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Veröffentlicht am 04.02.2019

Außenseitertum in der japanischen Gesellschaft

Die Ladenhüterin
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Satireähnlich beleuchtet die Autorin die Gesellschaft ihrer japanischen Heimat, in der Arbeitseifer in einem ordentlichen Beruf und Gründung einer Familie in den 30ern „normal“ sind. Ihre Protagonistin ...

Satireähnlich beleuchtet die Autorin die Gesellschaft ihrer japanischen Heimat, in der Arbeitseifer in einem ordentlichen Beruf und Gründung einer Familie in den 30ern „normal“ sind. Ihre Protagonistin Keiko läuft diesem Bild völlig zuwider. Bereits seit ihrer Kindheit ist sie, weil recht gefühllos, sozial gestört. Ihren Platz und ihre Erfüllung findet sie in einer streng reglementierten Aushilfstätigkeit in einem 24-Stunden-Supermarkt, der sie immerhin 18 Jahre lang mit Übereifer nachgeht. Um endlich Ruhe vor Familie und Freunden zu haben, die sie zur Aufnahme eines ordentlichen Berufes oder Gründung einer Familie drängen, nimmt sie den arbeitslosen Schmarotzer Shiraka bei sich auf, wodurch ihr Alltag ins Wanken gerät.

Die Geschichte fasziniert durch ihre zwar der Norm nicht entsprechenden, aber dennoch sehr sympathischen Hauptfigur, die uns Europäern ein so reales Bild von der japanischen Gesellschaft und Arbeitswelt vermittelt und manches Klischee bestätigt. In der Vergangenheit habe ich schon einige Bücher japanischer Autoren gelesen und war oft enttäuscht ob der Distanziertheit der Geschichte. Erst dieses Buch lässt mich meine bislang negative Einstellung zu japanischer Literatur revidieren. Schade, dass es Buch so kurz ist.

Veröffentlicht am 02.02.2019

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Die Leben danach
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Geistergeschichte, Liebesgeschichte, Zeitreise – der Autor bietet einen interessanten Mischmasch für viele Leser. Insbesondere spricht er aber all diejenigen an, die sich gerne mit der Thematik eines Lebens ...

Geistergeschichte, Liebesgeschichte, Zeitreise – der Autor bietet einen interessanten Mischmasch für viele Leser. Insbesondere spricht er aber all diejenigen an, die sich gerne mit der Thematik eines Lebens nach dem Tod beschäftigen.
Protagonist ist der 33jährige Jim, der nach einem Herzstillstand für einige Minuten klinisch tot ist. Der Umstand, dass er keine Erinnerung an diese Phase hat – kein Licht am Ende des Tunnels, keine Engel, kein jüngstes Gericht – lässt ihn für die eigene Sterblichkeit sehr sensibel werden. Der Tod scheint überall zu sein. Es gibt einen Geist, der ein Restaurant heimsucht, dessen frühere Bewohner auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind. Jim lebt sogar in einer Stadt, in die zahlreiche Leute im Rentenalter ziehen. Jim und seine Highschool-Liebe Annie machen sich daran, Beweise für ein Leben nach dem Tod zu suchen. Dabei stoßen sie auf die Physikerin Sally, die glaubt, dass die Menschen nur zu 93 % in dieser Welt existieren, und die eine Maschine geschaffen hat, die den Lebenden erlaubt, Kontakt mit den Toten aufzunehmen. Aber werden Jim und Annie Antworten finden oder noch unsicherer als vorher zurückgelassen?
Die wissenschaftlichen und fiktionalen Aspekte der Geschichte sind faszinierend und regen zum Nachdenken an, die Teile über Liebe und Ehe sind sehr berührend. Gefallen haben mir auch die ironischen Überlegungen bezüglich Kirche und Spiritualität. Eingefügte und vom Druck her abgesetzte Kapitel über die Bewohner des Spukhauses versetzen einen in Grauen.
Wer über die großen Dinge des Lebens nachdenken mag und sich auf das abstrakte Thema einlässt, wird dieses Buch mögen.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Ein distanziertes Buch über die Liebe

Die zehn Lieben des Nishino
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In dem Buch erzählen uns zehn Frauen von ihrer Liebesbeziehung zu Nishino. Es sind völlig unterschiedliche Frauen – Hausfrau, Chefin, Nachbarin, Kollegin, sogar völlig Fremde. Aus der Perspektive dieser ...

In dem Buch erzählen uns zehn Frauen von ihrer Liebesbeziehung zu Nishino. Es sind völlig unterschiedliche Frauen – Hausfrau, Chefin, Nachbarin, Kollegin, sogar völlig Fremde. Aus der Perspektive dieser Frauen - und nur durch sie - lernen wir Nishino als einen rätselhaften, attraktiven, beliebten Liebhaber kennen. Alle Frauen sind stolz, Nishino gekannt und geliebt zu haben. Dieser selbst ist stets gewiss, dass alles enden würde, weshalb keine der Frauen zögert, ihn aufzugeben.
Für mich handelt es sich um den typischen Roman einer japanischen Autorin, von denen ich gerade in letzter Zeit mehrfach welche gelesen habe. Der Erzählstil bleibt zu distanziert und kalt, was so gar nicht zum Thema Liebe passt, um das es doch geht. Mit allen Romanfiguren bin ich nicht so recht warm geworden.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Perfekt für Leser(innen) von Groschenromanen

Schund und Sühne
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Es gibt sie noch, die guten alten Groschenromane, die nicht unbedingt jedermanns Sache sind, weil ihnen ja doch eher der Ruf einer Schundlektüre anhaftet. Wer sie aber liest oder sich einmal mit diesem ...

