Schuldig, weil unangepasst?
Im New York, Mitte der 60er Jahre versucht Ruth Malone, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, Haushalt und Erziehung so gut sie kann zu bewältigen. Ihr Mann, von dem sie erst seit kurzem getrennt lebt, ...
Im New York, Mitte der 60er Jahre versucht Ruth Malone, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, Haushalt und Erziehung so gut sie kann zu bewältigen. Ihr Mann, von dem sie erst seit kurzem getrennt lebt, sucht nach Anzeichen von Vernachlässigung, um ihr die Kinder wegnehmen zu können. Ihr Freiheitsdrang und ihr Job in einer Bar sprechen sowieso schon gegen sie. Sie ist so ganz anders als die Hausfrauen ihrer Nachbarschaft, trägt sexy Kleidung, ist immer perfekt geschminkt, hat verschiedene Liebhaber, geht oft aus und trinkt zu viel.
Eines Tages sind ihre beiden Kinder, die 4jährige Cindy und der 6jährige Frank, verschwunden. Nach kurzer Zeit, mit einigem Abstand voneinander, werden die Leichen der ermordeten Kinder aufgefunden. Aufgrund ihres unangepassten Lebensstils und ihres Auftretens ist für Polizei und Öffentlichkeit relativ schnell klar, dass Ruth die Mörderin ihrer Kinder sein muss, da sie ihren Eskapaden im Wege standen.
Es gibt keine Beweise für Ruths Täterschaft, doch die Ermittler liefern immer neue Indizien, scheuen sich auch nicht, entlastendes Material zu unterschlagen und versuchen, Ruth zu einem Geständnis zu drängen.
Nur dem Boulevardreporter Pete Wonicke, der Ruth zunächst ebenfalls verurteilt, kommen bald große Zweifel. Er recherchiert auf eigene Faust, deckt die Machenschaften der Polizei auf und stört sich an den reißerischen Boulevardschreibern.
Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall und wird aus zwei Perspektiven – die der Mutter Ruth und die des Journalisten Pete - erzählt. Ruths Perspektive ist die einer verzweifelten und unglücklichen Frau, ihre Bedürfnisse und Ängste werden nicht wahrgenommen, ihr Verhalten missinterpretiert und gegen sie verwendet. Für die breite Öffentlichkeit, inkl. Polizei und dem Großteil ihrer Nachbarschaft ist sie einfach nur eine „Schlampe“, das Gegenteil einer treusorgenden Mutter.
Auch wenn man gespannt ist, wer der Täter ist, „In der Hitze der eines Sommers“ ist nicht einfach ein Krimi. Es ist vielmehr die Analyse eines gesellschaftlichen Klimas, das beherrscht ist von Vorurteilen. Wer sich nicht gemäß der gängigen Norm verhält, muss einfach schuldig sein. Und daran hat sich auch bis heute, 60 Jahre später, wohl nicht viel geändert. Aufrüttelndes, berührendes Buch, leider noch immer aktuell.