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Veröffentlicht am 25.04.2022

Im Gehirn des Mörders

Mörderfinder – Die Macht des Täters
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Im zweiten Band um Max Bischof und der Mörderfinder Reihe von Arno Strobel gerät der ehemalige Polizist in eine brutale Mordserie, als ihn eine Ex-Kollegin um Hilfe bittet. Ihr Neffe wird des Mordes angeklagt. ...

Im zweiten Band um Max Bischof und der Mörderfinder Reihe von Arno Strobel gerät der ehemalige Polizist in eine brutale Mordserie, als ihn eine Ex-Kollegin um Hilfe bittet. Ihr Neffe wird des Mordes angeklagt. Max soll seine Unschuld beweisen, doch alle Indizien deuten auf den 22jährigen Studenten. Kurze Zeit später verübt er Selbstmord. Es dauert jedoch nicht lange bis der nächste Mord passiert, der dieselbe Handschrift trägt. Ist es ein Trittbrettfahrer oder wurde der falsche Mann verdächtigt?
Als Fallanalytiker steht Bischof vor einem Rätsel. Ein Motiv scheint zu fehlen. Die Fälle passen nicht zusammen und trotzdem ist er sich sicher, dass es sich um einen Serienmörder handelt.

Arno Strobel hat wieder einen rasanten Thriller geschrieben, der von Beginn an fesselt. Der Spanungsbogen bleibt die gesamten 368 Seiten aufrecht und ich bin durch den Thriller nur so geflogen. Bischoff arbeitet wieder mit seinem Exkollegen Horst Böhmer zusammen. Die beiden vertrauen einander, jedoch hat Horst auch auf seine Dienstvorschriften zu achten. Die neue Chefin des Kommissariats, Eslem Keskin, ist anfangs gegen die Zusammenarbeit mit einem Privatermittler, was es Bischoff schwer macht. Zusätzlich kann er sich nicht in den Kopf des Täters denken, was für ihn als Fallanalytiker ein großes Problem darstellt.

Als Figur ist Max sympathisch, denn er bleibt seinen Prinzipien treu und sorgt sich um seine Schwester Kirsten. Auch die Freundschaft zu Böhmer macht ihn geselliger, als manche anderen Ermittler, die oftmals Einzelgänger sind.
Im zweiten Teil treffen wir auf einige bekannte Charaktere, wie auch auf einige neue, wie die bereits erwähnte Kriminalrätin und Chefin von Böhmer. Der interessanteste Neuzugang ist wohl Dr. Marvin Wagner, ein Graphologe.

Der Fall ist äußerst komplex. Strobel lässt den Leser mit überraschenden Wendungen immer wieder in eine Sackgasse laufen. Miträtseln ist schwierig. Und dann gerät Max mit seinem Verhalten ungewollt selbst in den Fokus der Ermittlungen.

Einzelne Kapitel sind wieder in kursiver Schrift geschrieben und lassen uns in den Kopf des Täters blicken. Diese nehmen aber nichts vorweg, sondern lassen die Spannung noch ein Stück weiter steigen. Das Tempo ist hoch und die Handlung - obwohl sie manchmal ein bisschen auf der Stelle tritt - kurzweilig.

Zum Ende gibt es einen Showdown und eine Auflösung, die einerseits gelungen und ungewöhnlich ist, aber andererseits auch ein bisschen konstruiert ausfällt. Ein paar mehr Details zur Auflösung und kein so abruptes Ende hätte mir besser gefallen. Das ist aber wiederum schon meckern auf hohem Niveau.

Fazit:
Ein spannender und temporeicher Thriller, der die Abgründe der menschlichen Psyche aufzeigt und mich sehr gut unterhalten hat. Band 2 "Die Macht des Täters" fand ich sogar eine Ticken besser als den ersten Mörderfinder Band, deshalb vergeben ich gerne 4 1/2 Sterne und freue mich schon auf Band 3.

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Veröffentlicht am 25.04.2022

Für mich der bisher schwächste Band der Reihe

Grabesstern
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Voller Vorfreude wartete ich auf den dritten Band rund um die Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan und Kommissar Erik Schäfer. Auf Instagram habe ich schon zur Veröffentlichung des Buches ein Interview ...

Voller Vorfreude wartete ich auf den dritten Band rund um die Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan und Kommissar Erik Schäfer. Auf Instagram habe ich schon zur Veröffentlichung des Buches ein Interview mit der Autorin verfolgt, in dem sie erzählt, wie sie zum Thema Sterbebegleitung für ihren neuen Thriller gekommen ist.

