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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2022

eher ruhiger, atmosphärische Thriller

Der Sturm
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Kieran kehrt mit seiner Freundin Mia und der gemeinsamen kleinen Tochter in seine alte Heimat Tasmanien, nach Evelyn Bay, zurück, um seine Eltern zu besuchen. Sein Vater ist dement und soll in ein Pflegeheim ...

Kieran kehrt mit seiner Freundin Mia und der gemeinsamen kleinen Tochter in seine alte Heimat Tasmanien, nach Evelyn Bay, zurück, um seine Eltern zu besuchen. Sein Vater ist dement und soll in ein Pflegeheim umsiedeln, Kieran möchte seine Mutter unterstützen und beim packen helfen. Seit dem Sturm vor zwölf Jahren war er selten dort, zu schmerzhaft sind die Erinnerungen für ihn. Bei dem damaligen Sturm verhielt sich Kieran leichtsinnig und brachte seinen Bruder und dessen Freund in Gefahr, die beiden starben als das Boot kenterte. Zugleich verschwand ein Mädchen in den Fluten und wurde nie gefunden.
Kieran hat mit den Jahren gelernt mit seiner Schuld zu leben, seine kleine Familie gibt ihm Halt. Jetzt trifft er seine alten Freunde Ash und Sean von damals wieder, es ist als wäre keine Zeit vergangen. Nur wenig später wird die Leiche einer Frau am Strand gefunden, Kieran sieht Verbindungen zu den Geschehnissen von damals. Ihm wird klar, dass er auf Spurensuche gehen und tief in die Vergangenheit eintauchen muss.
"Der Sturm" von Jane Harper ist mein erstes Buch der Autorin und wird definitiv nicht das letzte gewesen sein. In einem angenehmen, flüssigen und zugleich anspruchsvollen Schreibstil erzählt sie die Geschichte von Kieran. Der Thriller hebt sich von der Masse ab, er überzeugt mit leisen Tönen. Er ist intensiv geschrieben, die Gedanken und Gefühle der Protagonisten sind perfekt herausgearbeitet. Die Figuren wirken lebendig, sind sehr gut charakterisiert. Dazu kommt die Atmosphäre perfekt rüber, die Landschaft und ihre Menschen sind wunderbar beschrieben, ich hatte das Gefühl mitten im Geschehen zu sein.
Es geht um Geheimnisse aus der Vergangenheit, Schuld, Vergebung und komplizierte Beziehungen. Ein Thriller, der mich überzeugt hat und den ich gern weiter empfehle.

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Veröffentlicht am 08.09.2022

Tonis sechster Fall

Raue Havel
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In "Raue Havel", dem sechsten Fall für Hauptkommissar Toni Sanftleben, wird es sehr persönlich. Der Skelettfund in einem alten Bootshaus an der Havel wirft viele Fragen auf. Toni Sanftleben ermittelt mit ...

In "Raue Havel", dem sechsten Fall für Hauptkommissar Toni Sanftleben, wird es sehr persönlich. Der Skelettfund in einem alten Bootshaus an der Havel wirft viele Fragen auf. Toni Sanftleben ermittelt mit seinem Team auch noch im Fall einer ermordeten Journalistin, die in der Vergangenheit recherchierte. Ihre Unterlagen sind verschwunden, gibt es Verbindungen zu dem Leichenfund im Bootshaus? Toni geht der Fall nahe, er reflektiert und fragt sich, wie lange er diesen Job noch machen kann. Noch ahnt er nicht, dass der Fall ihn persönlich betrifft.


Ich habe die Reihe von Anfang an begeistert gelesen und mich gefreut, Toni und die bekannten Charaktere wiederzutreffen. Die Handlung geht auch gleich spannend los. Im Prolog, der im Jahr 1946 spielt, verfolgen wir das Schicksal von vier Jugendlichen, die in der von den Sowjets besetzten Zone die Schule geschwänzt haben und denen nun die Hinrichtung droht. Die Handlung in der Gegenwart wird durch Kapitel ergänzt, die in der Nachkriegszeit spielen. Es geht um eine Spionagefall, der seine Kreise bis in die Gegenwart zieht.

Toni und seine Teammitglieder, aber auch die neuen Figuren sind gekonnt gezeichnet. Charaktere, die lebensecht wirken und deren Gedanken und Gefühle greifbar sind. Toni macht von Fall zu Fall eine Entwicklung durch, er ist ein absoluter Sympathieträger, der trotz seines Jobs menschlich geblieben ist.

