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Veröffentlicht am 20.08.2024

Ein enttäuschendes und kein rundes Ende

Böse Mädchen sterben nicht
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Diese drei Geschichten um Celia, Allie und Maggie ist weder eine Fantasy-Märchenadaption noch Horror, wie wir es von Christina Henry kennen, sondern eher ein Thriller/Krimi Mix, wobei der Handlungsstrang ...

Diese drei Geschichten um Celia, Allie und Maggie ist weder eine Fantasy-Märchenadaption noch Horror, wie wir es von Christina Henry kennen, sondern eher ein Thriller/Krimi Mix, wobei der Handlungsstrang um Allie noch am ehesten an Horror herankommt.

Gespannt habe ich mit Celias Geschichte begonnen, die in einem ihr fremden Haus aufwacht und sich nicht an dieses Leben erinnern kann. Ihr angeblicher Ehemann ist ihr fremd und dass sie ein Kind hat, scheint ihr unmöglich. Und doch nennt sie das Mädchen Mummy und ihr Mann Babe, bevor er in die Arbeit verschwindet. Celia findet Fotos von ihr, dem Mann und dem Mädchen im Haus an der Wand hängen und doch kommt ihr alles sehr falsch vor. Sie hat keine Ahnung wer sie ist und wie sie in dieses Haus gekommen ist....

Allie möchte ihren Geburtstag mit ihren Freunden an einem Strand feiern, doch einer der Freunde hat andere Pläne und sie landen in einer abgelegenen Hütte im Wald. Als während der Nacht plötzlich ein Fremder um die Hütte schleicht und am nächsten Morgen einer fehlt, fängt der Horror erst an.

Maggie findet sich ebenfalls nach dem Erwachen in einer fremden Umgebung wieder. Sie muss in einer Art Labyrinth gegen andere Mitstreiterinnen um ihr Leben kämpfen, die ebenfalls wie sie selbst gefangen genommen wurden und aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen. Es folgt eine Art Panem Version, wo es nur eine Überlebende geben kann.

Drei sehr unterschiedliche Handlungsstränge, die nacheinander erzählt werden, lassen nicht das Gefühl aufkommen, irgendwie in Verbindung zu stehen. Man rätselt, warum sich diese Frauen plötzlich in einer fremden Welt befinden, wo sie versuchen müssen, ihr altes Leben wiederzuerlangen oder ganz einfach ihr Leben zu behalten. Zwischen den drei Handlungsabläufen werden interessante Chatverläufe eingeblendet, die viel Raum für Spekualtionen geben.

Jede der Geschichten ist spannend erzählt und lebt von drei starken Frauen, die sehr unterschiedlich sind. Ich habe sowohl mit Celia, Allie und auch Maggie mitgefiebert. Schade fand ich, dass keine der drei Erzählstränge auserzählt wird.
Der Schreibstil lässt sich schnell und flüssig lesen und man rast nur so durch die Geschichten. Christina Henry arbeitet sich genremäßig durch einen Cosy Crime, einem Horrorroman und einer Art Dystopie. Anspielungen auf diverse Bücher und Filme scheinen gewollt.

Zum Ende hin wird aufgelöst, wie die drei Geschichten zusammenhängen. So richtig überzeugt hat mich die Auflösung dann jedoch nicht. Ich fand sie eher unaufgeregt und plump, sowie klischeehaft. Sehr schade, denn der Weg dorthin war gelungen und hat mir gut gefallen.

Warum auf deutsch die Mädchen im Titel böse sind, im englischen Original aber gute Mädchen, ist mir nicht wirklich klar. "Gute Mädchen sterben nicht" hätte besser gepasst und mir auch besser gefallen.


Fazit:
Drei spannende Geschichhten, eine tolle Idee und eine gute Umsetzung. Die Auflösung war hingegen sehr plump und klischeehaft und hat mich im Endeffekt enttäuscht zurückgelassen.

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Veröffentlicht am 16.08.2024

Nur die Wahrheit zählt

Scandor
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Die Ideen, die Ursula Poznanski immer wieder für ihre Jugendromane und Thriller hat, finde ich jedes Mal richtig gelungen. Sie ist immer up-to-date, was neue technische Errungenschaften angeht und versteht ...

