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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2026

Nach dem Krieg

Die weiße Nacht
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Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des ...

Anne Stern ist die Königin des historisch angehauchten Kriminalromans der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und ihr neuer Roman ist 1946 in Berlin angesiedelt. Da sie eine erfahrene Autorin des Genres ist, gelingt ihr sofort eine dichte, beklemmende Atmosphäre, denn in Berlin ist es nach dem Krieg sehr hart. Viele hungern. Die Detailbeschreibungen von Berlin in dieser Zeit legen nahe, dass Anne Stern wieder genau recherchiert hat.

Die Autorin wählt zwei „Typen“ als Hauptfiguren aus. Der versehrte Kriminalkommissar König und die toughe Fotografin Lou. Beide sind von der Nazizeit persönlich unbelastet, dennoch leidtragende. Es wäre auch interessant gewesen, Hauptfiguren zu wählen, die Schuld auf sich geladen haben und damit fertig werden müssen, aber Anne Stern hat es anders geplant und sonst wäre es auch ein ganz anderes Buch geworden. Die Schuldfrage ist dennoch in den Plot integriert. Der Kriminalfall beginnt verhalten, entwickelt sich aber. Es überzeugte auch, wie die Protagonisten agieren und eine gewisse Spannung kann Anne Stern generieren.

Veröffentlicht am 22.12.2025

Ein Buch wie ein deftiger Eintopf

Zeit der Mutigen
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Der in Bulgarien geborene Österreicher Dimitre Dinev hat mit seinem Roman Zeit der Mutigen den Österreichischen Buchpreis gewonnen.
Eine überbordende Freude an Sprache und Erzählen kennzeichnet diesen ...

Der in Bulgarien geborene Österreicher Dimitre Dinev hat mit seinem Roman Zeit der Mutigen den Österreichischen Buchpreis gewonnen.
Eine überbordende Freude an Sprache und Erzählen kennzeichnet diesen Roman.
Es ist ein groß angelegter Roman mit Figuren, die Stärke und Haltung in schwierigen Zeiten zeigen. Dabei bleiben sie alle irgendwie eigenwillige Sonderlinge und Außenseiter.
Das Buch zeigt das zwanzigste Jahrhundert in Deutschland, Österreich und Bulgarien. Mit zunehmender Dauer kommen Figuren hinzu, aber es gibt immer Bindeglieder und so bleibt der Text im Fluss.
Meine Sternewertung: 4,5

Veröffentlicht am 20.12.2025

Die Entenfrau

Insel am Rand der Welt
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Es ist das Buch einer Begegnung. Zum einen die des Autors mit Anna, einer Frau, die mit der Natur in Einklang lebt und dann auch mit der Natur der Insel in Norwegen.
James Rebanks schreibt einen zugänglichen, ...

Es ist das Buch einer Begegnung. Zum einen die des Autors mit Anna, einer Frau, die mit der Natur in Einklang lebt und dann auch mit der Natur der Insel in Norwegen.
James Rebanks schreibt einen zugänglichen, ansprechenden und passenden Stil, der an die große Reiseliteratur eines Bruce Chatwin erinnert. Vielleicht ist er sprachlich zu weich. An das große Vorbild kommt er nicht ran.

Annas Leben auf der Insel entspricht den Traditionen, was ihre Familie seit Generationen auszeichnete. Sie widmet sich der Pflege der Eiderenten-Nester.
Anna ist nicht mehr jung. Es wird ihre letzte Saison auf der Insel sein, dann geht sie in den Ruhestand.
James Rebanks, der sich in England in einer leichten Midlifekrise wähnte, dient ihr als Katalysator für ihre Geschichten, deren Aufbewahrung sie sich wünscht.
Viele Passagen sind interessant, manche wirken zu beiläufig.

Fans von Enten werden vor allen in der zweiten Buchhälfte voll auf ihre Kosten kommen.

Es ist ein teilweise poetisch wirkender Text, den ich überwiegend gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 12.12.2025

John Banville, der große Stilist

Schatten der Gondeln
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Banville gelingt es sofort, mit dem Icherzähler eine außergewöhnliche Erzählstimme zu finden. Sie erinnert mich latent an die des Protagonisten aus Banvilles Meisterwerk Der Unberührbare.

Schatten ...


Banville gelingt es sofort, mit dem Icherzähler eine außergewöhnliche Erzählstimme zu finden. Sie erinnert mich latent an die des Protagonisten aus Banvilles Meisterwerk Der Unberührbare.

Schatten der Gondeln handelt um die Jahrhundertwende und hat auch deswegen eine eigentümliche Atmosphäre. Dazu noch Venedig als Schauplatz und John Banville beschreibt viele Details. Das ist exquisit.

Es gibt einiges geheimnisvolles, obwohl man als Leser schon bald etwas ahnt. Andere Banvilles waren noch raffinierter, aber doch bleibt man vom Plot gefesselt.

Banvilles Talent Stimmungen zu erzeugen ist nach wie vor in hohen Maße vorhanden.

Veröffentlicht am 04.12.2025

Ein Roman voller Briefe und Emails

Die Briefeschreiberin
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Ein Roman voller Briefe und Emails, die in der Summe einen tiefen Einblick in das Leben einer Frau geben. Es ist auf einige Jahre angelegt. Das hat die Autorin geschickt gemacht. Sybille van Antweerp wird ...

Ein Roman voller Briefe und Emails, die in der Summe einen tiefen Einblick in das Leben einer Frau geben. Es ist auf einige Jahre angelegt. Das hat die Autorin geschickt gemacht. Sybille van Antweerp wird dadurch zu einer Persönlichkeit.
Es gibt ein paar Referenzen an Joan Didion. Doch mit der möchte ich Virginia Evans dann doch nicht vergleichen.
Die Briefeschreiberin sehe ich mehr als gute Unterhaltung ohne größeren gesellschaftsrelevanten Wert.
Doch Fans von Briefromanen können hier aus dem vollen schöpfen