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Veröffentlicht am 23.04.2018

mystischer Küstenkrimi

Schwarzes Watt
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"Schwarzes Watt" ist der vierte Fall für den Berliner Kommissar Krumme, der inzwischen von Husum, seiner Wahlheimat aus, ermittelt. Diesmal geht es um einen Cold Case, der sich vor über 20 Jahren ereignet ...

"Schwarzes Watt" ist der vierte Fall für den Berliner Kommissar Krumme, der inzwischen von Husum, seiner Wahlheimat aus, ermittelt. Diesmal geht es um einen Cold Case, der sich vor über 20 Jahren ereignet hat. Damals wurde Nelly, die jüngere Schwester von Ina erschlagen. Als Ina ihre Schwester fand, konnte sie noch einen Blick auf den Täter werfen. Das Verbrechen wurde nie aufgeklärt, doch jetzt steht Ina vor Krumme und behauptet, den Mörder ihrer Schwester in St. Peter Ording erkannt zu haben. Die Ermittlungen beginnen....

Ich habe alle Teile der Reihe gelesen, ich denke man kann den Krimi aber auch ohne Vorkenntnisse lesen. Wobei man sich dann schon einiges entgehen lässt. "Schwarzes Watt" bietet beste Krimiunterhaltung, viel Atmosphäre, eine Portion Mystik und vielschichtige Charaktere. Ich habe mich über das Wiedersehen mit Krumme gefreut und neben den Ermittlungen auch gespannt verfolgt, wie es bei ihm privat weiter geht. Die eigentliche Handlung wird durch Rückblenden ergänzt, die einen Einblick in die Psyche des Täters geben. Doch bis zum Schluss bleibt offen, wer es ist. Aufgelockert wird die spannende Handlung mit Witz, mir haben vor allem die Szenen mit Hund Watson sehr gut gefallen.

Der Autor schreibt bildhaft, man hat die schöne Küstenlandschaft direkt vor Augen und spürt die Wetterlagen hautnah. Die Suche nach der Wahrheit, dem Mörder von Nelly gestaltet sich schwierig, nichts ist, wie es scheint. Spannung bist zum Schluss, ganz wie ich es mag.

Fazit: Mystischer Küstenkrimi mit einem sympathischen Ermittler. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Lebensgeschichte und Psychogramm der Margrit K

Mordzeitlose
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Margrit Kunkel wächst in der ehemaligen DDR auf, in einem kleinen Ort. Ihre Eltern haben eine Gärtnerei,so dass Margrit von Kindesbeinen an ihre Liebe zur Natur, zu den Pflanzen entdeckt. Sie spricht zu ...

Margrit Kunkel wächst in der ehemaligen DDR auf, in einem kleinen Ort. Ihre Eltern haben eine Gärtnerei,so dass Margrit von Kindesbeinen an ihre Liebe zur Natur, zu den Pflanzen entdeckt. Sie spricht zu ihnen, die Pflanzen sprechen zu ihr. Nach dem frühen, ungeklärten Tod der Mutter, übernimmt ihr Vater die Erziehung. Er schirmt Margrit von der Außenwelt ab, erlaubt keine Besuche bei Freundinnen. Nur die Schule bietet Abwechslung für Margrit. Ihr erster Freund, Margrits große Liebe, verlässt sie jedoch.

Margrit zieht nach Berlin, um Botanik zu studieren. Sie hat große Pläne, ihr schwebt die Forschung vor. Ihre Idee ist, giftige Pflanzen so zu modifizieren, dass sie genießbar werden und auf kargen Böden wachsen, um so den Hunger in der Welt stillen. Seit Jahren pflegt sie eine Brieffreundschaft mit Professor Dr. Steiner, dem Leiter der Holländischen Gartenakademie Berlin. Ihm erzählt sie von ihren Visionen, nichtsahnend, dass er ihren Ideen selbst nutzen will.....

"Mordzeitlose" von Patricia Holland Moritz ist ein fein gezeichnetes Psychogramm von Margrit Kunkel. Man lernt sie von Kindesbeinen an kennen, das Mädchen, das pummelig und eher langsam ist. Die Frau, die die Langsamkeit kultiviert hat und ihre eigenen Pläne verfolgt. Sehr schön ist die Botanik beschrieben, die Pflanzen und Margits Verhältnis zu ihnen.

