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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.04.2026

Mein erstes Mal mit dem Känguru

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Ich kannte das anarchistische Känguru und sein Mitbewohner bisher nur vom Hörensagen. Wenn man politische Satire mag, sind die Känguru-Chroniken offenbar Pflichtprogramm, leider kannte ich sie bisher nicht. ...

Ich kannte das anarchistische Känguru und sein Mitbewohner bisher nur vom Hörensagen. Wenn man politische Satire mag, sind die Känguru-Chroniken offenbar Pflichtprogramm, leider kannte ich sie bisher nicht. Marc-Uwe Klings «Die Känguru-Rebellion» ist eine unverhoffte Fortsetzung in großer Rebellier-Mission und die offizielle Rückkehr des Känguru.
Das Hörbuch spielt, da gesprochen vom Autor, seine facettenreichen Stärken aus und macht doppelt Spaß, aber die absurden und tiefgründigen Dialoge in den kurzweiligen Geschichten sind so gut, dass es sich auch lohnt, das Buch zu lesen, weil man immer ein Päuschen für rebellische Haltung gegenüber politischen Missständen findet. Es wird gesödert, mit dem Skandale-sammel-Spahn und der KI abgerechnet und Mangojoghurt weggeputzt. Die satirischen Spitzen sind brandaktuell und werden dringend gebraucht, genauso wie die Freundschaft zwischen Marc-Uwe und dem Känguru. Komplexe Themen werden zugänglich gemacht und so fühlt man sich nicht nur informiert, sondern auch gesellschaftskritisch unterhalten, während man «von der Schwerkraft in Kombination mit der weltpolitischen Lage niedergedrückt» wird und einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

«Ab und zu erlaube ich mir fünf Sekunden Verzweiflung. Dann geht der Kampf weiter.»

Veröffentlicht am 11.04.2026

Was bleibt, wenn das Leben vergeht?

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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«Ich denke darüber nach, warum die Dinge so gekommen sind»

Bo schwelgt in Erinnerungen, seit seine demente Frau im Pflegeheim lebt, nachdem sie ihn nicht mehr erkannt hat. Durch seine aufgeschriebenen ...

«Ich denke darüber nach, warum die Dinge so gekommen sind»

Bo schwelgt in Erinnerungen, seit seine demente Frau im Pflegeheim lebt, nachdem sie ihn nicht mehr erkannt hat. Durch seine aufgeschriebenen Schilderungen an seine Frau erfährt man, wie schwer das Älterwerden mit den körperlichen Einschränkungen gegen Ende des achten Lebensjahrzehnts sein kann. Bo kann keine Schraubgläser mehr öffnen, vergisst Dinge und kann durch sein schlechtes Gleichgewicht nicht täglich mit Sixten Gassi gehen. Er ist auf Hilfe angewiesen und deshalb kommt regelmäßig der Pflegedienst. Bo liebt seinen Hund sehr und ist wütend auf seinen Sohn Hans, der ihm Sixten wegnehmen will, da er den Bedürfnissen des Hundes nicht mehr gerecht werden kann. Bo hatte ein erfüllendes Familienleben, in dem häufig Hans zu den schönsten Erinnerungen gehört. Die Beziehung zu seinem Sohn, dem gegenüber er oft laut geworden ist und mit dem er eigentlich gern anderes umgegangen wäre, ist ihm wichtig und er möchte die Fehler seines tyrannischen Vaters nicht wiederholen.

Dazwischen gibt es kurze Notizen vom Pflegeperson, die als Information für die Pflegekräfte hinterlassen werden, wobei hier besonders Ingrid sich hervorhebt, da sie sich auch um Sixten kümmert und versteht, was der Verlust des Hundes für Bo bedeutet. Der Schreibstil ist unaufgeregt und lässt einen zur Ruhe kommen.

Es ist ein Roman über das Älterwerden – den körperlichen Verfall und die Entmündigung, die Bedeutung von Liebe und Verlust sowie die Frage, was bleibt, wenn das Leben vergeht. «Alle denken, sie könnten über mein Leben bestimmen – nur ich selbst darf es nicht.»
Berührend und tiefgründig weckt diese Geschichte Mitgefühl für Menschen im Alter und für diejenigen, die mit Verlust und Veränderung kämpfen. Der Roman zeigt, wie zerbrechlich das Leben ist und wie wichtig es ist, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Welche Spuren hinterlässt man und wie findet man Frieden? Dieses Buch ist wie stille Begleiter, der hilft, das Unvermeidliche anzunehmen und das Menschliche darin zu sehen. «Es ist verflucht noch eins nicht leicht, ein Mensch zu sein.»

Veröffentlicht am 11.04.2026

Cozy Fantasy-Highlight mit Tiefe und Herz

The Faraway Inn
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Die etwa 17-jährige Calisa flieht mit gebrochenem Herzen aus Brooklyn nach Vermont zu ihrer Großtante, um möglichst weit von ihrem Ex-Freund entfernt zu sein. Mitten in der abgelegenen Wildnis steht ein ...