Mit ihrer weiblichen Protagonistin Heloise, die für ihre Zeitung zu diesem Thema recherchiert und einen Artikel schreiben soll, geht die Autorin in diesem Band tiefer darauf ein. Unterstützung bekommt Heloise von Erik Schäfers Ehefrau Connie, die als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig ist. Auf diesem Weg macht die Journalistin Bekanntschaft mit Jan Fischhof. Der Mann leidet an Demenz und hat Lungenkrebs. Als er einige lichte Momente hat, erzählt er von einer Schuld, die ihm schwer zu schaffen macht. Heloise lässt dies keine Ruhe und beginnt nachzuforschen. Bald kommt sie auf die Spur eines ungeklärten Vermisstenfalls in Südjütland, der 20 Jahre zuvor verdächtig schnell für abgeschlossen erklärt wurde. Die erst 19jährige Mia Stark verschwand an einem Abend spurlos. Heloise reist deshalb von Kopenhagen nach Südjtland, nahe zur Grenze Deutschlands. Sie entdeckt schnell, dass Mia nicht die einzige junge Frau war, die zu dieser Zeit als abgängig gemeldet wurde. Auf dem Land gehen die Uhren anders als in der Hauptstadt. Heloise trifft auf eine Mauer des Schweigens und erkennt bald, dass die hiesige Polizei damals so einiges vertuscht hat. Sie gräbt immer tiefer und findet einige Ungereimtheiten, denen sie auf den Grund geht. Doch der Fall ist alt, ein Cold Case, und im Ort scheint niemand daran gelegen zu sein, ihn nach all den Jahren aufzuklären. Heloise möchte aber unbedingt noch vor Fischhofs Tod die Fälle aufklären, wobei sie unbewusst den Tod ihrer eigenen Eltern verarbeitet.

Im dritten Band steht diesmal Heloise im Vordergrund und Erik spielt nur eine kleine Rolle. Der Fall beginnt ruhig und wird mit der Zeit immer komplexer. Bald bringt Heloise nicht nur sich, sondern auch Erik Schäfer in Gefahr. Die Autorin setzt, wie schon in den beiden Vorgängerbänden, gekonnt falsche Fährten. Trotzdem gab es für mich, vorallem in der Mitte, so einige Längen. Auch der Fall an sich erinnert eher an einen Krimi, als an einen Thriller. Zum Ende gibt es einen richtigen Knalleffekt, den Anne Mette Hancock hervorragend inszeniert hat und der alles noch einmal auf den Kopf stellt. Diese Wendung fand ich richtig klasse! Der Rest konnte mich diesmal hingegen leider nicht so überzeugen, wie die beiden Vorgängerbände.


Fazit:
Für mich ist "Grabesstern" der bisher schwächste Band der Reihe. Über weite Teile ist der "Thriller" eher spannungsarm. Erst das phänomenale Ende macht wieder einiges wett. Trotzdem erhoffe ich mir für den nächsten Teil wieder mehr Thrillerspannung!

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Viel zu unglaubwürdig

Das verschlossene Zimmer
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Der Roman beginnt mit dem Versuch der siebzehnjährigen Marie das versperrte Schlafzimmer ihres Vaters zu öffnen, während er die Messe besucht. Sie möchte endlich mehr über ihre Mutter erfahren, die sie ...

Der Roman beginnt mit dem Versuch der siebzehnjährigen Marie das versperrte Schlafzimmer ihres Vaters zu öffnen, während er die Messe besucht. Sie möchte endlich mehr über ihre Mutter erfahren, die sie angeblich vor 15 Jahren verlassen hat. Seitdem lebt sie mit ihrem Vater, Doktor Dominik Karski, der in einer Krakauer Klinik arbeitet, ein zurückgezogenes Leben. Er kümmert sich aufopferungsvoll um seine Tochter, seine Patienten und den Haushalt. Gleichzeitig verweigert er ihr sämtliche Informationen zu ihrer Mutter, doch Maries Fragen werden mit der Zeit immer drängender. Deshalb versucht sie Nachforschungen anzustellen.
Danach schwenkt der Roman in die nahe Vergangenheit, als der junge Arzt Dominik Karksi eine vielversprechenden Methode entwickelt, mit der er einem Jungen das Leben rettet.