Für mich war das Buch mehr Lebensgeschichte denn Krimi, die Handlung ist leise und stetig, ohne große Überraschungen. Der Kriminalfall, den ich erwartet hatte, nimmt leider wenig Raum ein, so dass ein Gefühl der Enttäuschung bleibt.

Fazit: Eine Lebensgeschichte, ein Psychogramm der Margrit K. Schön geschrieben und für Pflanzenliebhaber interessant. Aber zu wenig Krimi.

Veröffentlicht am 15.04.2018

bildgewaltig, spannend, magisch - wunderbar geschrieben

Ein Reif von Bronze
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"Ein Reif von Bronze" ist der zweite Teil der Trilogie um das Kaiserreich der Esche und setzt nahtlos an Teil eins an. Wir begleiten die bekannten Charaktere auf ihrem Weg: Leyken, die immer noch eine ...

"Ein Reif von Bronze" ist der zweite Teil der Trilogie um das Kaiserreich der Esche und setzt nahtlos an Teil eins an. Wir begleiten die bekannten Charaktere auf ihrem Weg: Leyken, die immer noch eine Gefangene in der Rabenstadt bei der Heiligen Esche ist. Pol, der sich mit einem bewaffneten Tross auf dem Weg zur Heimstatt der vergessenen Götter befindet und unwegsames Gelände mit vielen Gefahren meistern muss. Und der für mich spannendste Strang um die Nordländer Morwa und Sölva. Neben den bekannten Figuren werden zwei weitere eingeführt. In Sölvas Strang spielt Bjorne, der siebente Sohn des Jarl von Thal eine wichtige Rolle. Und Pol ist in Begleitung von Teriq, einem Glaubenskrieger. Die Charaktere sind gekonnt gezeichnet, sie sind lebendig und wirken authentisch. Jeder ist für sich unverwechselbar.

Mir hat der erste Teil sehr gut gefallen, der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach. Stephan M. Rothers Schreibstil ist magisch, er schafft Bilder, transportiert Gefühle, Stimmungen und schafft eine so dichte Atmosphäre, egal ob in der Rabenstadt oder in den Ruinen von Endberg. Wobei mir das Setting in den Ruinen zur Zeit der Raunacht am besten gefallen hat. Über der Szenerie liegt eine düstere Atmosphäre, ein großer Kampf steht bevor und die Spannung ist unerträglich. Magie und Action, Kopfkino pur.

Aber auch Leykens Strang ist sehr interessant, wenn auch ruhiger. Hier erfahren wir endlich mehr über die Rabenstadt, ihre Geschichte und die zentrale Rolle des Kaisers. Auch hier ist die Stimmung wunderbar eingefangen. Pols Strang nimmt einen kleineren Part ein, ich denke dass er im dritten Teil aber eine entscheidend Rolle spielen wird.

Neben der Story an sich macht für mich den Reiz des Buchs ganz klar der wunderbare Erzählstil Stephan M. Rothers aus. Er ist magisch und lässt die fantastische Welt so plastisch erscheinen, mit all ihren Bewohnern und Landschaften. Ich hatte das Gefühl ganz tief in diese Welt eintauchen zu können und direkt bei der Handlung dabei zu sein. Allein das Lesen ist ein Genuss!

Fazit: Gelungener zweiter Teil der Reihe, bildgewaltig und wunderbar geschrieben. Ich bin begeistert und warte ungeduldig auf den letzten Teil!

Veröffentlicht am 10.04.2018

nichts ist, wie es scheint...

Kalter Sand
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"Kalter Sand" ist der dritte Teil um den Kunsthistoriker Richard Gruben und spielt vor der landschaftlich wunderschönen Kulisse der Ostsee.

Der Kontakt zu seinem langjährigen Freund Philipp Stöbsand war ...

"Kalter Sand" ist der dritte Teil um den Kunsthistoriker Richard Gruben und spielt vor der landschaftlich wunderschönen Kulisse der Ostsee.

Der Kontakt zu seinem langjährigen Freund Philipp Stöbsand war in letzter Zeit nur sporadisch, doch als die Einladung zur Philipps Vernissage kommt, sagt Richard spontan zu. Philipp ist eigentlich Portraitfotograf, hat jetzt aber einen Bildband über die Landschaft der Ostsee herausgebracht. Auf der Vernissage kommt es zu einem Eklat und Richard erfährt, dass sein Freund vor einigen Jahren des Mordes an einem jungen Mädchen verdächtigt wurde. Wieso hat Philipp nie mit Richard darüber gesprochen? Richard versucht mehr über die damaligen Ereignisse zu erfahren und bringt sich mit seinen Nachforschungen selbst in Gefahr.

