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Veröffentlicht am 21.01.2018

Spannender Tagebuchroman, der alle Grenzen überschreitet — ein verrückter Ritt durch die Prüderie Japans und dessen Gepflogenheiten.

Der Schlüssel
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Zunächst nur neugierig durch das wunderschöne Cover und die Gestaltung, hat mich dann spätestens der Klappentext komplett abgeholt: Die Rede ist vom Tagebuchroman „Der Schlüssel“von Junichiro Tanizaki. ...

Zunächst nur neugierig durch das wunderschöne Cover und die Gestaltung, hat mich dann spätestens der Klappentext komplett abgeholt: Die Rede ist vom Tagebuchroman „Der Schlüssel“von Junichiro Tanizaki. In den 50er Jahren zuerst erschienen, kam der Roman mit einer fantasievollen und teilweise leider unpassenden Übersetzung zu uns nach Deutschland, weshalb sich der Cass Verlag, der sich auf japanische Literatur spezialisiert hat, entschloss, den japanischen Klassiker neu zu übersetzen. Heraus kam ein Roman, wie ich ihn zuvor noch nicht gelesen habe: Ikuko und ihr Mann, der als einziger namenlos bleibt, sind bereits seit 20 Jahren verheiratet. Im Schlafzimmer läuft es allerdings für beide Parteien nicht so, wie sie es sich vorstellen. Während Ikuko ihren Mann „ohne Perversitäten“ im abgedunkelten Schlafzimmer empfangen würde, dürstet es dem Professor danach, seine Frau nach zwanzig Ehejahren endlich einmal nackt zu sehen. Man muss vielleicht noch erwähnen, dass Ikuko streng konservativ erzogen wurde und deshalb nicht weiß, wie sie mit ihrer Scham vor diesem höchst privaten Thema umgehen soll. Weil der Professor seine Frau nicht auf dieses heikle Thema ansprechen möchte und Ikuko der Meinung ist, dass es sich nicht geziemt, beginnt er, seine Tagebucheinträge direkt an seine Frau zu richten. Denn er weiß, dass sie weiß, wo er sein Tagebuch aufbewahrt und vermutet auch, dass sie darin stöbert, also lässt er fortan den Schlüssel dazu scheinbar unabsichtlich an einer offenen Stelle liegen. Ikuko, die derweil auch mit dem Tagebuchschreiben begonnen hat, liest es natürlich nicht, blättert lediglich darin, ohne sich die Wörter anzusehen. Und so entspinnt sich zwischen den beiden über ihre Tagebücher hinweg ein Dialog, während sie stets vorgeben, das Tagebuch des anderes nicht zu lesen. Zunächst bewegt das Ehepaar sich auf einem sicheren Gebiet, doch als der Freund ihrer Tochter Toshiko, Kimura, hinzukommt, gerät das Ganze schnell aus den Fugen…

Halb hasse ich meinen Mann, halb liebe ich ihn. Eigentlich passen wir nicht zusammen, aber deshalb suche ich mir nicht einfach einen anderen. Der Grundsatz der ehrsamen Ehefrau ist so tief in mir verankert, dass ich mich nicht darüber hinwegsetzen kann. Die zudringliche, perverse Art und Weise, in der mein Mann mich liebkost, bringt mich in Verlegenheit, gleichzeitig weiß ich, dass er mich wahnsinnig liebt, und da muss ich ihm doch entgegenkommen.

