Ich habe eine leichte Sommerromance erwartet und eine Geschichte mit Tiefgang bekommen. Emma Wagner versteht es unglaublich gut, die verfahrenen Situationen der beiden Charaktere nach und nach spürbar zu machen.
So wie es aussieht, ist die Mutter von Ava seit dem Tod ihres Vaters vor vier Jahren manisch-depressiv, lässt sich aber nicht behandeln. Was das für Ava und ihre Schwester bedeutet weiß Emma Wagner so einfühlsam und herzzerreißend darzustellen. Und auch wie Maddie als typischer Teenager mit ihren 14 Jahren darauf reagiert, ist so lebensecht geschildert. Ava befindet sich in einer absolut verfahrenen Situation mit ihrer Familie, in der sie ihre eigenen Bedürfnisse und Träume aufgeben musste, um die Familie über Wasser zu halten.
Anders aber dennoch in einer verfahrenen Situation befindet sich auch Jay. Er hat als Sohn mexikanischer Einwanderer nicht nur mit Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen. Er hat auch noch ein anderes Problem, dass ihn bald seinen Versuch, Basketball-Profi zu werden, kosten könnte. Übrigens spielt der Sport hier nicht so eine tragende Rolle, wie man es sonst aus Sports Romance kennt.
Das Buch schildert unglaublich realistisch die Situationen, in der die beiden stecken und ist obendrein auch anfänglich sehr witzig und später spannend. Emma Wagner hat ein Händchen für lustige Wortgefechte. So ist auch in diesem Buch ihre Protagonistin bewundernswert schlagfertig. Tja, und womit Ava und Jay zu kämpfen haben wird nur nach und nach transparent. Bei Ava etwas schneller, da man ihr aus der Ich-Perspektive folgt und daher schneller in ihr Leben eintaucht. Bei Jay hatte ich irgendwann eine Ahnung, was ihn noch alles belastet, aber es war spannend zu sehen, wie die Puzzlesteinchen alle an ihren Platz gefallen sind.
Ich habe es genossen, einer Protagonistin folgen zu können, die sich zu wehren weiß und nicht das kleine untergebutterte Weibchen ist, das man folgenlos demütigen kann. Und ich habe mich total in Jay verliebt, wie empathisch er auf Ava eingeht. Und es ist bemerkenswert, wie gut es der Autorin gelungen ist, aus Enemies Lovers zu machen. Das ist in dieser Geschichte sehr glaubwürdig passiert, was ja nicht immer der Fall ist.
Eine tragende Rolle spielt in diesem Buch auch das Kleinstadtidyll mit seinen liebenswerten, teils klischeehaft-schrulligen Nebencharakteren sowie der Strand und das Meer.
Das Buch reißt neben den hier genannten noch einige weitere Baustellen auf, die die Hoffnungslosigkeit der Situation weiter verschärfen. Diese werden am Ende ebenfalls alle mit einem Handstreich gelöst. Das war selbst für mich, als Romance-Fan, eeeetwas zu optimistisch und zu „süßlich“.
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Kategorisierung
📚 Romance-Sub-Genre: Contemporary
👥 Altersgruppe der Hauptfiguren: Young Adult, New Adult
➿ Plot-Trope: Emotional scars, Enemies to lovers, Neighbour, Slow burn, Strong female main character
🌎 Setting-Trope: Lovescape, Small town, Sports
⚤ Geschlechterkonstellation: Hetero
💞 Beziehungsstruktur: Monogam
🔪 Spannung: Medium
🖤 Darkness: Unbedrohlich
💓 Emotionalität: Medium
🧠 Psychologische Tiefe: Tiefgehend
🧐 Glaubwürdigkeit: Glaubwürdig
❤️ Sympathiefaktor der Hauptfiguren: Sympathisch
😆 Humor: Teils teils
👫 Klassisches Rollenmodell: Weniger
💋 Anzahl Spicy Szenen: 2
🔗 Spielart Spicy Szenen: Vanilla
🔥 Explizitheit Spicy Szenen: Medium
🎨 Originalität der Erzählweise: Teils teils
👀 Erzählperspektive: Ich-Erzähler:in