Der Prolog führt zurück in die Vergangenheit, ein spannender Einstieg in diese verworrene Geschichte, bei der nichts ist, wie es scheint. Mit Richards Recherchen taucht man tief in die Vergangenheit ein und erfährt, was damals vorgefallen ist. Wie bei einem Puzzle bringt jede neue Information eine weitere Facette der Geschichte ans Licht, doch erst ganz am Ende offenbart sich, was sich wirklich abgespielt hat. Hier tun sich menschliche Abgründe auf, einfach unfassbar.

Die Autorin beschreibt ihre Figuren mit viel Gefühl, neben Richard, der ein sensibler und sehr sympathischer Protagonist ist, spielen neue Charaktere eine große Rolle. Philipp Stöbsand, seine Freunde Isa und Sven Wienke und die Schriftstellerin Jette Herbusch. Jette ist eine geheimnisvolle Frau, ihre Identität bleibt lange im Dunkeln.

Mich hat die Story von Anfang an in ihren Bann gezogen, so dass ich das Buch in kürzester Zeit ausgelesen hatte. Der Plot ist dicht, die Atmosphäre an der Ostsee ist wunderbar eingefangen, die Beschreibungen der Natur, und der Menschen. Dazu Wendungen, die mich sparchlos gemacht haben und die ich so nicht erwartet hätte.

Fazit: Komplexer Plot, viel Atmosphäre und Spannung. Auch der dritte Teil um Richard Gruben hat mich begeistert, ich freue ich schon jetzt auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 03.04.2018

unterhaltsamer Krimi mit viel Wiener Flair

Der Tod ist ein Wiener
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Schauplatz Wien: Magdalena, Sofia und Elvira sind "die Drei vom Naschmarkt" und ermitteln in ihrem dritten Fall. Adele Artner war früher Kunsthändlerin, jetzt ist sie alt und lebt in ihrer großen Villa ...

Schauplatz Wien: Magdalena, Sofia und Elvira sind "die Drei vom Naschmarkt" und ermitteln in ihrem dritten Fall. Adele Artner war früher Kunsthändlerin, jetzt ist sie alt und lebt in ihrer großen Villa am Wilheminenberg. Sie ist gebrechlich und auf Hilfe angewiesen, neben ihrer Haushälterin Pauline und dem Chauffeur Johann lebt seit neuestem Magdalenas Freundin Elvira bei ihr und kümmert sich um sie. Sofia soll ihre umfangreiche Bibliothek katalogisieren, Magdalena ihre Gemäldesammlung fotografisch festhalten. Doch das ist nicht ihr einziger Auftrag. Adele hat den frühen Tod ihrer geliebten Freundin Larissa nie verwunden, sie beauftragt Magdalena, Larissas Tochter ausfindig zu machen, die nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde. Adele will ihr ihr Vermögen vererben, sehr zum Leidwesen ihrer Verwandschaft.

Für mich war es der erste Fall des Trios, ich habe gut in die Geschichte hinein gefunden, was auch am ansprechenden Schreibstil der Autorin liegt. Man begleitet Magdalena auf ihren Recherchen durch Wien, für das typische Flair sorgen die eingestreuten Begriffe in Dialekt, was mir sehr gut gefallen hat.

Neben dem Strang in der Gegenwart gibt es immer wieder Kapitel, die in der Vergangenheit spielen. So erfährt man nach und nach, was sich damals tatsächlich abgespielt hat, was es mit Larissas Tod auf sich hat. Erschreckend, mit welchen Methoden damals die Patienten in der Psychiatrie behandelt wurden, was Larissa alles durchmachen musste.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, Adele Artner kam als Person authentisch rüber, ich konnte mich gut in sie hinein versetzen. Die anderen Charaktere bleiben blasser, ich fand es schade dass ich den drei Freundinnen nicht wirklich nah gekommen bin und somit nicht wirklich mitfiebern konnte.

Fazit: Unterhaltsamer Krimi mit viel Wiener Flair.