Diese beiden Einblicke in die Geschichte (Leseprobe) haben mir sehr gut gefallen und so hatte ich große Erwartungen an den Roman, die leider nicht ganz erfüllt wurden.
Der Plot gab für mich sehr viel her, denn er startet vor dem Hintergrund der beginnenden Kriegsereignisse im Jahr 1939, machte mich neugierig, welches Geheimnis hinter dem Verschwinden von Maries Mutter steckt und zusätzlich fesselte mich der medizinische Hintergrund. Stattdessen bekam ich über weite Strecken eine Liebesgeschichte und Figuren, die mich so überhaupt nicht berühren konnten.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen: 1939 und zwischen 1918 und 1922. In Rückblenden lernen wir die junge Helena Kolnikiv kennen, die als Diesntmädchen in einer Apotheke in Lemberg arbeitet. Dort lernt sie Dominik, den Sohn des Apothekers, kennen und verliebt sich in ihn.
Im Strang um 1939 steht ebenfalls eine Liebesgeschichte im Vordergrund. Bevor sich Marie auf den Weg nach Lemberg macht (was erst im letzten Drittel der Geschichte passiert), trifft sie auf Ben Rosen, den Nachbarsjungen von früher, in den sie schon als Kind verliebt war. Trotz der bereits begonnenen Judenverfolgung erkennt Marie nicht die Gefahr in der Ben steckt und konvertiert für eine Hochzeit zum Judentum. Vor Schreck ist mir fast das Buch aus der Hand gefallen und ich fragte mich, wie naiv diese junge Frau wohl sein muss, dass sie anscheinend mit Scheuklappen durch die Gegend läuft. Auf der anderen Seite wird sie als überdurchschnittlich intelligent dargestellt, denn sie möchte unbedingt Medizin studieren und hat sich bereits einiges an Wissen angeeignet. Dabei greift die Autorin ein weiteres Thema auf: die schwierige Rolle der Frau zur damaligen Zeit, die weitgehend vom Mann abhängig ist, sowie die Ablehnung des Studiums für Frauen.

Mit der Zeit begann sich die Geschichte zu ziehen und in Nebensächlichkeiten abzudriften. Einige Nebenstränge fand ich überflüssig und gaben der Geschichte keinerlei Input, manche verliefen einfach im Sand. Immer wieder häuften sich unrealistische Passagen, die mich nur den Kopf schütteln ließen. Zusätzlich passten für mich auch historisch einige Fakten nicht zusammen. Das Zeitgeschehen und die Umgebung spielen nur untergeordnete Rollen, was ich extrem schade fand. Die Autorin hat sich die Freiheit genommen und die Realität ihrer Romanidee angepasst, was ich als absolut unglücklich gelaufen finde.

Einzelne Charaktere waren teilweise sehr stereotyp oder überzeichnet, wie der junge Arzt Johnny oder auch Karskis Widersacher Doktor Wolanski, der mit ihm um den Titel des Chefarztes konkurriert. Irgendwie blieben mir alle Figuren fremd und ich konnte den Großteil ihrer Handlungen nicht nachvollziehen. Ich vermisste realistische Emotionen und Tiefe.

Aber es gibt auch positive Aspekte:
Das Cover ist wunderschön und edel, wie auch die Innenseite ohne Schutzumschlag. Der Schreibstil der Autorin ist durchaus gelungen, denn die Geschichte liest sich flüssig und sie versteht es beim Leser Neugier und Spannung zu wecken. Ich habe mich trotz einiger Längen nie gelangweilt, sondern wollte stets wissen, wie es weitergeht. Es gab immer wieder kleine Cliffhanger, die viele offene Fragen hinterließen und die ich natürlich beantwortet haben wollte.
Doch dann kam das Ende und die Auflösung, die die Autorin parat hatte, hat mich überhaupt nicht überzeugen können. Ich fand sie total unglaubwürdig und schlug ziemlich enttäuscht das Buch zu. Leider kann ich für diesen Roman keine Empfehlung abgeben!


Fazit:
Eine Geschichte, die mir durch die tolle Leseprobe etwas ganz anderes vermittelt hatte, als ich letztendlich bekam. Figuren, die mich nicht erreichen konnten, unrealistische Passagen und ein Ende, das ich total unglaubwürdig fand. Einzig der Schreibstil der Autorin und der Beginn der Geschichte konnte mich überzeugen, der Rest leider nicht. Sehr, sehr schade!

