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Veröffentlicht am 19.03.2022

Kllimakatastrophe im 18. Jahrhundert

Eisflut 1784
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Marco Hasenkopf erzählt in seinem historischen Roman die Geschichte der großen Eisflut im Jahre 1784. In Mülheim am Rhein und der verfeindeten Stadt Cöln herrschen Eiseskälte, Hunger und Not. Durch einen ...

Marco Hasenkopf erzählt in seinem historischen Roman die Geschichte der großen Eisflut im Jahre 1784. In Mülheim am Rhein und der verfeindeten Stadt Cöln herrschen Eiseskälte, Hunger und Not. Durch einen Vulkanausbruch in Island bricht dieses seltene Wetterphänomen über die Menschen herein und bringt eine gigantische Naturkatastrophe ins Rollen.
Das streng katholische Cöln ist deswegen voll von Wanderheilern und fanatischen Frömmlern, die das Ende der Welt voraussagen. Statt die Deiche am Rhein zu erhöhen, um die Hochwassergefahr für die Stadt zu bannen, ruft man die Menschen auf Buße zu tun. Gleichzeitig feiern die Adeligen ausgelassen Feste rund um die Zeit des Karnevals, als gäbe es kein Morgen. Karnevalistische Exzesse stehen den bigotten Prozessionen gegenüber...was für ein Bild!
Während die Menschen jeden neuen Tag hoffen, dass die Temperaturen endlich ins Plus steigen, damit die Zeit der Aussaat bald beginnen kann und die Aussicht auf eine reiche Ernte steigt, bleibt die Kälte und der Schnee bestehen.
Im etwas gemäßigteren Mülheim werden zwar Andersgläubige nicht verfolgt, trotzdem ziehen auch hier plünderne Räuberbanden durch die Gegend. Kaum jemand hat mehr Vorräte oder genug zu essen. Deswegen wird Henrik Freiherr van Venray, Amtmann für policeyliche Wohlfahrterei im Dienst des bergischen Herzogs, nach Mülheim gerufen. Er soll für Recht und Ordnung sorgen und überprüfen, ob der Deich rechtzeitig und hoch genug gegen die drohende Flut gebaut wurde. Auf seinem Weg findet er die Leiche eines Mönchs, der erfroren zu sein scheint. Doch die Apothekerswitwe Anna-Maria Scheidt stellt schnell fest, dass der Mann ermordet wurde.
Sowohl Venray, als auch Anna-Maria Scheidt, werden von den Einwohnern, alles andere als wohlwollend behandelt. Die selbstbewusste Apothekerin ist einigen Mülheimern schon länger ein Dorn im Auge. Das liegt nicht nur daran, dass sie eine Frau ist, sondern auch, dass sie sich für die Armen und Kinder einsetzt.

Neben den Mordermittlungen, die Venray nach Cöln zieht und die ihn in Lebensgefahr bringen, findet er außerdem heraus, dass der vom Fürsten geforderte Deich nicht rechtzeitig fertiggestellt wurde. Nun droht eine riesige Eisflut, die Cöln und Mülheim unter sich begraben wird.....

Marco Hasenkopf hat in seinem Roman historische Begebenheiten mit der fiktiven Geschichte rund um Venray und Anna-Maria geschickt verwoben. Die Beschreibungen der damaligen Zeit, wie den Menschen, der Kleidung und den Behausungen, sind sehr bildhaft und detailliert. Religiöse und politische Konflikte beherrschen die Menschen, Machtmissbrauch und Aberglaube sind weit verbreitet. Ein Sittengemälde des späten 18. Jahrhunderts....

Die Sprache ist historisch und der Zeit angepasst. Zu Beginn benötigt man einige Zeit, um sich darin zurechtzufinden. Ich fand es jedoch hervorragend authentisch, auch wenn man natürlich die Originalsprache aus dem 18. Jahrhundert nicht verwenden kann. Trotzdem gibt es einige Begriffe, die selbst ich noch nachschlagen muss, obwohl ich sehr viele historische Romane lese.

Die Grundstimmung ist düster und man spürt die Kälte in jeder Zeile, die man liest. Besonders im letzten Drittel ist die Spannung sehr hoch und ich musste den Roman in einem Rutsch fertig lesen, denn man spürt förmlich die Katastrophe auf sich zukommen.....

Am Ende des historischen Krimis gibt es ein informatives Nachwort.