Es gibt sie noch, die guten alten Groschenromane, die nicht unbedingt jedermanns Sache sind, weil ihnen ja doch eher der Ruf einer Schundlektüre anhaftet. Wer sie aber liest oder sich einmal mit diesem Genre vertraut machen will, sollte das vorliegende Buch lesen Es stammt aus der Feder einer Autorin, die aufgrund ihres beruflichen Werdeganges geradezu prädestiniert ist, eine Geschichte zu schreiben, die in der Welt des Adels spielt und in der eine Protagonistin (Kat) Fürstenhefte verfasst. Anna Basener finanzierte sich nämlich ihr Studium durch das Schreiben von Heftromanen für den Bastei Verlag. Die „Zeit“ nannte sie einmal „die erfolgreichste Groschenromanautorin Deutschlands“.
Ob Anna Basener vielleicht identisch ist mit oben erwähnter Kat, also eine autobiographische Geschichte geschrieben hat, weiß ich nicht. Auf jeden Fall haben beide viele Gemeinsamkeiten. Die Kat in der Geschichte ist ebenfalls eine namhafte Autorin von Fürstenheften und begibt sich anlässlich eines Literaturstipendiums auf das Schloss der Fürstenfamilie von Schell. Dort nimmt sie eine Zeitlang am Leben der Familie teil, zu der der auf Weitervererbung seines Besitzes bedachte Fürst Fredi, seine an Depressionen leidende Gemahlin Follie, ihr schwuler Sohn Valu mit Liebe zum Familienbesitz, ihre von potentiellen Ehemänner verschmähte Tochter Seph sowie die etwas exzentrische Schwägerin Gratzi gehören. Zu Gast ist ferner noch der auf biologische Rosenzucht fixierte Moritz. Obwohl Kat mehrere Wochen lang das Leben der von und zus in Natura miterlebt, hat sie doch eine Schreibsperre, begründet in ihrer unglücklichen Liebe zu einem ihrer Förderer und einigen tragischen Erlebnissen. Am Ende ist jedenfalls nichts mehr so, wie es vorher war.
Durch die Lektüre habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Einblick in die Welt des Adels erhält man ja sonst nur durch einschlägige Frauenzeitschriften, die beim Friseur oder im Wartezimmer des Arztes ausliegen. So jedenfalls durfte man einmal selbst für eine Weile teilhaben am Leben der „Blaublütigen“. Es tun sich sogar Ähnlichkeiten mit lebenden Aristokraten auf. Mein Resultat am Ende ist, dass ich um nichts in der Welt mein bescheidenes Leben gegen ein solches hinter Schlossmauern eintauschen möchte. Denn dort glänzt entgegen dem Anschein doch nicht alles. Wie heißt es passend: Adel verpflichtet. Vor allem, wenn einzelne Adlige von jahrhundertealten Gepflogenheiten und Traditionen abweichen wollen, werden sie gedeckelt. Das Buch liest sich schnell und flüssig. Es enthält allerdings einige Passagen, die für mich verzichtbar sind, weil ich derart nicht lesen möchte (mehrere detailreiche Sexszenen und die blutrünstige Beschreibung einer Hirschjagd).
Alles in allem ein von mir im Mittelfeld angesiedeltes Buch.

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Veröffentlicht am 27.01.2019

Interessante Geschichte über eine Schauspielerinnendynastie

Die Frau im hellblauen Kleid
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Die Autorin ist – vor allem österreichischen Lesern – bekannt für ihre Krimis um die Journalistin Sarah Pauli. Hier nun hat sie sich an einem Roman versucht, der ihr ebenfalls gelungen ist.
Es geht um ...

Die Autorin ist – vor allem österreichischen Lesern – bekannt für ihre Krimis um die Journalistin Sarah Pauli. Hier nun hat sie sich an einem Roman versucht, der ihr ebenfalls gelungen ist.
Es geht um vier Generationen von Schauspielerinnen – Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Enkelin. Erstere hat Ende der 20er Jahre in Wien am mit der Schauspielerei angefangen und sich gegen alle Widerstände aus der eigenen Familie und der Politik des immer einflussreicher werdenden Nationalsozialismus durchgesetzt. Ihre Tochter und deren Nachfahrinnen sind in ihre Fußstapfen getreten, zuletzt die Urenkelin im Jahr 2014. Die Mutter schreibt ein Drehbuch zu einer Kinofilmdokumentation über ihre Familie, zu dem die Großmutter mit eigenen Erinnerungen beiträgt. Dabei kommen eine Menge Geheimnisse über die Frauen zu Tage.
Das Buch fand ich recht lesenswert. Es hat mir so viele neue Kenntnisse aus der Theater- und Filmwelt vermittelt. So manches Klischee wurde bedient. Sehr interessant war der geschichtliche Hintergrund im Dritten Reich, vor dem die Geschichte spielt. Die Protagonistinnen wurden allerdings zu positiv dargestellt.
Eine nette, unterhaltende Lektüre.