Cover-Bild Pina fällt aus
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22,99
inkl. MwSt
  • Verlag: List Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 304
  • Ersterscheinung: 26.03.2026
  • ISBN: 9783471370063
Vera Zischke

Pina fällt aus

Roman | Von der Autorin des Leserinnenlieblings AVA LIEBT NOCH

Wenn du weißt, dass du für jemanden die ganze Welt bist 

Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück. Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch. 

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.06.2026

Zusammenhalt ist alles

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„Es ist nicht nur eine Bürde, weißt du. Es ist auch ein Privileg. Leo hat mir Zutritt zu einer Welt verschafft, die die meisten Menschen niemals betreten. Ich habe mehr von ihm gelernt als von allen ...

„Es ist nicht nur eine Bürde, weißt du. Es ist auch ein Privileg. Leo hat mir Zutritt zu einer Welt verschafft, die die meisten Menschen niemals betreten. Ich habe mehr von ihm gelernt als von allen anderen Menschen auf der Welt.“

Pina ist eine taffe Frau, die sich rührend um ihren autistischen Sohn kümmert. Doch sie ist am Ende ihrer Kräfte und versteckt ihre Überforderung hinter Tabletten, bis sie ganz plötzlich mitten auf der Straße zusammenbricht.

Als Leser begleiten wir sie durch einen stressigen Alltag als Alleinerziehende eines autistischen Kindes. Die Autorin hat detailliert beschrieben, wie ungewöhnlich sich der inzwischen 20jährige Leo in allem verhält. Jede Veränderung seines Tagesablaufs bringt ihn aus dem Gleichgewicht, macht die Betreuung noch anstrengender. Anfangs gibt es nur eine Nachbarin, mit der Pina Kontakt hat. Inge ist aber selbst schon 86 Jahre alt und verlässt ihre vier Wände nicht mehr. Während Pina für sie einkaufen geht, kann Leo maximal eineinhalb Stunden bei Inge fernsehen. Aber eines Tages kommt Pina nicht mehr zurück. Nun ist auch die restliche Hausgemeinschaft gefragt. Das sind die 16jährige Schulabbrecherin Zola und der abergläubische Einsiedler Wojtek. Für alle ist es harte Arbeit, bis sie den Umgang mit Leo einigermaßen beherrschen.

Es macht richtig Freude zu lesen, wie sich die Hausgemeinschaft zusammenschließt und versucht, Pinas Sohn gerecht zu werden. Wie zu erwarten war, gibt es dabei viele Hürden zu überwinden. Jeder hat andere Vorstellung vom Umgang mit dem 20jährigen, der rechtzeitig den Bus zur Behindertenwerkstatt erreichen soll.
Als LeserIn war ich mitten drin im turbulenten, nervenaufreibenden Geschehen. Dabei habe ich viel über Leos Besonderheiten gelernt. Er ist mir direkt ans Herz gewachsen – ebenso wie alle Beteiligten, die sich aufopferungsvoll um ihn kümmerten, weil sie bemerkten, dass er sonst verloren wäre. Auch sie alle haben sich weiterentwickelt.

Fazit: Ein besonderes Buch über eine besondere Lebenssituation.

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Veröffentlicht am 11.06.2026

Andersartigkeit

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Leo, ein junger Mann von 20 Jahren, ist anders als andere. Er funktioniert nur nach speziellen Normen und Regelmäßigkeiten, Abweichungen duldet er nicht. Er braucht Rituale zum Aufstehen und beim Frühstück ...

Leo, ein junger Mann von 20 Jahren, ist anders als andere. Er funktioniert nur nach speziellen Normen und Regelmäßigkeiten, Abweichungen duldet er nicht. Er braucht Rituale zum Aufstehen und beim Frühstück damit er den Bus in die Behindertenwerkstatt nicht verpasst. Seine Mutsch (Mutter) Pina weiß was zu tun ist. Ihre eigenen Bedürfnisse und Gesundheit hat sie hinter Leos Bedürfnisse gestellt bis sie auf der Straße umkippt und mit einer Notoperation so gerade gerettet wird. Leo ist alleine und versteht nichts. In dem Haus wohnen die 86-jährige Inge, die nach einem Sturz ihre Wohnung nicht mehr verlässt, Herr Wojtek, der im Homeoffice arbeitet, schüchtern und unsicher und in eine Verkäuferin aus dem Internet verliebt und Zola, 16 Jahre jung, rebelliert gegen die Eltern, Schule und Konventionen, bis ihr Vater sie in diese Mietshauswohnung abgeschoben hat. Diese unkonventionelle Hausgemeinschaft kümmert sich so gut es geht um Leo, mit allen Problemen und Fehlern und mit aller Hoffnung, ihn nicht in ein Pflegeheim abschieben zu müssen bis Pina wieder gesund ist.
Der Roman über Außenseiter der Gesellschaft, über Andersartigkeit hat neben der Nachdenklichkeit über unserem Umgang mit diesen Menschen besonders viel Humor und liest sich leicht und locker.