Fazit:
Wer Spannung, Mord und Totschlag in einem richtigen historischen Roman mag, dem empfehle ich diesen historischen Krimi gerne weiter.

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Veröffentlicht am 16.03.2022

Ein Blick zurück auf die "wilden" Fünfziger Jahre

Der Salon. Wunder einer neuen Zeit
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In "Der Salon" versucht sich Autorin Julia Fischer das erste Mal im historischen Fach und es ist ihr wirklich gelungen.
Ich durfte bei der Lesejury nach langer, langer Zeit wieder einmal bei einer Leserunde ...

In "Der Salon" versucht sich Autorin Julia Fischer das erste Mal im historischen Fach und es ist ihr wirklich gelungen.
Ich durfte bei der Lesejury nach langer, langer Zeit wieder einmal bei einer Leserunde dabei sein. Darüber habe ich mich ganz besonders gefreut, denn die Bücher der Autorin liebe ich sehr. Und sie hat auch diesmal wieder einen wunderbaren Roman erschaffen, der zeigt, dass sie auch historisch kann.

Wir begeben uns im Jahr 1951 nach Hebertshausen bei Dachau in Oberbayern, wo Leni bei ihrer Mutter im Salon das Friseurhandwerk erlernt. Fünf Jahre später träumt die junge Frau davon den Salon zu Hause zu modernisieren, doch ihre Mutter will davon nichts wissen. Als sie ein Stellenangebot beim angesagten Münchner Salon Keller entdeckt, bewirbt sie sich und bekommt eine Zusage. An einer der besten Adressen Münchens lernt Leni nicht nur neue moderne Frisuren, sondern auch mondäne Kundinnen kennen, wie die ehemalige Tänzerin Sasa Sorell oder die Amerikanerin Miss Randall.

Auch Lenis Bruder Hans lebt in München, wo er Medizin studiert. Leni und ihre Mutter Käthe finanzieren mit ihrer Arbeit sein Studium, doch seine Liebe gilt der (Jazz)Musik. Er ist ein begnadeter Trompeter und müht sich durch das Medizinstudium, um den letzten Wunsch seines Vaters zu erfüllen, der als verschollen gilt. Hans verliebt sich in die verheiratete Charlotte, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist. Neben Hans und Leni treffen wir auch noch auf seine Kommilitonen Karl und Schorsch, sowie die unkonventionelle Frieda. Während Karl aus reichem Hause kommt und das Studium nicht so ernst nimmt, arbeitet Frieda als Schaffnerin, um sich dieses zu finanzieren. Georg, genannt Schorsch, möchte vorallem den Menschen helfen und später einmal Landarzt werden. Alle von ihnen suchen noch einen Platz im Leben und es war spannend ihre Jahre in München zu mitzuverfolgen.

Julia Fischer hat die Atmosphäre dieser Zeit wunderbar eingefangen. Nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren erfahren die Jugendlichen eine neue Zeitrechnung mit hipper Jazzmusik, Tanzkellern und neuen Filmsternchen. Die Mode wird bunter und fröhlicher, die Frisuren kürzer oder pfiffiger. München gehörte damals zur amerikanischen Besatzungszone und wurde durch die Kultur und Lebensweise die Soldaten beeinflusst. Die jungen Leute träumten von einer Zukunft ohne Konventionen. Noch waren die Gesetze und der Verhaltenskodex - vorallem für Frauen - aber streng. Das spürt auch Charlotte, deren Ehemann sie weder arbeiten lässt, noch unterstützt. Im Gegenteil....

Die Autorin hat ihre Figuren wunderbar lebendig gezeichnet. Mit Leni hat sie eine sehr ehrgeizige junge Frau erschaffen, die nur so voller Ideen sprüht. Neben der Friseurausbildung widmet sie sich auch noch der Herstellung von Naturkosmetik, die sie von ihrer Großmutter erlernt hat. Manchmal erschien mir Leni wie ein Tausendsassa. denn als Frau hat sie es zu dieser Zeit besonders schwer. Der musikalische Anteil durch Hans, der mit seiner Trompete in diversen Jazzkellers auftritt, hat mein Herz ebenfalls höher schlagen lassen. Und mit Frieda und Schorsch, wie auch mit Karl und Charlotte, habe ich eine tolle Zeit in München der Fünfziger Jahre verbtacht. Ich war mit Hans im Jazzkeller, habe mit Leni Cremen hergestellt und mit Schorsch fotografiert. Sehr ans Herz gewachsen ist mir aber auch Käthe, die Mutter von Leni und Hans.