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Veröffentlicht am 19.04.2022

Immobilienboom und seine Folgen

Boom Town Blues
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Ellen Dune hat mit ihrer Patsy Logan Reihe bereits einige Fans gewonnen. Für mich ist "Boom Town Blues" ihr erster Fall. Nachdem ich das Buch jetzt beendet habe, denke ich, dass es vielleicht doch besser ...

Ellen Dune hat mit ihrer Patsy Logan Reihe bereits einige Fans gewonnen. Für mich ist "Boom Town Blues" ihr erster Fall. Nachdem ich das Buch jetzt beendet habe, denke ich, dass es vielleicht doch besser gewesen wäre die Reihe von vorne zu beginnen. So machten mir einerseits sehr viele Figuren, als auch Rückblenden in die Vergangeheit, die ich nicht zuordnen konnte, das Lesen etwas schwer.

Patsy Logan ist halb Deutsche, halb Irin. Nachdem sie beim LKA München eine Auszeit genommen hat, fliegt sie zu ihrer Kusine Sinéad nach Dublin. Doch der Urlaub währt nur kurz. Ihr Chef kontaktiert sie nachdem in der österreichischen Botschaft eine junge deutsche Praktikantin, die Tochter des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers der Bayerischen Handelskammer, vergiftet wurde. Patsy wird um Hilfe gebeten und soll die Iren bei den Ermittlungen unterstützen. Gemeinsam mit ihrem österreichischen Pendant Sam Feuerstein versucht sie hinter den Anschlag auf das Leben der jungen Frau zu kommen. Doch wer trachtet nach dem Leben einer jungen Praktikantin?

So richtig ermitteln darf Patsy trotzdem nicht, doch sie ist nicht die Art von Polizistin, die einmal Lunte gerochen hat, aufgibt. Und sie ist es auch, die zuerst die richtige Fährte aufnimmt.

Ellen Dune hat mit Patsy Logan eine interessante und starke Frauenfigur erschaffen, die in ihrem dritten Band in einer ernsthaften Krise steckt. Dies hält sie aber nicht davon ab die richtigen Schlüsse bei ihren Ermittlungen zu ziehen. Nur im Privatleben ist sie auf verlorenen Terrain angelangt.
Wir erfahren im Kriminalfall viel über die Geschichte Dublins der letzten zwanzig Jahre, der Finanzkrise und deren dramtischen Konsequenzen für den Großteil der Bevölkerung. Darauf baut dieser Krimi auf, der sich dem Platzen der Immobilenblase widmet und drumherum die Todesfälle platziert Die geborene Österreicherin mit irischen Wurzeln weiß wovon sie schreibt, denn sie lebt siet Jahren in Dublin und schreibt seit 2010 an ihrer Krimireihe.

Der Schreibstil war für mich zu Beginn etwas gewöhnungsdürftig. Zusätzlich haben wir sehr viele Zeitenwechsel. Der aktuelle Fall wird immer wieder von einzelnen Ausflügen in die jüngere politische Vergangenheit der Insel unterbrochen. Auch auf Patsy's Vergangenheit wird oftmals eingegangen, jedoch war es für mich als Nichtkenner der Vorgägerbände schwer zu erkennen, was damals passierte. Durch diese Einschübe wurde durch der Lesefluss ständig unterbrochen und ich konnte mich schwer konzentrieren.

Fazit:
Für alle, die sich für den Krimi interessieren, empfehle ich mit dem ersten Band zu beginnen und nicht wie ich mit dem dritten einzusteigen. Ich bin mir sicher, dass ich diesen Krimnalfall anders bewertet hätte! So hatte ich leider einige Schwierigkeiten damit, obwohl ich mich sehr auf diesn Krimi gefreut hatte.

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Veröffentlicht am 17.04.2022

Das Mütterheim

Miss Rosetti und das Haus der Hoffnung
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Olivia Rosetti ist eine junge Frau, die 1939 ihren Verlobten in den Krieg ziehen sieht. Bald darauf muss sie feststellen, dass sie schwanger ist. Statt Unterstützung von ihren Eltern zu erhalten, zeigt ...