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Jahreshighlight: erfrischend, authentisch und humorvoll!

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Erfrischend und humorvoll beschreibt Vera Ziscke, wie das Zusammenleben funktionieren kann, wenn wir aufeinander zugehen.

Neben Leo lernen wir nämlich auch den Einsiedler Wojtek und die 86-jährige Inge ...

Erfrischend und humorvoll beschreibt Vera Ziscke, wie das Zusammenleben funktionieren kann, wenn wir aufeinander zugehen.

Neben Leo lernen wir nämlich auch den Einsiedler Wojtek und die 86-jährige Inge kennen, die jeweils mit ihren ganz individuellen Barrieren zu kämpfen haben.
Oder die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, die es auch alles andere als leicht im Leben hat. Wer hat das schon?

Es ist eine inspirierende Geschichte, die Hoffnung verleiht und dazu ermutigt, aufeinander zuzugehen.

Die Türen füreinander zu öffnen, statt sie zu verschließen. Erst dann können wir letztlich alle voneinander profitieren. Das zu lesen, hatte etwas ausgesprochen Heilsames.

Außerdem konnte Sam mich persönlich emotional tief berühren. Als Pfleger auf der Intensivstation (auf der Pina liegt) steht er hier stellvertretend für all die engagierten Pflegekräfte, die mit Menschlichkeit und Herzenswärme an ihren Beruf herangehen:
Sei es der letzte Wunsch eines Patienten bzw. Einer Patientin, ein anderer Herzenswunsch oder einfach nur ein freundliches Wort.

Sam kümmert sich nicht ausschließlich um die kranken Körper, sondern auch um die individuellen Bedürfnisse jenseits des rein Somatischen.

Fazit

Eine absolute Herzensempfehlung für jeden! Es gibt keine spezifische Zielgruppe oder Altersklasse, die wir nennen können: Diese Geschichte sollten einfach ALLE lesen!

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Ein wunderbares Buch über Zusammenhalt

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Pina Luxen wird gebraucht. Als alleinerziehende Mutter muss sie funktionieren, auch wenn ihr Sohn Leo schon 20 Jahre alt ist. Aber der junge Mann ist ein Autist und nur seine Mutsch weiß, wie die alltäglichen ...

Pina Luxen wird gebraucht. Als alleinerziehende Mutter muss sie funktionieren, auch wenn ihr Sohn Leo schon 20 Jahre alt ist. Aber der junge Mann ist ein Autist und nur seine Mutsch weiß, wie die alltäglichen Abläufe bei ihm sind und auch sein müssen, damit er sich wohlfühlt. 
Einmal pro Woche bleibt Leo bei Inge, der Nachbarin für die Pina dann mit einkaufen geht, wenn sie sowieso die Einkäufe für sich und Leo erledigt. Bei einem dieser Ausflüge vom Einkaufen zurück passiert es dann und Pina bricht auf der Straße zusammen. Nun liegt sie auf der Intensivstation und kann nicht für Leo da sein. 
Die Nachbarn sind überfordert, denn sie wissen nicht, wer noch zur Familie gehört und wen sie benachrichtigen können. So wissen sie auch nicht, wer für Leo zuständig ist. Nur sie selber können es ja wohl nicht sein. 
Doch je länger sie mit Leo zu tun haben und eben doch machen, was getan werden muss, umso mehr schließen sie Leo in ihre Herzen. Da sind einmal Inge, die schon älter ist und nichts mehr vom Leben erwartet. Dann ist da Zola, die 16 jährige Tochter des Vermieters, die in den Tag hinein lebt und nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Und zuletzt Wojtek, der im Home-Office ist und allgemein sehr zurückgezogen lebt. Diese Truppe kümmert sich um Leo und nach und nach lernen sie ihn und seine Bedürfnisse besser kennen. 

