Profilbild von zazzles

zazzles

Lesejury Profi
offline

zazzles ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit zazzles über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2019

Am Ende bleibt ein logisches Ganzes leider aus

Quicksand: Im Traum kannst du nicht lügen
0

Auf "Quicksand" bin ich nur aufmerksam geworden, weil ich mitbekommen hatte, dass aus dem Buch eine Netflix Serie gemacht wurde. Ich hatte mich vorgängig überhaupt nicht über den Inhalt des Buches informiert ...

Auf "Quicksand" bin ich nur aufmerksam geworden, weil ich mitbekommen hatte, dass aus dem Buch eine Netflix Serie gemacht wurde. Ich hatte mich vorgängig überhaupt nicht über den Inhalt des Buches informiert und mich völlig voreingenommen auf die Geschichte eingelassen. Und was soll ich sagen? Eine solche ernste Thematik hätte ich ehrlicherweise nicht erwartet und hat mich positiv überrascht. Erst vor kurzem habe ich die Verfilmung von "We need to talk about Kevin" gesehen, die sich ebenfalls mit dem Thema Amoklauf beschäftigt und vor allem die Folgen für die Angehörige(n) hervorhebt. Quicksand versucht einen ähnlichen Zugang und schildert die Gerichtsverhandlung der 18-jährigen Maja Norberg, die an einem Amoklauf in ihrer Schule beteiligt gewesen sein soll. Fokus der Handlung ist dabei nicht der Amoklauf an sich, sondern die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem "Warum"? Viele Fragen sind zu Beginn des Buches noch ungeklärt und werden erst nach und nach enthüllt.

Die Handlung wird durch zwei Zeitstränge erzählt. Die Gegenwart schildert die Gerichtsverhandlung, durch die man als Leserin sehr schnell erfährt, was Maja vorgeworfen wird. Der andere Zeitstrang beschäftigt sich mit der Vergangenheit von Maja, insbesondere durch den Zusammenhang mit Sebastian, der der Haupttäter im Amoklauf gewesen sein soll. Besonders die Schilderung von Majas Vergangenheit soll dazu beitragen, zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass ihr Freund Sebastian in der Schule um sich geschossen hat und Maja ihn dabei angeblich sogar unterstützt hat. Da Maja diejenige war, die Sebastian schliesslich erschossen hat, ist ihre Rolle in dem ganzen Amoklauf zu Beginn noch klärungsbedürftig und lässt viel Raum für Spekulationen offen.


Diese Ausgangslage fand ich sehr spannend und ich war sehr neugierig, mehr über die Motive hinter der Tat zu erfahren. Auch die Idee mit den verschiedenen Zeitsträngen fand ich sehr geschickt, um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Leser
innen nur häppchenweise Informationen zu liefern, ohne die Schuldfrage vorab zu verraten. Doch so vielversprechend das alles zu Beginn noch war, im Mittelteil hatte das Buch allmählich einen Durchhänger und ich hatte sogar den Eindruck, dass der rote Faden abhandengekommen war. Man erfährt zwar, wie Maja Sebastian kennengelernt hat und dass er sie alles andere als gut behandelt hat, aber trotzdem hat mir bis zuletzt eine Verbindung zur Tat gefehlt. Es war nicht so, als hatte ich zu irgendeinem Zeitpunkt den Eindruck, als würde sich ein Motiv oder der Plan für den Amoklauf abzeichnen und als der Zeitpunkt der Tat schliesslich erreicht wurde, wusste ich nicht mehr als vorher - abgesehen davon, dass Sebastian (wer hätte es gedacht) psychische Probleme hatte und er Maja wie den letzten Dreck behandelt hat. Trotz all dem was er ihr angetan hat, blieb sie an seiner Seite, weil sie den impliziten Druck von aussen gespürt hat, dass sie ihn nicht verlassen und mit seinen Problemen allein lassen dürfe. Dieser Druck war für mich als Leserin aber überhaupt nicht spürbar. Es kommt ab und zu vor, dass sich in solchen dysfunktionalen Beziehungen eine Abhängigkeit des Opfers gegenüber dem Täter entwickelt, aber selbst die war für mich von Seiten von Maja zu keinem Zeitpunkt spürbar. Vielleicht lag das aber insgesamt auch einfach daran, dass der Schreibstil der Autorin wenig Emotionen rübergebracht hat und mir der Tiefgang der Charaktere gefehlt hat. Gerade bei Maja hatte ich das Gefühl, dass sie die ganze Zeit über gesichtslos geblieben ist. Sie hat innerhalb weniger Tage so viel durchgemacht, das doch bestimmt mal irgendeine Emotion hätte auslösen sollen: Ärger, Wut, Trauer, Schock, Angst... Aber davon kam absolut gar nichts bei mir an und die Erzählweise wirkte sehr nüchtern und gefühllos.

