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Veröffentlicht am 28.05.2017

100 Seiten zwischen Bestreben zur Normalität, Monotonie und Wahnsinn

Die Taube
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Patrick Süskind schafft hier ein kleines Wunderwerk: Auf 100 Seiten erzählt er von einem schicksalsträchtigen Tag im Leben des Jonathan Noel, der seit 30 Jahren zurückgezogen und für sich in einer klitzekleinen ...

Patrick Süskind schafft hier ein kleines Wunderwerk: Auf 100 Seiten erzählt er von einem schicksalsträchtigen Tag im Leben des Jonathan Noel, der seit 30 Jahren zurückgezogen und für sich in einer klitzekleinen Ein-Zimmer-Wohnung lebt. Begegnungen mit Nachbarn und Mitbewohnern des Hauses meidend, ist er gern allein und hat seine Ruhe. Er geht einem relativ langweiligen Job als Wachposten einer Bank nach, bei dem nichts tut, außer den ganzen Tag auf einer Treppe vor ebendieser positioniert zu stehen. Sein geordnetes Leben und seine innere Ruhe und vor allem seine Monotonie werden eines Tages jedoch zerstört, als er auf dem Weg zur Etagen-Toilette eine Taube vor seiner Tür stehend vorfindet. Mit ihren „toten, blicklosen“ Augen schaut sie ihn an und die Panik über das hereingebrochene Chaos durchfährt ihn blitzartig. Immer tiefer driften seine Gedanken in eine Richtung ab, die nicht mehr normal erscheint, die Taube wird zum Symbol für Anarchie und Chaos. Er schafft es gerade noch zur Arbeit, scheinbar von Pech und Unglück verfolgt, mit dem festen Vorhaben im Kopf, nie wieder zurückzukehren, sein Apartment zurückzulassen, da „dort, wo eine Taube lebt, kein Mensch mehr leben kann“.

Eine kleine Reise durch die Gedankenwelt eines Mannes, dessen Leben durch das Erscheinen einer Taube komplett durcheinander geworfen wird. Eine sehr entzückende Geschichte, die trotz ihrer Kürze, die uns das Gedankegewirr offenlegt, das uns befallen kann, wenn es zu einer unerwarteten Situation kommt. Man hegt trotz seiner Verrücktheit Sympathien für den Protagonisten, der zwar den Clochard um seiner Freiheit willen in gewissen Situationen beneidet, aber doch stets zu seinem gewohnten Trott, seinem behüteten Leben zurückkehrt.

Diese und andere Rezensionen findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Viel Fachsimpelei über Pflanzen, die irgendwann zu viel wird – ein zähes Buch, das leider nicht überzeugen konnte.

Blattgeflüster
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Hui, dieses Buch war ein steiniger Ritt durch 20 Jahre Berufserfahrung von Hope Jahren, von ihren Anfängen als Studentin, die in der Krankenhausapotheke jobbt, bis zu ihrem eigenen Labor in Honolulu, Hawaii. ...

Hui, dieses Buch war ein steiniger Ritt durch 20 Jahre Berufserfahrung von Hope Jahren, von ihren Anfängen als Studentin, die in der Krankenhausapotheke jobbt, bis zu ihrem eigenen Labor in Honolulu, Hawaii. Zu Beginn des Buches ist man voller Hoffnung, dass Hope aus schlimmen Wohnungen und noch schlimmeren Jobs herauskommt und endlich das große Los zieht. Dann lernt sie auf einer Exkursion Bill kennen und die beiden bleiben ihr ganzes Leben lang Seelenverwandte. Er begleitet sie durch mehrere Staaten, in mehrere Länder, zu einigen Universitäten, wo sie schließlich, nach Jahren des Ärgers, der Nachtschichten und der Angst ihre lebenslange Festanstellung erhält.

