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Veröffentlicht am 19.01.2020

Auf der Suche nach Thorn und der "letzten Wahrheit"

Die Spiegelreisende
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Seit über zwei Jahren hat Ophelia nach seiner Flucht nicht ein Sterbenswörtchen von Thorn gehört. Hilflos, machtlos verbringt sie ihre Tage auf Anima und Frust und Verzweiflung wachsen in ihr, bis ein ...

Seit über zwei Jahren hat Ophelia nach seiner Flucht nicht ein Sterbenswörtchen von Thorn gehört. Hilflos, machtlos verbringt sie ihre Tage auf Anima und Frust und Verzweiflung wachsen in ihr, bis ein Hinweis Sie auf die Arche Babel führt. Auf Babel folgen die Bürger stur und naiv den Ihnen vorgegebenen Regeln. Es herrscht Zensur und Verstöße gegen die vorgegebene Ordnung werden hart bestraft. Ophelia begibt sich dort als Lehrling auf die Suche nach Informationen. Doch auch auf dieser Arche ist es nicht anders, als überall. Lügen, Intrigen und Geheimnisse wohin man nur sieht. Ophelia gelingt es sich, auf der Suche nach der einen Wahrheit und Thorn, vorzüglich in all dies zu verstricken.

Band 3 der Spiegelreisenden-Sage war für mich ein absolutes Wohlfühlbuch. Direkt die ersten Sätze fühlten sich an, wie nach Hause zu kommen. Trotz des enormen Zeitsprunges ist man sofort wieder Teil der Geschichte, was ich gerne dem Rückblick auf Band 2 zuschreiben würde. Gerade wenn ein paar Monate oder länger zwischen den Bänden einer Reihe liegen, finde ich einen Rückblick doch sehr hilfreich.
Selten gelang es mir so gut und schnell durch eine Geschichte zu fliegen. Der Schreibstil der Autorin sorgt für diese Wohlfühlatmosphäre, die in einen trotz Wendungen und Überraschungen in der Story, nicht das Gefühl von Anstrengung beim Lesen aufkommen lässt. Der Geschichte kann man einfach sehr gut folgen und Seite für Seite verschlingen, ohne große Pausen zu benötigen.

Gefühlt ist die Geschichte ein bisschen reifer geworden. Das Skurrile, was ich an der Reihe so Lieben gelernt habe, wurde weniger, was ich dem Schauplatz der Geschehnisse und den dort geltenden Regeln und Vorschriften zuordnen würde. Auf Anima und am Pol war alles viel lockerer und schrulliger. Babel gibt der Story eine ganz andere Note, die dazu führt, dass wir eine andere Ophelia kennenlernen. Ich für meinen Teil konnte eine andere Seite entdecken, hatte aber nicht das Gefühl, das Ophelia und auch die anderen teils jungen Figuren über den Zeitsprung der zwei Jahre sonderlich gereift wären. Das gefiel mir aber auch gut, denn ich wollte nichts in der Charakterreifung meiner Lieblingsfiguren verpassen.

Im Vergleich zu den ersten beiden Bänden, sticht "Das Gedächtnis von Babel" insofern hervor, dass wir eine Reihe neuer Figuren kennenlernen und ein Großteil der gut bekannten Protagonisten nur ganz am Rand ihre Rolle spielen. Das war für mich etwas schade, da ich z.B. Reinicke wirklich lieben gelernt habe. Ich hoffe, dass wir im vierten und letzten Band wieder auf mehr der altgeliebten Figuren treffen und sich die Wege der Protagonisten wieder kreuzen.

An Spannung mangelte es dem Buch an keiner Stelle. Wieder und wieder drohten brenzlige Situationen, Geheimnisse kamen ans Licht und ganz besonders die Suche nach Thorn gab mir das Gefühl nicht blinzeln zu dürfen, um bloß nichts zu verpassen. Aufgrund des abrupten Endes musste ich arg schlucken. Wie kann man uns mit so einem Cliffhänger zurücklassen?

Ich für meinen Teil freue mich auf den finalen Showdown in Band 4 und kann es kaum erwarten, dass der Mai kommt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2020

Ein würdiges Finale

Das Gold der Krähen
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Nachdem spektukulären Einbruch ins Eistribunal und der Befreiung des Sohns des Shu Wisschenschaftlers, kam es beim Austausch von Gefangenem und Belohnung zu fatalen Zwischenfällen.
Kaz Brekker würde alles ...

