Cover-Bild Melting Point
Band 487 der Reihe "Die Andere Bibliothek"
48,00
inkl. MwSt
  • Verlag: AB - Die Andere Bibliothek
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Sachbücher / Geschichte
  • Seitenzahl: 456
  • Ersterscheinung: 17.09.2025
  • ISBN: 9783847704959
Rachel Cockerell

Melting Point

Suche nach dem Gelobten Land. Eine Familiengeschichte
Nina Frey (Übersetzer), Cornelius Reiber (Übersetzer)

Eine Familie im Sturm der Weltgeschichte: Auf dem Weg zur Gründung eines jüdischen Staates in Texas.

Am 7. Juni 1907 sticht ein Schiff voller russischer Juden in See, nicht nach Jerusalem, wie viele an Bord geträumt haben, sondern nach Texas. Der Mann, der dies organisierte, ist David Jochelmann, der Urgroßvater von Rachel Cockerell. Es ist der Beginn der Galveston-Bewegung, ein in Vergessenheit geratenes Kapitel der Weltgeschichte, als 10.000 Juden im Vorfeld des Ersten Weltkriegs nach Texas flohen.
Auf höchst originelle Weise verwebt Rachel Cockerell Briefe, Tagebücher, Memoiren, Artikel und Interviews zu einem lebendigen Bericht über die, die dabei waren. Sie folgt ihren Protagonisten durch zwei Weltkriege, nach London, New York und Jerusalem – während sich ihre Schicksale mit einigen der denkwürdigsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts verflechten. 

»Wundervoll!« Zadie Smith

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2025

Ein Buch rein aus Briefen, Artikeln und Erinnerungen

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Ein Buch rein aus Briefen, Artikeln und Erinnerungen

Bücher mit ungewöhnlicher Erzählweise haben immer einen großen Platz bei mir. Wenn sie Inhalte anders aufbauen, als in reiner Schriftform und den Leser ...

Ein Buch rein aus Briefen, Artikeln und Erinnerungen

Bücher mit ungewöhnlicher Erzählweise haben immer einen großen Platz bei mir. Wenn sie Inhalte anders aufbauen, als in reiner Schriftform und den Leser durch Briefe, Zeitungsartikel und Ähnliches viel tiefer in eine Geschichte eintauchen lassen.

So ist es auch hier. Die Autorin erzählt diese Geschichte anhand von Briefen, Tagebüchern, Memoiren, Artikeln und Interviews und verfolgt die Beteiligten durch zwei Weltkriege und über mehrere Kontinente.

Am 7. Juni 1907 brach ein Schiff mit russisch-jüdischen Emigranten nach Texas auf. Organisiert von David Jochelmann, dem Urgroßvater der Autorin Rachel Cockerell. Diese Fahrt markierte den Beginn der weitgehend vergessenen Galveston-Bewegung, durch die rund 10.000 Juden vor dem Ersten Weltkrieg in Texas Zuflucht fanden.

Zu Beginn bekommen wir einen Stammbaum der Familie vorgelegt und dann geht es eigentlich auch schon direkt los.

Ich muss zugeben, ich habe etwas gebraucht, um das Buch zu lesen. Nicht weil es langweilig gewesen wäre, sondern weil es so voller Informationen und Geschichte war, dass ich diese Zeit gebraucht habe, um alles, auch für mich selbst, einordnen zu können.

Das Buch hat 47 Kapitel. Alle, eher kurz, was aber von Vorteil ist, so kann man das Gelesene direkt verarbeiten und muss keine ellenlange Texte lesen, um den Inhalt zu verstehen. Und diese sind wirklich komplett aus eben Briefen, Gesprächen und Zeitungsartikeln geschrieben. Die Autorin hat es geschafft, diese so gut und sinnvoll anzuordnen, dass eine wirklich spannende Nacherzählung dieser Geschichte gelungen ist.

ISBN: 978-3847720669
Autorin: Rachel Cockerell
Verlag: Andere Bibliothek
ET: 17.09.25
Umfang: 456 Seiten

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  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 26.10.2025

Interessante jüdische Familiengeschichte

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REZENSION – Bei der Erforschung ihrer Familiengeschichte stieß die britische Autorin Rachel Cockerell (31) auf den Namen ihres Urgroßvaters David Jochelmann (1869 bis 1941), über den im Familienkreis nichts ...