Insgesamt wirkte auf mich die Story am Ende nicht rund und teilweise sehr konstruiert. Nicht jedes Verbrechen lässt sich mit einem logischen Motiv erklären, aber hier hat mir die Verbindung der beiden Zeitebenen fast gänzlich gefehlt. Es ging sogar soweit, dass mich die Schilderungen aus Majas Vergangenheit stellenweise fast schon ein wenig gelangweilt haben, da für mich vieles nicht relevant für das eigentliche Thema des Buches war: Den Amoklauf.


Fazit:

Das Buch behandelt das sehr ernste Thema eines Amoklaufs, das sich unter anderem der Frage nach dem Warum widmet. Um dies zu erklären, taucht man als Leser*in in die Vergangenheit der Protagonistin ein und erfährt, was sie vor der Tat alles erlebt hat und wie es dazu gekommen ist, dass sie nun vor Gericht steht. Was eine vielversprechende Grundlage für einen spannenden Thriller darstellt, wurde letztendlich aber leider nicht gut umgesetzt. Die Charaktere blieben bis zuletzt sehr emotionslos und blass und die Verknüpfung der beiden Zeitebenen zu einem logischen Ganzen ist in meinen Augen nicht gelungen. Daraus hätte man sicher viel mehr machen können, deshalb kann ich nur durchschnittliche 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Die kritische Auseinandersetzung bleibt aus

The Belles 1: Schönheit regiert
0

Auf "The Belles" war ich schon sehr gespannt, nachdem mir das Buch zum damaligen Erscheinungszeitpunkt der englischen Originalausgabe gefühlt überall auf Goodreads begegnet ist. New Orleans ist eine faszinierende ...

Auf "The Belles" war ich schon sehr gespannt, nachdem mir das Buch zum damaligen Erscheinungszeitpunkt der englischen Originalausgabe gefühlt überall auf Goodreads begegnet ist. New Orleans ist eine faszinierende Stadt und allein diesen Ort als Schauplatz für eine Geschichte zu wählen, bietet jede Menge Potenzial. Nachdem im Februar die deutsche Übersetzung des Buches erschienen ist und es auf zahlreichen Blogs rezensiert wurde, habe ich meine anfangs hohen Erwartungen allerdings ein wenig zurückgeschraubt, denn statt Lobeshymnen gab es auch viele kritische Stimmen zum Buch, die besonders die fragwürdige Botschaft hinterfragten. Vermutlich war es auch diesem Umstand geschuldet, dass ich ein besonderes Auge auf den Umgang mit dem Thema Schönheitswahn im Buch hatte, denn ich wusste bereits zum Vornerein, dass sich die Autorin am Ende noch in einer persönlichen Nachricht dazu zu Wort melden würde.