Die Ideen, die Ursula Poznanski immer wieder für ihre Jugendromane und Thriller hat, finde ich jedes Mal richtig gelungen. Sie ist immer up-to-date, was neue technische Errungenschaften angeht und versteht es diese in eine spannende Geschichte zu verpacken. Zuletzt habe ich "Die Burg" gelesen, wo es um eine Escape-Room-Spiel ging, welches durch eine KI gesteuert wurde. Diesmal haben wir einen neuartigen Lügendetektor, den titelgebenden Scandor.

Ich mag den Ausgangspunkt, wo hundert Kandidat:innen gegeneinander antreten, um diese Challenge zu gewinnen. Auch Philipp und Tessa haben eine dieser ominösen Münzen, die sie berechtigen, sich für das Spiel anzumelden. Philipp wurde seine zugespielt und Tessa stibitzt sie ihrem verhassten Onkel. Beide haben unterschiedliche Gründe antreten zu wollen und ahnen nicht, worauf sie sich eigentlich einlassen.

Die Geschichte wird großteils aus der Sicht der beiden Hauptfiguren erzählt, die wir in diesem Spiel begleiten, welches nicht ganz so einfach ist, als man denkt. Im Alltag der Kandidaten erleben wir sehr schnell, wie leicht uns kleine Lügen oder gedankenlose Bemerkungen über die Lippen kommen. Denn wie oft greift man täglich zu einer kleinen Notlüge oder einer Floskel, wie der Frage: "Wie geht es dir?" und man antwortet automatisch darauf: "gut". Und schwupps ist man aus dem Spiel.
Zusätzlich versuchen alle Teilnehmer ihre Gegner in die Falle zu locken, damit diese lügen oder spielen unfair. Für noch mehr Ansporn sorgt der für jeden Kandidaten individuelle hohe Einsatz, bei dem man sich seinen größten Ängsten stellen muss. Nur wer stets die Wahrheit sagt, wird am Ende gewinnen und bekommt das Preisgeld von fünf Millionen Euro.

Von Beginn an ist man als Leser mit dabei. Den Teilnehmern werden auf ihren Unterarmen Sensoren fixiert. Sie erhalten durch Wärmeströme neue Anweisungen oder bekommen durch einen Kältestrom signalisiert, dass sie ausgeschieden sind. Außerdem erhält jeder der Mitspieler einen Codenamen, der den anderen Teilnehmern nicht bekannt ist.
Sehr gelungen fand ich die kurzen Einblicke, die man erhält, wenn einer der Kandidaten ausscheidet und man den Moment "miterlebt". Umso besser erkennt man, wie schwierig die Aufgabenstellung eigentlich ist. Natürlich fragt man sich, was der Grund für diese Challenge sein könnte und gemeinsam mit Philipp und Tessa versucht man hinter das Geheimnis zu kommen.

Einer meiner Kritikpunkte bei Poznanskis Büchern ist für mich sehr oft die Charakterbildung. Diesmal habe ich nichts auszusetzen, denn Tessa und Philipp werden gut charaktisiert, sind authentisch und sehr unterschiedliche Figuren. Abwechselnd erhält man aus der Sicht von Tessa oder von Philipp Einblicke in ihre Challenge Aufgaben und wie sie sich im Spiel schlagen. Dabei sind sich die Beiden sympathisch und doch im Endeffekt Gegner, umso mehr Kandidaten ausscheiden.
Die restlichen Charaktere sind wirklich nur Nebenfiguren und spielen keine größere Rolle, bis auf wenige Ausnahmen.

Der Schreibstil von Ursula Poznanski ist für mich bereits auf den ersten Seiten zu erkennen. Sie schreibt flüssig, klar und einnehmend. Man weiß von Beginn an, dass nichts so ist, wie es scheint. Sehr schnell entwickelt sich ein Sog, der einem in die Geschichte zieht - so auch bei Scandor. Die Auflösung hat mir gut gefallen, auch wenn ich etwas "Größeres" dahinter erwartet habe. Für einen Jugendthriller hat das Ende allerdings gepasst und vorallem der Weg dorthin wurde spannend erzählt.

