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Veröffentlicht am 22.12.2022

Viel schwächer als die Vorgänger

Die Hafenärztin. Ein Leben für das Recht auf Liebe (Hafenärztin 3)
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Nachdem ich die ersten beiden Bände rund um die Hafenärztin Anne Fitzpatrick/van der Zwaan mit Begeisterung gelesen habe, freute ich mich ganz besonders auf den dritten Teil der Reihe. Leider konnte dieser ...

Nachdem ich die ersten beiden Bände rund um die Hafenärztin Anne Fitzpatrick/van der Zwaan mit Begeisterung gelesen habe, freute ich mich ganz besonders auf den dritten Teil der Reihe. Leider konnte dieser mit den Vorgängerbänden nicht mithalten.

Anne ist nach London zurückgekehrt und möchte mit ihrer Vergangenheit abschließen. Sie kehrt unter ihren richtigen Namen Anne van der Zwaan nach Hamburg zurück. Nachdem ihre Praxis abgebrannt ist, behandelt sie Prostituierte im Chinesenviertel. Dabei wird sie Ohrenzeugin eines Mordes, der jedoch von der Bordellbesitzerin vertuscht wird. Der Verdacht fällt bald auf den Hafenmörder, der zurückgekehrt zu sein scheint. Nicht nur Anne, sondern auch viele Freudenmädchen und ganz besonders Kommissar Berthold Rheydt versetzt diese unglaubliche Neuigkeit in Angst und Schrecken. Diesmal muss er den skrupellosen Frauenmörder zu Fall bringen. Zuerst hat es Berthold aber mit einem toten Chinesen zu tun, der tot in einem Fass auf einem der eingelaufenen Schiffe gefunden wurde.

Opiumschmuggel, Drogengeschäfte und dunkle Machenschaften sind diesmal die Herausforderungen für Berthold, Anne und Helene. Auch die Hitze, die Hamburg in diesem Sommer heimsucht, verwandelt die Stadt in eine brodelnde Masse. Anne kämpft währenddessen im Geheimen gegen die Machenschaften ihres Vaters. Roger van der Zwaan scheint Kontakte zum zwielichtigen Geschäftsmann Sun Bo zu haben, der das chinesischen Rotlichtviertel und den Opiumhandel zu beherrschen scheint. Sowohl Berthold, als auch Anne, werden immer tiefer in die Machenschaften der skrupellosen Geschäftsmänner hineingezogen....

In diesem Teil kommt es zu vielen Wiederholungen, die so einige Längen mit sich bringen. Für Neueinsteiger ist dies sicher nicht schlecht, aber für alle, die bereits die ersten beiden Teile gelesen haben, wird vieles immer wieder durchgekaut.
Die Autorin punktet wieder mit atmosphärischen Schauplätzen und gut gezeichneten Figuren. Anne bleibt diesmal jedoch viel mehr im Hintergrund. Der Fokus liegt bei Helene, die ihre Beziehung zu Berthold vertieft und immer eigenständiger und selbstbewusster wird. Außerdem macht sie sich Sorgen um ihre beste Freundin Paulina, die offenbar schon kurz nach der Eheschließung von ihrem Ehemann misshandelt wird. Die Liebesbeziehungen nehmen in diesem Teil einige Kapitel ein und konnten mich nicht gänzlich überzeugen.
Erst im letzten Drittel kommt Spannung auf und am Ende überschlagen sich die Ereignisse, wobei auch einige Fragen offen bleiben. Mit Erstaunen habe ich gesehen, dass es im November 2023 einen weiteren Teil der Hafenärztin geben wird. Damit werden die noch offenen Fragen wohl noch beantwortet werden.


Fazit:
Leider ein etwas enttäuschender dritter Teil, verglichen zu den beiden spannenden ersten Bänden der Reihe. Die Geschichte nimmt diesmal zu spät an Fahrt auf und der Kriminalfall gerät manchmal etwas zu sehr in den Hintergrund. Die noch offenen Fragen werden im nächsten und vierten Band hoffentlich noch aufgelöst. Natürlich werde ich weiterlesen, um zu erfahren wie es mit Anne, Helene, Paulina und Berthold weitergeht. 

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Veröffentlicht am 19.12.2022

Komplexer historischer Krimi

Melodie des Bösen
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Gleich vorab - ich würde jedem empfehlen zuerst den ersten Band zu lesen!
Ich bin beim zweiten Band eingestiegen und hatte manchmal Probleme einige personenbezogene Abläufe zu verstehen oder zuzuordnen! ...