Bevor ich näher darauf eingehe, was ich damit meine, möchte ich zuerst ein paar Worte zur Story an sich loswerden. Im Buch geht es um die Bewohner der Stadt New Orleans, die gemeinsam mit sogenannten "Belles" zusammenleben, deren Bestimmung es ist, dafür zu sorgen, dass die Leute schön aussehen. Dafür haben die Belles magische Kräfte, die ihnen mehr Spielraum zur Veränderung von äusseren (und auch inneren) Attributen geben, als es jede Schönheitsoperation ermöglichen würde. Von diesen Kräften wird mächtig Gebrauch gemacht und die Belles haben durch ihre Gabe eine besondere Bedeutung in der Gesellschaft gewonnen. Im Buch wird vor allem auf die Protagonistin Camelia fokussiert, die an der Auswahl zur persönlichen Favoritin der Königin teilnimmt und unbedingt gewinnen will. Doch als sie es in die Riege der Obrigkeit schafft, muss sie feststellen, dass nicht alles so ist, wie es den Anschein macht. Sie entdeckt nicht nur böse Machenschaften, die mit Belles angestellt werden, sondern muss auch jedem Wunsch der boshaften Prinzessin Sophia nachkommen, die ganz und gar dem Schönheitswahn verfallen ist. Sie verlangt von Camelia Sachen, die überhaupt nicht ihren Werten entspricht und stellt damit ihre Loyalität auf die Probe. Und Camelia hat die Wahl: Entweder sie gehorcht, oder sie setzt ihr eigenes Leben aufs Spiel.

Diese Idee hätte eine Grundlage für einen interessanten Plot geboten, aber leider schöpft die Autorin nicht annähernd das Potenzial aus, das ihr eigens geschaffenes Worldbuilding ermöglicht hätte. Die Story plätschert die meiste Zeit vor sich hin und ich habe immer wieder vergeblich darauf gewartet, dass endlich mal etwas passiert, das ein bisschen Action in die Sache reinbringt. Doch stattdessen wird nur immer wieder auf die Gabe der Belles fokussiert und am laufenden Band in aller Ausführlichkeit geschildert, wie sie ihre Kräfte an den Menschen ausüben, um sie nach ihren Wünschen schöner zu gestalten. Was am Anfang als Einblick noch interessant war, wurde irgendwann einfach nur noch eintönig. Die Autorin verwendet die gesamte Zeit über eine sehr blumige, poetische Sprache und wirft mit Adjektiven um sich, die jeden Thesaurus neidisch erblassen lassen würde. Doch ein ausschmückender Schreibstil allein reicht leider noch nicht, um eine Geschichte gut zu machen und ich wäre froh gewesen, wenn die Autorin ihre Kreativität mehr in die Ausarbeitung eines Plots investiert hätte, als in die ellenlangen Umschreibungen von irgendwelchen Schönheitskuren.
Das führt mich auch gleich zum nächsten Kritikpunkt, denn sowohl dem Plot, als auch den Charakteren fehlt es an Tiefgang. Die ganze Zeit über wird das Thema Schönheitswahn nur oberflächlich behandelt und die versprochene (kritische) Botschaft, die die Autorin im Nachwort erwähnt, bleibt aus. Die Figuren bleiben die ganze Zeit über blass und bis auf die bösartige Prinzessin Sophia, scheint keine der Charaktere irgendwelche herausstechende Eigenschaften aufzuweisen. Zu allem Übel gibt es noch dazu einen erzwungenen Liebesplot, der ebenfalls lieblos hin geklatscht wirkt und damit überhaupt nicht glaubwürdig erscheint.

Fazit:
The Belles verspricht eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Schönheitswahn und kann dieses Versprechen letztendlich nicht halten. Der Plot ist zäh und unspektakulär und die Charaktere bleiben allesamt blass. Die Geschichte kratzt nur an der Oberflächlichkeit bei einem Thema, das mehr Tiefgang voraussetzen würde. Sehr schade, denn man hätte so viel aus der Idee machen können. Für mich war das Buch insgesamt eine Enttäuschung und deshalb kann ich nur 2.5 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Eine beängstigende dystopische Zukunft

Dry
0

Es ist kein Geheimnis mehr, dass sich Neal Shusterman nach seiner Vollendet-Reihe zu einem meiner Lieblingsautoren gemausert hat. Nachdem mich auch seine Scythe Reihe überzeugen konnte, war ich sehr gespannt ...

