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Veröffentlicht am 12.02.2021

Ein Journalist auf der Suche nach einer großen Story

Die Erfindung des Dosenöffners
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Der Autor ist als Comedian aus dem Fernsehen bekannt. So nimmt es nicht Wunder, dass auch sein Debütroman in diese Richtung geht, ohne allerdings – was für mich wichtig ist - auf Teufel komm raus witzig ...

Der Autor ist als Comedian aus dem Fernsehen bekannt. So nimmt es nicht Wunder, dass auch sein Debütroman in diese Richtung geht, ohne allerdings – was für mich wichtig ist - auf Teufel komm raus witzig sein zu wollen. Denn auch eine gehörige Portion Ernsthaftigkeit und Nachdenkenswertes ist enthalten.
Der junge Journalist Timur hadert mit seiner journalistischen Laufbahn, weil er in der Lokalredaktion seiner Kleinstadt festsitzt anstelle eine große Story bei einem bekannten Blatt schreiben zu dürfen. Zufällig macht er die Bekanntschaft der Rentnerin Annette, die ihm ihre vermeintliche Erfindung des Dosenöffners als die Geschichte präsentiert. Im Gegenzug muss er sie im Rollstuhl umherfahren, woraus sich ein Roadmovie entwickelt und sich so manches Geheimnis um die Frau lüftet. Beide werden zu Freunden. Nebenbei erfahren wir als Leser viel Interessantes über einen so banalen Haushaltsartikel wie den Dosenöffner und die hohen Erwartungen, die junge Erwachsene an ihr Fortkommen stellen.
Ein gut unterhaltendes Buch.

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Veröffentlicht am 10.02.2021

Gesellschaftskritischer Roman mit Krimi-Einschlag

Malvita
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Der Roman klingt zunächst nach einer beschaulichen Familiengeschichte, entwickelt sich dann aber durch unvermutete spannende Wendungen zum Krimi mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik.
Die Mutter ...

Der Roman klingt zunächst nach einer beschaulichen Familiengeschichte, entwickelt sich dann aber durch unvermutete spannende Wendungen zum Krimi mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik.
Die Mutter der jungen Österreicherin Christina, die gerade von Freund und bester Freundin betrogen wurde, vermittelt ihr zur Ablenkung eine Reise in die Toskana zu ihr bis dahin unbekannten Verwandten, wo sie die Rolle einer Hochzeitsfotografin übernehmen soll. Von der Ankunft in der pompösen Villa an häufen sich Merkwürdigkeiten – z.B. wurde die ursprünglich beauftragte Fotografin ermordet, ist in der Villa eine ganze Armada an Bediensteten tätig, der jüngste, schon erwachsene Sohn wird allseits verwöhnt und widmet sich ausschließlich seiner Katze, der Onkel ist fast unsichtbar. Die Atmosphäre wird zusehends bedrückender und enger. Christina weiß nicht, dass sie eine Rolle in einer ungewöhnlichen Inszenierung hat.
Der Stil dieses Romans ist so typisch österreichisch, was mir immer wieder gefällt. Er übt eine gehörige Portion Gesellschaftskritik. Rasant ist der Spannungsaufbau mit einer unerwarteten Wendung. Leider bleibt am Ende zu viel offen.

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Veröffentlicht am 07.02.2021

Gelungene Fortsetzung zu "Eierlilörtage"

Tanztee
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Bereits in seinem Buch „Eierlikörtage“ hat der Senior Hendrik Groen Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer Seniorenheim verfasst, die sich über das Jahr 2013 erstreckten. Nun setzt ...

Bereits in seinem Buch „Eierlikörtage“ hat der Senior Hendrik Groen Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer Seniorenheim verfasst, die sich über das Jahr 2013 erstreckten. Nun setzt er sie im Jahr 2015 fort und bleibt dabei ganz im Stile seines ersten Werkes. Er ist das ständige Gejammer seiner betagten Mitbewohner über alles und jeden überdrüssig und will sich an seinen letzten Lebenstagen – denn die Kürze der ihm verbleibenden Zeit ist ihm durchaus allgegenwärtig – noch einmal richtig erfreuen. Das gelingt ihm mit dem aus gleichgesinnten Freunden bestehenden Club Alt-aber-nicht-tot (kurz: Alanito), täglichen Ausfahrten mit seinem Elektroscooter, dem Kümmern um seine gesundheitlich noch angeschlageneren Freunde und der Herausforderung des Schreibens eines Tagebuchs recht gut. Dieses nun enthält Anekdötchen aus dem Heimleben, von Hendrik kommentierte Fakten der niederländischen Seniorenpolitik, seine Gedanken zur Rolle alter Leute in der Gesellschaft und eigene Ansichten zum Leben im Altersheim mit gebrechlichen, abgeschobenen, dem Tode nahen Bewohnern. Obwohl Krankheit und Tod immer wieder thematisiert werden, denn das Schicksal verschont auch Hendrik und seine Freunde nicht, liest sich alles locker und angenehm. Das ist vor allem dem wunderbaren Schreibstil Hendriks geschuldet, der an trockenem Humor und Ironie nicht spart. Am Ende wird Hendrik zu einem tollen Vorbild und es lässt sich das persönliche Fazit ziehen, dass ein Lebensabend im Altersheim nicht unbedingt das A und O ist, dort aber durchaus noch Lebensfreude zu finden ist.
Ein von mir uneingeschränkt empfohlener Roman für Leser aller Altersgruppen.