Gleich vorab - ich würde jedem empfehlen zuerst den ersten Band zu lesen!
Ich bin beim zweiten Band eingestiegen und hatte manchmal Probleme einige personenbezogene Abläufe zu verstehen oder zuzuordnen! Deswegen: Seid gescheiter als ich ;)

1925. Am Pariser Friedhof "Père Lachaise" wird am Grab von Frederic Chopin ein menschliches Herz gefunden. Julien Vioric wird mit dem Ermittlungen betraut, obwohl er eigentlich den Dienst bei der Polizei quittiert hat. Der Vorfall erinnert ihn an seinen bis heute ungelösten Fall vor zwölf Jahren, als man auf den Stufen des „Théâtre des Champs-Élysées“ ebenfalls ein menschliches Herz fand. Damals gab es nicht nur einen Skandal um die Ballett-Premiere von Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“, sondern auch um das Verschwinden einer jungen Frau nach den Unruhen im Theater. Und nun soll sich alles wiederholen? Vioric, der noch immer an diesem ungelösten Fall knabbert, muss sich der Vergangenheit stellen....

Dies ist definitv KEIN Krimi für zwischendurch! Die Story ist sehr komplex und hat einen gut durchdachten Plot mit verschiedenen Handlungssträngen, die perfekt ineinander verknüpft werden. Das Fehlen von Kenntnissen des ersten Bandes und die vielschichtigen Themen haben es mir anfangs nicht einfach gemacht in die Geschichte zu finden und die Figuren zuzuordnen. Man muss sich auf die Geschichte einlassen und sollte kein anderes Buch parallell lesen.
Die Figuren sind facettenreich und spannende Charaktere. Sie haben Ecken und Kanten. Von Beginn an konnte mich jedoch die poetische und wunderschöne Sprache der Autorin begeistern. Für einen Krimi oder Thriller ist dies eher ungewöhnlich, weil in diesem Genre eine eher einfache und oftmals auch rauhe Sprache dominert. Doch Britta Habekost schreibt malerisch, lebendig und detailliert. Sie hat mir nicht nur die Stadt Paris mit ihrer bildhaften Beschreibung näher gebracht, sondern auch das Flair dieser Zeit. Es ist eine schillernde und bunte Welt im Dunstkreis von Musikern und Künstlern. Aber wir wandeln nicht nur durch das prunkvolle Paris, sondern auch durch eine düstere und bedrückende Stadt, die vor Brutalität nicht zurückschreckt.

Der historische Krimi ist atmosphärisch dicht und neben den Mordfällen steht in diesem zweiten Band die Musik im Mittelpunkt. Es ist der Jazz, der nach Paris überschwappt. Im Künstlerviertel Montmartre sind viele der Einwanderer aus den Kolonien angesiedelt, die die neue Musikrichtung mitbringen und die traditonelle in den Hintergrund stellt. Das gefällt nicht allen. Traditionelle Gruppierungen, wie die rechtsorientiernde Action française treten gegen den Jazz, die Einwanderer aus den Kolonien und die neue Freiheit an. Und es bleibt nicht bei einem Mord...

Fazit:
Definitiv kein Mainstream unter den historischen Krimis! Ein komplexer Plot, eine wunderschöne poetische Sprache und die schillernde, aber gleichzeitig auch bitterböse, Stadt Paris vereint auf 464 Seiten. Ein toller historischer Krimi, den man jedoch von Band Eins beginnend lesen sollte!

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Veröffentlicht am 17.12.2022

Alte Wunden

Blutrodeo
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"Blutrodeo" ist der zweite Band einer Krimireihe, die in Kanada spielt. Den ersten Band "Frostmond" habe ich nicht gelesen, hatte aber keinerlei Probleme einzusteigen, da Profiler Ted Garner in jedem Band ...

"Blutrodeo" ist der zweite Band einer Krimireihe, die in Kanada spielt. Den ersten Band "Frostmond" habe ich nicht gelesen, hatte aber keinerlei Probleme einzusteigen, da Profiler Ted Garner in jedem Band in einer anderen Gegend Kanadas ermittelt.
Diesmal wird er nach Calgary geschickt, wo zur Zeit die größte Rodeoshow der Welt, die Calgary Stampede, stattfindet. Zwei alten Männern wurde auf brutalste Weise die Kehle durchgeschnitten. Der eine lag in Calgarys größtem Hospital im Sterben, der andere war Krebspatient im letzten Stadium. Wer hat daran Interesse, die bereits schwer kranken Männer zu töten?