Es ist kein Geheimnis mehr, dass sich Neal Shusterman nach seiner Vollendet-Reihe zu einem meiner Lieblingsautoren gemausert hat. Nachdem mich auch seine Scythe Reihe überzeugen konnte, war ich sehr gespannt auf seine neue Dystopie, die er gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat.
Und was soll ich sagen? Wieder einmal hat Shusterman es geschafft ein beängstigendes und dennoch realistisches dystopisches Setting zu schaffen, das mir schon nach den ersten Kapiteln ein beklemmendes Gefühl ausgelöst hat: Der Erde geht das Wasser aus - was nun? Die Autoren verlieren keine Zeit und werfen dendie Leserin mitten ins Geschehen. Die Story beginnt ab dem Zeitpunkt, nachdem die Wasserknappheit bereits eingetreten ist und die Menschheit kein fliessendes Wasser mehr zur Verfügung hat, sondern mit seinen eigenen Vorräten zurechtkommen muss.
Als Erzählstil verwenden die Shustermans die abwechselnd die Ich-Perspektive aus der Sicht von verschiedenen Charakteren, deren Handlungsstränge durch die Wasserknappheit verknüpft werden. Erzählt werden die Ereignisse unter anderem durch die beiden jugendlichen Geschwister Alyssa und Garrett, ihren Nachbarn und Sohn reicher Eltern Kelton, die Einzelgängerin Jacqui und dem gerissenen Betrüger Henry. Der Perspektivenwechsel ist den Autoren äusserst gut gelungen und es wurde viel Wert darauf gelegt, den Eigenheiten der Charaktere Rechnung zu tragen. Die Handlungen der verschiedenen Charaktere werden im Laufe der Geschichte durch ganz unterschiedliche Motive geleitet, was sich auch in ihren Verhaltensweisen äussert. Ich bin überzeugt davon, dass man auch ohne Namen hätte herausfinden können, um wen es gerade geht und das spricht für eine gelungene Charakterisierung der einzelnen Protagonisten.

Das Thema mit der Wasserknappheit fand ich auf eine bizarre Weise faszinierend, denn anders als das dystopische Setting aus der Vollendet-Reihe, ist hier noch einmal eine Spur mehr Realismus enthalten. Der Gedanke, dass irgendwann überlebensnotwendige Ressourcen, wie in diesem Fall das Wasser, ausgehen, ist nicht nur denkbar, sondern vermutlich irgendwann sogar unausweichlich. Umso beklemmender war für mich die Auseinandersetzung mit diesem Thema, das zurecht eine Massenpanik bei den Menschen im Buch ausgelöst hat. Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Umstand, dass am Anfang vor allem ganz alltägliche Situationen herausgepickt werden, die durch die Wasserknappheit nicht mehr möglich sind. Alyssa fällt es zum Beispiel zu spät ein, dass sie ja nicht wie üblich die Dusche betätigen kann, um sich ihre Haare zu waschen. Das zeigt wiederum auf sehr realitätsnahe Weise auf, wie selbstverständlich wir die Verfügbarkeit von Wasser in unserem Alltag nehmen und wir uns dessen erst so richtig bewusst werden, wenn es eben gerade nicht mehr auf selbstverständliche Weise zugänglich ist.

Über den Story Verlauf möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn der Plot konnte bei mir weniger durch reisserische Ereignisse aufgrund von Massenpanik punkten, sondern vor allem durch die Situationen, in denen die Charaktere schwierige moralische Entscheidungen treffen mussten, die durch ihren jeweiligen Überlebensdrang beeinflusst wurden. Immer wieder werden die fünf Protagonisten durch ihren Überlebenskampf auf die Probe gestellt und die Grenzen zwischen Richtig oder Falsch beginnen mit zunehmendem Durst zu schwinden. Und genau in solchen Situationen werden die individuellen Schwächen der einzelnen Protagonisten in den Fokus gerückt, der mir den einen oder anderen Charakter auch unsympathisch gemacht haben - denn: Nicht jeder von ihnen ist ein Teamplayer und es gibt Menschen, die in der Not ihren Nutzen ziehen. Aber genau das war es auch, was das Buch so spannend gemacht hat und vermutlich auch der Realität entspricht.

