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Veröffentlicht am 19.08.2019

Toller Vorleser und gelungene Figuren überdecken nicht alle Schwächen

Vespasian: Das Blut des Bruders
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Buchmeinung zu Robert Fabbri – Vespasian: Das Blut des Bruders

„Vespasian: Das Blut des Bruders“ ist ein Historischer Roman von Robert Fabbri, der 2019 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Anja ...

Buchmeinung zu Robert Fabbri – Vespasian: Das Blut des Bruders

„Vespasian: Das Blut des Bruders“ ist ein Historischer Roman von Robert Fabbri, der 2019 bei Rowohlt Taschenbuch in der Übersetzung von Anja Schünemann erschienen ist. Der Titel der englischen Originalausgabe lautet „Masters of Rome“ und ist 2014 erschienen. Dies ist der fünfte Band um Vespasian. Das ungekürzte Hörbuch ist 2019 im Audiobuch Verlag erschienen und wird von Erich Wittenberg vorgetragen.

Zum Autor:
Robert Fabbri, geboren 1961, lebt in London und Berlin. Er arbeitete nach seinem Studium an der University of London 25 Jahre lang als Regieassistent und war an so unterschiedlichen Filmen beteiligt wie «Die Stunde der Patrioten», «Hellraiser», «Hornblower» und «Billy Elliot – I Will Dance». Aus Leidenschaft für antike Geschichte bemalte er 3 500 mazedonische, thrakische, galatische, römische und viele andere Zinnsoldaten – und begann schließlich zu schreiben. Mit seiner epischen historischen Romanserie «Vespasian» über das Leben des römischen Kaisers wurde Robert Fabbri in Großbritannien Bestsellerautor.

Klappentext:
45 A. D.: Vespasians Bruder Sabinus wurde von Druiden gefangen genommen, den gefürchteten Dienern der Geister und Dämonen Britanniens. Vespasian muss Sabinus vor dem Opfertod retten – und zugleich den Kampf gegen seinen alten Feind Caratacus fortsetzen, der die Eroberung der Insel durch List und Niedertracht verhindert.
Nachrichten aus Rom verheißen nichts Gutes: Am wenigsten Kontrolle über das Reich hat der unbeholfene Kaiser Claudius selbst, der die Menge durch blutrünstige Spiele bei Laune hält. Seine unersättliche Gemahlin Messalina weiß ihn durch ihre Einflüsterungen zu lenken. Claudiusʼ drei Freigelassene ringen um die Macht, und kaum aus Britannien zurückgekehrt, wird Vespasian in ihre Intrigen hineingezogen …

Meine Meinung:
In dieser Reihe wird viel gekämpft und die Beschreibung dieser Szenen ist leider nicht die Stärke des Autors. Besser gefallen mir die Abschnitte, in denen in Rom intrigiert wird. Vespasian ist sympathisch, auch wenn er sich oft opportunistisch verhält. Jederzeit wird sein Wille deutlich, sein Schicksal bestmöglich zu meistern. Auch ist eine klare Fortentwicklung dieser Figur erkennbar. Musste ihm früher von Magnus oder Gaius erklärt werden, wie der Hase läuft, so ist es nun er, der es den anderen erklärt. Aus dem Idealisten ist ein Machtmensch geworden, der auch Freunde opfert, wenn es denn sein muss. Aber auch in diesen Passagen missfällt mir die sich vielfach wiederholende Beschreibung des unappetitlichen Auftretens des Kaisers. Gelungen ist vielfach die Figurenzeichnung auch der Nebenfiguren. Neben Vespasian tauchen eine Reihe interessanter Figuren auf und auch der Plot bietet einige Überraschungen.

Sprecher:
Erich Wittenberg überzeugt und ist die Stärke des Hörbuchs.

Fazit:
Ein Buch mit Stärken in der Figurenzeichnung, aber auch mit deutlichen Schwächen im Schreibstil. Der Vorleser ist eine Klasse für sich, aber die Negativpunkte fallen diesmal deutlich auf. So gibt es diesmal knappe drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).

Veröffentlicht am 19.08.2019

Eher Sittengemälde als Kriminalroman

Der Tod fährt Riesenrad
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Buchmeinung zu Edith Kneifl – Der Tod fährt Riesenrad

„Der Tod fährt Riesenrad“ ist ein historischer Kriminalroman von Edith Kneifl, der 2012 bei Haymon erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Serie ...