Doch Julia Fischer hat ihre Figuren nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens geparkt, sondern ihnen auch Leid und Schmerz zugefügt. Im Leben gibt es nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, sondern auch schwere Schicksalsschläge und neue Herausforderungen. Genau dieses Gefühl hat die Autorin hier wunderbar vermittelt. Trotzdem hat mich das Ende dann doch etwas schockiert zurückgelassen.
Im zweiten Teil der Dilogie werden wir mehr über das weitere Schicksal von Leni erfahren. Darauf freue ich mich schon sehr.

Fazit:
Eine wunderbare Reise in die Fünfziger Jahre, die mich Zeit und Raum haben vergessen lassen. Julia Fischer hat großartig recherchiert und KEINEN Wohlfühlroman geliefert, sondern eine lebensahe Geschichte, die ich sehr gerne gelesen habe und weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 16.03.2022

Konnte mich in keinem Zeitenstrang überzeugen

Als uns die Welt zu Füßen lag
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Wieder einmal lässt mich ein etwas in die irre führender Klappentext, der so nicht ganz zum Inhalt dieses Romans passt, den Kopf schütteln. Die Geschichte besteht nicht nur aus einem Handlungsstrang in ...

Wieder einmal lässt mich ein etwas in die irre führender Klappentext, der so nicht ganz zum Inhalt dieses Romans passt, den Kopf schütteln. Die Geschichte besteht nicht nur aus einem Handlungsstrang in der Vergangenheit, sondern auch aus einem zweiten, der in der Gegenwart spielt. Er nimmt zwar nicht viel Raum ein, aber er hat mir zu Beginn der Geschichte sehr gut gefallen.

In Hamburg verzaubert die sympathische Tilda ihre Kunden mit ihren Törtchen und Gebäcksstücken. Sie liebt ihren Job und muss sich meistens vor ihren drei besten Freundinnen rechtfertigen, weil sie sogar in ihrer Freizeit Kuchen bäckt und für die Liebe keinen Platz lässt. Das Haus, in dem Tilda ihr Café führt, gehörte einst ihrer Tante. Im verwilderten Garten steht eine ganz besondere Rose....

Diese Rosensorte stand einst auf dem Rosenhof Willenbrock. Im Jahre 1931 verlässt Vicky Hals über Kopf ihr Zuhause, als sie erfährt, dass ihr Vater sie gegen ihren Willen verheiraten will. Sie flüchtet nach Hamburg, wo sie bei ihrer Tante Carla Unterschlupf suchen will. Doch in der Großstadt wird ihr der Koffer mit ihren Papieren und der Adresse der Tante gestohlen und niemand kennt einen Modesalon, der von einer Carla geführt wird.....

Wenn ich mir so die anderen Rezensionen ansehe, bin ich wohl eine der Wenigen, die "Als uns die Welt zu Füßen lag" nicht überzeugen konnte. Die Autorin hat mit den momentan sehr aktuellen Themen wie Transsexualität und gleichgeschlechtlicher Liebe nicht gespart. Weiters kommt auch die Weltwirtschaftskrise, Rassismus und der langsam aufkommende Nationalsozialismus vor. Themen, die für mich leider nur angerissen und zu oberflächlich behandelt wurden.
Vicky kommt als unbedarftes Landei in die Hansestadt und lernt für kurze Zeit Not und Hunger kennen. Für mich blieb diese kurze Episode leider zu sehr an der Oberfläche. Viel mehr führt uns die Autorin in das schillernde Nachtleben mit all dem Glamour und vielen Rauschmitteln. Doch auch hier bleibt die Geschichte oberflächlich und konnte mich nicht packen. Einzig die Repressalien und Schwierigkeiten, die Carla und Eva durch die erstarkten Nationalsozialisten erleiden, fand ich gut dargestellt.
Die Liebesgeschichte zwischen Vicky und dem schwarzen Amerikaner Johnny konnte mich überhaupt nicht erreichen. Auf den letzten Seiten überschlagen sich dann die Ereignisse.

Der Schreibstil ist sehr dialoglastig und lässt sich flüssig lesen. Die Figuren sind gut gezeichnet. Doch die Zusammenführen der beiden Erzählstränge gelingt der Autorin in meinen Augen nicht richtig.
Ziemlich unnötig fand ich am Ende des Romans, wenn wir wieder in die Gegenwart kommen, dass für Tilda ebenfalls noch schnell eine Liebesgeschichte eingebaut wurde, die mich genauso wenig erreichen und überzeugen konnte. Sehr schade!