Tim Pieper hat in diesem Krimi, der so spannend wie ein Thriller ist, historische Fakten eingebaut, was die Handlung umso realistischer erscheinen lässt. Ich habe mit Toni mitgefiebert, es war schwer, das Buch auch nur mal kurz zu pausieren.

Fazit: Gelungener Krimi mit historischen Fakten, dazu die besondere Atmosphäre im Havelgebiet, die die Reihe für mich besonders macht. Verdiente 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 05.09.2022

#inkürzetot

Stille blutet
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Nadine Just, Nachrichtensprecherin bei dem Boulevardsender Quick-TV verliest wie so oft die Nachrichten. Nachrichten, die sie vom Teleprompter abliest. Doch diesmal ist sie mit ihren Gedanken nicht bei ...

Nadine Just, Nachrichtensprecherin bei dem Boulevardsender Quick-TV verliest wie so oft die Nachrichten. Nachrichten, die sie vom Teleprompter abliest. Doch diesmal ist sie mit ihren Gedanken nicht bei der Sache und merkt zu spät, was sie gerade vorgelesen hat. Die Verkündung ihres eigenen Todes. Eines gewaltsamen Todes, um genau zu sein. Die Nachrichten werden abgebrochen, ein Streit entsteht zwischen den Mitarbeitern des Senders. Nadine ist mehr wütend als ängstlich, so unprofessionell war sie noch nie im Fernsehen zu sehen. Wer hat den Teleprompter manipuliert? Das sollte Nadines geringste Sorge sein, denn wenige Stunden später ist sie tot. Ermordet, ganz wie angekündigt. Das Netz spielt verrückt, der Hashtag #inkürzetot trendet und Spinner und Witzbolde machen sich einen Spaß daraus, ihren eigenen Tod anzukündigen.

Nadines Ex Tibor wird zum Verhängnis, dass er sich Sorgen um Nadine macht und vor dem Sender auftaucht. Ausgerechnet er findet sie tot im Badezimmer. Für die Polizei ist schnell klar, dass er als potentieller Täter ganz weit oben steht. Erst recht, als es einen zweiten Mord gibt, bei dem auch eine Verbindung zu Tibor besteht.

Frau Poznanski steht für spannende Thriller, mit dem Auftakt zu einer neuen Reihe hat sie es wieder geschafft, mich von Anfang bis Ende zu fesseln. Wir begleiten die Protagonisten Tibor und die junge Polizistin Fina, die unter ihren männlichen Kollegen einen schweren Stand hat. Sie ist als Einzige nicht davon überzeugt, dass Tibor der Täter ist.

Im gewohnt lockerem und flüssigem Schreibstil liest sich die Story im Nu weg, die Spannung ist hoch. Sagt Tibor die Wahrheit oder nicht und überhaupt, was für ein Motiv steckt hinter den Morden? Tibor ist zwar nicht unbedingt ein Sympathieträger, aber ich habe mir ihm mitgefiebert und ungläubig den Kopf geschüttelt, wenn er wieder einmal die falsche Entscheidung getroffen hat. Fina ist eine sympathische Antiheldin, auf deren weitere Entwicklung ich wirklich gespannt bin.

Fazit: Fesselnd, spannend, überraschend, auf die nächsten Fälle bin ich schon gespannt.

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Veröffentlicht am 03.09.2022

Cassie auf der Suche nach der Wahrheit

Wer mit den Toten spricht
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Vom ersten Teil der Reihe "Tote schweigen nie" war ich total begeistert, denn Cassie Raven ist eine außergewöhnliche Figur. Sie ist cool, empathisch, engagiert, eine Protagonistin mit der ich mich identifizieren ...

Vom ersten Teil der Reihe "Tote schweigen nie" war ich total begeistert, denn Cassie Raven ist eine außergewöhnliche Figur. Sie ist cool, empathisch, engagiert, eine Protagonistin mit der ich mich identifizieren konnte. Der zweite Teil der Reihe steht dem ersten in nichts nach, auch hier bin ich wieder absolut begeistert.

