Das Leben einer Tradwife - zwischen Provokation, Wut und Fassungslosigkeit
YesteryearLiteratur darf provozieren und Charaktere müssen keine Sympathieträger sein.
Das Buch »Yesteryear« vereint beides: eine unsympathische, arrogante und zynische Protagonistin sowie eine Geschichte, die ...
Literatur darf provozieren und Charaktere müssen keine Sympathieträger sein.
Das Buch »Yesteryear« vereint beides: eine unsympathische, arrogante und zynische Protagonistin sowie eine Geschichte, die mich zeitweise sprachlos und zornig zurückgelassen hat.
Gleichzeitig hat es sich, einmal angefangen, wie ein Rausch angefühlt, aus dem es kein Entkommen gab. Caro Claire Burke ist mir ihrem Debüt ein weltweiter Erfolg gelungen.
✨️Zum Inhalt✨️
Natalie Heller Mills verkörpert das Ideal einer perfekten Ehefrau und Mutter im christlich-amerikanischen Traditionsverständnis. Auf Instagram präsentiert sie sich ihren 5 Millionen Followern als Vorzeigefrau. Der perfekte Sauerteig? Kein Problem.
Was sie außer Acht lässt: ihre Nannys, ein ganzes Produktionsteam und viele weitere helfende Hände.
So romantisiert sie ein veraltetes Lebensmodell, ohne irgendetwas zu hinterfragen.
Bis sie eines Tages aufwacht und sich plötzlich in genau jenem Leben wiederfindet, das sie in den sozialen Medien glorifiziert hat – nur ohne Nanny, Heizung und Strom.
Insgesamt ist die Handlung in drei Teile gegliedert: Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft.
✨️Beschreibung Natalie✨️
Die Protagonistin ist krass: Sie hat ihr Harvard Studium abgebrochen, um allen eine heile Welt vorzuspielen, an deren Realität sie fest glaubt.
Zugleich ist ihre Sichtweise auf die Lebensweise anderer Frauen völlig beschränkt.
Sie versteht alles falsch und lebt in ihrer ganz eigenen, absurden Blase.
Natalies Weltanschauung basiert auf patriarchalen Annahmen.
Besonders erschreckend ist, dass sie selbst überzeugt ist, dieser Zustand würde niemals enden. Das erklärt auch, warum ich das Buch zwischenzeitlich am liebsten gegen die Wand gepfeffert hätte😡.
✨️Was macht das Buch so besonders?✨️
Als der zweite Teil anfing, wusste ich nicht mehr, ob die Protagonistin in einem Albtraum feststeckt, oder ob es sich um die Realität handelt.
Doch die Geschichte und das Bedürfnis, alle Zusammenhänge genau verstehen zu wollen, haben mich derart gefesselt, dass ich immer weiterlesen musste.
Es ist kein neues Phänomen, dass sich Menschen an veralteten Rollenbildern festhalten und sich eine idealisierte und mitunter durch verschwörungstheoretische Narrative untermauerte Vergangenheit bewahren wollen.
✨️Fazit✨️
»Yesteryear« ist kein lockeres Sommerbuch, das Leichtigkeit und Urlaubsvibes versprüht. Aber es hinterlässt Spuren und bleibt in Erinnerung.
Eine Empfehlung für alle, denen die darin aufgeworfenen gesellschaftlichen Themen zusagen und die der unsympathischen Protagonistin eine Chance zu geben bereit sind – es lohnt sich.