Garner soll mit der örtlichen Polizistin Samantha Stern zusammenarbeiten, die in den beiden Mordfällen ermittelt. Sie ist ehrgeizig und von Beginn an gibt es Probleme bei der Zusammenarbeit. Sowohl Ted, als auch Sam sind eher "Einkelkämpfer" und arbeiten nicht gern im Team.
Die einzige Verbindung der Opfer ist ihr ehemaliger Job bei Fort McMurray. Als Sam und Ted beim ehemaligen Arbeitsplatz der beiden Männer eintreffen, sind sie schockiert. Mächtige Ölkonzerne bauen seit Jahrzehnten Ölsand ab und verwandeln die wunderschöne kanadische Landschaft in vereuchte Klärteiche und riesige Kraterlandschaften. Die Arbeiter und die dort lebende indigene Bevölkerung leidet unter diversen Krankheiten, die durch die Umweltverschmutzung entstanden sind. Entschädigungen gibt es keine. Ted und Sam brauchen aber nicht allzu lange, um zu erkennen, dass das Motiv für die Morde nicht in Fort McMurray zu finden ist. Doch was ist der Grund, dass diese Männer kurz vor ihrem natürlichen Tod ermordet werden?

Die Autorin legt viele falsche Fährten aus. Es gibt einiges an Themen, die alle in eine andere Richtung verweisen. Die Leser werden außerdem durch Rückblenden, die in erster Person erzählt werden, mit Hintergrundinformationen versorgt. Manchmal erschien mir diese Themenvielfalt fast zu viel, regt aber zum Miträtseln an.

Beide Ermittler sind nicht unbedingt Sympathieträger. Die Zusammenarbeit funktioniert auch nicht wirklich und beide ermitteln mehr im Alleingang, wobei es zu einigen Zwischenfällen kommt. Beide blieben für mich etwas unnahbar. Vorallem nachdem Ted das ungute Gefühl beschleicht, dass sein Vater ein mögliches nächstes Opfer sein könnte. Mehr möchte ich dazu nicht sagen....lest selbst!

Das Finale ist sehr spannend und der Schreibstil der Autorin flüssig zu lesen, fast etwas rauh der Umgangston. Das kanadische Lokalkolorit hat mir gut gefallen.

Was mir nicht gefallen hat, waren die für mich unnötigen Beschreibungen von Misshandlungen und Tötungen von Tieren. Das ist für mich ein Grund ein Buch abzubrechen und ich war auch kurz davor. Man kann auch auf andere Art darstellen, dass aus einem Jugendlichen ein kaltherziger Krimineller wird. Man muss auch nicht in allen Einzelheiten schildern, was mit einem Tier passiert ist...vorallem, wenn diese Tötungen öfters vorkommen, als nur einmal. Ich kann blutige Thriller lesen, aber bei Tieren ist bei mir der Ofen aus.

Die Autorin hat einige Zeit in einem Cree-Reservat in Kanada verbracht und plaudert aus dem Nähkästchen. Umso mehr hat mich die unvorstellbare Zerstörung der Natur durch den Ölsandabbau schockiert. Frauke Buchholz hat es geschafft, diese Bilder der Zerstörung direkt in meinen Kopf lebendig werden zu lassen. Calgary war für mich immer ein Ort, den ich mit dem Skisport verbunden habe. Als Österreicherin verfolge ich jede Abfahrt und jeden Slalom und somit war mir diese Stadtbild mit HIntergrund der Rocky Mountains ein Begriff. Dass unweit dieser Metropole die Natur willentlich so zerstört wird und die Gesundheit von Menschen mutwillig aufs Spiel gesetzt wird, ist einfach nur schrecklich!

Fazit:
Ein Krimi, der mich ins kanadische Calgary geführt hat und seltsam anmutende Morde bereithält. Spannend erzählt, aber mit zwei etwas sperrigen Ermittlern. Sehr gestört hat mich die Misshandlung und Tötung von Tieren. Generell gibt es noch Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 13.12.2022

Ein Lesehighlight

Kinder des Aufbruchs
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Seit dem ersten Buch, welches ich von Claire Winter gelesene habe, bin ich ein Fan der Autorin. Jeder neue Roman kommt auf meine Wunschliste ohne den Klappentext zu lesen. Die Autorin ist einfach ein Garant ...

Seit dem ersten Buch, welches ich von Claire Winter gelesene habe, bin ich ein Fan der Autorin. Jeder neue Roman kommt auf meine Wunschliste ohne den Klappentext zu lesen. Die Autorin ist einfach ein Garant für tolle Stories!

