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Veröffentlicht am 02.04.2026

Antisemitismus für Jugendliche erklärt

Let's talk about - Antisemitismus. Dein Eintragebuch
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Marie-Sophie Adeoso hat in Zusammenarbeit mit Nathalie Friedlender und der Bildungsstätte Anne Frank dieses immer noch heikle Thema aufgegriffen und versucht, für größere Kinder und Jugendliche von der ...

Marie-Sophie Adeoso hat in Zusammenarbeit mit Nathalie Friedlender und der Bildungsstätte Anne Frank dieses immer noch heikle Thema aufgegriffen und versucht, für größere Kinder und Jugendliche von der Pike auf zu erklären. Das Eintragebuch, das auch Platz für eigene Gedanken lässt, ist in vier große Blockthemen aufgeteilt: Judentum, Antisemitismus, Shoah und Israel und Antisemitismus.
Im ersten Abschnitt wird grundsätzliches zum Judentum erklärt: Von der Entstehung des Judentums bis zum jüdischen Alltag. Hier kommen auch Mitglieder jüdischer Gemeinden zu Wort. Im zweiten Block zum Antisemitismus geht es vorab um Diskriminierung, Vorurteile und Mobbing an sich, bevor es direkt um Antisemitismus und seine zahlreichen Facetten geht. Der dritte Block beschäftigt sich mit der Shoah: Das große Unheil, welches das Judentum ertragen musste, aber auch der Hinweis darauf, dass grundsätzlich anders Denkende, Süchtige, Homosexuelle oder auch Menschen mit anderer Hautfarbe oder einer Behinderung zur Zeit des Zweiten Weltkrieges eine Schreckenszeit durchmachen mussten, wenn sie diese denn überhaupt überlebten. Natürlich darf auch Anne Frank in dem Rückblick nicht fehlen, ebenso wenig wie ein zeitlicher Abriss über die schlimmen Geschehnisse zu der Zeit.
Der vierte Block berichtet darüber, wie Israel an sich entstanden ist und was zur heutigen Zeit im Staat Israel passiert und was es mit dem Nahost-Konflikt auf sich hat. Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, wo man sich mehr Informationen zum Thema holen kann.
Mich hat es zum Beispiel sehr überrascht, dass z. B. auf die Wörter "mauscheln" und "schachern" eingegangen wird. Das Wörter antisemitisch sein können, war mir persönlich bislang noch nicht klar. Ich habe sie niemals mit dem Judentum in Verbindung gebracht. Und mehr oder weniger aus diesem Grund gebe ich dem Buch nur vier Sterne: Meiner Meinung nach reichen Hinweise darauf. Aber man möchte gefühlt alles auslöschen, und zwar mit erhobenem Finger. Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Vorurteile gab es - leider - schon immer, und wir alle wünschen uns wohl eine Welt ohne. Ob man die jedoch mit dem erhobenen Zeigefinger erlangt, wage ich zu bezweifeln. Das Buch an sich ist jedoch ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Eine schonungslose Erzählung zur unterschätzten Droge Alkohol

Gin Boom
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Das Cover deutet schon an, in welche Richtung es geht: Alkoholexzesse. Verena Titze hat einen Roman geschaffen, der viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Es geht um Alkohol, der Droge, die meines Erachtens ...

Das Cover deutet schon an, in welche Richtung es geht: Alkoholexzesse. Verena Titze hat einen Roman geschaffen, der viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte. Es geht um Alkohol, der Droge, die meines Erachtens nach immer noch absolut unterschätzt wird. Im Gegenteil: Wenn man ein Glas ablehnt, erhält man zumeist doofe Sprüche.
Aber kommen wir zum Buch: "Gin Boom" erzählt Helenas Geschichte. Helena ist in der PR-Abteilung eines Fernsehsenders tätig. Sie beherrscht ihren Job, allerdings macht sie ihn scheinbar zum ersten Mal nüchtern. Sie ist nach einem Alkoholentzug zurück am Arbeitsplatz und fühlt sich schon bald überfordert: Leistungsdruck im Job, Aftershowpartys, die ohne Alkohol und Drogen scheinbar nicht funktionieren, die Sucht, die immer wieder präsent ist. Es gibt diverse, wirklich gute Perspektivwechsel in dem Roman - die Darstellung der Eltern, die gerne vertuschen, was mit ihrer Tochter passiert, Arbeitskollegen und ihre Wahrnehmung Helenas, auch die besorgte Sicht ihrer Freundin Moni, die ihr eigentlich Halt geben möchte, aber damit total überfordert ist. Und immer wieder dazwischen: Der Alkohol. Der Spritzer nach Feierabend, der Wein zum Entspannen, der Gin Tonic nach dem Sex. Ohne geht es in dieser Gesellschaft nicht - zumindest ist es kaum denkbar. Chapeau für diese gewagte und herrlich brutale Erzählung, die man dank des großartigen Schreibstils einfach weglesen kann! Eine absolute Leseempfehlung nicht nur für Menschen, die Alkoholiker in ihrem Umfeld haben oder selbst mehr mit Alkohol zu tun haben, als ihnen gut tut, sondern auch für diejenigen, die der Meinung sind, Alkohol wäre keine Droge und bestimmt nicht das Problem.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Gedanken über das Leben an sich

