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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2019

Auf dem Weg zum Erwachsenwerden

Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte
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Auch wenn ich schon zur Generation Ü 50 gehöre, lese ich gelegentlich auch gerne einmal einen Jugendroman. Den vorliegenden habe ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen.
Protagonisten sind die ...

Auch wenn ich schon zur Generation Ü 50 gehöre, lese ich gelegentlich auch gerne einmal einen Jugendroman. Den vorliegenden habe ich von der ersten bis zur letzten Seite genossen.
Protagonisten sind die 18jährigen Rosa, Frank und David. Die Jungs kennen sich schon ein paar Jahre, sind fast so etwas wie Brüder. Rosa lernen sie in Australien kennen, das sie zusammen in einem Camper durchqueren. Der gemeinsame Reiseantritt hat einen speziellen Hintergrund. Die drei sind sehr unterschiedlich und begeben sich aus unterschiedlichen Motiven auf den roadtrip. Rosa fühlt sich nirgends richtig zugehörig, weiß nichts mit ihrer Zukunft anzufangen; Frank ist ruhig; David ist Sohn aus reichem Hause, ohne jemals menschliche Nähe erfahren zu haben. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Dämonen aus der Vergangenheit mit sich schleppen, vor allem ihre Familie betreffend.
Wer vermutet, dass es auf eine Dreiecksbeziehung hinausläuft, bei der nur die Frage ist, ob aus Rosa und Frank oder aus Rosa und David ein Paar wird, hat weit gefehlt. Sicher geht es auch um Liebe, auch der drei zueinander, die dann eine ganz besondere Lösung findet. Vordergründiger ist aber die Darstellung, wie sich die jungen Erwachsenen in wenigen Monaten entwickeln und an Zuversicht gewinnen, ihren weiteren Lebensweg beschreiten zu können.
Die Autorin bedient sich einer einzigartigen Sprache, lässt die kurzen Kapitel in perspektivischem und zeitlichem Wechsel von jeweils einer Figur erzählen. So erhält der Leser umfassenden Einblick in das Innere der Figuren. Nicht zuletzt wird Fernweh geweckt mit den wunderbaren Ausblicken auf touristische Punkte.
Ähnlich wie den drei Protagonisten wird dieser schöne roadtrip auch mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Ein Mutmach-Buch

Wir von der anderen Seite
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Das in schwarz gehaltene, düster wirkende Cover mit dem stilisierten grün-blauen Eichhörnchen sollte auf gar keinen Fall vom Lesen des Buches abhalten, wozu ich fast schon versucht war. Es würde einem ...

Das in schwarz gehaltene, düster wirkende Cover mit dem stilisierten grün-blauen Eichhörnchen sollte auf gar keinen Fall vom Lesen des Buches abhalten, wozu ich fast schon versucht war. Es würde einem nämlich ein ganz, ganz wunderbarer Roman entgehen.
In ihn fließt ein Stück eigene Lebensgeschichte der als Drehbuchautorin („Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“) bekannten Autorin Anika Decker. Ähnlich wie es ihr selbst ergangen ist, lässt sie ihre fiktive Berufskollegin, die 35jährige Rahel, ein Nierensteinproblem haben, das in der Folge zu einer Sepsis, multiplem Organversagen und künstlichem Koma führt. Rahel kämpft sich in einem langen Genesungsprozess zurück ins Leben. Als sei das noch nicht genug, sind krankheitsbedingt ihre gerade begonnene Karriere und ihre langjährige Beziehung zu ihrem Freund in Gefahr, dem das Zusammenhalten in den schlechten Tagen neben den guten schwer fällt. Hundertprozentige Unterstützung erhält sie auf ihrem schweren Weg stets von ihren Eltern und ihrem Bruder.
Dieses sehr berührende Thema um Krankheit und Tod ist mit sehr viel Humor und Situationskomik dargestellt, ohne dass jedoch auf Teufel komm raus Lacher erzeugt werden. Daher zieht es einen beim Lesen auch überhaupt nicht runter, mit derartigen Tabuthemen konfrontiert zu werden. Die etwas schräge Protagonistin muss man einfach ins Herz schließen, und so fiebert man mit jeder anstehenden weiteren Untersuchung und Behandlung mit und wünscht ihr positive Befunde. Ein interessanter Schachzug ist auch, dass Rahels Erinnerungsvermögen an die ihrer akuten Erkrankung vorausgehende Zeit und die damit verbundenen Umstände lange Zeit nicht vorhanden ist und ihre Familie sich darüber ausschweigt. Was für ein Geheimnis hier verborgen liegt, kommt erst allmählich zutage. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass auch dem Eichhörnchen vom Buchcover in der Geschichte eine bestimmte, passende Bedeutung zukommen wird.
Das Buch ist für mich ein absolutes Lese-Highligt.

Veröffentlicht am 18.07.2019

Überambitionierte Eltern

Überflieger
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Thematisch geht es um Kindererziehung. Doch auch für Leser ohne Kinder oder ohne Kinder im Schulalter ist dieses Buch höchst interessant und empfehlenswert.

Im Mittelpunkt steht die Akademikerfamilie ...

Thematisch geht es um Kindererziehung. Doch auch für Leser ohne Kinder oder ohne Kinder im Schulalter ist dieses Buch höchst interessant und empfehlenswert.