Buchmeinung zu Edith Kneifl – Der Tod fährt Riesenrad

„Der Tod fährt Riesenrad“ ist ein historischer Kriminalroman von Edith Kneifl, der 2012 bei Haymon erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Serie um den Wiener Privatdetektiv Gustav von Karoly.

Zum Autor:
Edith Kneifl, geboren in Wels, lebt und arbeitet als Psychoanalytikerin und freie Schriftstellerin in Wien. Zahlreiche Literaturpreise und -stipendien, erhielt u.a. 1992 als erste Frau den Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres. Übersetzungen in mehrere Sprachen. ROMY 2003 für die Verfilmung des Romans Ende der Vorstellung, Regie Wolfgang Murnberger. 20 Kriminalromane und ca. 50 Kurzgeschichten.

Klappentext:
MORD IM WIENER PRATER!
WIEN UM 1900: Die fünfzehnjährige Leonie ist verschwunden. Alle Indizien deuten darauf hin, dass das Mädchen entführt wurde. Kurz darauf geschieht ein zweites Verbrechen: In einer Gondel des Riesenrades wird ein toter Zwerg entdeckt.
Der Privatdetektiv Gustav von Karoly wird von der besorgten Mutter Leonies mit den Ermittlungen beauftragt. Unterstützung bekommt er von Artisten und Hellseherinnen, Jockeys und Praterstrizzis.
Nur der reiche, tyrannische Großvater Leonies hält nichts von Karolys Bemühungen. Hat er gar etwas mit dem Fall zu tun?

Meine Meinung:
Der Krimiteil dieses Buches hat mich total enttäuscht. Spannung ist kaum zu spüren und meist merkt der Leser wenig von den Bemühungen des Privatdetektivs, den Fall lösen zu wollen. Stattdessen ist es eher ein Sittengemälde Wiens um 1900. In aller Ausführlichkeit erleben wir die Lebensweise und die Gedanken des Ich-Erzählers Gustav von Karoly. In seinem Tun treffen adliger Standesdünkel und abnehmende Bedeutung der adligen Herkunft aufeinander. Er ist gut vernetzt und der Kommissar ist ein alter Bekannter. Gustav von Karoly ist kein besonderer Sympathieträger, aber im Laufe der Geschichte wird es besser. Der Leser erfährt einige prägende Gedanken dieser Zeit und so wird sein Handeln verständlich. Als ihm der Zufall zu Hilfe kommt, greift er beherzt zu.

Fazit:
Der Kriminalfall enttäuschte, aber das Sittengemälde hat mir gefallen. Insgesamt gibt es drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten). Empfehlen kann ich das Buch denen, die an einer atmosphärischen Schilderung jener Zeit interessiert sind.

Veröffentlicht am 17.08.2019

Morbider Charme

Sterbenstörtchen
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Buchmeinung zu Beate Ferchländer – Sterbenstörtchen

„Sterbenstörtchen“ ist ein Kriminalroman von Beate Ferchländer, der 2019 im Emons Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Beate Ferchländer wurde 1961 in ...

Buchmeinung zu Beate Ferchländer – Sterbenstörtchen

„Sterbenstörtchen“ ist ein Kriminalroman von Beate Ferchländer, der 2019 im Emons Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Beate Ferchländer wurde 1961 in Scheibbs, Niederösterreich, geboren. Beruflich verschlug es sie als Lehrerin ins Weinviertel, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und dem Bio-Kater Tofu lebt. 
Geschrieben hat sie seit sie einen Stift halten konnte, mal mehr, mal weniger. "Im Leben gibt es eben oft andere Prioritäten, und das ist auch gut so", sagt die Autorin. Jetzt, wo ihre Kinder außer Haus sind, ist das Schreiben wieder an vorderste Front gerückt.
Ihr großes Vorbild ist Ingrid Noll, auch sie hat erst jenseits der 50 erstmals veröffentlicht. Humor und Spannung sind der Autorin wichtig, das Leben ist ernst genug.

Klappentext:
Süß, köstlich, tödlich
Hanna und ihre Schwestern haben eines gemein: ein schlechtes Händchen in der Wahl ihrer Ehemänner. Doch eine Trennung ist eine mühsame Prozedur. Als ihre sterbenskranke Mutter
ankündigt, nur jenen Töchtern etwas zu vererben, die zum Zeitpunkt ihres Todes ohne Mann Kind, kommt Bewegung in die Sache. Während Hanna noch zögert, die Scheidung einzureichen, stirbt der erste Schwager ...

