Hin- und hergerissen
„Schleifen“ von Elias Hirschl ist ein Buch, das man vor allem wegen seiner Sprache liest. Viele Sätze sind sehr schön formuliert, genau beobachtet und wirken lange nach. Man merkt, dass hier jemand schreibt, ...
„Schleifen“ von Elias Hirschl ist ein Buch, das man vor allem wegen seiner Sprache liest. Viele Sätze sind sehr schön formuliert, genau beobachtet und wirken lange nach. Man merkt, dass hier jemand schreibt, der Sprache ernst nimmt und Freude daran hat, mit ihr zu arbeiten. Auch thematisch hat mich der Roman angesprochen: Es geht um Wiederholungen, das Kreisen um sich selbst, um Unsicherheiten und Gedanken, die nicht zur Ruhe kommen. Das fühlt sich zeitgemäß an und ist gut getroffen.
Trotzdem bin ich beim Lesen immer wieder etwas ratlos zurückgeblieben. Je weiter man kommt, desto mehr fragt man sich, was das Buch eigentlich will. Es gibt viele kluge Überlegungen, Reflexionen und Anspielungen, aber sie führen nicht klar irgendwohin. Das kann interessant sein, wirkt aber stellenweise auch selbstverliebt.
Man hat den Eindruck, dass der Text vor allem zeigen möchte, wie schlau Hirschl ist. Der Autor beweist immer wieder, wie gut er denken und formulieren kann, doch dabei geht etwas verloren: eine klare Richtung oder ein emotionaler Kern, an dem man sich festhalten könnte. Dadurch entsteht eine Distanz, die es schwer macht, sich mitreißen zu lassen.
„Schleifen“ ist ein sprachlich starkes Buch. Am Ende bleibt für mich ein gemischter Eindruck: ein sehr gut geschriebenes Buch mit einem interessanten Thema, das mich erreicht, aber nicht ganz überzeugt. Es bleibt unklar, was es außer seiner eigenen Klugheit eigentlich vermitteln möchte.