen erhält, taucht sie ein in das Leben dieser fazinierenden Flora....

Und hier erhalten wir auch wieder unseren Strang aus der Vergangenheit, der uns im Jahre 1909 zuerst an den Lake District und danach nach High Weald in Kent entführt. Wir lernen die junge Flora MacNichol kennen, eine tierliebende und sehr unabhängige junge Frau, die ebenfalls etwas im Schatten ihrer jüngeren Schwester Aurelia steht. Diese erhält die ganze Zuneigung ihrer Eltern und wird auch bei Hofe eingeführt, während Flora zuhause ihre Tiere versorgt und den Garten im Schuss hält. Als ihre Eltern das Haus verkaufen, wird Flora doch noch nach London zu Alice Keppel geschickt und erhält ihre Ausbildung. Doch der Preis dafür ist hoch....

Wie zu 99% der Geschichten, die auf zwei Zeitebenen basieren, hat mich auch diesmal nur der Vergangenheitsstrang völlig überzeugen können. Das Schicksal Floras hat mich mitgerissen und ich konnte es oft nicht glauben, welche Entscheidungen sie letztendlich getroffen hat. Mein Herz hat geblutet und ich habe mit ihr mitgelitten. Auch die historischen Persönlichkeiten, wie König Eduard VII, den Mrs. Keppels Töchter liebevoll "Kingy" nennen oder Beatrix Potter, die berühmte englische Kinderbuchautorin, die zu einer engen Freundin Floras wird, hat Lucinda Riley in die Geschichte eingebaut. Das lässt natürlich jedes Herz eines Bücherwurms höher schlagen! Im Kopf sah ich immer die wunderbaren Illustrationen von Peter Hase vor mir.

Die Geschichte in der Gegenwart konnte mich allerdings nicht zu 100% überzeugen. Star wird mir trotz abgebrochenen Literaturstudium zu sehr als Hausmütterchen dargestellt, die nur mehr im Kochen ihre Erfüllung zu finden scheint.Für mich wird sie etwas zu perfekt dargestellt, nachdem sie früher kaum aus dem Schatten ihrer Schwester getreten ist. Auch die eingeflochtene Liebesgeschichte fand ich unglaubwürdig. Ich konnte die plötzliche Zuneigung des Paares nicht nachvollziehen. Die Charaktere aus diesen Abschnitten konnten mich ebenfalls nicht auf ganzer Reihe überzeugen. Ich konnte nicht mit ihnen mitfühlen, wie es der Vergangenheitspart ohne Probleme schaffte.

Trotzdem hat es die Autorin verstanden mich wieder mit ihrer Geschichte zu begeistern. Wie gewohnt erhalten wir im letzten Kapitel bereits einen kleinen Ausblick auf den Folgeband, der sich Mit CeCe befassen wird.

Schreibstil:
Hier braucht man wirklich nicht mehr viel zu sagen: Wer die Autorin kennt weiß, dass sie bezaubern kann und es ihr wunderbar gelingt, den Leser in ihren Geschichten versinken zu lassen. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und sprachlich gelungen.


Fazit:
Der dritte Band der Reihe entführt den Leser nach Kent. Der Part in der Vergangenheit wurde grandios erzählt, doch der Gegenwartspart überzeugte mich diesmal nicht zu 100%. Hier konnten mich die Charaktere nicht vollkommen für sich gewinnen, was den Figuren in der Vergangenheit mühelos gelang. Deshalb vergebe ich 4 1/2 von 5 Sternen und freue mich auf den Folgeband.

Veröffentlicht am 12.01.2017

TOP-Psychothriller

Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet
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Wow...was für ein Buch! Endlich wieder ein richtig guter Thriller, der unter die Haut geht und fesselt! Wer denkt, "Die Wahrheit" von Melanie Raabe ist top, sollte zu "Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" ...

Wow...was für ein Buch! Endlich wieder ein richtig guter Thriller, der unter die Haut geht und fesselt! Wer denkt, "Die Wahrheit" von Melanie Raabe ist top, sollte zu "Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" greifen und er wird eines Besseren belehrt! Sorry, ich will hier "Die Wahrheit" nicht schlecht machen, denn auch mir hat Melanie Raabe's Buch gefallen, aber mir war die Auflösung einfach zu banal. Der Grund warum ich Melanie Raabes Buch als Vergleich hergenommen habe ist, weil ich finde, dass der Aufbau beider Bücher ähnlich ist oder beide Autoren auf vergleichbare Protagonisten zurückgegriffen haben: einem Ehepaar.