Die etwa 17-jährige Calisa flieht mit gebrochenem Herzen aus Brooklyn nach Vermont zu ihrer Großtante, um möglichst weit von ihrem Ex-Freund entfernt zu sein. Mitten in der abgelegenen Wildnis steht ein in die Jahre gekommenes Gasthaus: das Faraway Inn. Alles ist ganz anders als erwartet. Unkraut, Straub, nötigte Reparaturen, wo man hinsieht. Tante Zee ist mürrisch und abweisend, nur wenige seltsame Gäste besuchen das Inn und zwei strenge Regeln gelten: keine Fragen stellen und nicht ohne Erlaubnis Türen öffnen. Zum Glück ist da noch der gleichaltrige aufgeschlossene Jack, der Calisa zuhört, ihr hilft und eine ansteckende Freundlichkeit ausstrahlt. Trotzdem, kein herzlicher Empfang, aber eine stets warme und einladenden Atmosphäre, magische Geheimnisse und cozy Vibes, die ahnen lassen, was diesen Ort einmal so besonders gemacht hat. Die Geschichte richtete sich an eine jüngere Leserschaft, denen die Autorin Sarah Beth Durst einen Zufluchtsort schenken wollte, aber auch Erwachsene sind herzlich willkommen und werden sich angesprochen fühlen.

Calisa macht eine inspirierende Entwicklung durch und demonstriert Reife und Selbstbewusstsein. Tatkräftig ergreift sie Eigeninitiative, gibt nicht auf und beweist großen Mut. Ihr entgeht natürlich nicht, dass man versucht, etwas vor ihr zu verbergen und die seltsamen Begebenheiten kann sie sich auch irgendwann nicht mehr logisch erklären. Die Dialoge zwischen Calisa und Jack fühlen sich leicht und unbeschwert an, der Humor ist erfrischend und die Sympathie der beiden Hauptfiguren ist spürbar. Ihre zarte, romantische Zuneigung wirkt natürlich und unschuldig und beruht auf kleinen Gesten, Vertrauen sowie Unterstützung. Die magischen Elemente eröffnen eine faszinierende Welt voller Wunder und Möglichkeiten, sorgen für Witz, Charme und magische Gefühle. Da möchte ich gar nicht verraten, welche Highlights euch erwarten.

Die erste Hälfte ist richtig entschleunigend und es macht Spaß, gemeinsam mit Calisa die Geheimnisse zu enthüllen, Vertrauen aufzubauen und mehr zu erfahren. Sarah Beth Durst lässt eine raffinierte Spannung entstehen, die die behagliche magische Stimmung nicht beeinträchtigt. Selbst mit zunehmender Seitenanzahl wird es abwechslungsreicher, packend und herzerwärmend emotional, aber immer wieder kommt die cozy Stimmung durch und ich habe mich durchgehend mit den Figuren wohlgefühlt. Das macht die Botschaft, fernab von Magie und Abenteuern, zugänglich und ermutigt dazu, Mut zu fassen, innere Klarheit zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Das Ende vermittelt ein Gefühl von Hoffnung und Zufriedenheit, und die Entwicklung der Handlung und all ihrer Charaktere wirkt dadurch sehr stimmig und rundum gelungen.

Wer es cozy, spannend und herzerwärmend mag, wird das Setting, die Vibes und die Charaktere lieben. Es wird alles harmonisch miteinander vereint. «The Faraway Inn - Wo Magie zu Hause ist» ist ein Ort zum Verweilen, Flüchten und Genießen für alle, die eine magische Wohlfühlgeschichte brauchen. Die liebevolle Aufmachung und der einzigartige Farbschitt machen diesen Schmöker zu einem Lieblingsbuch und tollen Geschenk. Uneingeschränkte Leseempfehlung für dieses Schmuckstück.

Veröffentlicht am 11.04.2026

Episches Finale einer fantastischen Trilogie

Sepia 3: Sepia und der Fluch des Tintendrachen
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Der Abschluss der Buchreihe «Sepia und der Fluch des Tintendrachen» sieht nicht nur umwerfend aus, sondern hat auch inhaltlich alles, was ein Finale braucht: Freunde, die zusammenhalten, um Flohall vor ...

Der Abschluss der Buchreihe «Sepia und der Fluch des Tintendrachen» sieht nicht nur umwerfend aus, sondern hat auch inhaltlich alles, was ein Finale braucht: Freunde, die zusammenhalten, um Flohall vor dem Untergang zu retten, und ein gefährliches Abenteuer in einer anderen Welt, was Spannung, Grusel und Abwechslung verspricht.

Die Handlung knüpft nahtlos an den zweiten Band an. Flohall ist kaum noch wiederzuerkennen. Seit sechs Wochen liegt die Stadt in einem ewig grauen Nebel aus Kälte und Feuchtigkeit, der beängstigend lebendig Stille, Angst und Trostlosigkeit für die Bewohner bedeutet. Wie können Sepia und ihre Freunde Flohall nur von diesem Fluch befreien, der den Untergang der Stadt bedeutet?

