"Die Schwalbe kennt keine Grenzen"
Nach diesem Satz im Epilog beginnt der Autor sich seltsame Fragen zu stellen. Warum, so Moss, lernen wir nicht von diesem Vogel? Solche merkwürdigen von Menschen erdachten Verbindungen zeugen allenfalls ...
Nach diesem Satz im Epilog beginnt der Autor sich seltsame Fragen zu stellen. Warum, so Moss, lernen wir nicht von diesem Vogel? Solche merkwürdigen von Menschen erdachten Verbindungen zeugen allenfalls von Lebensfremdheit und Naivität, aber keineswegs von Weisheit. Als Naturliebhaber müsste dieser Autor eigentlich wissen, dass auch Tiere ihr Revier markieren und Überschreitungen nicht dulden. Vielleicht sind wir diesen Lebewesen näher als der Schwalbe, schließlich können wir auch nicht fliegen, wenn wir mit den Armen wedeln.
Ungeachtet eines solchen vergleichenden Blödsinns ist dieses Schwalbenbuch für Naturfreunde ein Genuss. Schwalben sind in der Tat seltener als früher bei uns zu sehen. Jedenfalls habe ich schon ewig keine mehr gesehen. Wer es jedoch einmal erlebt hat, dass sie ihr Nest unter einem Hausdach und oberhalb des Schlafzimmerfensters gebaut haben, der wird seine Liebe zu Schwalben mit nächtlicher Ruhestörung belohnt bekommen. Denn im Nest geht es zur Sache, dort herrscht unter den Jungvögeln keine Ruhe.
Im Buch beschreibt Moss ein Jahr im Leben von Schwalben. Wir wissen viel und gleichzeitig wenig über diese Vögel. Wir können sie beobachten, aber nicht wirklich verstehen. Wer schon einmal gesehen hat, wie diese Vögel mit einer Irrsinnsgeschwindigkeit durch schmale Löcher fliegen, wird sich fragen, wie diese Koordinationsfähigkeit funktioniert. Oder: Wie finden diese Altvögel ihr Nest, das sie beispielsweise in den Sand einer Steilküste an der Ostsee gebuddelt haben, wo es daneben viele andere davon gibt?
Für Natur- oder Vogelliebhaber ist dieses Buch eine Fundgrube. Andere mögen es vielleicht langweilig finden. Besonders schön fand ich die Illustrationen.