So weit, so gut. Die erste Hälfte des Buches las sich wie ein Träumchen, kurzweilig und vollgepackt mit jede Menge interessanten Fakten, hübsch verpackt und ansprechend erzählt, über die Welt der Pflanzen. Aufgeteilt in „Episoden“ erzählt Hope Jahren von ihrem Leben, teilweise so lustig, dass ich laut auflachen musste:

„Du tust so, als sei es nicht das Normalste der Welt, dass ein Typ sich die Haare abrasiert und sie dann in einem toten Baum am falschen Ende der Stadt hortet. Mein Gott, du bist wie besessen.“

Nach ungefähr der Hälfte jedoch wurden die gesammelten Erkenntnisse der Flora und Fauna ein wenig zu viel, man hat zwar allerhand gelernt, aber ihre Lebensgeschichte war weitaus interessanter und sehr bald war ich schon etwas genervt, wenn der schöne Story-Fluss, den sie hatte, unterbrochen wurde durch Pflanzenkunde. Ein Road-Trip nach dem anderen, eine Exkursion durch die Pampa, alles war auf einmal spannender als das wichtigste in Jahrens‘ Leben: Die Pflanzen. Aber selbst ihre Lebensgeschichte konnte mich irgendwann nicht mehr packen, und trotz des sehr gelungenen Schreibstils habe ich gemerkt, wie ich mich immer mehr zwingen musste, das Buch weiterzulesen. Und sowas endet bald in Frustration. Weggelegt habe ich es trotzdem nicht, weil man ja schon wissen wollte, wie z.B. ihre Psychose verläuft, ob sie am Ende die rosigen Seiten der Arbeit als Wissenschaftler zu Gesicht bekommt oder ob sie sich vielleicht trotz der brüderlichen Liebe zu Bill für ihn als Partner in ihrem Leben entscheidet.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Eine nicht so ganz störrische Braut, ein seltsamer Bräutigam, eine lustige Geschichte – ein seichtes Lesevergnügen, aber leider nicht mehr.

Die störrische Braut
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Kate Battista ist eine junge Frau, die Betreuerin in einem Kindergarten ist, ihr Studium abgebrochen hat, und den Rest ihrer Zeit daheim bei der Hausarbeit und im Garten verbringt. Nun soll sie aber, auf ...

Kate Battista ist eine junge Frau, die Betreuerin in einem Kindergarten ist, ihr Studium abgebrochen hat, und den Rest ihrer Zeit daheim bei der Hausarbeit und im Garten verbringt. Nun soll sie aber, auf Wunsch ihres Vaters, der ein wichtiges Autoimmunprojekt betreibt, seinen Laborassistenten „Pjoder“ Pjotr heiraten, der sonst sehr bald wieder in seine Heimat geschickt wird, da sein Visum ausläuft. Abgeneigt von dem jungen Russen und seiner Schroffheit, und wütend auf ihren Vater, der ihr anscheinend nicht zutraut, dass sie, das große, schlaksige Mädchen, sich selber einen Mann sucht, ist sie ziemlich ablehnend gegenüber der ganzen Idee. Als sie aber erfährt, dass es sich um eine reine Papierehe handeln soll, muss sie doch überlegen, ob sich daraus nicht doch einige Vorteile für sie erzielen lassen…

„Die störrische Braut“ ist ein Buch wie keines, was ich bisher gelesen habe. Ich muss gestehen, „Der widerspenstigen Zähmung“ nicht gelesen zu haben, daher war mir die Geschichte auch neu und ich wusste auch noch nicht, wie sie ausgeht. Erzählt wird in einer federleichten Sprache, sodass man das Buch schon fast in einer Sitzung verschlingen kann. Die Dialoge sind authentisch, aber da der Erzähler keinen Einblick in die Gefühle der Charaktere gewährt, hat man doch nicht das Gefühl, dass man hundertprozentig die Handlungen der jeweiligen Person nachvollziehen kann.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Die Jahre 4-7 der einstigen „Röhre“, die diesmal leider nicht begeistern kann.

Liebessabotage
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Mein zweites Nothomb-Buch! Nach „Metaphysik der Röhren“ war ich schon sehr gespannt, wie es in ihrem Leben weitergeht, und zum Glück hat sie einige autobiographisch anmutende Bücher geschrieben. In diesem ...