ZIMMER 706
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Das Cover und der Klappentext haben mich mit etwas anderen Erwartungen an das Buch ran gehen lassen, weswegen ich das Gelesene erst einmal sacken lassen musste, um meine Bewertung abzugeben.
Ellie Levenson ...

Das Cover und der Klappentext haben mich mit etwas anderen Erwartungen an das Buch ran gehen lassen, weswegen ich das Gelesene erst einmal sacken lassen musste, um meine Bewertung abzugeben.
Ellie Levenson beginnt das Buch stark. Kate ist glücklich mit Vic verheiratet, hat zwei Kinder, steht im Berufsleben und hat eine Affäre. Beim anstehenden Treffen mit ihrem Liebhaber James gerät alles außer Kontrolle. Das Hotel wird von Terroristen besetzt, niemand kann das Hotel verlassen oder betreten. Für Kate und James beginnt eine lange Zeit, in der Kate ihr Leben reflektiert. In Gedanken durchspielt sie verschiedene Szenen und Passagen ihres Lebens, erinnert sich, überlegt, was sie ihren Kindern und ihrem Mann hinterlassen will, falls ihr etwas zustößt und sie das Hotel nicht lebendig verlassen kann. Ellie Levenson legt brillant die verschiedenen, teils kuriosen Gedanken dar, spielt Varianten durch, lässt tief in die Person Kate blicken. Sie schreibt in einer Art und Weise, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.
Allerdings wurden meine Erwartungen etwas enttäuscht; aber wie gesagt durch eigene Erwartungen, die ich an das Buch hatte. Ich hatte gehofft auf eine Darstellung sowohl von Kates als auch von James' Gefühlsleben, vielleicht sogar Passagen von Vic. Ich bin davon ausgegangen, dass es mehr darum geht, wie gereizt oder gespannt das Verhältnis der beiden durch die Extremsituation im Hotelzimmer sein wird. Ich hatte erwartet, mehr von der Geiselnahme und den Terroristen mitzubekommen. Der Roman spielt jedoch ausschließlich Kates Gedanken durch, ihre Sorgen, ihre Wünsche, ihre Anliegen. Das ist wirklich gut gelungen - ich hätte hier eigentlich 3,5 Sterne vergeben, runde aber auf, weil die Autorin ja nichts für meine Erwartungen kann.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Reiselust mal anders

Wer hat unsere Lok geklaut?
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Das Cover zeigt, schön gestaltet, diverse Sehnsuchtsorte und Tiere aus fernen Ländern, die genau das bewirken, was der Buchinhalt anschließend vermittelt. Mit Fernreisen, die in Länder führen, die nicht ...

