Er ist der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Er hat alles im Griff. Doch in Kalmanns Kopf laufen die Räder manchmal rückwärts. Als er eines Winters eine Blutlache im Schnee entdeckt, überrollen ihn die Ereignisse. Mit seiner naiven Weisheit und dem Mut des reinen Herzens wendet er alles zum Guten. Kein Grund zur Sorge.
Der Schweizer Schriftsteller Joachim B. Schmidt lebt seit einigen Jahren in Island.
Er meint, die Schweiz und Island sind sich ähnlich.
Der Roman Kalmann ist außergewöhnlich angelegt. Kalmann ist ein ...
Der Schweizer Schriftsteller Joachim B. Schmidt lebt seit einigen Jahren in Island.
Er meint, die Schweiz und Island sind sich ähnlich.
Der Roman Kalmann ist außergewöhnlich angelegt. Kalmann ist ein Protagonist mit einigen Defiziten. Er ist fast 34 Jahre alt und er schildert seine Geschichte. Er legt Haiköder aus und mach daraus Gammelhai. So etwas wird wirklich in Island gegessen. Der Autor hat es auch schon probiert. Kalman hat schon als Kind seinem Großvater bei der Arbeit geholfen. Kalman erzählt mit einer Naivität, die diesen Roman etwas besonderes gibt. Seine Sichten über die anderen Personen sind auf seine Psyche ausgelegt. Er schildert seine Kindheit als Außenseiter, der zum Held wird.
Die Handlung von Kalmann ist im verschneiten Island angesiedelt. Das winterliche gibt dem Buch viel Atmosphäre.
Die Kraft des Buches entsteht daraus, dass die Geschichte ganz und gar aus der außergewöhnlichen ...
Die Handlung von Kalmann ist im verschneiten Island angesiedelt. Das winterliche gibt dem Buch viel Atmosphäre.
Die Kraft des Buches entsteht daraus, dass die Geschichte ganz und gar aus der außergewöhnlichen Perspektive der Icherzählers Kalmann erzählt wird.
Kalmann ist 30 Jahre alt, aber er ist geistig auf dem Stand eines Kindes. Und obwohl er manchmal verhaltensgestört wirkt und aggressiv werden kann, ist er ein guter Kerl und in der isländischen ländlichen Gemeinschaft weitgehend akzeptiert. Außerdem ist er tatsächlich ein guter Haifischfänger und bereitet den beliebten Gammelhai zu.
Kalmanns Gedanken sind geradeaus, manchmal aber auch mit ungewöhnlichen Abzweigungen.
Das ausgerechnet er eine Blutlache findet, die auf ein Verbrechen hindeutet, lässt einen außergewöhnlich geschilderten Kriminalplot zu. Und zum Ende hin entfaltet sich auch eine spannungsvolle Dramatik.
“Kalmann” bietet eigentlich das perfekte Setting für einen düsteren, nordischen Kriminalroman. Aber mithilfe seines eigenwilligen Protagonisten ändert Joachim B. Schmidt die Stimmung und lässt einen 34-jährigen ...
“Kalmann” bietet eigentlich das perfekte Setting für einen düsteren, nordischen Kriminalroman. Aber mithilfe seines eigenwilligen Protagonisten ändert Joachim B. Schmidt die Stimmung und lässt einen 34-jährigen isländischen Forrest Gump die Geschichte erzählen. Dessen Naivität lässt einen manchmal schmunzeln, seine Warmherzigkeit und sein Mut berühren einen und die Verspottungen der anderen machen wütend; kurz gesagt: Kalmann ist ein sonderbarer Geselle, den man schnell ins Herz schließt. Dennoch weiß man bis zur Auflösung nicht, ob man ihm trauen kann, denn neben seiner Gutmütigkeit neigt er zu Wutausbrüchen und man erfährt eben nur den Teil der Handlung, den er selbst preisgibt.
Trotz des eher simpel gestrickten Erzählers zeigt Schmidt in voller Bandbreite sein schriftstellerisches Können. Wortgewandtheit, treffsichere Formulierungen und ein dennoch angepasster Erzählton machen das Buch aus. Besonders gut gelungen sind auch die Darstellungen zwischenmenschlicher Beziehungen.
“Kalmann” ist ein spannender, warmherziger und zugleich intelligenter Krimi, der den “Dorfdeppen” zum ungewöhnlichen (Anti-)Helden macht und zeigt, dass man niemanden vorschnell verurteilen sollte. ⭐️4,5/5⭐️
Kalmann hat sich selbst zum Sheriff von Raufarhöfn ernannt. Seine Tage sind ausgefüllt, denn entweder geht er auf die Jagd oder er legt seine Köder aus, um Haie zu fangen, die er dann zu Gammelhai verarbeitet. ...