Nachdem wir Cassie im ersten Teil kennengelernt haben, etwas über ihren Background erfahren haben, gibt es hier einige Neuigkeiten. Ihre Großmutter hat Cassie all die Jahre in dem Glauben gelassen, dass ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Doch der erlittene Schlaganfall hat Cassies Großmutter bewogen, endlich die Wahrheit zu sagen, so lange sie noch dazu in der Lage ist. Sie gesteht Cassie, dass ihre Mutter ermordet wurde und ihr Vater als Täter seine Strafe im Gefängnis verbüßt. Ein Schock für Cassie.

Mit von der Partie ist wieder Phyllida Flyte, die Ermittlerin, die Cassie in ihrem ersten Fall kennenlernte. Sie hilft Cassie, Licht ins Dunkel ihrer Vergangenheit zu bringen. Denn die Vergangenheit ihrer Eltern lässt Cassie nicht los.

Wir erleben wieder Szenen in der Pathologie, Cassie behandelt ihre toten Klienten mit Respekt, nicht anders, als würde sie noch leben. Auch hier muss sie wieder die Todesumstände eines Klienten klären, mit ihrer Hartnäckigkeit und Intuition macht sie eine Entdeckung. Die Zusammenarbeit mit ihren neuen Kollegen ist aber alles andere als einfach.

Die Autorin hat mit Cassie eine Ausnahmeprotagonistin geschaffen, deren Entwicklung man in diesem Teil erlebt. Allerdings ist Cassies Alkoholkonsum bedenklich, ich hoffe sie bekommt ihn im nächsten Teil in den Griff.

Fazit: Absolut gelungene Fortsetzung, ich kann es kaum erwarten, bis der nächste Teil erscheint.

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Veröffentlicht am 31.08.2022

der vierte Fall für DCI Sheens

Was ich euch verschweige
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"Was ich euch verschweige" ist schon der vierte Fall für Detective Chief Inspector Jonah Sheens und sein Team. Ich habe die Reihe von Anfang an verfolgt, war aufgrund des Klappentextes sehr gespannt auf ...

"Was ich euch verschweige" ist schon der vierte Fall für Detective Chief Inspector Jonah Sheens und sein Team. Ich habe die Reihe von Anfang an verfolgt, war aufgrund des Klappentextes sehr gespannt auf den neuen Fall.

Die blutüberstömte Keely Lennox taucht vor DCI Sheens auf, als er sie behutsam befragt wird klar, dass Keely und ihre Schwester Nina seit Tagen vermisst werden. Wo ist Nina?

Doch Keely schweigt - was ist mit ihrer Schwester Nina geschehen? Ist sie verletzt, lebt sie noch? Auf DCI Sheens und sein Team wartet ein undurchsichtiger, verzwickter Fall, der es in sich hat.

Wow, das ist diesmal ein wirklich komplexer, undurchsichtiger Fall, ich war von der ersten Seite an gefesselt und musste unbedingt wissen, wie es weiter geht. Das Buch hatte ich in zwei Tagen inhaliert.
Im gewohnt lebendigen und flüssigen Schreibstil trifft man die schon bekannten Protagonisten, die alles geben müssen, um Nina zu finden. Das Privatleben der Ermittler spielt diesmal nur eine kleine Rolle, die Handlung konzentriert sich ganz auf den Fall.
Keely ist ein hoch intelligentes Mädchen, sie wirkt sehr reif für ihr Alter, lange ist nicht klar ob ihre Story wahr ist oder nicht. Sie ist als Charakter plastisch, ihre Gefühle sind greifbar. Die Figurenzeichnung, die Charakterisierung der Einzelnen ist perfekt gelungen.

Wir verfolgen die Ermittlungen aus den jeweiligen Perspektiven der Ermittler, parallel erzählt Keely ihre Story. Die Ermittler müssen sich schrittweise voran tasten, denn Keely gibt nur wenige Informationen preis und verpackt diese in Rätsel. Rätsel, die Sheens Team lösen muss um weiter zu kommen und Nina zu finden. Dabei ist nicht klar, ob Nina in Gefahr schwebt, ob ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Keelys Geschichte ist traurig, macht betroffen und wütend. Der Autorin ist es gelungen, dieses Thema sensibel anzugehen. Eine Geschichte um Missbrauch, psychische Folter, Manipulation, um nur einige Themen zu nennen.

Ich habe die Story atemlos verfolgt, die Spannung ist hoch und es gibt einige Wendungen, mit denen ich nie gerechnet hätte. Eine nachdenklich und betroffen machende Geschichte. Volle Punktzahl.

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