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Veröffentlicht am 21.07.2024

Ein Frauenleben

Artemisia Gentileschi und Der Zorn der Frauen
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Artemisia Genteleschi gilt als die bedeutendste Malerin des Barock, aber sie hatte kein einfaches Leben. Ihr Vater, der selbst ein bekannter Maler in Rom war, entdeckte früh das Talent seiner Tochter und ...

Artemisia Genteleschi gilt als die bedeutendste Malerin des Barock, aber sie hatte kein einfaches Leben. Ihr Vater, der selbst ein bekannter Maler in Rom war, entdeckte früh das Talent seiner Tochter und förderte es, sicher auch aus finanziellen Gründen, denn sie trug so zum Haushaltseinkommen bei. Nach einer Vergewaltigung durch ihren Lehrer strengt der Vater einen Prozess an und verheiratet Artemisia nach Florenz. Dort malt sie weiter und erreicht einen gewissen Bekanntheitsgrad, geht bei den Medici ein und aus und hat wechselnde Männerbekanntschaften. Trotz ihres Erfolges plagen sie immer wieder Geldsorgen.

Gabriela Jaskulla gelingt es sehr gut uns die Malerin und ihr Werk nahe zu bringen. Ihre Bildbeschreibungen sind sehr plastisch, aber es hilft auch, sich im Netz Fotos der kraftvollen Bilder anzusehen und auf die Kleinigkeiten zu achten, die Jaskulla im Buch erwähnt. Gentileschi war ihrer Zeit oft weit voraus, als selbstständige Künstlerin hatte sie es schwer sich in der Männerwelt zu behaupten. Die Konkurrenz durch Maler wie Rubens oder Velasquez war groß und es ist schade, dass man sie heute oft "nur" mit der Vergewaltigungsgeschichte assoziiert. Sie hatte eine ganz eigene Bildsprache und war mit ihrem Spiel von Licht und Schatten herausragend.

Durch das bewegte Leben Artemisias ist das Buch spannend und ich habe es genossen mit ihr durch ihr Zeitalter zu gehen.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Bewegend

Mitternachtsschwimmer
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Dieses Buch ist für mich eines der besten in diesem Sommer.
Evan ist vom Leben gebeutelt, seine kleine Tochter ist gestorben und er gibt sich die Schuld daran. Seine Ehe zerbricht, er lässt seine Frau ...

Dieses Buch ist für mich eines der besten in diesem Sommer.
Evan ist vom Leben gebeutelt, seine kleine Tochter ist gestorben und er gibt sich die Schuld daran. Seine Ehe zerbricht, er lässt seine Frau und den tauben Sohn in der Stadt zurück und nimmt eine Auszeit in dem kleinen Ort Ballybrady an der Küste. Dort wird er vom Corona-Lockdown überrascht und ist gezwungen zu bleiben, er muss sich mit der Situation arrangieren. Er lernt Grace kennen, eine seltsame, eigenständige Frau, die nachts allein im Meer schwimmt und die Touristen kritisch sieht. Dann muss er auch noch seinen Sohn Luca bei sich aufnehmen, zu dem er ein schwieriges Verhältnis hat.
Das Buch entwickelt sich ganz langsam und bedächtig. So langsam wie sich die Beziehung zu Grace entwickelt, so langsam und vorsichtig nähert sich Evan seinem Sohn an. Während er vorher nur dessen Defizite bemerkte, findet er jetzt einen Zugang zu dem lebhaften, neugierigen Jungen, der viele einzigartige Qualitäten besitzt. Das ist wunderbar zu lesen, manchmal sehr traurig und zu Herzen gehend, manchmal lustig und übermütig, aber immer warmherzig und empathisch. Auch die Nebenfiguren sind eindrücklich beschrieben und sehr nah am richtigen Leben, man muss sie einfach lieben.
Man wünscht sich, dass die Gemeinschaft alle Probleme übersteht und alles gut wird.
Das Buch wäre auch ein wunderbarer, unkitschiger Filmstoff, wenn ihn der richtige Regisseur in die Finger bekommt!

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Veröffentlicht am 06.07.2024

Unbedingt lesenswert

Solito
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Für mich ist "Solito" schon jetzt eines der besten Bücher diesen Jahres.

Schon das Titelbild hat mich sehr angesprochen, ein Junge, in dessen Silhouette Wüste und ein dunkler Himmel projiziert sind, das ...

Für mich ist "Solito" schon jetzt eines der besten Bücher diesen Jahres.

Schon das Titelbild hat mich sehr angesprochen, ein Junge, in dessen Silhouette Wüste und ein dunkler Himmel projiziert sind, das ist auffällig und besonders. Und wie das Cover schon verrät, hat Javier Zamora in dem Buch seine eigene Geschichte als Roman aufgearbeitet.