REZENSION – Bei der Erforschung ihrer Familiengeschichte stieß die britische Autorin Rachel Cockerell (31) auf den Namen ihres Urgroßvaters David Jochelmann (1869 bis 1941), über den im Familienkreis nichts Genaues bekannt war. Erst durch ihre Nachforschungen erfuhr sie, welche Bedeutung ihr russischer Vorfahr in der Zusammenarbeit mit Theodor Herzl (1860 bis 1904), Begründer des politischen Zionismus und Autor des Buches „Der Judenstaat“ (1896), und dem englischen Aktivisten Israel Zangwill (1864 bis 1926), Schriftsteller und vermutlich Autor des Slogans „Ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“ (1901), auf der Suche nach einem eigenen Staat für die in aller Welt verstreuten Juden hatte. Ihr im September beim Verlag „Die Andere Bibliothek“ veröffentlichten Buch „Melting Point. Suche nach dem Gelobten Land“ verbindet Cockerells Familiengeschichte mit den Geschehnissen um die Zionistenkongresse in Basel um 1900, um jüdische Identität, Zugehörigkeit und erzwungene Migration. Ein Schwerpunkt des Buches ist die Galveston-Bewegung – ein Kapitel jüdischer Geschichte, das längst vergessen scheint: Mit Hilfe der im Jahr 1905 von Zangwill in London gegründeten „Jüdisch-Territorialistischen Organisation“ (ITO) und des Einsatzes ihres russischen Büroleiters David Jochelmann in Kiew gelang zwischen 1907 und 1914 die gezielte Übersiedlung von 10 000 Juden aus Osteuropa über die Hafenstadt Galveston – das „Ellis Island des Westens“ – nach Texas und in angrenzende Bundesstaaten. Ziel war es, die bereits mit jüdischen Einwanderern überfüllten Städte an der Ostküste nicht weiter zu belasten.
Mit ihrem Buch ist der Autorin literarisch ein ungewöhnliches Experiment gelungen: Statt eines von ihr verfassten Rückblicks auf die historischen Ereignisse mit Verweis auf genutzte Quellen verzichtet Rachel Cockerell gänzlich auf eigenen Text und lässt allein Auszüge aus Briefen, Tagebüchern und Memoiren der Akteure und Zeitgenossen sowie aus Protokollen, Zeitungsartikeln und Interviews jener Jahre für sich selbst sprechen. Das Faszinierende an „Melting Point“ ist also die Tatsache, das es sich nicht um die perspektivisch oft einseitige Abhandlung eines „allwissenden“ Historikers handelt, der rückblickend das Geschehen zusammenfasst und nach eigenem Verständnis interpretiert, sondern um persönliche Aussagen der damals Handelnden und detaillierte Beobachtungen ihrer Zeitgenossen. Gerade diese auch gelegentlich sich widersprechende Vielstimmigkeit macht das Erzählte so interessant. Der Autorin ist es zudem vorbildlich gelungen, ihre Quellen-Auszüge inhaltlich derart geschickt zu verbinden, dass die einzelnen Texte in ihrer Summe beim Lesen den Eindruck einer durchgehenden Handlung ergeben, die sich gerade wegen ihrer Authenzität ungemein spannend liest.
Bis in Einzelheiten erfahren wir auf diese Weise vom mehrtägigen Pogrom im April 1903 in Kischinew (heute Chişinău, Republik Moldau) und sind lesende „Teilnehmer“ bei den Zionistenkongressen unter Leitung von Theodor Herzl, den wir wiederum durch Charakterisierungen von Zeitgenossen als beeindruckende Persönlichkeit ebenso gut kennenlernen wie den schlecht gekleideten und wenig vorteilhaft wirkenden Dramatiker Israel Zangwill. Wir lesen von teilweise beschwerlichen Überfahrten in der dritten Schiffsklasse, über die räumlich beengten Lebensverhältnisse im Judenviertel der Lower East Side in New York um 1900 und den raschen sozialen Aufstieg vereinzelter Juden in den USA zu Millionären und Kunstmäzenen.
Während die ersten zwei Drittel des Buches – einschließlich des Kapitels über den in den USA aufgewachsenen Dramatiker Emjo Basshe (1889 bis 1939), David Jochelmanns Sohn aus erster Ehe, und sein gemeinsam mit dem schon damals international erfolgreichen Schriftsteller John Dos Passos (1896 bis 1970) im Jahr 1926 gegründeten New Playwrights Theater – historisch höchst interessant sind, lässt der dritte Teil über das Leben der Nachkommen Jochelmanns aus zweiter Ehe, denen auch die Autorin angehört, in der Spannung nach und fällt durch Schilderung des allzu Familiären und für Außenstehende weniger interessanten Geschehens stark ab.
Allerdings zeigt uns die Tatsache, dass David Jochelmanns Nachkommen in den USA, in Großbritannien und schließlich auch im jungen jüdischen Staat Israel heimisch wurden und in einem anderen Gesellschaftssystem „verschmolzen“ sind, dass es im Gegensatz zu Theodor Herzls These nicht nur Israel als alleinigen „Melting Point“ (Schmelztiegel) für Juden geben kann.