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Veröffentlicht am 04.02.2021

Das Frauenbild in Südkorea

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Dieser Roman berührte bei seinem Erscheinen in Südkorea im Jahr 2016 einen Nerv und wurde eines der meist verkauften Bücher, auch weltweit.
In ihm erzählt die Autorin die Geschichte der koreanischen ...

Dieser Roman berührte bei seinem Erscheinen in Südkorea im Jahr 2016 einen Nerv und wurde eines der meist verkauften Bücher, auch weltweit.
In ihm erzählt die Autorin die Geschichte der koreanischen Durchschnittsbürgerin Kim Jiyoung von ihrer Geburt im Jahr 1982 bis 2016. Kim Jiyoung erfährt in allen Phasen ihres Lebens systematische Frauenfeindlichkeit, sei es als Kind in ihrer eigenen Familie, in der Schule und an der Universität, am Arbeitsplatz, als Ehefrau und Mutter. Nicht nur hat die Protagonistin unter stereotypischen, Frauen hassenden Machos zu leiden, die durchaus auch zahlreich vorkommen. Nein, es besteht ein ganzes Netz von gesellschaftlichen Faktoren, Einstellungen und Erscheinungen, die sich zum Nachteil von Kim Jiyoung auswirken – z.B. das Erziehungssystem, die Wirtschaftskrise. Ein allgegenwärtiges Gefühl der Ohnmacht und verinnerlichte gesellschaftliche Regeln führen bei Frauen zu einem Trauma, das über Generationen weitergegeben wird: Als Kim Jiyoung geboren wird, entschuldigt sich ihre Mutter bei ihrer Schwiegermutter dafür, ein Mädchen statt eines Jungen bekommen zu haben. Als Kim Jiyoung mit einem Mädchen schwanger ist, wird sie von ihren Mitmenschen bemitleidet und getröstet. Eine Frau zu sein, bedeutet ein Scheitern.
Das Buch führte zu einer heftigen Sexismus-Debatte in Südkorea. So völlig fremd sind die geschilderten Zustände auch hierzulande nicht. Sprachlich ist das Buch eher nüchtern gehalten. Die Autorin streut interessante belegte Studien und Forschungen über die Lage der Frauen ein. Das Ergebnis ist erschütternd: Die Geschlechterungleichheit in Südkorea ist eine der höchsten in der Welt.

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Veröffentlicht am 31.01.2021

Sachliche Schilderung einer Kindheit zwischen mehreren Welten

Das achte Kind
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Es handelt sich um eine sehr lesenswerte Autobiografie des Autors.
1974 in Deutschland geboren, verbringt er Kindheit und Jugend zwischen mehreren Welten. Seine Mutter kommt jung als Gastarbeiterin aus ...

Es handelt sich um eine sehr lesenswerte Autobiografie des Autors.
1974 in Deutschland geboren, verbringt er Kindheit und Jugend zwischen mehreren Welten. Seine Mutter kommt jung als Gastarbeiterin aus einem äußerst ärmlichen kroatischen Bergdorf in eine Fabrik nach Würzburg. Da sein Vater ein verantwortungsloser Kleinkrimineller ist, bringt sie ihn schon als Säugling in einer gutbürgerlichen Pflegefamilie unter, unterhält aber regelmäßigen Besuchskontakt zu ihm. Alem lässt sie im Glauben, sein Vater sei verstorben. Erneut gerät sie an den falschen Mann, einen Alkoholiker, der gegenüber ihr und Alem gewalttätig ist. In seiner Pflegefamilie erfährt er Liebe und Geborgenheit. Die offen kund getane nationalsozialistische Einstellung seines Pflegevaters belastet später das Verhältnis zwischen ihnen.
Ganz im Stile eines Journalisten, der Grabovac ja für „Die Zeit“, „Welt“ und „taz“ ist, hat er diese Autobiografie völlig nüchtern und distanziert abgefasst. Alles ist sehr authentisch dargestellt. Sehr informativ sind die Einblicke in die 1970er und 1980er Jahre in Deutschland und Kroatien, vor allem auf die Welt der Gastarbeiter („Jugos“) und den Jugoslawienkrieg.
Das Buch kann ich nur empfehlen.

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