Im Mittelpunkt steht die Akademikerfamilie von Koppenstein. Mutter und Vater sind erfolgreich im Beruf und stolz auf ihren gut geratenen Nachwuchs. Die elfjährige Cordelia ist eine vermeintlich begabte Klavierspielerin, der fünfjährige Raffi seinen Altersgenossen geistig weit voraus, so dass er schon eingeschult wird. Genau damit beginnen die Schwierigkeiten. Raffi wird zum Lernverweigerer und nach Elternansicht liegt dies allein an der Lehrerin. Im ersten Jahr seiner Schullaufbahn experimentieren Claire und Niko nur mit ihm herum – Klassensprung, Wechsel zu einer privaten Schule, Fernhalten vom Unterricht. Schließlich gerät die Familie in die Fänge des Jugendamtes und erlebt einen schlimmen Alptraum.

Die Autorin stellt den Ehrgeiz heutiger Eltern, die ihre Kinder mit allen Mitteln fördern und fordern wollen und dabei sogar noch davon ausgehen, dass alles zum Kindeswohl ist, recht realistisch dar. Dabei kommt ihr sicherlich zugute, dass sie selbst Mutter ist und eigene Erfahrungen einflechten kann. Sie bedient sich eines sarkastischen, provokativen, durchaus humorigen Untertons, der darauf schließen lässt, was sie persönlich von solch überambitionierten Eltern hält. So nimmt es kein Wunder, dass bei den von Koppensteins alles den Bach runtergeht. Immerhin setzt bei den Eltern ein Lernprozess ein und sie denken darüber nach, ob sie ihre Kinder nicht möglicherweise verkannt und selbst evtl. nicht alles richtiggemacht haben. Das veranlasst auch den Leser zum Nachdenken und Lernen.

Ein gelungenes Debüt.

Veröffentlicht am 13.07.2019

Wunsch nach Familie

Die Dinge, die wir aus Liebe tun
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Die Ehe von Angie und Conlan scheitert an ihrer ungewollten Kinderlosigkeit und den zahlreichen Versuchen, doch noch zum Wunschkind zu kommen. Angie kehrt zu Mutter und Schwestern zurück, um das Familienrestaurant ...

Die Ehe von Angie und Conlan scheitert an ihrer ungewollten Kinderlosigkeit und den zahlreichen Versuchen, doch noch zum Wunschkind zu kommen. Angie kehrt zu Mutter und Schwestern zurück, um das Familienrestaurant wieder flott zu kriegen. Dort trifft sie auf die17jährige Lauren, die als „Fehltritt“ nie Mutterliebe erfahren hat. Zwischen beiden entwickelt sich eine tiefe Bindung. Als Lauren, schwanger von ihrem langjährigen Freund und eigentlich um ein Stipendium an einem angesehenen College kämpfend, das gleiche Schicksal zu drohen scheint wie ihrer eigenen Mutter, wird ihre Beziehung auf eine Belastungsprobe gestellt – bei Angie erweckt die Schwangerschaft Neid und Hoffnung auf ein zu adoptierendes Baby, Lauren will Angie als Ersatzmutter nicht missen.
Es ist ein sehr gefühlvoll geschriebener Roman, der sich fundiert mit den Folgen einer ungewollten Kinderlosigkeit in der Ehe auseinandersetzt und damit, wie sie sich kompensieren lässt. Angies Traurigkeit ist gut nachvollziehbar. Umso drastischer wirkt es, wenn andere Frauen in ihrer Umgebung ruckzuck schwanger werden, insbesondere ihre junge Freundin Lauren, zu deren Lebenssituation ein Baby überhaupt nicht passt. Die Entwicklung ist natürlich voraussehbar. Einige Romanfiguren machen einen blassen oder überzeichneten Eindruck, wie etwa der werdende Vater von Laurens Baby, der nach Art eines unreifen Milchbubis dargestellt wird oder Angies Mutter und Schwestern, die vor übertriebener Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit strotzen. Alles in allem unterhält und liest sich der Roman aber sehr gut.

Veröffentlicht am 04.07.2019

Eine kubanisch-amerikanische Familiengeschichte

Nächstes Jahr in Havanna
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Diesen Roman zu lesen, macht schon fast die Lektüre eines Sachbuchs zur Geschichte Kubas entbehrlich. So informativ und lebendig könnte ein Geschichtsbuch gar nicht sein über ein Land, das mir bislang ...

Diesen Roman zu lesen, macht schon fast die Lektüre eines Sachbuchs zur Geschichte Kubas entbehrlich. So informativ und lebendig könnte ein Geschichtsbuch gar nicht sein über ein Land, das mir bislang nur fragmentarisch bekannt ist (Schlagworte: Fidel Kastro, Zigarillos, Oldtimer, Urlaubsort für Karibikreisende). Der geschichtliche Werdegang Kubas seit Ende der 1950er Jahr mit kleinen Rückblicken auch auf die Zeit davor bis in die Gegenwart ist eingebettet in eine Familiengeschichte. Die kubanische Familie Perez, reiche Zuckerplantagenbesitzer, geht nach der Revolution Fidel Kastros ins Exil nach Florida. Ihre Tochter Elisa hatte zuvor eine innige Liebesbeziehung zu einem Revolutionär. Nach Elisas Tod einige Jahrzehnte später begibt sich deren Enkelin Marisol nach Kuba, um dort die Asche ihrer Großmutter zu verstreuen. Sie verliebt sich in einen jungen Kubaner, einem Gegner des herrschenden Regimes, und kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur. Diese Familiengeschichte hat mir nicht so gut gefallen. Sie wirkt etwas konstruiert und vorhersehbar. Es ist zu weit hergeholt, wenn sich zwei Frauen aus dem Stand heraus unsterblich in Männer verlieben, die für sie sofort zur Liebe ihres Lebens werden, obwohl sie angesichts der Umstände gar keine Chance haben. Noch dazu geschieht alles binnen kürzester Zeit. Nun gut, Ähnliches ist ja oft in Liebesromanen zu finden und unterhält ja auch recht gut.
Ein insgesamt gut unterhaltendes und informatives Buch.