Bei "Saving Grace..." (der Originaltitel ist so viel besser und sagt auch jede Menge mehr aus!) fängt der Psychotriller langsam an und steigert sich sehr schnell auf einem hohen Level, der in einer für mich stimmigen Lösung endet.
Aber beginnen wir von Anfang an...
Die Geschichte wird abwechselnd in der Vergangenheit und in der Gegenwart erzählt. Im ersten Kapitel befinden wir uns bei einer Dinnerparty, die Grace in ihrem Haus gibt. Hier erlebt der Leser noch eine anfangs ruhige Stimmung, die jedoch mit der Zeit ein Stirnrunzeln auf meinem Gesicht erzeugt und das Gefühl von Beklemmung hervorgerufen hat. Die Frage: "Was stimmt hier nicht?" wird langsam aber sicher in beiden Strängen geklärt, wobei natürlich die Abschnitte in der Vergangenheit, als Grace ihren Mann Jake kennenlernt, ausschlaggebend sind.

Jack Angel ist ein erfogreicher Anwalt, der Frauen vertritt, die mit häuslicher Gewalt in Verbindung gekommen sind. Seine Erfolge sind bezeichnend, denn er hat noch keinen einzigen Fall verloren. In ihm scheint Grace, eine erfolgreiche Food Einkäuferin bei Harrods, den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Von den Eltern nur akzeptiert, nimmt sie auch die wichtigste Rolle bei ihre Schwester Millie ein, die das Down-Syndrom hat. Jack ist der erste Mann an ihrer Seite, der auch Millie akzeptiert und so gibt sie dem charmanten Anwalt schon bald das Eheverprechen. Jack hat bereits ihr gemeinsames Traumhaus gefunden, in dem Millie nach Beendigung der Schule und nach ihrem achzehnten Geburtstag ebenfalls bei ihnen einziehen soll.
Doch bereits in der Hochzeitsnacht entpuppt sich der Traummann zum Albtraum. Nicht nur der Pass, sämtliches Geld und Grace Mobiltelefon sind weg, sondern auch der Ehemann ist verschwunden. Als er am nächsten Morgen wieder auftaucht, hat Grace einen anderen Mann vor sich: brutal und eiskalt.
Schon bald erfährt sie seine wahren Hintergründe bzw. seine grausamen Pläne, vor denen Grace und Millie nicht entkommen können......

Der Debütroman von B.A. Paris ist absolut gelungen! Die Geschichte ist beängstigend, denn sie könnte jeden von uns passieren. Niemand kann hinter die Fassade eines Menschen blicken und so erscheint auch Jack zuerst als DER Traumann schlechthin. Doch Jack hat seine Vorgehensweise präzise geplant und seine Pläne sind mehr als ausgereift. Seine Intelligenz und seine Bösartigkeit kommen ihm dabei sehr zu Hilfe.
Grace Ausweglosigkeit in ihrer Situation ist furchtbar beklemmend und sehr einducksvoll geschildert.
"Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" spielt mit unserer Psyche und genau das macht einen guten Psychothriller aus.

Schreibstil:
Die britische Autorin, die heute in Frankreich lebt, arbeitete in der Finanzbranche und als Lehrerin. Kaum zu glauben, was ihr wohl bei Steuerausgleichen oder im Klassenzimmer so alles eingefallen ist ;)
Die Handlung wird aus der Sicht von Grace erzählt. So fühlt man sich als Leser noch beklemmender und ist selbst ratlos, wie sie aus ihrem Gefängnis ausbrechen könnte. Der Schreibstil ist flüssig und liest sich sehr gut.
Die Charaktere sind lebendig und vorallem Millie, die am Down-Syndrom leidet, wird hervoragend beschrieben. Aber auch die Emotionen aller Figuren kommen einfach wahnsinnig gut rüber.


Fazit:
Ein fantastisches Debüt der Autorin, die mich absolut überzeugen konnte. "Saving Grace - Bis dein Tod uns scheidet" spielt mit unserer Psyche und genau das macht einen guten Psychothriller aus. Ein TOP-Buch und eine Leseempfehlung für alle Thrillerfreunde!

Veröffentlicht am 10.01.2017

Bedenke deine Entscheidungen

Die Entscheidung
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Dieser Krimi der leisen Töne ist anfangs durch die verschiedenen Handlungsstränge und Perspektiven noch ziemlich verworren. Der Leser wird von Bulgarien nach Frankreich und wieder zurück katapultiert, ...

Dieser Krimi der leisen Töne ist anfangs durch die verschiedenen Handlungsstränge und Perspektiven noch ziemlich verworren. Der Leser wird von Bulgarien nach Frankreich und wieder zurück katapultiert, ohne sich wirklich zurechtzufinden....was sich allerdings im Laufe der Geschichte natürlich ändert.

Der Prolog beginnt mit dem Ausbruch eines namenslosen jungen Mädchen aus einem Haus, das streng bewacht wird. Man spürt ihre Angst und weiß, dass es hier um Leben und Tod geht, wenn ihr die Flucht nicht gelingt.