"Kinder des Aufbruchs" ist die Fortsetzung zu "Kinder ihrer Zeit", kann jedoch auch alleinstehend gelesen werden. Die Autorin hat immer wieder kleine Rückblicke eingebaut, damit auch Leser:innen, die das erste Buch nicht gelesen haben, keine Probleme mit der Story haben. Trotzdem würde ich empfehlen zuerst den ersten Band zu lesen, damit man das Verhältnis zwischen den Zwillingsschwestern Alice und Emma besser versteht. Außerdem war "Kinder ihrer Zeit" ein Buch, dass ich mit dem Lieblingsbuchstatus bewertet habe. Ihr würdet daher etwas verpassen ;)

In der Zwischenzeit sind sechs Jahre vergangen, seit die Zwillingsschwestern wieder vereint sind. Emma ist nach wie vor Dolmetscherin und Alice arbeitet als Journalistin bei einer Berliner Tageszeitung. Alice ist mit Max verheiratet und die beiden leben mit ihrer Tochter Lisa zusammen. Die Ehe ist jedoch ein "Arrangement", um für Lisa dazusein. Max ist Anwalt und hat sich auf Entschädigung von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus spezialisiert. Emma ist mit dem aus der DDR geflüchteten Julius verheiratet, der als Professor unterrichtet.
Wir landen mitten in den politischen Unruhen in Berlin des Jahres 1967. Demonstrierende Studenten sind an der Tagesordnung und der Besuch des Schahs von Persien lässt die Stimmung in der Stadt fast überkochen. Als der Student Benno Ohnesorg ums Leben kommt, der von einem Polizisten erschossen wird, gerät alles aus den Fugen. Alice ist hautnah dabei und trifft auf Fritz, einem ehemaligen Freund aus dem Osten. Er bittet sie um Hilfe für seine Schwester Lore, die ebefalls die DDR verlassen will. Alice steht durch einen Artikel, den sie geschrieben hat, mit einer Fluchthilfe-Organisation in Verbindung und bietet Fritz - nichtsahnend, was sie dabei lostritt - Hilfe an. Als sie auch noch auf ihre frühere Freundin Irma trifft, die als Sängerin Karriere gemacht hat und in den Westen geflohen ist, wird Alice nervös. Irma hat sie damals ausspioniert und an die Stasi verraten. Und jetzt trifft sie kurze Zeit hintereinander auf Menschen aus ihre Vergangenheit? Hat die Stasi auch Alice wieder im Fokus?

Emma leidet in der Zwischenzeit an einer erlittenen Fehlgeburt und trifft bei einem Event in einem Kinderheim, bei dem sie dolmetscht, auf den 11jährigen Waisenjungen Luca. Sie besucht den störrischen Jungen immer wieder und baut langsam ein klein wenig Vertrauen zu ihm auf. Doch Luca hat unglaubliche Angst vor jemanden und flüchtet immer wieder aus dem Heim.
Erst nach und nach stellt sich heraus, dass beide Handlungsstränge miteinander verbunden sind. Beide Schwestern und ihre Ehemänner geraten ins Visier der Stasi und in grosse Gefahr.

Obwohl die Autorin viele politische Themen aufgreift, um diese Zeit auch sehr authentisch darstellen zu können, wird es nie langweilig. Die Demonstrationen der Studenten erinnern mich ein bisschen an die momentanen Klimaaktivisten, ebenso wie der Einfluss der Presse. Es geht aber auch um Fluchthilfe, Gefangenen-Austausch, Geheimdienste und ihre Rolle im Deutschland der 60er Jahre. Diese historischen Themen verwebt die Autorin geschickt mit ihrer fiktiven Geschichte rund um Emma, Alice, Julius, Max, Fritz Irma und dem kleinen Luca.
Claire Winter versteht es großartig alle Sichtweisen so darzustellen, dass man sich selbst beim Lesen wie in einem Strudel der Machenschaften fühlt. Die Figuren sind authentisch und sehr lebendig dargestellt. Die Spannung ist von Beginn an zu greifen und bleibt bis zum Ende erhalten.

Der Schreibstil ist wie immer mitreißend und bildgewaltig. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht verschiedener Charaktere erzählt. Die dazugehörigen Namen findet man am Kapitelanfang.
Auf der Innenseite des Buches finden wir eine Karte von Ost- und West Deutschland und den angrenzenden Ländern, sowie eine kleine Karte von Berlin mit der Trennungslinie. Am Ende des Buches erklärt die Autorin über Wahreit und Fiktion auf.