Was für ein toller Roman! Ich habe bisher nur in meinen Jugendtagen einen E-Mail-Roman gelesen (und die Tagebücher der Bridget Jones), aber noch nie ein Buch im Stil von „Der Schlüssel“. Hier wird der Leser auf eine Reise mitgenommen, die er so schnell nicht mehr vergisst: Sexualität in Japan, das Eheleben, Tabuthemen, Betrug, Alkoholismus, Krankheit und Liebe sind nur einige der Themen, die behandelt werden. Es geht nicht nur darum, seine (konservativen) Grenzen zu übertreten, sondern auch die des Vertrauens, und sich zu fragen „Bin ich zu weit gegangen?“. Während die Eifersucht die Leidenschaft des Professors immer weiter befeuert, gerät Ikuko in einen Schlund aus Gefälligkeit und Betrug: Sie möchte ihren Mann rasend vor Eifersucht sehen, um ihrerseits ihre nymphomanische Neigung (ja, man hält es anfangs nicht für möglich!) zu befriedigen, allerdings überschreitet sie dabei „die letzte Grenze“ und ihre Ehe gerät immer mehr in eine Schieflage. Zudem spielt die Gesundheit der beiden auch eine zentrale Rolle, denn Ikukos Mann leidet immer mehr unter stark erhöhtem Blutdruck und Schwindelanfällen, sodass er auf Anweisung seines Arztes strikte Ruhe einhalten soll. Doch der Wunsch, seine Frau zu befriedigen, ist stärker als seine Vernunft.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 21.01.2018

Eine rührende Geschichte von der Freundschaft zwischen einem Fuchs und einem Jungen, die zueinander finden müssen, herrlich erzählt.

Mein Freund Pax
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Ich hatte viel von diesem Buch gehört, sowohl auf den Social Media Kanälen als auch in meinem Blog-Feed, jedoch ist fast ein Jahr vergangen, bis „Pax“ von Sara Pennypacker dann bei mir einzog. In diesem ...

Ich hatte viel von diesem Buch gehört, sowohl auf den Social Media Kanälen als auch in meinem Blog-Feed, jedoch ist fast ein Jahr vergangen, bis „Pax“ von Sara Pennypacker dann bei mir einzog. In diesem Kinderbuch wird die Geschichte von der tiefen Freundschaft von Peter und „seinem“ Fuchs Pax erzählt, die bereits im ersten Kapitel auseinander gerissen werden. Peters Vater ist nämlich dagegen, dass Pax bei ihnen bleibt, da der Krieg naht und er sowohl Peter jederzeit einsatzbereit sein müssen. Deshalb wird Pax kurzerhand in einem weit entfernten Wald ausgesetzt. Doch bereits als Peter wieder daheim ist, bereut er, dass er sich nicht gegen die Entscheidung seines Vaters gestellt hat. Eine lange Reise beginnt sowohl für den Fuchs als auch für Peter, die um jeden Preis wieder zueinander finden wollen. Doch Pax, der seit Peter ihn als Welpe gefunden hat, nie mehr in einem richtigen Wald war, lernt nun seine wilde Seite kennen und bekommt auch bald bereits Gesellschaft…

»Oh, let me tell you, feeling are all dangerous. Love hope… Ha! Hope! You talk about dangerous, eh? No, you can’t avoid any of them. We all own a beast called anger. It can serve us: many good things come of anger at bad things; many unjust things are made just. Nut first we all have to figure out how to civilize it.«

Sara Pennypacker erzählt die Geschichte von Pax und Peter so herzzerreißend, dass mir die Tränen bereits nach dem ersten Kapitel in die Augen geschossen sind. Abwechselnd wird aus der Perspektive von Peter und Pax erzählt, was die Spannung natürlich steigert, ob die beiden Freunde sich am Ende wiedersehen oder nicht. Der Leser begleitet Peter auf seiner äußerst beschwerlichen Reise in das rund 200 Meilen entfernte Waldstück und fiebert mit jedem weiter zurückgelegten Wegstück immer mehr der Zusammenkunft entgegen. Doch auch Pax macht sich auf den Weg in die Richtung, wo er seinen Menschen vermutet, und trifft unterwegs nicht nur auf andere Menschen, sondern auch auf Füchse. Und so geschieht es, dass Pax sich mit den wilden Füchsen aus dem Wald anfreundet und sogar Begleitung für ein Stück des Weges findet. Ich bin förmlich durch die Zeilen geflogen, weil mir das alles viel zu langsam ging und ich am liebsten gehabt hätte, dass Peter und Pax sich doch bitte sofort wieder finden, doch die Autorin hat sich sicher bei dem Erzähltempo etwas gedacht, schließlich sollen unsere Charaktere auf ihrem Weg ja auch etwas lernen. ? Und sie lernen sogar eine ganze Menge. Was, wird natürlich nicht verraten, aber dieses Kinderbuch war das erste, das ich seit – nun ja, meiner Kindheit – gelesen habe und ich war nicht zufrieden mit dem Ausgang des Ganzen. Aber das soll niemanden davon abhalten, dieses wunderschöne Buch trotzdem in die Hand zu nehmen, den es lohnt sich!