Fazit:
Der neue Jugendthriller von Ursula Poznanski hat mir sehr gut gefallen und mir unterhaltsame Lesestunden gebracht. Tolle Idee und gute Umsetzung, sowie eine passende Auflösung am Ende, die überrascht hat, aber nicht ganz so "groß" war, wie ich erwartet hätte.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Wer ist dein Match?

Irish Love – Vom Glück geküsst
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Dieses Buch habe ich bei Beate von @nerdlounge gesehen und als es bei Lovelybooks eine Verlosung dazu gab, habe ich mich beworben - und hatte Glück.
Die Autorin stammt nämlich aus Tirol und hat in ihrem ...

Dieses Buch habe ich bei Beate von @nerdlounge gesehen und als es bei Lovelybooks eine Verlosung dazu gab, habe ich mich beworben - und hatte Glück.
Die Autorin stammt nämlich aus Tirol und hat in ihrem Roman trotzdem wahnsinnig viel irisches Flair vermittelt.

Weißt du was ein Matchmaker ist? Nein? Dann erfährst du es in diesen Roman, denn Allie Malone, unsere Protagonistin, ist die Tochter eines Matchmakers aus Doolinvarna, einen kleinen Ort in Irland. Sie hat jedoch ihre Heimat, nach einem schlimmen Vorfall vor zehn Jahren, verlassen und lebt seitdem in London. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Freund Giles möchte sie demnächst nach Seattle auswandern und eine Hotelkette übernehmen. Doch da erreicht sie die Nachricht, dass ihr Vater Pat einen Herzinfarkt hatte und Allie reist erstmals nach zehn Jahren zurück nach Doolinvarna. Dort bitte sie ihr Vater, der letzte Matchmaker Irlands, dass sie beim kommenden Festival seine Rolle übernimmt. Allie ist alles andere als begeistert. Sie soll doch mit Giles in die USA reisen, kann ihren Vater die Bitte jedoch nicht abschlagen und bleibt um seine Genesung nicht zu gefährden. Während den Vorbereitungen für das Matchmaking Festival erkennt Allie, dass in ihrer Vergangenheit so einiges schief gelaufen ist.....sowohl in London, als auch in ihrer Heimat.

Ich bin sehr gut in die Geschichte gekommen und konnte die Aufregung um das Festival durch die Zeilen spüren und die irische Dorfgemeinschaft lieben lernen. Besonders Fred ist mir sehr ans Herz gewachsen, der seit Jahrzehnten immer wieder nach Doolinvara kommt, um seine große Liebe zu treffen. Die Figuren wurden von Josie Donavan lebendig und facettenreich dargestellt.
Allie beginnt in ihrer alten Heimat zu reflektieren, dass sie die letzten zehn Jahre auf der Überholspur gelebt hat und beginnt ihr Leben zu überdenken. Sind es wirklich ihre eigenen Träume, die sie gemeinsam mit Giles verfolgt, oder doch nur seine?
Außerdem muss sie sich dem Schicksalsschlag stellen, der sie damals aus Irland flüchten ließ.

Der Schreibstil ist locker und einfühlsam, aber auch humorvoll. Die Atmosphäre der Insel und das Flair der Dorfgemeinschaft wurde sehr gut eingefangen. Es gibt ebenfalls einige überraschende Wendungen, die nicht vorhersehbar waren. Das Ende war ebenfalls ein bisschen anders, als erwartet und passte für mich, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass sich Allies Traum so einfach und schnell umsetzen lässt. Mehr will ich dazu nicht sagen, um nicht zu spoilern.

Fazit:
Ein richtiger Wohlfühlroman, der den/die Leser:innen auf die grüne Insel entführt und viel irisches Flair vermittelt. Eine schöne Wochenend- oder Urlaubslektüre zum Träumen!

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Dorfgeheimnisse

Dunkeldorf
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Auf diesen Thriller, den ich in der Neuerscheinungsvorschau auf meinen Blog auf meiner MUST READ Liste hatte, war ich schon besonders gespannt.
Die Autorin kenne ich nur von ihrem historischen Krimi "Elitewahn", ...

