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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2025

Neue Pandemie?

Überleben ist alles
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Was passiert, wenn eine neue Pandemie droht? Haben die Menschen etwas gelernt aus der Covid 19-Pandemie? Sind sie vorbereitet? Oder bricht das große Chaos aus?
Das alles sind Fragen, die man sich beim ...

Was passiert, wenn eine neue Pandemie droht? Haben die Menschen etwas gelernt aus der Covid 19-Pandemie? Sind sie vorbereitet? Oder bricht das große Chaos aus?
Das alles sind Fragen, die man sich beim Lesen dieses Buches stellt. Denn das Buch ist kein Thriller im üblichen Sinn, in dem jemand ermordet wird und man den oder die Mörder sucht.
Es geht um die Familie der 15jährigen Haley, die Eltern sind getrennt und der Vater entführt Haley und ihren kleinen Bruder Ben in eine einsam gelegene Prepper-Community, um sie vor der nächsten Pandemie zu schützen. Die dort lebenden Menschen sind seltsam, leben in ihrer eigenen Welt und das ist für Haley sehr anstrengend. Sie ist mitten in der Pubertät, kreist nur um sich selbst und wehrt sich gegen das Leben, das ihr Vater ihr aufzwingen will. Da sie von allen Nachrichten abgeschnitten ist, weiß sie nicht, ob draußen wirklich Millionen Menschen erkranken und sterben und verzweifelt immer wieder an der Situation.
Und das ist auch der große Pluspunkt dieses Buches. Man wird als Leser in einem ungewissen Zustand gehalten, was ist Wahrheit, was ist Einbildung? Morrison gelingt es hervorragend diese Ungewissheit zu vermitteln und damit ist das Buch hochaktuell. Denn wir leben in einer Zeit, in der Gewissheiten nichts mehr gelten, Wissenschaft madig gemacht wird und Fake-News die Welt überschwemmen.
Leider dreht sich das Buch für meinen Geschmack etwas zu viel um das Innenleben von Haley, das geht mir manchmal auf die Nerven. Aber es ist halt typisch für die Pubertät...
Insgesamt aber ist das Buch sehr spannend bis zum überraschenden Ende. Allerdings enthält es auch grausame Szenen, die nichts für schwache Nerven sind.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Undurchsichtig

Skin City
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Die Hauptpersonen in diesem Thriller sind die Polizistin Romina, der Einbrecher Koba aus Georgien und der Betrüger Lippold, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Zuerst mäandern diese drei Figuren ...

Die Hauptpersonen in diesem Thriller sind die Polizistin Romina, der Einbrecher Koba aus Georgien und der Betrüger Lippold, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Zuerst mäandern diese drei Figuren in eigenen kurzen Episoden nebeneinander her, aber dann werden die drei Erzählstränge zusammengeführt und es wird richtig spannend.
Man bekommt tiefe Einblicke in die berüchtigten Clanstrukturen der Einbrecherbanden, die nicht nur in Berlin erfolgreich tätig sind, sondern auch selten geschnappt werden, denn die Männer werden immer wieder ausgetauscht und der Nachschub ist unendlich.
Lippold dagegen ist ein raffinierter Betrüger, der mit Finanztransaktionen Geld gemacht hat, bevor er geschnappt wurde. Er schleicht sich nun ganz raffiniert in die Kunstszene ein und beginnt dort erfolgreich ein neues Spiel.
Romina steht als Polizistin mit Roma-Hintergrund zwischen allen Stühlen. Als ihr Vater ermordet wird, geht sie auch ungewöhnliche Wege.
Die Personen haben mir sehr gut gefallen, sie sind sehr unterschiedlich, aber auch sehr detailreich gezeichnet. Das macht das Buch abwechslungsreich und spannend bis zum Schluss.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Sehr anschaulich

Der ewige Tanz
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Dieses Buch wirft die Leserinnen und Leser direkt hinein in die 1920er Jahre. Der Krieg ist vorbei, man beginnt wieder zu leben, nutzt jede Gelegenheit zum Vergnügen und schlägt auch oft genug über die ...