Javier lebt mit seinen Großeltern und seinen Tanten in einem kleinen Ort in El Salvador, seine Eltern sind wegen des Bürgerkriegs in die USA geflohen. Nun haben sie genug Geld gespart, um ihren Sohn nachkommen zu lassen. Doch alle Bemühungen um ein Visum schlagen fehl und sie wollen ihn einem Schleuser anvertrauen, der ihn über die Grenze zwischen den USA und Mexiko bringen soll. Dafür sind zwei Wochen Zeit vorgesehen. Doch dann geht viel schief, die Reise dauert viel länger und es ist fraglich, ob sie ihr Ziel überhaupt erreichen können. Unterwegs schließt er sich Chino, Patricia und ihrer Tochter Clara an, sie werden wie eine Familie und überstehen Hunger, Durst, Polizeikontrollen und alle anderen Gefahren.

Das Buch hat mich sehr bewegt. War es am Anfang noch etwas langatmig, nimmt die Spannung kontinuierlich zu und man hofft und bangt mit Javier und seinen Mitreisenden. Zamora findet eine sehr schöne Sprache für sein Buch, da merkt man, dass er sonst als Dichter arbeitet. Einzig die immer wieder auftauchenden spanischen Sätze stören den Lesefluss etwas. Ich hätte mir gewünscht, man hätte diese Sätze direkt mit übersetzt, statt sie in einem umfangreichen Anhang unterzubringen.

Das Buch ist hoch politisch und hoch aktuell. Aber nicht nur deshalb finde ich es unbedingt lesenswert, sondern auch, weil die menschlichen Seiten einer solchen Flucht mit der Hoffnung auf ein besseres Leben oft hinter Zahlen und Fakten (oder Fake-Nachrichten) zu kurz kommen.

Man muss sich auf das Buch einlassen, dann ist es eine echte Bereicherung.

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Veröffentlicht am 02.07.2024

Was für eine Karriere!

Dunkler Abgrund
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Was für eine Karriere! Clara Lofthus hat zwei Menschen umgebracht und nun wird sie norwegische Justizministerin! Was für Außenstehende wie der Höhepunkt einer gut geplanten Laufbahn aussieht, setzt die ...

Was für eine Karriere! Clara Lofthus hat zwei Menschen umgebracht und nun wird sie norwegische Justizministerin! Was für Außenstehende wie der Höhepunkt einer gut geplanten Laufbahn aussieht, setzt die alleinerziehende Mutter von Zwillingen unter Druck und sie lehnt den angebotenen Personenschutz ab, um niemanden nah an sich heranzulassen. Nur ihr Fahrer und Leibwächter Stian bekommt Zugang zu ihr. Als kurz nach der Amtsernennung ihre beiden Söhne entführt werden, ist er ihre einzige Stütze und sie muss sich ihm anvertrauen.
Das Buch ist nach "Tiefer Fjord" der zweite Band der Geschichte von Clara Lofthus. Ich hatte den ersten Band nicht gelesen, aber nach einer kurzen Eingewöhnung und dem Sortieren der zahlreichen Namen kam ich auch so klar, denn es werden die Ereignisse des Vorgängerbandes raffiniert in die neue Handlung eingearbeitet.
Das Buch ist geschickt komponiert und die handelnden Personen erzählen abwechselnd ihre Sicht der Dinge. Das macht das Lesen zwar nicht einfacher, gibt der Story aber mehr Volumen.
Die Spannung trägt bis zum überraschenden Ende und man darf gespannt auf den dritten Band sein!

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Veröffentlicht am 26.06.2024

Witziger Krimi

Totholz
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Dieses Buch war mein erster Krimi von Andreas Föhr, ich hatte ihn einfach nicht auf dem Schirm. Dabei lese ich gern Regionalkrimis und dieser ist besonders gelungen.

Der Polizist Leo Kreuthner ist nebenbei ...

Dieses Buch war mein erster Krimi von Andreas Föhr, ich hatte ihn einfach nicht auf dem Schirm. Dabei lese ich gern Regionalkrimis und dieser ist besonders gelungen.

Der Polizist Leo Kreuthner ist nebenbei Schwarzbrenner und nun macht ihm jemand Konkurrenz. Deshalb ersinnt er einen perfiden Plan, um die Konkurrentin auszuschalten. Doch dann wird mit Hilfe genau dieser Frau im Wald eine Leiche gefunden, aber die Identität des Toten ist schwer zu ermitteln. Als dann auch noch die Zeugin verschwindet, wird der Fall für das Team um Kommissar Wallner ganz undurchsichtig.

Das Buch hat mir viel Spaß gemacht. Es ist locker und manchmal skurril geschrieben und die Figuren sind bis hin zu den Nebenfiguren sehr liebevoll und detailreich gezeichnet. Besonders die Menschen, die sich in der Mangfallkneipe treffen, haben mich begeistert. Optimal dabei ist natürlich, das das Buch nicht ein simpler Regionalkrimi ist, sondern auch sehr spannend.

Etwas verwirrend war für mich als Neuling die Vielzahl der Figuren, in die ich mich erst einmal "einlesen" musste.

Ich bin schon gespannt auf das nächste Buch von Andreas Föhr!

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