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 21.01.2018

Spannendes Jugendbuch, das Hauptthema wird aber leider nur oberflächlich behandelt.

Der Pfad - Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit
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Mit „Der Pfad“ von Rüdiger Bertram zog das erste reine Jugendbuch seit langer Zeit bei mir ein. Ich wurde neugierig auf das Buch, als ich las, dass es um einen Weg quer durch die Berge geht – denn irgendwie ...

Mit „Der Pfad“ von Rüdiger Bertram zog das erste reine Jugendbuch seit langer Zeit bei mir ein. Ich wurde neugierig auf das Buch, als ich las, dass es um einen Weg quer durch die Berge geht – denn irgendwie zieht mich das Thema „Berge“ in letzter Zeit magisch an. Vielleicht wird es mal Zeit für einen Urlaub? ? Die Geschichte spielt zur Zeit des zweiten Weltkrieges, Hitler ist an der Macht und viele Deutsche flüchten aus Deutschland. So auch Rolf und sein Vater Ludwig. Die beiden sind vor einiger Zeit in Frankreich angekommen und warten auf den richtigen Moment und die richtigen Papiere einer Fälscherin, um über die Pyrenäen zu wandern und schließlich per Schiff in die USA zu gelangen, wo Rolfs Mutter bereits auf die beiden wartet. Doch dieses Vorhaben ist leichter gesagt als getan, und so müssen Vater und Sohn sich zahlreichen Herausforderungen stellen, bis sie erst einmal in die Nähe der Berge gelangen. Dort wartet der Hirtenjunge Manuel, der nur gebrochen Deutsch spricht, auf sie, um sie über die Berge zu führen. Ihren Hund Adi, der die Zwei die ganze Zeit begleitet, müssen sie zurücklassen. Doch das kommt für Rolf überhaupt nicht in Frage und so begeht er einen „kapitalen“ (ein Wort, das er gern gebraucht) Fehler, den sein Vater ins Gefängnis bringen wird…

»Trifft Hitler auf Wahrsager, fragt Hitler: Wann werde sterben ich? Sagt Wahrsager: An Feiertag. Will Hitler wissen: An was für Feiertag? Antwortet Wahrsager: Egal, wenn sterben du, wird sein Feiertag.«

Rüdiger Bertram erzählt hier von einer Flucht, wie sie in den 30er- und 40er-Jahren vermutlich unzählige Male vonstatten ging. Die Flucht aus Deutschland, das Wiedersehen mit alten Bekannten, die ebenfalls auf der Flucht sind und die ständige Angst vor Wachen und Polizisten sind starke Themen in „Der Pfad“. Rolf und Ludwig versuchen, mit ihrer Angst zurechtzukommen und spielen zum Zeitvertreib das erfundene Spiel „Gut oder Böse?“, um ihre Mitmenschen einzuschätzen. Dieses Spiel wird später harter Ernst, als die beiden sich Kontrolleuren und Beamten stellen und einschätzen müssen, ob sie ihnen trauen können oder nicht. Als Leser spürt man die ständige Anspannung der beiden am eigenen Leib und hofft inständig, dass sie es schaffen. Doch was ich von den letzten Kinderbüchern, die ich gelesen habe, gelernt habe, ist: Es gibt keine Happy Ends, die happy für jeden sind. Irgendwer zieht immer den Kürzeren und Opfer müssen gebracht werden. Und so ist auch dieses Jugendbuch nur eingeschränkt ein Buch mit einem Happy End – was natürlich auch an der Thematik liegen mag. Diesen Realismus habe ich bei der Lektüre der letzten vier Bücher bemerkt und finde es gut, dass er bereits bei Kinderbüchern Einzug gehalten hat. Tod, Krieg, Krankheit, Trennung — das sind wahnsinnig schwierige Themen, besonders für jüngere Leser. Umso besser, dass diese bereits in Büchern für die Kleinen eingeführt werden.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 21.01.2018

Eine Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt und Familie, wunderschön illustriert und meisterhaft erzählt.