Olivia Rosetti ist eine junge Frau, die 1939 ihren Verlobten in den Krieg ziehen sieht. Bald darauf muss sie feststellen, dass sie schwanger ist. Statt Unterstützung von ihren Eltern zu erhalten, zeigt sie ihr italienisch stämmiger Vater bei der Sittenpolizei an. Diese verhaftet sie wegen "Unsittlichkeit" und steckt sie für 15 Monate in Torontos berüchtigte Frauenerziehungsanstalt Mercer Reformatory for Woman. Das Kind wird ihr nach der Geburt weggenommen und zur Adoption freigegeben.
Als sie nach der Abbüßung ihrer Haftstrafe entlassen wird, weiß sie nicht wohin, denn ihre Eltern haben sie verstoßen. Krank und am Ende ihrer Kräfte findet sie Zuflucht in einer Kirche, wo sie von Ruth Bennington gefunden wird. Diese bietet ihr Unterkunft in ihrer großen Villa an, in der sie seit dem Tod ihres Mannes alleine lebt. Sie fühlt sich schon seit Jahren sehr einsam und betet jeden Tag zu Gott, dass er sie endlich heimholen soll. Mit Olivia hat sie nun eine neue Aufgabe und die beiden Frauen werden zu Freundinnen. Sie beschließen anderen Frauen mit ähnlichem Schicksal eine Zukunft zu ermöglichen und eröffnen ein Mütterheim für Frauen in Not. Doch sie haben nicht mit Immobilienmakler Vincent Walcott gerechnet, der schon seit Jahren versucht das Grundstück auf dem die Villa von Ruth Bennington steht, zu kaufen. Walcott versucht alles, um die Eröffnung zu verhindern und schickt seinen Angestellten Darius Reed zu Ruth Bennington, um herauszufinden, wie man den beiden Frauen schaden könnte und sie zum Verkauf zu zwingen. Darius ist verwitwet und hat eine kleine Tochter, der er ein besseres Leben bieten möchte. Er hat vor den Auftrag seines Chefs erfolgreich auszuführen…

Gleich zu Beginn wird man als Leser mit der Hartherzigkeit von Olivias Eltern konfrontiert und findet keine Worte für die grausame Reaktion des Vaters, der seine eigene Tochter ins Gefängnis bringt. Da ich bereits einige Romane über diverse Frauenheime oder Gefängnisse (eigentlich unterscheidet sich nur das Wort, aber nicht die Grausamkeit hinter den Mauern dieser Anstalten) gelesen habe, die mich immer wieder fassunglos zurücklassen, wusste ich ziemlich genau, was auf Olivia zukommen wird. Die Autorin hat allerdings die Zeit im Gefängnis nur am Rande erwähnt und sich auf Olivias Zeit nach ihrem Gefängnisaufenthalt konzentriert. Nur in kleinen Rückblenden werden einige grausame Einzelheiten erzählt. Dies ist von der Autorin gewollt, denn der Fokus liegt eindeutig auf den Bemühungen von Ruth und Olivia anderen Frauen in Not zu helfen. Mit Enthusiasmus und Nächstenliebe stellen sich die beiden Frauen gegen ihre Gegner, die einen Sittenverfall in der Grundung des Frauenhauses befürchten.

Man findet sehr schnell in den Roman und obwohl man sich einige Wendungen denken kann, konnte mich Susan Anne Mason mit unvorhergesehenen Geschenissen überraschen. Es geht um Nächstenliebe, Vergebung und Hoffnung, sowie um die zweite Chance, die jedem ermöglicht werden soll.

Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Olivia und Darius erzählt. Die Charaktere sind sehr einfühlsam beschrieben. Man erhält ein gutes Bild von ihren Gefühlen und Handlungen. Olivia ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen und auch Darius erkennt bald, welche Herzengüte die beiden Frauen in sich tragen. Die moralische Zwickmühle, in der er sich bald befindet, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen.
Seine Tochter Sophia habe ich sofort ins Herz geschlosssen. Natürlich kommt auch der Glaube in einem christlichen Roman immer wieder zu tragen. Er steht aber nicht im Vordergrund.

Das Ende ist stimmig, trotzdem hätte ich gerne noch eine oder andere Frage beantwortet bekommen. Der nächste Band erzählt von einer anderen Protagonistin und ich bin schon gespannt, wie die Geschichte weitergeht.

Susan Anne Mason hat sich von einer wahren Geschichte inspirieren lassen, denn das Mercer Reformatory for Women existierte tatsächlich. Es wurde 1872 eröffnet und schloss 1969 seine Pforten. Wenn man bedenkt, dass es diese Einrichtung noch vor etwas mehr als fünfzig Jahren gab, bekomme ich Gänsehaut.

Fazit:
Eine sehr schöne Geschichte, die über eine Zeit berichtet, die noch gar nicht so lange her ist und in der Frauen mit unehelichen Kindern wie Verbrecher behandelt wurden. Emotional und berührend, - inkludiert die kleine Lovestory, die man natürlich erwartet.

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