Auf diesen Thriller, den ich in der Neuerscheinungsvorschau auf meinen Blog auf meiner MUST READ Liste hatte, war ich schon besonders gespannt.
Die Autorin kenne ich nur von ihrem historischen Krimi "Elitewahn", den sie gemeinsam mit Biggi Rist veröffentlich hat. Ihre Cosy Krimis unter den Namen Lili Andersen kenne ich nicht und werden eher nicht in meinen Regalen landen.

Der Prolog geht gleich unter die Haut und ist eines meiner schlimmsten Szenarios. Danach wird es aber gemächtlicher und wir lernen unseren Protagionisten kennen.
Der Autor Niklas Westphal kehrt nach Jahren in der Großstatdt in sein Heimatdorf Thöninghausen zurück. Es soll jedoch nur ein kurzer Aufenthalt werden, denn er bleibt nur zur Beerdigung seiner vor kurzem verstorbenen Mutter. Außerdem muss er sich überlegen, was er mit dem nun leerstehenden Elternhaus, einer tollen Villa, anfangen soll.
Im Dorf scheint die Zeit fast stehen geblieben zu sein. Schon seit einiger Zeit plagen Niklas Alpträume, die nun in seinem Elternhaus intensiver werden. Als die Leiche der vor 30 Jahren verschwundenen Julia gefunden wird, beginnt er nachzuforschen. Seine Träume lassen ihm keine Ruhe und er denkt, dass diese etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun haben könnten. Doch bei der Dorfgemeinschaft stößt er an eine Mauer des Schweigens.

Der Thriller ist wirklich raffiniert aufgebaut. Zu Beginn fragt man sich, was die Auszüge aus einem Bestseller- Roman, die immer wieder eingestreut werden, zu bedeuten haben. (Man sollte diese kurzen Kapitel aber unbedingt genau lesen!)
Obwohl es sich um einen Thriller handelt, lässt sich die Geschichte Zeit. Die Autorin hat viele versteckte Hinweise eingebaut. Ebenso gibt es Rückblenden in die Vergangenheit.
Der Großteill wird aber aus der Sicht von Niklas in der Gegenwart erzählt. Hilfe bekommt er von Tessa, einer ehemaligen Schulkollegin, die ebenfalls gerade im Dorf weilt. Ihre Tante feiert demnächst einen runden Geburtstag und Tessa macht sich gemeinsam mit Niklas auf Spurensuche.....

Die Figuren sind vielschichtig und interessante Charaktere, wovon es jede Menge im Dorf gibt. Der Titel "Düsterdorf" ist bezeichnend, denn es überwiegt eine düstere Atmosphäre, die oft beklemmend wirkt. Nach und nach kommen immer mehr Vorkommnisse aus der Vergangenheit ans Licht. Geschickt eingestreute Rückblenden und Passagen aus der Sicht einiger Dorfb sorgen für zusätzlichen Nervenkitzel.
Dennoch waren mir manche Szenen für einen Thriller zu detailliert erzählt und es kommt daher auch zu kleinen Längen.
Das Ende ist überraschend und ist logisch in Szene gesetzt. Einen kleinen Teil habe ich bereits erahnt, aber der Großteil des Komplotts wird erst zum Schluss offenbart und lässt einem sparchlos zurück.

Das Cover passt hervorragend zum Inhalt, was man aber erst nach dem Zuschlagen der letzten Seite erkennen kann.

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer Thriller, düster und beklemmend. Einige kleine Längen und etwas zu detailliert erzählte Handlungen sind nur kleine Kritikpunkte, denn insgesamt war "Dunkeldorf" ein tolles Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 09.08.2024

Eine Reise in die Siebziger Jahre

Wenn die Welt nach Sommer riecht
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Wie habe ich mich gefreut, dass es noch einen weiteren Band um Sigi gibt, nachdem mir die Vorgänger "Die Welt war eine Murmel" und "Die Welt war voller Fragen" unheimlich gut gefallen haben.

Die stark ...

Wie habe ich mich gefreut, dass es noch einen weiteren Band um Sigi gibt, nachdem mir die Vorgänger "Die Welt war eine Murmel" und "Die Welt war voller Fragen" unheimlich gut gefallen haben.