Das Wunder der wilden Insel
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Auf Instagram habe ich dieses wunderschöne Buch schon des öfteren gesehen und so zog es über kurz oder lang dann doch noch bei mir ein. Nachdem ich erst neulich das Kinderbuch „Pax“ von Sara Pennypacker ...

Auf Instagram habe ich dieses wunderschöne Buch schon des öfteren gesehen und so zog es über kurz oder lang dann doch noch bei mir ein. Nachdem ich erst neulich das Kinderbuch „Pax“ von Sara Pennypacker gelesen hatte und doch ein sehr berührendes Leseerlebnis hatte, war ich diesem Buch nicht mehr so abgeneigt. Die Geschichte, die Peter Brown mit dem „Wunder der wilden Insel“ erzählt, ist spannend und neu: Ein Schiff erleidet Bruch. An Land gespült werden einige Kisten mit Robotern, von denen jedoch nur eine die holprige Anreise übersteht. Neugierige Inselbewohner inspizieren die Box und betätigen dabei versehentlich den „An“-Knopf. So wird das Robotermädchen Roz aus ihrem Schlaf geweckt und findet sich nun völlig abgeschieden auf einer kleinen Insel wieder. Doch allein ist sie nicht, denn hier wohnen zahlreiche Lebewesen, vom Hasen über den Fuchs bis hin zum Bären. Die Tiere halten zunächst Abstand von dem „Monster“, das nie frisst und auch nicht ihre Sprache spricht. Da Roz kein Mensch ist und somit auch keine Gefühle hat (sollte man meinen!), schmerzt sie dieses Verhalten auch nicht, jedoch ist ihre Neugier geweckt und nachdem sie sich einige Zeit immer wieder anders getarnt hat, um sich an die Inselbewohner anzuschleichen, lernt sie allerhand neue Dinge, zum Beispiel die Sprache von jedem einzelnen tierischen Bewohner. Da sie sich nun verständigen kann, versucht sie erneut, Kontakt mit den Tieren aufzunehmen, die aber immer noch abweisend reagieren. Erst, als sie einigen der Anwohnern in Nöten hilft, wächst ihr Vertrauen in Roz. Als Roz eines Tages versehentlich ein Vogelnest zerstört, rettet sie das verbliebene heile Ei und behütet es, bis es schlüpft. Doch mit dem frisch geschlüpften Küken tun sich für sie ungeahnte Schwierigkeiten auf und Roz ist auf die Hilfe der Inselbewohner angewiesen, um ihre Mutterrolle erfolgreich auszufüllen.

Roz hatte gemerkt, dass die Tiere sie umso mehr liebten, je wilder sie sich gab. Also bellte sie mit den Füchsen, sang mit den Vögeln und zischte mit den Schlangen. Sie tollte mit den Wieseln, sonnte sich mit den Eidechsen und sprang mit den Hirschen durch den Wald. Dieser Frühling war eine sehr wilde Zeit für den Roboter.

Peter Brown erzählt in „Das Wunder der wilden Insel“ eine emotionale Geschichte, in der es um das Zurechtfinden in einer neuen Umgebung, das Finden neuer Freunde, das Kümmern um einander und um das Abschiednehmen geht. Doch nicht nur das, denn auch der Zusammenhalt in jeder Situation ist auch ein wichtiger Kernaspekt, der im späteren Verlauf des Buchs zu Tragen kommt. In einer wunderbar kindgerechten Erzählweise und -sprache baut der Autor hier eine kleine Welt auf, in der alle zusammenhalten müssen, um beispielsweise den Winter zu überstehen. Der Leser lernt nicht nur viele verschiedene Tiere näher kennen, sondern auch deren Verhaltensweisen und wie die vielen Tiere der Insel Puzzlestücke zu einem großen Ganzen sind, die das Leben auf der Insel erst funktionieren lassen. So bauen die Biber einen Damm, der alle Insulaner vor der Flut schützt, und andere sorgen mit ihrem Kot dafür, dass bestimmte Blumen und Beeren erst richtig blühen, sodass so Nahrung für alle entstehen kann. Jedes einzelne Tier in Browns Geschichte hat eine eigene Persönlichkeit. Ganz besonders schön finde ich die Beziehung von Roz und dem Entenküken Leuchtschnabel, die sich allen Widrigkeiten entgegensetzt und zu einem herzzerreißenden Ende hinführt.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de

Veröffentlicht am 04.01.2018

Sadako Sasakis Geschichte, kindgerecht aufbereitet und illustriert — ein Leseerlebnis der besonderen Art!

