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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2026

Zwischen Poesie und Schrecken

Der letzte Sommer der Tauben
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Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.

Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als ...

Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.

Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als einfach.

In etwas mehr als 200 Seiten wird eindrücklich geschildert wie der Alltag mehr und mehr verschwindet. Immer wieder neue Verbote, Ausgangssperren aber auch Gehirnwäsche. Nicht nur der Alltag sondern auch Familie und Freunde verändern sich im Laufe der Zeit. Verschwinden.

Umso schwieriger ist es das alles aus Sicht eines Heranwachsenden zu erleben. Noah, der immer noch sehr naiv ist und sich wieder und wieder vorstellt, das alles wieder gut und normal wird. Ganz nebenbei erfährt man vieles über Tauben und ihre Zucht.

„Die Tauben sind mir wie immer ein Trost. Ohne sie, denke ich, wäre ich verloren. Sie sind das einzige Beständige in einer Welt, die sich um mich herum gerade so rasant wandelt.“ lässt Abbas Khider Noah einmal erklären. Besser kann man es gar nicht beschreiben.

Ein kurzes, bedrückendes Buch mit Nachhall.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Gruselig aber schwächer als der Vorgänger

Gänsehaut in Hovenäset 2. Sternengrab
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Nachdem wir „Flammenrad“ verschlungen haben, warteten wir sehnsüchtig auf den zweiten Teil der Reihe. Auch der Nachfolger bietet reichlich Spannung für Gruselfans und etwas ältere Leser, reicht jedoch ...

Nachdem wir „Flammenrad“ verschlungen haben, warteten wir sehnsüchtig auf den zweiten Teil der Reihe. Auch der Nachfolger bietet reichlich Spannung für Gruselfans und etwas ältere Leser, reicht jedoch nicht ganz an die durch das „Flammenrad“ hochgelegte Messlatte heran.

Positiv hervorzuheben ist, dass das Buch weniger düster ausfällt als der Vorgänger. Damit eignet es sich auch für etwas zartbesaitetere Kinder. Zwar wird die Vorgeschichte in wenigen Sätzen angerissen, man kann der Handlung aber auch ohne Vorkenntnisse problemlos folgen.

Für Kenner des ersten Teils ist es jedoch enttäuschend, dass die Kinder ständig nach logischen Erklärungen für das Mysteriöse suchen und fürchten, man würde ihnen keinen Glauben schenken. In Anbetracht des gemeinsamen Abenteuers mit ihren Eltern im ersten Band wirkt dieses Verhalten völlig unlogisch. Hier zeigt sich eine weitere Schwäche. Während der erste Teil den Leser lange im Unklaren ließ, ob die Geschehnisse real oder eingebildet sind, wurde das Tor zum Übernatürlichen am Ende bereits weit aufgestoßen. Als Leser erwartet man nun, dass man es wieder mit Geistern zu tun hat und dadurch verliert das Buch an Spannung.

Zudem braucht die Handlung recht lange, bis sie an Fahrt gewinnt und gruselig wird. Dieser langsame Aufbau könnte dazu führen, dass jüngere Leser vorzeitig das Interesse verlieren.


Wir schwanken zwischen 3 und 4 Punkten

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Zwischen dem Nichts..

Tage des Lichts
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„Tage des Lichts“ ist ein eigentümliches Buch, dessen Reiz sich erst nach und nach erschließt. In sehr ausladender Sprache, die voller Metaphern ist, erzählt Megan Hunter von 6 Tagen aus dem Leben einer ...

„Tage des Lichts“ ist ein eigentümliches Buch, dessen Reiz sich erst nach und nach erschließt. In sehr ausladender Sprache, die voller Metaphern ist, erzählt Megan Hunter von 6 Tagen aus dem Leben einer Frau. Wir lernen Ivy im Jahr 1938 kennen. Da ist sie gerade einmal 19 Jahre alt und weiß nicht, welche Richtung sie in ihrem Leben einschlagen soll. Ivy, Spross einer unkonventionellen Künstler- und Intellektuellenfamilie zeigt selbst weder Talent noch Ambitionen.

Nicht nur die Erzählweise, auch die Geschichte wirkt wie aus der Zeit gefallen. Sie lässt längst vergangen Zeiten und Lebensumstände wieder aufleben. Von der Musik und der Befreiungsbewegung der 60er bekommt man nicht viel mit, Ivy ist noch in einem anderen Weltbild beheimatet. Sie ist auch eher ein Mitläufer, keine Rebellin. So lässt sie sich treiben, wie ein Stück Treibholz im Fluss. Vieles an ihren Leben und Alltag wirkt leer und eintönig.

