Cover-Bild Wenn Engel brennen

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21,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Argument Verlag mit Ariadne
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 15.07.2019
  • ISBN: 9783867542395
Tawni O'Dell

Wenn Engel brennen

Daisy Dunkel (Übersetzer)

Als Polizeichefin von Buchanan, dem Ort ihrer Kindheit, hat Dove Carnahan schon viel gesehen. Es ist keine kuschelige Gegend: Vom exzessiven Kohleabbau verwüstete Landstriche liegen brach, Geisterstädte rotten vor sich hin. Menschen rackern sich ab oder haben sich schon ­aufgegeben, Träume blühen und welken. Oder sie verbrennen, wie das tote Mädchen, das in einer glühenden Erdspalte steckt.
Der alternde State Trooper Nolan übernimmt die Ermittlung, doch Chief Carnahan bleibt mit dran. Auf der Suche nach dem Hinter­grund der Toten bekommt sie es mit einer berüchtigten Familie zu tun. Kriminell oder arbeitslos, verschworen und zerstritten – die Trulys sind Redneck-Unterschicht der schlimmsten Spielart. Und dieses Milieu ruft in der Polizeichefin längst überwunden geglaubte Alpträume wach. Denn hier ist vieles nicht, wie es scheint.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2019

Ein Roman, der unter die Haut geht

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„Wenn Engel brennen“ ist bereits der sechste Roman von Tawni O’Dell (geboren und aufgewachsen in Pennsylvania), aber der erste, der dank des Argument/Ariadne Verlags in deutscher Übersetzung vorliegt. ...

„Wenn Engel brennen“ ist bereits der sechste Roman von Tawni O’Dell (geboren und aufgewachsen in Pennsylvania), aber der erste, der dank des Argument/Ariadne Verlags in deutscher Übersetzung vorliegt. Bleibt zu hoffen, dass die anderen folgen werden, denn für mich ist er ein Highlight meines Lesejahres. O’Dell ist in Pennsylvania geboren und aufgewachsen und verortet auch ihre Romane dort.

Immer wieder brennen in der Bergbauregion Pennsylvanias die Kohleflöze. Das bekannteste Beispiel ist der Kohlebrand von Centralia, der seit 1962 nicht nur die Stadt sondern auch die Region unbewohnbar gemacht hat. Ähnliches ist auch Campell’s Run widerfahren, einem fiktiven Städtchen am Fuße der Appalachen. Die Feuer schwelen unterirdisch weiter, die Natur ist verwüstet, der Ort fast menschenleer. Doch dann wird in einer Minengrube eine Leiche gefunden, der Schädel eingeschlagen, mit Benzin übergossen und verbrannt. Ein Fall für Dove Carnahan, erste Polizeichefin von Buchanan und seit zehn Jahren im Amt, die gemeinsam mit State Trooper Nolan in diesem Fall ermittelt und im Zuge dessen sich auch mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzen muss. Zwei Familien, zwei Geschichten. Menschen, die nicht nur Opfer sondern auch Täter sind.

Das Brandopfer ist Camio Truly, die aus einer Familie kommt, die jedem Lehrbuch als gelungenes Beispiel für Dysfunktionalität dienen könnte und mit der man sich besser nicht anlegen sollte. An der Spitze die Matriarchin Miranda, die mich sehr an Mags Bennett aus „Justified“ (TV-Serie nach Motiven von Elmore Leonards „Raylan“) erinnert hat. Keinen Widerspruch duldend, regiert sie ihre Redneck-Familie mit harter Hand. Und wehe dem, der ausscheren will. Da fügt man sich doch lieber und bleibt auf Kurs, wenn man nicht wie Camio enden will.

Das hört sich nach einem Kriminalroman an, ist aber weit mehr als das. O’Dell ist hier eine präzise Milieustudie gelungen. Über toxische Familienverhältnisse, über Menschen, von der Politik vergessen, nachdem ihre Lebensgrundlage zerstört wurde. Sie punktet mit sympathischen Charakteren, die sich nicht immer an die Vorschriften halten. Mit trockenem Humor. Mit einer Protagonistin, die sich des Alltagssexismus bewusst ist und diesen souverän händelt.

Ein Roman, der unter die Haut geht. Lest ihn, ihr werdet es nicht bereuen.