Sadako. Ein Wunsch aus tausend Kranichen
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Nachdem ich Jean-Marc Cecis „Herr Origami“ gelesen hatte, habe ich mich nach der Lektüre mit der Legende der tausend Kraniche befasst. Diese besagt, dass man einen Wunsch erfüllt bekommt, wenn man 1000 ...

Nachdem ich Jean-Marc Cecis „Herr Origami“ gelesen hatte, habe ich mich nach der Lektüre mit der Legende der tausend Kraniche befasst. Diese besagt, dass man einen Wunsch erfüllt bekommt, wenn man 1000 Papierkraniche gefaltet hat. Um diese Legende herum fußt auch die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte um Sadako Sasami in „Sadako. Ein Wunsch aus tausend Kranichen“. Sadako ist ein kleines Mädchen, das als Kind relativ nahe von Hiroshima gelebt hat und auch von der Druckwelle der Atombombe, die damals fiel, erfasst wurde. Sie lebte ein normales Leben, bis eines Tages, nachdem sie nach einem Sportlauf zusammenbricht, Leukämie bei ihr festgestellt wurde. Ihre beste Freundin Chizuko will das Schicksal Sadakos nicht akzeptieren und erzählt ihr also von der Legende der tausend Kraniche. Sadako beginnt eifrig zu falten und selbst als sie wieder nach Hause darf, hört sie nicht mehr mit dem Falten auf. Ob sie ihr Werk vollenden kann und ihren Wunsch erfüllt bekommt, wissen Kenner dieser Geschichte zwar bereits, aber ich als Unwissende hatte mein Vergnügen mit diesem Buch und war äußerst berührt von der Erzählung.

»Warum willst du jetzt aufgeben? Da draußen sitzt unsere ganze Schule. Sie wollen dich laufen sehen. Deswegen sind sie hier. Sie glauben, dass du es schaffen kannst.«

»Und wenn sie sich irren?«, fragte Sadako zögerlich.

»Du hast mir selbst erzählt, dass nicht mal die Atombombe dir etwas anhaben konnte. Du musst einfach schneller laufen als die Angst.«

Der Erzählstil ist einfach gehalten, schließlich handelt es sich hier um ein Kinderbuch, dennoch schafft Johanna Hohnhold es, auch große Leser zu fesseln und Emotionen zu wecken. Angesichts der Länge des Buches war mir auch von vornherein bereits klar, dass irgendwo in der Geschichte auch Abstriche gemacht werden mussten, und die sind ganz klar erkennbar bei den Charakteren. Alle Charaktere, die Protagonistin eingeschlossen, werden lediglich mit wenigen Strichen skizziert, aber für die Vermittlung der Geschichte genügt dies auch. Ich hätte mir aber ein wenig Tiefe und Detail schon gewünscht. Die Illustrationen, die sich durch das Buch ziehen und viele Seiten schmücken, sind wunderschön und stellen allerhand Szenen und Elemente der Geschichte dar. Besonders schön fand ich die Erklärung von Chizuko, wie man Kraniche faltet, was es mit der Legende der tausend Kraniche auf sich hat und, dass die chinesischen Schriftzeichen gezeigt wurden. Im Anhang des Buches findet der Leser dann auch eine detaillierte Anleitung, wie er selbst einen kleinen Papierkranich falten kann. Den Einband finde ich auch sehr ansprechend gestaltet, die Bleistiftzeichnungen aus dem Innenteil haben auf dem Umschlag an Farbe gewonnen und bezaubern durch ihre Schönheit. „Sadako“ hat also eine tolle Ausstattung!

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: https://killmonotony.de