Trotz all des Lobes musste ich dennoch einen Stern abziehen und der Grund dafür liegt vor allem am Schluss. Während ich bisher vor allem den realistischen Bezug der Handlung positiv hervorgehoben habe, driftet das Ende ein bisschen in einen dramatischen, actiongeladenen Höhepunkt ab, der dann durch eine in meinen Augen eher konstruierte Wendung in einem kitschigen Happy End endet, das ist so ehrlich gesagt niemals erwartet hätte. Mir gingen die Entwicklungen am Ende irgendwie zu schnell und die Probleme, die sich allmählich aufgestaut haben, wurden für meinen Geschmack zu einfach und zu schnell aufgelöst. Mit einem düsteren, dafür aber wahrscheinlich viel realistischerem Ende, hätte das Buch von mir vermutlich die volle Punktzahl bekommen. So wie es aber hier gelöst wurde, hat es für mich nicht so ganz zum Rest der Geschichte gepasst, deshalb fand ich den Schluss etwas unbefriedigend.

Zum Schreibstil kann ich abschliessend nur Positives anmerken: Er war wie gewohnt packend und flüssig. Ich vermute, dass die Shustermans hier sehr eng zusammengearbeitet haben und obwohl das Buch eine Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn war, war Neals Schreibstil unverkennbar herauszulesen.

Fazit:
Ein weiterer beklemmender, sehr realistischer dystopischer Roman, den Neal Shusterman hier gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat. Das Buch befasst sich mit den Folgen einer weltweiten Wasserknappheit, die einerseits zu Angst und Panik und andererseits auch zu einem Überlebenskampf führt, der einige Menschen über Leichen gehen lässt. Die Shustermans haben hier auf packende Weise ein beängstigendes Setting geschildert, das aus der Sicht von fünf unterschiedlichen Charakteren erlebt wird. Nur für das eher kitschige und schnell abgehandelte Ende musste ich letztendlich einen Stern abziehen. Ansonsten kann ich das Buch wärmstens weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 12.05.2019

Leider wenig Infos zum Worldbuilding

Mirage - Die Schattenprinzessin
0

"Mirage" besticht auf den ersten Blick nicht nur durch einen wunderschönes Cover, sondern auch durch eine liebevoll ausgearbeiteten Landkarte im Innern des Buches, die dem Leser einen ersten Überblick ...

"Mirage" besticht auf den ersten Blick nicht nur durch einen wunderschönes Cover, sondern auch durch eine liebevoll ausgearbeiteten Landkarte im Innern des Buches, die dem Leser einen ersten Überblick über die Welt geben soll, die die Autorin sich ausgedacht hat - und das ist Einiges. Die Geschichte spielt sich nicht nur auf einem (fiktiven) Planeten ab, sondern gleich in einer ganzen Galaxie mit unterschiedlichen Planeten, Völkern und entsprechenden Lebensweisen.
Damit hat Daud mit ihrer Idee den Grundstein zu einer eigentlich interessanten Geschichte legt. Leider wird das Potential, dass dieses umfangreiche Worldbuilding bieten würde, nicht mal annähernd genutzt. Viel mehr als im Klappentext erfährt man leider nicht wirklich über die Vath (die scheinbar die "Bösen" sein sollen?) oder das Herrschaftssystem. Man kann erahnen, dass Amani auf ihrem Heimatplaneten Cadiz eher einem Unterschichts-ähnlichen Arbeitervolk angehört, das seine ganz eigenen Traditionen und Rituale hegt, aber das ist schon alles. Ehe man sich versieht, wird Amani bei einem Fest von den Vath entführt. Der Grund? Sie sieht aus wie die Vath Prinzessin Maram, die von vielen gehasst wird und deshalb in grosser Gefahr schwebt. Damit ihr nichts passiert, soll Amani nun Marams Rolle einnehmen und sich dieser potentiellen Lebensgefahr immer wieder aussetzen.
Soweit so gut, das alles erfährt man bereits aus dem Klappentext. Leider passiert im Buch selbst nicht viel mehr, als der Klappentext im Vorfeld verraten hat. Ich hatte den Eindruck, dass die ganze Zeit über nur an der Oberfläche gekratzt wurde, denn auch die Charaktere blieben bis zum Schluss eher blass, da man bis auf Maram sehr wenig über die Hintergründe der Protagonisten erfährt. Das Buch ist sehr temporeich und die Autorin verliert keine Zeit mit ihrem Schreibstil, was mir in der Regel zwar lieber ist, als wenn eine Story unnötig in die Länge gezogen wird, aber hier hätte ich doch gerne mehr über das Worldbuilding erfahren. Am Ende wusste ich nicht viel mehr, als am Anfang und das fand ich etwas enttäuschend.
Der Grossteil der Geschichte nimmt Amanis Vorbereitung auf ihre Rolle als Maram ein. Sie muss lernen, wie man sich hochnäsig und unsympathisch verhält - etwas, das so gar nicht ihrem eigentlichen Charakter entspricht und deshalb verständlicherweise oftmals zu heiklen Situationen führt, in denen sich Amani nicht Prinzessinen-konform verhält, was ihrem Umfeld natürlich auffällt. Mit Idris wird dann auch das obligatorische Romantik-Element in die Geschichte eingefügt und die Entwicklung zwischen Amani und Idris verläuft doch sehr vorhersehbar.
Der Schreibstil ist für ein Debüt okay, mir hat aber oftmals die emotionale Verbindung zu den Charakteren gefehlt, der beim temporeichen Erzählstil leider auf der Strecke bleibt.