Fazit:
Das war leider gar nichts! Mich konnte der Roman nicht überzeugen. Trotzdem hat die Geschichte andere Leser erreicht und sie ist relativ gut bewertet - deshalb macht euch bitte selbst ein Bild.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Die Wege der Freiheit

Die Birken der Freiheit
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"Die Birken der Freiheit" von Christine Kabus ist eigentlich Band 2 der großen Estlandreihe, jedoch beginnt er zeitlich noch vor dem ersten Band "Die Zeit der Birken". Das hat mich etwas verwirrt, aber ...

"Die Birken der Freiheit" von Christine Kabus ist eigentlich Band 2 der großen Estlandreihe, jedoch beginnt er zeitlich noch vor dem ersten Band "Die Zeit der Birken". Das hat mich etwas verwirrt, aber im Großen und Ganzen ist es egal, welches Buch man zuerst liest. Beide sind in sich abgeschlossen und hängen lose durch die Familien zusammen.

Auch diesmal ist der Roman wieder in zwei Zeitebenen aufgeteilt und erzählt zwei eigenständige Geschichten. Die beiden Jahre, in denen wir Luise und Merike begleiten, sind voller Umbrüche und Veränderungen: 1914, der Beginn des Ersten Weltkrieges und 1989, der Fall des Eisernen Vorhanges.

1914. Louise tritt ihren neuen Job als Zofe bei der deutschen Adeligen Wilhelmine von Rahden an. Sie soll die junge Frau nach Livland begleiten, wo sie mit einem deutschbaltischen Baron verheiratet werden soll. Die beiden jungen Frauen werden sehr schnell zu Freundinnen, denn Wilhelmine kümmert sich nicht um etwaige Standesdünkel. Außerdem möchte sie viel lieber Medizin studieren, statt zu heiraten. Die beiden Frauen zögern die Reise etwas hinaus, um Land und Leute kennenzulernen - doch schlussendlich müssen sie den angekündigten Besuch wahrnehmen. Als sie auf dem Gut eintreffen, passiert etwas Unerwartetes....

1989. Merike darf eine Pionier Freizeit leiten, bei der sie Lenja kennenlernt. Die junge Punkerin setzt sich für die Freiheit von Estland ein, das seit 1940 zu Russland gehört und kein eigenständiger Staat mehr ist. Zu dieser Zeit ist der politische Umschwung bereits erkennbar und der Widerstand gegen Russland wächst immer mehr. Merike, die sich bisher dem Regime untergeordnet hat, wird mehr und mehr von Lenja beeinflusst. Und auch zuhause will sie nicht mehr nach der Pfeife ihres Großvaters tanzen, der die ganze Familie tyrannisiert. Sie schließt sich der Unabhängigkeitsbewegung an und kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur....

Die interessanten und bildhaften Beschreibungen der Landschaften und der Städte, durch die Luise und Wilhelmine von Reval aus, dem heutigen Tallinn, reisten, haben Bilder im Kopf erzeugt. Vorallem aber auch, weil ich selbst schon in Tallinn war und die wunderschöne Altstadt kennengelernt habe. Christine Kabus erzählt uns einiges Wissenswertes über die Geschichte Estlands und den Baltischen Staaten. Die politischen Umwälzungen sind auf jeder Seite intensiv zu spüren und ich musste sehr oft an die aktuelle Lage in der Ukraine denken.

Die handelnden Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und mit vielen Facetten ausgestattet. Beide bzw. alle drei Frauen haben mir sehr gut gefallen: Luise, Wilhelmine und Merike. Jede von ihnen erstarkt in ihrer Rolle, wobei Merike in meinen Augen die größte Wandlung durchmacht. Von der jungen Frau, die sich zu Beginn völlig unterordnet, bleibt am Ende nur mehr wenig übrig.

Meistens bevorzuge ich den Handlungsstrang aus der Vergangenheit, doch diesmal las ich in beiden Zeitebenen gleich gerne. Auf den letzten Seiten überschlagen sich dann die Ereignisse und die letzten Geheimnisse werden gelüftet. Ich finde es sehr schade, dass der Verlag an keinem dritten Band interessiert ist. Ich wäre sehr gerne wieder nach Estland gereist.