Hunter erklärt nichts, sie psychologisiert nichts. Der Leser selbst muss aus den Figuren seine Schlüsse ziehen und ihre Geschichte reflektieren. Material dazu bietet die Geschichte genug. Dadurch bleiben die Figuren, aber vor allem das Zeitbild mit all seinen Restriktionen, aber auch mystischen Geheimnissen und die Bilder die Hunter erschaffen hat, beim Leser länger hängen. Genau so soll es sein.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Wie weit würdest du gehen?

Ruf der Leere
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Eine Studentin sitzt im Seminar. Ihr Puls rast. Sie möchte nichts Falsches sagen. Da platzt es aus ihr heraus. Alle starren sie an. Sie fühlt sich als hätte sie an „Heilgenabend in einer vollbesetzten ...

Eine Studentin sitzt im Seminar. Ihr Puls rast. Sie möchte nichts Falsches sagen. Da platzt es aus ihr heraus. Alle starren sie an. Sie fühlt sich als hätte sie an „Heilgenabend in einer vollbesetzten Kirche während der Predigt laut gefurzt“. Ihr Mitstudent gibt ein Kontra das ihr die „Luft aus den Lungen trieb“.

Szenen wie diese kommen in „Ruf der Leere“ häufig vor. Und als Leser fragt man sich, was das soll. Figurenzeichnung? Die Figuren werden mit Stehsätzen wie „sie führt keine Beziehung, die hält sich Haustiere“ oder „einen Menschen der mit einen Verstand gesegnet war, wie es ihn nur selten gab“ beschrieben. Viel mehr ist da nicht. Die versprochene Konfrontation mit dem alten Mann findet erst ab etwa der Hälfte des Romans statt.

Zuvor werden in einer Moral und Ethik Vorlesungen werden zwar interessante Fragen gestellt. Aber mehr als ein Kratzen an der Oberfläche findet da nicht statt. z.B. scheint niemand der Figuren Brechts Dreigroschenoper oder „Against Empathy“ von Paul Bloom zu kennen. Daher erinnert das Seminar eher an einen Philosophie-Oberstufen Leistungskurs.

Ab dem Auftritt des alten Mannes nimmt die Geschichte aber zumindest fahrt auf. Sie entwickelt sich jedoch komplett anders als erwartet und vermag zu überraschen. Neben einen starken Anfang bietet das Buch auch ein spannendes Ende. Die Grundidee ist gut. Der Spannungsbogen ist auch hoch. Es gibt interessante Konfrontationen und durchaus groteske Szenen. Aber mich hab das Buch nicht ganz abgeholt.

Aufgrund des schönen düsteren Covers und der Inhaltsbeschreibung hab ich ein düsteres Drama erwartet. Bekommen habe ich einen Thriller gemischt mit ein wenig Coming of Age. Das Buch hat Potential, verschenkt aber leider auch viel davon.

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Veröffentlicht am 04.12.2025

Wunderschönes Buch, das sich schwer einordnen lässt

Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge
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Auf dem Buchrücken wird bereits angedeutet, dass das Buch sich in keine Schublade stecken lässt. „Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge“ ist kein typisches Kinderbuch und richtet sich meiner Meinung nach ...

Auf dem Buchrücken wird bereits angedeutet, dass das Buch sich in keine Schublade stecken lässt. „Malte & Oßkar und der Lauf der Dinge“ ist kein typisches Kinderbuch und richtet sich meiner Meinung nach eher an ein älteres Publikum.

Dies liegt nicht nur an der Schwere der Thematik. Wobei man den Autoren zugutehalten muss, dass sie sich der Thematik sehr sanft annähern. Lediglich die letzte Seite gab mir emotional einen Schlag in die Magengrube.

Die Geschichte beginnt noch sehr ruhig und es wird anfangs Wert auf verspielte Details gelegt. Alles genau erklärt, wie man es von Kinderbüchern kennt. Doch dann kippt die Geschichte und die Ereignisse überschlagen sich. Und es wird leider etwas konfus. Zudem setzt die Geschichte auf sehr viel Symbolik und ist etwas abstrakt. Für kleine Kinder noch etwas schwer zu begreifen. Sehr einfach zu begreifen ist hingegen das Thema Freundschaft, das auch immer wieder durchklingt.

Besonders gefallen haben mir die Zeichnungen und das Layout. Das gesamte Buch strahlt etwas unglaublich Sanftes aus. Selbst der Umgang der Figuren miteinaner ist von Verständnis und Sanftmut geprägt. . Für Erwachsene Leser kann diese heile Welt aber auch schnell mal zuviel des Guten werden.

Fans detailverliebter Bilder kommen jedoch auf ihre Kosten.Die ganze Aufmachung des Buches ist hochwertig. Es fühlt sich unglaublich gut an über den Einband und die Seiten zu streichen. Bzw. sehr sanft darüberstreicheln.

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