Fazit:
In ihrem Debüt wagt Somaiya Daud eine Mischung aus Young Adult Fantasy und Science-Fiction, für das sie sich ein eigentlich sehr interessantes Worldbuilding ausgedacht hat. Leider gelingt es ihr nicht, dass Potential ihrer eigenen Idee vollends zu nutzen. Der Plot wirkt stellenweise gehetzt und kratzt leider nur an der Oberfläche und auch die Charakter bleiben letztendlich sehr blass und eindimensional. Für ein Debüt okay, aber da ist noch viel Luft nach oben für die Fortsetzung(en). Von mir gibt es deshalb durchschnittliche 3 Sterne.

Veröffentlicht am 28.04.2019

Packender Roman, mit einem eher überflüssigen Mysteryanteil

Die schwarze Frau
0

Dieses Buch ist auf meiner Wunschliste gelandet, weil es auf Goodreads auf einer Liste der populärsten Neuerscheinungen im Jahr 2018 gestanden hatte. Ich habe das Buch relativ unvoreingenommen begonnen ...

Dieses Buch ist auf meiner Wunschliste gelandet, weil es auf Goodreads auf einer Liste der populärsten Neuerscheinungen im Jahr 2018 gestanden hatte. Ich habe das Buch relativ unvoreingenommen begonnen und bin ursprünglich davon ausgegangen, dass es sich um einen Thriller handelt. Dass es sich vielmehr um eine Mischung aus Mystery und Historischer Fiktion handelt, habe ich erst während dem Lesen gemerkt. Aber das war gut so, denn sonst hätte ich vielleicht gar nicht erst zum Buch gegriffen (und dadurch eine sehr packende Geschichte verpasst).

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der eine beklemmende Szene von einem Mädchen schildert, die sich 1950 ereignet hat und durch einen Cliffhanger direkt mein Interesse wecken konnte. Gleich anschliessend, gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 2014, wo wir uns in der Gegenwart befinden und die Journalistin Fiona kennenlernen. Sie selbst berichtet nicht nur über erschütternde Ereignisse, sondern wurde vor Jahren selbst Teil eines solches Ereignisses, als ihre Schwester Debbie auf brutale Weise ermordet und auf einem Feld abgelegt wurde. Als Täter wurde Debbies damaliger fester Freund verhaftet, der sich seither im Gefängnis befindet. Doch nicht nur Fiona, sondern auch andere Bewohner Vermonts haben Zweifel daran, ob tatsächlich der richtige Täter gefasst wurde, da es zum damaligen Zeitpunkt einige Unstimmigkeiten gab, die Tim als Täter in Frage stellen.