Meine Meinung:
Die Stärke es Buches ist der heitere Grundton bei einem morbiden Geschehen. Die Geschichte wird aus der Sicht Hannas erzählt, die von Mann und Mutter ausgenutzt wird. Sie ist mit ihrem Leben nicht wirklich zufrieden, aber sie hält den Laden am Laufen. Sie ist auch eine gute Beobachterin und hat zu jeder Person ein paar spitze Bemerkungen, deren Schärfe aber durch den ruhigen Erzählstil im Hintergrund bleibt. Hanna wirkt sympathisch und man leidet mit ihr mit. Während ich dieses Buch las ist mir das Lied „Tauben vergiften im Park“ von Georg Kreisler in den Sinn gekommen, allerdings haben hier Ehemänner Probleme. Immer bleibt die Frage offen, ob es Unfall oder Mord gewesen ist. Die Witwen blühen auf, aber was wird Hanna unternehmen? Neben diesem morbiden Aspekt werden etliche Familiengeheimnisse gelüftet und der Spannungsbogen steigt weiter. Die Autorin bindet eine Reihe ernster Themen in die Geschichte ein, aber der heitere Grundton bleibt dominant. Nach etlichen überraschenden Wendungen kommt ein Ende, das etwas weichgespült wirkt. Aber auch das passt schon.

Fazit:
Ein gelungener Kriminalroman mit einem heiteren Grundton, der mir viel Vergnügen beim Lesen bereitet hat. Diese Mischung von Humor und Tod bekommen wohl nur österreichische Autoren hin. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.08.2019

Vielschichtig, ruhig und spannend

Die im Dunkeln sieht man nicht
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Buchmeinung zu Andreas Götz – Die im Dunkeln sieht man nicht

„Die im Dunkeln sieht man nicht“ ist ein Kriminalroman von Andreas Götz, der 2019 bei Fischer Scherz erschienen ist.

Zum Autor:
Andreas Götz, ...

Buchmeinung zu Andreas Götz – Die im Dunkeln sieht man nicht

„Die im Dunkeln sieht man nicht“ ist ein Kriminalroman von Andreas Götz, der 2019 bei Fischer Scherz erschienen ist.

Zum Autor:
Andreas Götz, geboren 1965, studierte Germanistik und arbeitet als freier Autor von Hörspielen für mehrere Rundfunkanstalten, als Journalist und Übersetzer.

Klappentext:
Im April 1950 kehrt Karl Wieners, ehemals Schriftsteller, heim nach München, wo Schmuggler gute Geschäfte machen und Gestrandete die letzte Hoffnung verlieren. Karls letzte Hoffnung ist eine Karriere als Journalist. Wenn er herausfände, was aus dem Kunstschatz wurde, der bei Kriegsende aus dem Führerbau verschwunden ist, wäre das die Sensation.
Gemeinsam mit seiner Nichte Magda begibt er sich auf die Spur der Bilder. Dabei geraten die beiden nicht nur ins Visier dubioser Schwarzmarktschieber. Sie stören auch die Kreise von Kommissär Ludwig Gruber, der auf der Suche nach einem Mörder fast verzweifelt.
Doch womit sie es wirklich zu tun haben, erkennen sie alle erst, als es fast schon zu spät ist.

Meine Meinung:
Gefallen hat mir an diesem Buch die Schilderung des Lebens in der im Wiederaufbau befindlichen Stadt. Dazu hat der Autor die passenden Figuren gestellt, die fast alle angeschlagen sind, nervlich und / oder körperlich, aber doch auch Sympathie verdienen. Der Autor nimmt sich die Zeit, die Handlung ruhig aufzubauen und die Situation der Menschen zu beschreiben. Karl offenbart im Laufe des Buchs, dass er schwere Schicksalsschläge erleiden musste, die ihn ohne Antrieb erscheinen lassen. Seine Nichte Magda ist das genaue Gegenteil. Sie macht und tut und sie überschreitet dabei auch Grenzen. Sie ist die treibende Kraft in diesem Buch. Auch die Figur des Kommissärs Ludwig weist Ecken und Kanten auf. Bei seinen Aktivitäten werden die Problemen der Gesetzeshüter deutlich, die eine lange Zeit fehlende Ordnung erst wieder durchsetzen müssen. Auch die Nebenfiguren sind erfreulich komplex gestaltet.
Die Schilderung erfolgt aus wechselnden Perspektiven und manche Ereignisse werden aus mehreren Sichten betrachtet, die ein vielschichtiges Bild ergeben. Vieles wird in kurzen Sätzen dargestellt, aber bewusst bleiben viele Punkte im Unklaren. Es gibt mehrere Verbrechen, die ineinander verwebt sind und erst langsam erfährt der Leser, ob und wie sie zusammenhängen. So beginnt die Spannungskurve weit unten und steigert sich bis zum Ende immer mehr. Die Auflösung hat mich überrascht, ist aber überzeugend und passt zum Buch.
Auch atmosphärisch überzeugt dieses Werk. Es beschreibt eine Stadt und eine Gesellschaft, die sich im Wandel befinden.