Nachdem spektukulären Einbruch ins Eistribunal und der Befreiung des Sohns des Shu Wisschenschaftlers, kam es beim Austausch von Gefangenem und Belohnung zu fatalen Zwischenfällen.
Kaz Brekker würde alles dafür geben, sein Phantom zurückzubekommen, die Belohnung zu kassieren und das Leben und den Ruf seiner Gegner zu zerstören.
Und es wäre doch gelacht, wenn ein gewiefter Schurke wie Kaz keinen Plan hätte um ihn und seine Krähen für die Mühen zu belohnen.

Ich würde Leigh Bardugo glatt unterstellen, im ersten Leben kriminell gewesen zu sein. Wie kann man nur eine Figur wie Kaz Brekker erfinden, ohne je getötet, geraubt und Leben ruiniert zu haben? Nach Band eins war meine persönliche Erwartungshaltung an die Fortsetzung hoch. Kaum vorstellbar, dass noch mehr Um-die-Ecke-Denken, Ränke schmieden, Geheimnisse und Bluffs in einem Buch stecken können. Ich wurde immer wieder aufs Neue überrascht, konnte wenig vom Verlauf der Handlung auch nur ansatzweise erahnen und hätte mit dem Showdown absolut nicht gerechnet.
Mir gefiel total gut, dass wirklich alle Fäden zusammenliefen, keine Logiklücken blieben und rückblickent auch einfach alles zusammenpasste.
Die Beziehungen zwischen den einzelnen Crewmitgliedern wurden intensiver, Zusammenhänge und Vorgeschichten erklärt, Schwächen deutlicher und Emotionen stärker. Alle Protagonisten konnten eine extreme Weiterentwicklung verzeichnen, wurden nahbar und glaubhafter. Ich bin noch immer verblüfft über das dateilreichtum der Charaktere und das exakte Zusammenspiel der Figuren.
Hätte auch nur ein Crewmitglied gefehlt, wäre die ganze Geschichte unrund geworden. Jede Krähe brachte Stärken und Schwächen ein, hatte sein oder ihr Päckchen zu tragen, seine Herkunft und Geschichte und am Ende wurde eine richtige Familie aus ihnen. Ich hatte meine Probleme damit, das Buch aus der Hand zu legen. Durch die verschiedenen Sichtweisen und Blickwinkel fügten sich details zusammen, die sonst viel zu offensichtlich gewesen wären. Ein Wiedersehen mit altbekannten Grisha-Figuren war großartig und passend. Ich bin bis auf eine winzige Kleinigkeit voll des Lobes für dieses Buch. Das Auftauchen von gewissen halbmechanischen Kriegern hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Ansonsten ein Meisterwerk des Genres und eine ganz klare Weiterempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.01.2020

Ein Muss für alle Grishafans

Das Lied der Krähen
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Willkommen zurück im Grishaverse.
Wo sechs Außenseiter das schier Unmögliche wagen.

Mit seiner bunt zusammengewürfelten Mannschaft macht sich Meisterdieb Kaz Brekker auf die Reise einen Gefangenen aus ...

Willkommen zurück im Grishaverse.
Wo sechs Außenseiter das schier Unmögliche wagen.

Mit seiner bunt zusammengewürfelten Mannschaft macht sich Meisterdieb Kaz Brekker auf die Reise einen Gefangenen aus dem bestgesichertsten Gefängnis der Welt zu befreien.
Gier, der Wunsch nach Anerkennung und Rache sind dabei die Motivation seiner Crew und Reichtum und Ehre sollen die Belohnung für dieses wagemutige Abenteuer sein.
Doch selbst das gewiefteste Schlitzohr ist nicht auf alles vorbereitet und die Asse im Ärmel des besten Trickbetrügers sind irgendwann alle verbraucht.

Ich bin verliebt in Ketterdam. Verliebt in die Crew und verliebt in diese Story. Man sagt ja oft, aller Anfang ist schwer und so brauchte ich eine Weile, um in die Geschichte zu finden. Aber dann, konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Leigh Bardugo hat es geschafft eine Geschichte zu erschaffen, die den Zauber der Grisha-Trilogie aufnimmt, aber doch so ganz anders daherkommt. Packend und wendungsreich verschleppt sie uns ins holländisch anmutende Ketterdam, lässt uns in die finsteren Ecken des Barrels abtauchen, nimmt uns mit auf hohe See und in eine Festung, die ihresgleichen sucht. Aus den wechselnden Sichtweisen der Protagonisten erzählt, nimmt sie uns mit in die Gefühlswelt der Crew, zeigt uns deren Vergangenheit, deren Geschichten und macht sie somit greifbar und nahbar, weckt unser Mitgefühl oder unser Misstrauen, um dann doch wieder alles über den Haufen zu werfen.
Stimmungswechsel und Rückblenden sorgen für großartige Unterhaltung, die immer wieder unerwartete Wendungen mit sich bringt. Entertainment pur.