Danach der Schwenk nach Südfrankreich, wo Simon wie jedes Jahr die Weihnachtszeit im Sommerhaus seines Vaters verbringt. Er ist geschieden und eigentlich sollten seine beiden Kinder mit ihm Weihnachten verbringen, doch seine Exfrau nutzt seine Gutmutigkeit aus und zieht ihr Angebot kurzfristig wieder zurück. Seine Freundin Kristina hat ebenfalls die Nase voll, weil sich Simon noch immer nicht offiziell zu ihr bekannt hat und sich von seiner Exfrau immer wieder ausnutzen lässt. Sie stellt ihm ein Ultimatum. So sitzt er letztendlich alleine im Südfrankreich und lernt bei einem Strandspaziergang die verwahrloste Nathalie kennen. Diese ist in einem unbewohnten Feriendomizil eingestiegen und hat dort einige Tage geschlafen, bis der Hausmeister sie gefunden hat und nun der Polizei übergeben will. Simon nimmt die junge und völlig verängstigte Frau, die keine Papiere bei sich hat, mit und gibt ihr zu Essen und eine Schlafmöglichkeit. Doch als sie ihm gesteht einen Mann getötet zu haben und ihr Freund Jérome sie vor Menschen warnte, die hinter ihnen her sind, weiß Simon, dass er einen Fehler begangen hat.....

Im dritten Handlungsstrang, der in Bulgarien spielt, kämpft Kiril mit seiner Familie ums Überleben. Die fünf Kinder, seine Frau Ivana und er haben kaum mehr etwas zu Essen, der Strom ist abgeschaltet, die Miete seit Monaten nicht mehr bezahlt und auch sein Bekannter Dino will ihm kein Geld mehr leihen. Kiril und Ivana wissen weder ein noch aus. Als Dino den Beiden von Bekannten erzählt, deren Tochter bei einer Modelagantur untergekommen ist und große Chancen als Topmodel im Westen hat, schlägt er ihnen vor, ihre bildhübsche ältere Tochter Ivanka der Agenturchefin vorzustellen. Kiril hofft, dass wenigstens eines seiner Kinder die Chance auf ein besseres Leben bekommt, und geht auf den Deal ein.....

Sicher hat man als Leser einige Ideen, wie diese drei Handlungsstränge zusammenhängen könnten und doch ist es nur ein Teil der sehr umfangreichen Geschichte, die Charlotte Link uns hier präsentiert. Denn neben Menschenhandel, Magersucht und Beziehungsproblemen nimmt die Autorin diesmal auch Bezug zu den Ereignissen im November in Paris 2015.
Nach einem etwas verwirrendem Anfang begann sich nach und nach ein Bild abzuzeichnen und die Geschichte zog mich immer mehr in seinem Bann. Überraschende Wendungen und unvorhersehbare Geschehnisse ließen mich an der doch teilweise sehr komplexen Handlung dranbleiben. Obwohl der Kriminalroman auch ein paar Längen aufweist, fand ich die Dramatik hinter den Kulissen sehr spannend.
Das Ende, bei dem ein Strang mehr oder weniger offen blieb, fand ich gut gewählt. Hier ein Happy Ende zu bringen wäre zu viel des Guten gewesen.
Die Autorin beeindruckt vorallem mit der Aussage, wie eine völlig harmlose Entscheidung das Leben eines Menschens völlig aus der Bahn werfen kann.

Charaktere:
Nathalie und Simon sind beide nicht wirklich liebenswerte Charaktere, die jedoch im Laufe des Romans an Substanz gewinnen. Vorallem Simon beginnt seine große Schwäche zu überdenken, es allen recht machen zu wollen und im Endeffekt immer als Verlierer dazustehen. Nathalie hingegen ist abhängig von der Liebe zu Jérome, der selbst nur seine Vorteile im Sinn hat. Durch sein blendendes Aussehen und seiner charmanten Art gelingt es ihm auch viele Menschen zu täuschen. Beeindruckt hat mich Ivana, die hier kämpft wie eine Löwin. Die anfangs schwache und völlig verzweifelte Frau wird zu einer Kämpferin, die alles für ihre Tochter aufgibt.
Die Ermittler im Krimi spielen hingegen nur eine kleine Rolle, die aber am Ende des Krimis noch eine besondere Bedeutung haben werden.....

Schreibstil:
Der Schreibstil von Charlotte Link lässt sich wunderbar lesen, ist leicht und flüssig. Die Charaktere sind gut gezeichnet, wachsen einem aber nicht ans Herz. Durch die unterschiedlichen Handlungsstränge erlebt man die Geschichte aus verschiender Sichtweise und kann sich so mehr in die Gefühlswelt der Figuren hineinversetzen.

Fazit:
Ein komplexer Spannungsroman, der durch die anfangs vielen Stränge etwas verwirrend beginnt, jedoch danach rasant fortschreitet und mit überraschenen Wendungen punkten kann.