Fionas Aufmerksamkeit wird zu Beginn der Geschichte auf Idlewild Hall gelenkt, das in den 1950er Jahren als Mädcheninternat genutzt wurde, in der Gegenwart allerdings nur noch aus Ruinen besteht. Vor kurzem hat eine betagte, reiche Frau das Internat gekauft, die keinerlei Verbindung zu dem Internat aufzuweisen scheint. Diese fehlende Verbindung weckt bei Fiona das Interesse daran, mehr über die Käuferin und das Internat zu erfahren. Bei ihren Recherchen stösst sie nach und nach auf Enthüllungen, die aufzeigen, was sich damals alles in Idlewild Hall abgespielt hat. Die Kapitel aus der Gegenwart werden immer wieder mit Zeitsprüngen in die 50er Jahre abgewechselt, in denen man einige ausgewählte Schülerinnen aus der damaligen Zeit näher kennenlernt und erfährt, welches Schicksal sie damals in nach Idlewild Hall gebracht hat. Beide Zeitstränge konnten mich gleichermassen fesseln und die Autorin hat es geschafft, die Erzählweise so aufeinander abzustimmen, dass man die Geschichte fliessend lesen kann, ohne dass man durch die Zeitsprünge verwirrt wird. Viel mehr noch: Durch die Informationen, die man aus der Vergangenheit und der Gegenwart erfährt, gelingt es St. James einen Spannungsbogen zu konstruieren, der dazu geführt hat, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte. Dabei wird immer nur gerade so viel verraten, dass man als Leser*in miträtseln kann, die Spannung aber durchweg aufrechterhalten werden kann. Ergänzt wird das ganze durch einen sehr angenehmen und packenden Schreibstil.

Gegen Ende hin werden die verschiedenen Handlungsstränge allmählich zu einem Ganzen zusammengefügt. Das ist für mich in Mystery Romanen oder Thrillern immer ein sehr heikler Zeitpunkt, denn manchmal geschieht dies auf sehr weit hergeholte Weise, damit alles, was zuvor berichtet wurde, irgendwie Sinn macht. In diesem Buch ist das zum Glück nicht der Fall gewesen, doch ich muss dennoch sagen, dass mich die Auflösung nicht ganz zufriedengestellt hat. Sie wirkt zwar in sich schlüssig, aber irgendwie auch ein bisschen konstruiert auf mich.

Ein weiterer Kritikpunkt an das Buch ist die Bedeutung des Titels. "Die schwarze Frau" bezieht sich auf den Mysteryaspekt in der Geschichte, der aber in meinen Augen nicht unbedingt relevant für das gesamte Geschehen gewesen wäre. Die schwarze Frau hätte auch gut weggelassen werden können und der Verlauf des Plots wäre trotzdem auf die gleiche Weise möglich gewesen, was diese ominöse schwarze Frau irgendwie überflüssig macht. Ich finde den Titel deshalb etwas ungünstig gewählt, denn damit wird der Fokus auf ein Aspekt gelegt, der rückblickend aus meiner Sicht den vernachlässigbarsten Teil des gesamten Buches ausmacht. Die schwarze Frau spielt als Nebenerzählung eine Rolle, der Fokus des Buches liegt aber ganz woanders. Vielleicht hätte man sich beim Titel mehr auf Idlewild Hall fokussieren sollen, da dies der Ankerpunkt für den gesamten Plot darstellt.

Fazit:
Eine packende Mischung aus Mystery und Historical Fiction, die auf zwei verschiedenen Zeitebenen das Mysterium um das Mädcheninternat Idlewill Hall schrittweise aufklärt. Die Autorin schafft es mit einem fesselnden Schreibstil, die Spannung während des gesamten Plots ausfrecht zu erhalten und die verschiedenen Handlungsstränge zu einer flüssigen Story zu verpacken. Einzig die Aufklärung am Ende und der für den Plot eher überflüssige Mysteryanteil sind zwei Kritikpunkte, für die ich einen Stern abziehen muss. Ansonsten handelt es sich um eine kurzweilige, spannende Geschichte, die mich gut unterhalten konnte.