Ein Muss für alle Grishafans und die, die es noch werden wollen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2019

Sag was! Aber was? - Eine kleine Anleitung

Sag was!
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Rechtspopulistisch oder doch nur konservativ? Wo hört das eine auf? Wo fängt das andere an? Wie gehe ich damit um? Und wie sage ich was?

Dieser kleine, aber feine Ratgeber geht den Dingen auf den Grund. ...

Rechtspopulistisch oder doch nur konservativ? Wo hört das eine auf? Wo fängt das andere an? Wie gehe ich damit um? Und wie sage ich was?

Dieser kleine, aber feine Ratgeber geht den Dingen auf den Grund. Es wird klar abgegrenzt, was rechtspopulistisch ist und was nicht. Durch Tipps und Taktiken erhält man Anleitung zum höflichen argumentieren gegen rechts. Muster werden analysiert um aufgebrochen zu werden, Sicherheit im Umgang mit bestimmten Situationen wird vermittelt und man hat einen kleinen Leitfaden an der Hand, der weiß Gott kein Patentrezept für alle Diskussionen bietet, aber auf jeden Fall ein Anstoß ist, den Mund auf zu machen und etwas zu sagen, sich zu positionieren und gegen Hetze, Rassismus und Hass zu argumentieren.

Es ist heute wie damals extrem wichtig etwas zu sagen. Sich abzugrenzen. Sich zu positionieren. Wir werden damit nicht die extremen Populisten überzeugen können, aber wir können die Leute im Alltag in unserem Umfeld vielleicht dazu anregen über Aussagen nachzudenken, Gesagtes zu hinterfragen oder Meinungen zu überdenken.

Veröffentlicht am 04.12.2019

Ein Buch das aufklärt, informiert und berührt

28 Tage lang
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Um das Überleben Ihrer Familie zu sichern, schmuggelt Mira im Warschauer Ghetto Lebensmittel. Als das Ghetto von den Deutschen geräumt wird, schließt Mira sich dem Widerstand an.
Zusammen mit ihren Kameraden ...

Um das Überleben Ihrer Familie zu sichern, schmuggelt Mira im Warschauer Ghetto Lebensmittel. Als das Ghetto von den Deutschen geräumt wird, schließt Mira sich dem Widerstand an.
Zusammen mit ihren Kameraden trotzt sie den SS-Leuten länger als vermutet - 28 Tage lang, in denen Sie Verrat, Trauer, Liebe, Hoffnung und Verlust erlebt. 28 Tage - um ein ganzes Leben zu leben.

Dieses Buch ist nichts für zart besaitete Leser. Realistisch schildet David Safier anhand fiktionaler Charaktere die schrecklichen Geschehnisse 1943 im Warschauer Ghetto. Nichts wird beschönigt, nichts verschwiegen oder geblümt dargestellt. Man liest in eine Romanhandlung verpackte Tatsachenberichte, die die Grausamkeit und Untaten der Nazis wiedergeben und hoffentlich in der heutigen Zeit Augen öffnen. Durch die fortlaufende Handlung verschmelzen die Berichte zu einer Geschichte. Als Leser sympathisiere ich mit Mira, denn mir scheint, es ist tatsächlich ihre Geschichte. Es wurde ein Thema aufgegriffen, vor dem sich viele scheuen, da Augenzeugenberichte den Leuten zu echt sind. Durch die Mischung aus Realität und Fiktion und die Spannung eines Romans, bleibt man trotz der teils abschreckenden Szenen am Ball.
Für meinen Geschmack hat der Autor ein wichtiges und sensibles Thema perfekt verpackt, um sie gerade jungen Lesern näher zu bringen. Die Geschichte regt zum Zweifeln, nachdenken und lernen an. Sie klärt auf und bewegt. Mit der Person von Mira bekommen die Geschehnisse von damals für mich ein Gesicht. Mit dem Wissen, dass die Story auf Tatsachen beruht, schleicht sich die Gänsehaut immer wieder auf meine Arme.

28 Tage lang hat mich unterhalten, mich aufgeklärt und informiert, aber auch schockiert und berührt. Alles, was ein gutes Buch erreichen sollte, wurde erreicht.