Kalmann hat sich selbst zum Sheriff von Raufarhöfn ernannt. Seine Tage sind ausgefüllt, denn entweder geht er auf die Jagd oder er legt seine Köder aus, um Haie zu fangen, die er dann zu Gammelhai verarbeitet. Doch dann überrollen ihn die Ereignisse, als er beim Jagen eine Blutlache entdeckt. Zufällig ist gerade auch Róbert McKenzie, der König von Raufarhöfn, spurlos verschwunden.
Diese Geschichte wird aus der Sicht von Kalmann erzählt, einem behinderten jungen Mann, der alleine in dem kleinen Ort lebt. Alles was er über die Natur, das Meer und Gammelhai weiß, hat er von seinem Großvater gelernt, der nun dement in einem Heim lebt. Dass er ein bisschen anders ist als die meisten Menschen, ist für ihn „kein Grund zur Sorge". Kalmanns Mutter schaut sporadisch vorbei, um Ordnung zu schaffen. Der Vater hat ihm eine Mauser, einen Sheriffstern und einen Cowboyhut gegeben, sich aber sonst nicht um seinen Sohn gekümmert.
Nachdem Kalmann das Blut entdeckt hat, wollen plötzlich alle etwas von ihm. Die Polizei hat Fragen, die Medien bringen ihn in die Öffentlichkeit und die Dorfbewohner wollen auch so manches wissen. Zum Glück kann Kalmann auf dem Meer seinen Kopf entleeren und das ist wichtig, denn ihm geht so manches durch den Kopf. Eigentlich ist Kalmann ein einsamer Mensch, der sich nach einer Frau und Kindern sehnt. Er ist mal naiv und mal gewitzt und seine Sicht auf die Welt ist etwas speziell, oft sogar tiefgründig. Ich mochte ihn ganz gern, auch wenn er durchaus gewalttätig werden kann. Auch die anderen Figuren haben alle ihre Eigenheiten.
Diese Geschichte ist unterhaltsam, aber auch etwas weitschweifig. Doch ich wollte auch wissen, wie es weitergeht und mit dem Ausgang hatte ich so wirklich nicht gerechnet.
Joachim B. Schmidt erzählt in diesem Buch die ungewöhnliche Geschichte eines ganz besonderen Helden.
Kalmann ist der unvergessliche Held dieser Geschichte und mit Cowboyhut, Sheriffstern und Mauser ein echtes Unikat, in einem kleinen Dorf in Island. Seine geistige Behinderung, mit gelegentlichen Wutausbrüchen, ...
Kalmann ist der unvergessliche Held dieser Geschichte und mit Cowboyhut, Sheriffstern und Mauser ein echtes Unikat, in einem kleinen Dorf in Island. Seine geistige Behinderung, mit gelegentlichen Wutausbrüchen, hält ihn nicht davon ab, seiner Berufung nachzugehen: Haifische fangen. Die verarbeitet er dann zu Gammelhai, ganz nach der Tradition seines Großvaters. Kallis Gedanken über das Leben sind treffend, simpel und voller Einsichten. Er wirkt auf andere Menschen harmlos und leichtgläubig. Tatsächlich ist seine Unbefangenheit erstaunlich aufschlussreich, weil er die Dinge akzeptiert, wie sie eben sind. Seine wiederholten Äußerungen erlangen beim Lesen beinahe Kultstatus: „Korrektomundo“ oder „Kein Grund zur Sorge“. Im Verlauf seiner Ich-Erzählung durchlebt Kalmann eine beeindruckende Charakterentwicklung und das macht die Geschichte erst so faszinierend. Wer jetzt glaubt, ihn erwartete ein spannender Kriminalfall, der irrt: Dies ist eine ruhige und trotzdem ereignisreiche Geschichte - unter der Oberfläche komplex und zugleich mühelos.
Der Einstieg war anfänglich etwas mühselig - ab Kapitel dreizehn wird es spannender -, rückblickend ist dies aber ein gelungene Herangehensweise. Auch an den einfachen Sprachstil und die endlosen Sätze gewöhnt man sich. Die Natur Island spielt eine besonders Rolle. Kein Wunder, denn Autor Joachim B. Schmidt lebt vor Ort und lässt Islands Faszination, in seinen Beschreibungen, für alle spürbar werden.
Fazit: Kalmann ist ein erfrischend warmherziger Roman, der einen unvergesslichen Außenseiter in den Vordergrund rückt. Es wird zudem ganz nebenbei auf die Quotenregelung und Abwanderung isländischer Einwohner aufmerksam gemacht, und man erfährt Interessantes über Grönlandhaie, Kommunisten, Eisbären und das eigene Bauchgefühl. Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt und eindrucksvoll Island inszeniert. Absolut überzeugt hat das erschütternde Finale. Ein aufregender Abschluss mit einigen Überraschungen!