Die stark biografische Reihe um Sigi Niedermayr hat mein Herz schon ab den ersten Band erobert. In "Wenn die Welt nach Sommer riecht" ist Siegfried mittlerweile dreizehn Jahre alt und das neue Jahrzehnt, die Siebziger Jahre, haben begonnen.
Ich bin ungefähr zehn Jahre jünger als unser Protagonist damals und freue mich bei der Lektüre jedes Mal, wenn es um Episoden geht, die ich ähnlich erlebt habe oder einfach das Lebensgefühl der damaligen Zeit spüren kann. Außerdem spielt der Roman in Österreich und ist deshalb für mich noch identischer.

Wie schon in den Vorgängerbänden, die man auch einzeln lesen kann, beginnt jedes Kapitel mit dem erwachsenen Sigi, der nach dem Tod der Mutter die Wohnung auflöst und allerhand Dinge findet, die starke Erinnerungen auslösen, wie der Fotoalbum von damals, als Sigi seine erste Kamera bekommen hat. In Rückblicken wird aus der Sicht des jungen Sigi erzähl, der nun nicht mehr Kind ist, aber auch noch nicht erwachsen.

Sigi erinnert sich an die Ferien bei seiner Tante, bevor er in die vierte Klasse Gymnasium der Unterstufe kommt. Tante Hermi führt eine Frühstückspension und erwartet erstmals Gäste aus Großbritannien. Sigi muss aushelfen, denn Tante und Onkel können kaum Englisch und auch beim Kochen sind seine Fähigkeiten gefragt.
In der Schule hat er nur in Latein Schwierigkeiten, aber auch seine interessierten Fragen in anderen Fächern sind größtenteils nicht erwünscht. Der stark autoritäre Erziehungsstil und der politische Umschwung sind Themen, die sich auf den ganzen 250 Seiten wie ein roter Faden durch die Handlung ziehen.
Pop-Musik, die ersten Hippies, Demos gegen den Vietnamkrieg usw. sind nun auch in den Dörfern am Land angekommen. Die Oberstufen Schüler beginnen sich aufzulehnen und schreiben erstmal eine Schülerzeitung. Sigi probiert seine erste Zigarette und erliegt (kurz) dem Alkoholzwang.

Ganz besonders hat mir Sigis Besuch bei seiner Tante Irmgard in Wien gefallen. Diese ist modern und aufgeschlossen und Sigi staunt erstmals über einen Farbfernseher und einen Toaster. Auch Tante Irmgards aufregendes Leben ähnelt kaum dem seiner Mutter, die zuhause den Launen und dem Desinteresse ihres Mannes ausgesetzt ist.
Ein Ausflug in den Prater in Wien war auch in meiner Kinderzeit noch etwas ganz besonderes und wurde meistens als Firmungsgeschenk geschenkt.
Erinnerungen hat auch ein Wandertag ins Salzbergwerk Hallstatt und ein Schikurs geweckt, den Sigis Klasse erlebt. Erstmals beginnt sich Sigi für ein Mädchen aus der Paralellklasse zu interessieren. Solche Klassenfahrten bleiben einfach immer im Gedächtnis und man denkt oft noch gerne daran zurück.

Neben der humorvollen Erzählung aus Sigis Kindermund, schwingen im Hintergrund immer die gesellschaftlichen und politischen Werte dieser Zeit mit. Die Nazivergangenheit wird auch 25 Jahre nach Kriegsende totgeschwiegen oder ignoriert. Bei manchen Ereignissen ist man entsetzt und froh, dass sich seit damals viel geändert hat. Allerdings gibt es auch noch immer Themen, die sich auch heute kaum oder zu wenig geändert haben. Ein weiterer nostalgisch-kritischer Rückblick des Autors.

Fazit:
Ich habe mich in Sigis Universum wieder wunderbar wohlgefühlt. Wie schon die beiden Vorgänger hat mir auch "Wenn die Welt nach Sommer riecht" unterhaltsame Lesestunden bereitet und mich an meine eigene Kinder- und Jugendzeit erinnert. Ich spreche auch diesmal wieder eine Leseempfehlung aus!

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