Mein zweites Nothomb-Buch! Nach „Metaphysik der Röhren“ war ich schon sehr gespannt, wie es in ihrem Leben weitergeht, und zum Glück hat sie einige autobiographisch anmutende Bücher geschrieben. In diesem Büchlein geht es um ihre Zeit in China, wo sie im Alter von 4 bis 7 gelebt hat. Also zeitlich fast direkt anschließend an die Röhren. Nothomb beschreibt das Kriegsspiel, das zwischen den Kindern im Diplomatenghetto lief, und lässt dabei keine Details aus: von der „Geheimwaffe“ (ein mit dem Urin gefüllter Bottich) über die „Kotzer“ (auserwählte Soldaten, die auf ihre Feinde erbrachen) zu den Foltermaßnahmen, die angewandt wurden, um die deutschen Kinder zu quälen. Aber es gibt noch eine Nebenstory: Amélies erste große Liebe, Elena. Die schöne Italienerin macht es ihr schwer, will sie nicht wahrnehmen, und dabei will Amélie doch nur eins: dass Elena sie auch liebt.

Die Freiheit ist nicht in Quadratmetern zu errechnen. Frei sein, das hieß, daß wir endlich uns selbst überlassen waren. Die Erwachsenen können den Kindern keinen größeren Gefallen tun als den, sie zu vergessen.

Ich muss sagen, ich war ein bisschen enttäuscht. „Die Röhren“ haben mir so gut gefallen, was unter anderem daran lag, dass Nothomb sehr egozentrisch war und auch so geschrieben hat. In „Liebessabotage“ ist sie immer noch sehr Ich-bezogen, aber die inneren Monologe sind doch etwas ausgedünnt an der Zahl. Ein weiterer Störfaktor: das Thema Krieg – selbst wenn es nur „Krieg spielen“ ist. Noch nie konnte ich mich für dieses Thema in der Literatur oder in Filmen begeistern, und ich finde es einfach unnötig, „Krieg zu spielen“. Zumal sich in diesem Buch das Kriegsspiel nicht nur auf einen Teil des Buches begrenzt hat, sondern sich durch die gesamte Länge (zwar nur 170 Seiten, aber trotzdem!) gezogen hat. Da fand ich die kleine Liebesgeschichte doch um einiges interessanter. Amélie muss sich ihrer selbst klar werden und wie sie auf andere wirkt, um die schöne Elena von sich zu überzeugen.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

Veröffentlicht am 28.05.2017

Die „Röhre“ ist zurück! Frech, intelligent und immer hungrig: nach Büchern, Anerkennung, Liebe – und Schokolade!

Biographie des Hungers
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Juhu! Nach dem zweiten autobiographischen Buch (chronologisch nach ihrem Alter), „Liebessabotage“, kehrt Amélie Nothomb wieder zu dem herrlich egozentrischen, lockeren und zum Teil auch poetischen Schreibstil, ...

Juhu! Nach dem zweiten autobiographischen Buch (chronologisch nach ihrem Alter), „Liebessabotage“, kehrt Amélie Nothomb wieder zu dem herrlich egozentrischen, lockeren und zum Teil auch poetischen Schreibstil, den ich in „Metaphysik der Röhren“ lieben gelernt habe, zurück – mit einem Thema, mit dem ich mich auch viel besser identifizieren kann als „Krieg“: nämlich dem Hunger. Sie erzählt über ihre Kindheit, die Länder, die sie und ihre Familie bewohnt haben, und den permanenten Hunger: nicht nach Essen (außer Süßigkeiten!), sondern nach Erfahrungen und Liebe. Nothomb stürzt sich im Kindesalter schon in leichten Alkoholismus, findet die Liebe zur Literatur und verschlingt Bücher ohne Ende, und sehnt sich gleichzeitig nach Erfüllung – von was, ist sie sich selbst noch nicht ganz sicher. Nothombs „Hunger“ beschreibt nämlich nicht nur den ständigen Antrieb, Süßigkeiten zu verspeisen, sondern auch die Sehnsucht nach so vielem, vor allem aber nach dem Leben. Vor ihrem ersten Selbstmordversuch mit drei Jahren glaubte sie, bereits alles erlebt zu haben, und fand die Vorstellung scheußlich, noch mindestens doppelt so viele Jahre zu leben, und mit sechs hat sie denselben Gedanken erneut: Was soll denn noch auf mich warten? Bis sie realisiert, dass sie noch nicht die Liebe in allen ihren Facetten erlebt hat – und jetzt kann sie natürlich auf keinen Fall sterben, bevor dies abgehakt ist.

Die Physiker träumen davon, das Universum aus einem einzigen Gesetz zu erklären. Das ist wohl ziemlich schwierig. Wäre ich ein Universum, ich ließe nur eine Macht gelten: den Hunger.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com