Fazit:
Vielschichtigkeit ist vielleicht die passende Beschreibung für Plot, Atmosphäre und Figuren. Mir hat das Buch sehr gut gefallen (fünf von fünf Sternen, 90 von 100 Punkten) und ich empfehle dieses Buch gerne weiter.

Veröffentlicht am 14.08.2019

Einfallsreicher Plot und kantige Figuren

Schoofseggl
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Buchmeinung zu Axel Ulrich – Schoofseggl

„Schoofseggl“ ist ein Kriminalroman von Axel Ulrich, der 2019 bei Oertel und Spörer erschienen ist.

Zum Autor:
Axel Ulrich hat als Wirtschaftsjournalist und ...

Buchmeinung zu Axel Ulrich – Schoofseggl

„Schoofseggl“ ist ein Kriminalroman von Axel Ulrich, der 2019 bei Oertel und Spörer erschienen ist.

Zum Autor:
Axel Ulrich hat als Wirtschaftsjournalist und Unternehmensberater gearbeitet und ist seit langem in der IT-Branche selbstständig. Eigentlich wollte er nur einmal ein Buch schreiben, um zu sehen, ob er das kann. Dieser Versuch hat ihn dann gepackt, und er konnte nicht mehr aufhören.

Klappentext:
Heilandsack! Als das Land Baden-Württemberg eine CD mit Daten von Steuersündern kauft, ist die Aufregung groß. Bei Ex-Anwalt Franz Walzer, der sich auf Geldwäsche spezialisiert hat, steht das Telefon nicht still. Es gelingt ihm zunächst, den Datendieb zu finden. Fürs Erste gibt's Entwarnung. Auch für einen Stuttgarter Bordellbesitzer, der für rüde, schmerzhafte Methoden und Schlimmeres berüchtigt ist, dem man aber bisher nichts nachweisen kann. Doch dann meldet sich bei Walzer ein Klient, der Besuch von Steuerfahndern erhalten hat, obwohl sein Name angeblich gar nicht auf der CD gewesen sein soll. Sein Verdacht: Ein zweiter Datendieb ist unterwegs und treibt sein Unwesen im Schatten des ersten. Als im Bodensee die Leiche einer jungen Ukrainerin gefunden wird, die aus einem Stuttgarter Bordell verschwunden ist, geht es nicht länger nur um Schwarzgeld, Bestechung und sogar Erpressung. Der Vater der Ukrainerin sinnt auf Rache. Und er ist nicht der Einzige.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mit positiv überrascht. Ist man in Regionalkrimis oft sympathische, aber recht flache Charaktere gewohnt, so sind es bei diesem Buch Figuren mit Ecken und Kanten, deren Sympathiewerten eher mäßig sind. Der Ex-Anwalt Walzer agiert oft am Rande der Legalität, hat aber Verbindungen und setzt logisches Denken ein. Es beginnt mit Steuerhinterziehung und verkauften Steuerdaten. Die Geschichte entwickelt sich unorthodox, aber sehr unterhaltsam. Eine sehr interessante Figur ist der Bordellbetreiber Kneller, der ein Faible für lukrative Geschäfte hegt, aber auch schon mal Gewalt einsetzt. Er gibt einen angemessenen Gegenspieler ab und ist für etliche Sorgen zuständig. Als Walzer und Kumpane in Not geraten, erhalten sie unerwartete Hilfe.
Gegen Ende wird die amüsante Geschichte etwas unglaubwürdig, aber der gelungene Plot und der pointierte Erzählstil gleichen dies aus. Ein häufiger Perspektivwechsel sorgt für solide Spannung.

Fazit:
Eine positive Überraschung aus dem Schwabenland, die mit gut gezeichneten Figuren und einem einfallsreichen Plot punktet. Das Ende fällt etwas ab, aber es reicht locker für vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine verdiente Leseempfehlung.