Claire Winter hat hervorragend recherchiert und die Stimmung der späten Sechziger Jahre perfekt eingefangen. Es ist die Zeit des Kalten Krieges und des Vietnamkrieges, des Prager Frühlings und ein Aufschrei der Jugend gegen das alte System. Ich habe wieder mit Emma und Alice gebangt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Eine absolute Lese-Empfehlung, wie schon der erste Band!

Fazit:
Ein weiteres Highlight der Autorin! Der Roman hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Immer wieder überrascht mich Claire Winter mit einem weiteren grandiosen Roman. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung mit dem Hinweis, wenn möglich, zuerst den ersten Band zu lesen.

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Veröffentlicht am 12.12.2022

Musik ist die Sprache der Seele

Der Klang von Feuerblau
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Auf diesen Roman wurde ich bei Lovelybooks aufmerksam. Johanna Gerhard hat mit "Der Klang von Feuerblau" den Selfpublisher Preis 2022 gewonnen - zu Recht! Der Roman lässt sich schwer einordnen, doch die ...

Auf diesen Roman wurde ich bei Lovelybooks aufmerksam. Johanna Gerhard hat mit "Der Klang von Feuerblau" den Selfpublisher Preis 2022 gewonnen - zu Recht! Der Roman lässt sich schwer einordnen, doch die Hauptthemen sind Trauer, seelischer Missbrauch, Akzeptanz, Vergebung, Misstrauen....und natürlich die Musik.

Kit Camino ist Synästhethikerin. Sie erlebt jeden Ton und Klang in Farbe. Was einerseits eine wunderbare Begabung ist, kann rasch zu eine riesigen Belastung werden.
Von klein auf wollte Kit, wie ihr berühmter Vater, ihr Leben der Musik widmen. Ihre Liebe galt dem Cembalo, doch einige Vorfälle mit ihrem Vater haben sie einen anderen Weg einschlagen lassen. Seitdem spielt sie nicht mehr und hat den Kontakt zu ihrem Vater abgebrochen.
Als dieser unerwartet stirbt, ist Kit mehr erschüttert, als sie sich zuerst eingestehen will. Sie erbt von ihm "Winters Weiher", das Landhaus, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat. Für Kit beginnt eine Reise zu sich selbst. Ihre verletzte Seele braucht lange, bis sie heilt und die Aufarbeitung ist nicht einfach.

Erst nach und nach erfahren wir in Rückblicken, was passiert ist, dass Kit und ihr Vater den Kontakt zueinander abgebrochen haben. Der Schreibstil ist emotional und bildhaft. Die Kapitel sind farblich und musikalisch inspiriert.
Die Autorin beschreibt die Gabe der Synästhesie so bildhaft, dass es auch unmusikalische Menschen verstehen können. Jeder Ton hat eine bestimmte Farbe, die für Kit ein Wohlfühlen oder auch eine Missstimmung erzeugen. Man erlebt beim Lesen diese Gefühle Zeile für Zeile mit.

Kit ist nicht immer ein einfacher Charakter. Sie wirkte für mich sehr verloren und ich konnte ihre Angst und Wut fühlen. Allerdings hatte sie ihre egoistischen Momente und verletzt die wenigen Menschen, die es gut mit ihr meinen. Auf der anderen Seite konnte ich ihre Zerrissenheit fühlen. Sie verhält sich manchmal selbstzerstörerisch und stur. Ihr Weltblick verliert sich schnell in einem Tunnel. Was ihr passiert ist, verarbeitet man nicht einfach so und hat ihr Weltbild zerstört.

Raffael ist ein sehr sympathischer junger Mann, mit dem Kit als Kind in Winters Weiher befreundet war. Er ist auch nach all den Jahren für sie da, ebenso wie ihre beste Freundin Maja. Doch beide werden von Kit verletzt und die Freundschaften stehen auf der Kippe.

Das Ende bleibt ein bisschen offen, was mich, die offene Enden hasst, hier aber nicht wirklich gestört hat. Kit hat am Ende zu sich gefunden. Doch wie sie ihr Leben wieder in den Griff bekommt, müsst ihr selbst lesen.

Schade fand ich, dass es noch so einige Fehler im Buch gibt, die das Lektorat in der Zwischenzeit beheben hätte können.

Fazit:
Der Roman ist eine virtuose Komposition, die sich auf nur 230 Seiten völlig entfaltet. Wer eine Liebesgeschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Hier geht es vorallem um Vergebung und Selbstfindung. Ein tiefgründiger Lesegenuss! 

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