Schreibstil:
Christine Kabus schreibt teilweise sehr detailreich, aber auch wunderbar flüssig. Ganz besonders liebe ich aber ihre bildhaften Beschreibungen der Landschaft, wie auch die Einbettung politischer und historischer Begebenheiten zu dieser Zeit.
Am Anfang des Buches gibt es eine Karte von Estland aus dem Jahre 1914 und von 1989.

Fazit:
Ein wunderbarer Roman, der die wechselhafte Geschichte Estlands, verbunden mit einer fiktiven Handlung verknüpft und spannend erzählt wird. Eine sehr informative Lektüre, die schöne Unterhaltung bietet und die ich gerne empfehle. Man kann diesen zweiten Teil auch unabhängig von "Die Zeit der Birken" lesen.

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Veröffentlicht am 13.03.2022

Konfliktreiches Familiendrama

Zeiten des Wandels
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Der erste Band der Tetralogie um die Familie Delgado spielt auf Mallorca und Kuba. Zwei Schauplätze, die sofort mein Interesse geweckt haben.
Das Autorenpaar Elke Becker und Ute Köhler, die hier unter ...

Der erste Band der Tetralogie um die Familie Delgado spielt auf Mallorca und Kuba. Zwei Schauplätze, die sofort mein Interesse geweckt haben.
Das Autorenpaar Elke Becker und Ute Köhler, die hier unter Pseudonym schreiben, erzählen eine Familiengeschichte, die sich über rund 40 Jahre erstreckt.

1913. Die Familie Delgado besitzt ein gut gehendes Weingut am Fuße des Tramuntana-Gebirges auf Mallorca. Die letzten Jahre waren jedoch für die Weinbauern auf der Insel wegen der immer stärker werdenden Konkurrenz am Festland nicht einfach. Sie geraten mehr und mehr in finanzielle Schwierigkeiten, wie auch die Delgados. Der ältere Sohn Diego, der das Weingut einmal übernehmen soll, ist jedoch kein Winzer mit Leib und Seele. Er träumt von der Fischerei. Tochter Antonia steht kurz vor der Hochzeit mit Mateo und möchte ins ferne Kuba auswandern und auf der karibischen Insel Wein anbauen. Ihre jüngere Schwester Carla sucht sich neben der Arbeit auf dem Gut einen Job, um die Eltern zu unterstützen, während der erst 14jährige Leo davon träumt das elterliche Weingut zu übernehmen und zu einer erfolgreichen Bodega zu machen. Doch das Schicksal hat ganz andere Pläne für die gesamte Familie....

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht einzelner Familienmitglieder erzählt. Wir begleiten Antonia und Mateo nach Kuba und erleben im darauffolgenden Abschnitt, wie der Rest der Familie Delgado auf Mallorca versucht das Weingut zu retten. Beide Handlungsstränge bieten jede Menge Konfliktpotential.
Die Kapitel enden oft mit einem kleinen Cliffhanger, die neugierig machen und man sofort weiterlesen möchte.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Was mir jedoch auf den ganzen 560 Seiten nicht gefallen hat, waren die oftmals sehr großen Zeitsprünge. Diese störten mich immer wieder sehr und haben auch meinen Lesefluss beeinträchtigt. Einiges bleibt dadurch an der Oberfläche und ich hatte zusätzlich das Gefühl etwas versäumt zu haben.
Die Figuren sind facettenreich gezeichnet. Als Leser konnte ich ihre Emotionen und Gefühle sehr gut nachvollziehen.

Der zweite Handlungstrang auf Kuba hat mir sehr gut gefallen. Er spiegelt das Leben auf der karibischen Insel im frühen Zwanzigsten Jahrhundert wider. Die Überheblichkeit der weißen Oberschicht gegenüber den schwarzen Inselbewohnern, deren Vorurteile, wie auch die Stellung der Frau, wurde sehr eindringlich dargestellt. Irritiert hat mich, dass der Erste Weltkrieg, sowohl auf Mallorca, als auch auf Kuba kaum eine Rolle spielte.
Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr bildhaft und beide Schauplätze entstanden in bunten Farben vor meinen Augen, wobei ich den Vorteil habe, dass ich die Gegend rund um das Tramuntana Gebirge bereits besucht habe. Ein Trip nach Kuba ist allerdings noch ein Wunschtraum.....

Fazit:
Der Auftakt der konfliktreichen Familiengeschichte der Delgados hat mir - bis auf die immer wiederkehrenden großen Zeitsprünge - gut gefallen. Ich bin schon gespannt, was der zweite Teil für uns Leser bereithalten wird...

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