Ich hatte gar nicht so richtig hohe Erwartungen an dieses Buch, aber es lässt mich einfach nur begeistert zurück. Man erfährt immer von unterschiedlichen Protagonisten ein Stück des weiteren Verlaufs in der Geschichte. Dadurch lernt man die Menschen immer besser kennen und hat ein Stück weit das Gefühl, dass man mit dabei ist. Das ist ein tolles Gefühl, weil man eben auch Leo immer mehr in sein Herz schließt. Bei mir kommt noch hinzu, dass mir die Stadt sehr vertraut ist, in der das Buch spielt. So kam ich gefühlt noch mehr in der Geschichte an. Es ist ein tolles Buch, das man selber erleben muss und ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Nah am Leben entlanggeschrieben

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Leo liegt noch im Bett, als Pina in die Küche kommt. Sie schaltet die Kaffeemaschine ein und drückt zwei Tabletten aus dem Blister. Sie spürt Leos Blick im Rücken. Es muss also die grüne Blase in der Lavalampe ...

Leo liegt noch im Bett, als Pina in die Küche kommt. Sie schaltet die Kaffeemaschine ein und drückt zwei Tabletten aus dem Blister. Sie spürt Leos Blick im Rücken. Es muss also die grüne Blase in der Lavalampe aufgestiegen sein. Sie dreht sich um und sieht die blonden Haare ihres zwanzigjährigen Sohnes in alle Richtungen abstehen. Er sieht aus wie ein Rockstar nach durchzechter Nacht. Leo setzt sich und rückt mit dem Stuhl so nah an den Tisch, dass er zwischen Lehne und Kante press sitzt. Er nimmt die Frostiespackung, stellt sie wieder ab, rückt die Müslischale akkurat in die Mitte des weißen Kreises der blauen Wachstischdecke, nimmt die Packung wieder auf, schüttet bis zur Hälfte ins Porzellan und füllt mit Milch auf. Dann beginnt das Warten darauf, dass die Brocken einweichen und Pina sieht auf die Uhr. Nach dem Frühstück mahnt Pina zur Eile, was keinerlei Sinn ergibt, denn je mehr Druck sie macht, desto fahriger wird Leo. Pina weiß, dass Harry, der Fahrer der Behindertenwerkstätte exakt eine Pall-Mall-Länge wartet, länger nicht. Im Treppenhaus steigt Leo zwei Stufen nach unten, eine wieder herauf. Pina kann dem Ritual nur beiwohnen, wenn sie Leo unterbricht, hakt etwas in seinem Kopf aus und schleift und das sorgt dann für richtig schlechte Laune. Wie jeden Morgen erreicht Pina Harry in letzter Minute und atmet auf, als Leo einsteigt. Jetzt kann sie zum Callcenter laufen.

Nach der Arbeit hetzt Pina nach Hause. Auf den letzten Metern hört sie schon das hysterische Geschrei der glatzköpfigen Tochter des Hauseigentümers. Pina rennt panisch auf Harry zu, der die Vermietertochter ignoriert. Dieser Scheißbus, der sie jede Nacht aus dem Schlaf stinkt. Er solle doch vier Meter weiter halten, weil sie ihm sonst seine Scheißreifen zerstechen wird. Als Harry die Tür öffnet, zieht Leo alle Register seiner Erregung. Schnelle Atmung, Händeschütteln. Lauter Protest „Oh ne, oh ne Scheißreifen, Scheißbus!“ Dann erreicht er die nächste Eskalationsstufe, läuft vor und zurück und schreit „Ficka, Huansohn“. Die Glatzköpfige stapft die Stufen hoch und verschwindet maulend im Hausflur. Pina versucht den Tag zu retten.

Fazit: Vera Zischke, Journalistin und Autorin, hat nach ihrem Debüt „Ava liebt noch“ wieder nah am Leben entlanggeschrieben. Und diesmal klingt es, als plaudere sie aus dem Nähkästchen. Ihre alleinerziehende Protagonistin stemmt die Sorge um ihren autistischen Sohn und den Lebensunterhalt. Dann wird sie ernsthaft krank und als Notfall in die Klinik eingewiesen. Drei Nachbarn weigern sich zuerst akribisch in die enge Wahl derer gekommen zu sein, die Leo versorgen müssen und zeigen Unverständnis für seine Eigenarten. Aber Leo ist nicht nur eigenartig, sondern auch bezaubernd und so wächst nach und nach das Verantwortungsbewusstsein der unfreiwilligen Gemeinschaft. Die Geschichte zeigt, wie wir uns verändern könnten, wenn wir Inklusion nicht nur zuließen, sondern leben würden. Eine ganz fein ausgearbeitete, bewegende Geschichte mit viel Gespür und Kenntnis des frühkindlichen Autismus. So gelungen hat mir in einem Buch noch niemand gezeigt, was im Kopf und Nervensystem eines autistischen Menschen vorgeht, wenn die Routine durchkreuzt wird und es anfängt im Getriebe zu harken. Absolute Leseempfehlung für alle, die sich berühren lassen möchten.

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