Die Zeit läuft ihnen davon, denn der Nebel breitet sich immer weiter aus. Man spürt die Verzweiflung und den Zeitdruck. Die Lehrmeister verfolgen einen Plan mit Tintenmagie, aber Sepia, Niki und Sanzio haben eine andere Idee, die sie zu einem Rätsel führt, das mit Sanzios Familie verknüpft ist und sie in eine andere Welt führt, wenn sie die Rätsel lösen. Entschlossen kämpfen die Drei um ihr Überleben und die Zukunft Flohalls. Dabei treffen sie bekannte und neue Verbündete und Gegenspieler. Besonders Tintillus sticht hier hervor, der mit seinen humorvollen Spitzen wie ein Verschnaufer in der bedrohlichen Stimmung wirkt.

Wer befürchtet, es könnte zu düster und gruselig werden, kann beruhigt sein. Es gibt auch Lichtblicke und atmosphärische Wohlfühlmomente mit Zimtmilch und Kirschtee, die ein Gefühl der Hoffnung schenken, sowie Zeit in Flohall – einer Stadt am Meer, die sich ein Stück nach Zuhause anfühlt. Mit zunehmender Seitenzahl wird es jedoch immer aufregender, spannend und die dichte Atmosphäre ist erfüllt mit zunehmender Eile, Beklemmung und mutiger Zielstrebigkeit. Wer die Rätsel und Andeutungen in den anderen Büchern mochte, kann sich auf noch mehr davon freuen – inklusive einer clever ausgeklügelten Auflösung mit Überraschungseffekt.

«Sepia und der Fluch des Tintendrachen» hat mich von der ersten Seite an sofort wieder in seinen Bann gezogen. Das Finale setzt nochmal einen oben drauf, ist voller gut dosierter Ideen, Fantasie, Freundschaft, bewegender Momente und fesselnder Spannung, weshalb man gar nicht aufhören kann, zu lesen. In vielen Details spiegelt sich das übergreifende Thema des Schreibens, Tinte und Buchdruck wider, das sich durch alle Bücher zieht. Mir hat das sehr gefallen, und ich kann die gesamte Reihe mit diesem würdigen Abschluss von Herzen empfehlen – optisch und inhaltlich magisch großartig und für kleine und auch große Fantasyfans geeignet.

Veröffentlicht am 28.03.2026

Unerklärlich, düster, verwirrend

Die Geister von La Spezia
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Anfang des 19. Jahrhunderts in Italien trauert eine Frau um ihren Mann, dem Dichter Percy Bysshe Shelley, der im Golf von La Spezia verunglückt sein soll. Die visionäre Spezialagentin Pat Colombari soll ...

Anfang des 19. Jahrhunderts in Italien trauert eine Frau um ihren Mann, dem Dichter Percy Bysshe Shelley, der im Golf von La Spezia verunglückt sein soll. Die visionäre Spezialagentin Pat Colombari soll klären, ob es sich tatsächlich um einen Unfall handelt und nutzt dafür die Kunst der Erinnerungsreisen. Was erstmal seltsam klingt, ist eine technologische Möglichkeit in das Bewusstsein historischer Persönlichkeiten einzudringen. Das ermöglicht eine eindringliche Reise in die Vergangenheit, in der Mary Shelley, die Schöpferin von Victor Frankenstein, auf die Suche nach den Geistern ihrer Vergangenheit geht. Im Umfeld ihres Mannes spielt auch der rebellische Lord Byron, als bedeutender englischen Lyriker (und sein unheimlicher Keller), eine Rolle. Kann Mary mit Pat die Umstände des Schiffsunglücks aufklären?

Der Autor Oliver Plaschka vermischt wahre Begebenheit, historische Persönlichkeiten und Orte mit einer eindringlichen Fantasievorstellung, die mit unheimlicher Atmosphäre präsentiert wird. Geschrieben ist das Buch sehr bildhaft, weshalb man auf seine Kosten kommt, wenn man es liebt, sich zu gruseln. In vielen Aspekten außergewöhnlich, aber auch unnötig kompliziert und ich habe mich mit der Sprunghaftigkeit schwer getan. Grund könnten die häufigen Wechsel zwischen den Handlungsebenen gewesen sein, da keine klare Abgrenzung erfolgt. Stellenweise war es mir auch zu langatmig, weil kein klarer Handlungsbogen erkennbar war, auch wenn es stets ungewöhnlich und frisch bleibt. Das hat bei mir für einen Dämpfer gesorgt, obwohl ich die Mischung aus Mystery und historischem Kontext mochte. Trotzdem würde ich von dem Buch nicht abraten, besonders, wenn man neugierig auf das Erinnerungsreisen ist und etwas Außergewöhnliches sucht.