Das Cover zeigt, schön gestaltet, diverse Sehnsuchtsorte und Tiere aus fernen Ländern, die genau das bewirken, was der Buchinhalt anschließend vermittelt. Mit Fernreisen, die in Länder führen, die nicht die typischen Reiseziele darstellen. Harald Braun hat sich mit der Firmengeschichte von "Lernidee" befasst.
Angefangen mit der kurzgefassten Biografie von Hans Engberding, der 1986 die schräge Idee hatte, Sprachkurse vor Ort durchzuführen. Und zwar nicht an irgendeinem Ort, sondern in der transsibirischen Eisenbahn. Wir gehen mit auf die Reise, die Hans Engberding begonnen und ausgeweitet hat. Klein fing das Unternehmen "Lernidee" an und wurde immer größer, die Ziele immer weiter, die Herausforderungen immer krasser. Doch Engberding ließ sich von seinen Zielen und Ideen nicht abbringen. Sein Motto war es quasi, auf den Reisen zu improvisieren, wenn es mal zu einer Panne kam - und die gab es häufiger. Schließlich wollte man das Unmögliche möglich machen.
Später kamen Fahrradtouren mit auf den Reiseplan, das Unternehmen wuchs, gründete Büros in vielen Ländern der Welt, schloss sie teilweise auch wieder.
Ob Flussfahrten auf eigens gebauten Booten, neue Strecken von Zügen oder später auch Erkundungen der Galapagosinseln - "Lernidee" macht fast alles möglich. In diesem Buch kommen auch Reiseleiter, Angestellte der Firma als auch Reisepartner aus anderen Ländern zu Wort, erzählen ihre Geschichten. Besonders gefallen hat mir die Rubrik "Auch das noch", die es am Ende eines jeden Kapitels gab und besonders kuriose oder ausgefallene Erlebnisse mit dem Unternehmen erzählte. Ein kurzweiliges Buch, das außer dem zeitlichen Ablauf keinen wirklichen roten Faden hat, was es aber durch die spannenden Geschichten wieder wettmacht.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Großartige Ausarbeitung der Themen Krieg, Vertreibung, Frieden und Konfliktschlichtung

Let's talk about - Frieden und Kriege. Dein Eintragebuch
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Die Buchreihe "Let's talk about" wird vom Ravensburger Verlag herausgegeben und widmet sich schwierigen Themen, die für Kinder und Jugendliche möglichst einfach erklärt werden - ohne zu beschönigen. Cora ...

Die Buchreihe "Let's talk about" wird vom Ravensburger Verlag herausgegeben und widmet sich schwierigen Themen, die für Kinder und Jugendliche möglichst einfach erklärt werden - ohne zu beschönigen. Cora Bieß hat hier in Zusammenarbeit mit der Berghof Foundation ein wundervolles Buch geschaffen, das etwas älteren Schulkindern und Jugendlichen die Hintergründe zu Krieg, dessen Folgen aber auch zu Friedensbemühungen erklärt: "Let's talk about - Frieden und Kriege".
Das Buch ist großartig aufgebaut. Es beginnt mit den Hintergründen zum Krieg: Welche Gründe gibt es eigentlich für Kriege, und warum gibt es Menschen, die den Krieg unterstützen? Welche Art von Kriege gibt es überhaupt, und was hat die Rüstungspolitik damit zu tun?
Wieso gibt es so viele Flüchtlinge aus Kriegsgebieten? Warum fliehen sie, und was tun die Welt und Hilfsorganisationen überhaupt, um bei Vertreibung, Flucht und vor allem bei Krieg zu helfen? Was haben Seenotrettungen und Schleuser oder Schlepper mit der Flucht zu tun? Wie geht es weiter für geflüchtete Menschen? Was bedeutet Migration, und was ist ein Trauma?
Die zweite Hälfte des Buches handelt von etwas sehr Positiven: Nämlich vom Frieden - was ein jeder dazu beitragen kann und was Frieden bedeutet. Unser eigenes Konfliktverhalten wird hinterfragt und unter die Lupe genommen. Sehen wir bei Konflikten nur unsere Seite, oder können wir auch mal die Perspektive wechseln und uns in die andere Seite hineinversetzen?
Das Besondere an diesem Buch sind die Faktenkästen, die Kurzgeschichten von Betroffenen als auch die Eintragungsmöglichkeiten für die eigenen Gedanken. Toll finde ich persönlich auch, dass dazu aufgefordert wird, eigene Recherchen zu dem Thema zu machen und Tipps gegeben werden, wohin man sich u. a. auch wenden kann, wenn man Angst empfindet und dass es wichtig ist, darüber zu sprechen.
Das Buch ist relativ farbenfroh gehalten, ohne etwas schön zu malen, und führt auch farbenweise durch die verschiedenen Abschnitte. Es gibt Zeichnungen und Fotos dazu, die jedoch eher positiv gehalten sind. Rundum ein tolles Buch, das durchaus auch für Erwachsene geeignet ist, die mal eine kleine Auffrischung benötigen, warum es Flucht gibt und dass die wenigsten Menschen aus Spaß an der Freude fliehen, oder auch einfach, um den eigenen Kindern zu erklären, was es damit auf sich hat.

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