Dieses Buch wirft die Leserinnen und Leser direkt hinein in die 1920er Jahre. Der Krieg ist vorbei, man beginnt wieder zu leben, nutzt jede Gelegenheit zum Vergnügen und schlägt auch oft genug über die Stränge. Die junge Tänzerin Anita Berber, die wirklich gelebt hat, ist mittendrin. Sie hat zwar klassischen Tanz gelernt, fühlt sich aber viel mehr den neuen Ausdrucksformen nahe und tanzt Choreografien, die sie selbst erfindet und die für viele Menschen ein Skandal sind. Auch als Schauspielerin erlebt sie Höhen und Tiefen, dreht mit Fritz Lang und anderen berühmten Stummfilmregisseuren. Otto Dix malt sie in einem roten Kleid, das Bild ist berühmt.
Trotzdem endet ihr Leben tragisch und das ist auch der Hintergrund dieses Buches, denn Steffen Schroeder erzählt auf zwei Zeitebenen. Einmal ist da die erfolgreiche, skandalöse, drogenabhängige Frau und dann die schwerkranke 29jährige, die die Erinnerungen an ihre Erfolge und Niederlagen heraufbeschwört.
Schroeder gelingt es hervorragend das alles in ein sehr lebendiges Zeitpanorama einzufügen, man ist mitten drin in den Bars, Tanzlokalen und vornehmen Hotels, aber auch in den schäbigen Absteigen und auf der Krankenstation.
Ich habe einen zerrissenen Menschen kennengelernt, der die großen Erfolge nicht verkraftet hat, immer wieder an die falschen Männer gerät und dann tief abstürzt.
Ein erstklassiges Portrait einer heute fast vergessenen Frau!

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Horrortrip

Seven Ways to Tell a Lie
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Wane ist eine typische amerikanische Kleinstadt, scheinbar heile Welt mit einem engagierten Bürgermeister, zwei Highschools, einem jährlichen Sportwettkampf, an dessen Ende ein großes Fest auf die Menschen ...

Wane ist eine typische amerikanische Kleinstadt, scheinbar heile Welt mit einem engagierten Bürgermeister, zwei Highschools, einem jährlichen Sportwettkampf, an dessen Ende ein großes Fest auf die Menschen wartet - Idylle pur. Eigentlich! Denn vor einem Jahr verschwand Enya, die Tochter des Bürgermeisters, bei einem Fest und ist nicht wieder aufgetaucht. Und nun taucht ein Video in den sozialen Netzwerken auf, in denen Schüler in einem Bus sitzen und dieser in eine Schlucht stürzt und in Flammen aufgeht. Doch alle Jugendlichen, die in dem Bus sitzen, leben noch. Nach und nach tauchen immer neue Videos auf und verunsichern die alte Clique, die sich nach der Entführung aus den Augen verloren hat und nun notgedrungen wieder zusammenfindet.

Was sich zuerst wie eine typische Coming-of-age-Geschichte anhört, entwickelt sich nach und nach zu einem Horrortrip. Das spannende Finale in den Ruinen einer alten Stadt ist brutal und grausam, aber überaus spannend. Enyas Freund Jonah erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und so ist man mitten im Geschehen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, es ist allerdings nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Manchmal bleiben die Charaktere etwas flach und ob man so täuschend echte Deepfakes herstellen kann, das sei einmal dahingestellt. Aber um das zu beurteilen kenne ich mich in der Materie zu wenig aus.

Lesenswert!

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Politisch aktuell

Echokammer
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Von Ingar Johnsrud hatte ich schon die vorige Reihe um den Hirten gelesen und fand sie sehr spannend. Auch dieses Buch hat mich wieder begeistert und ich bin gespannt auf die nächsten Bände.
Im Mittelpunkt ...

Von Ingar Johnsrud hatte ich schon die vorige Reihe um den Hirten gelesen und fand sie sehr spannend. Auch dieses Buch hat mich wieder begeistert und ich bin gespannt auf die nächsten Bände.
Im Mittelpunkt steht ein norwegischer Wahlkampf. Die Arbeiterpartei hat eine multinationale Beraterfirma engagiert, die sie im Wahlkampf beraten und unterstützen soll. Als ein schlimmer Terroranschlag aufgedeckt wird, gerät auch diese Firma in den Fokus des Ermittlerteams. Liselott Benjamin und Martin Tong müssen tief in die Strukturen der Partei und der Terrorgruppe eintauchen, trotzdem sind die Terroristen immer einen Schritt voraus.
Das Buch ist eines der seltenen Exemplare, die die Leser von Anfang bis Ende fesseln. Gut geschrieben, mit immer neuen und spannenden Wendungen, ein ungewöhnliches Ermittlerpaar und ein sehr aktueller politischer Hintergrund, da passt alles!
Man fragt sich, was sich bei uns vor den Wahlen an Einflussnahme abspielt und wer im Hintergrund die Strippen zieht. Das macht das Buch zu viel mehr als einem Krimi, denn den aktuellen Bezug kann man nicht ausblenden.

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