Cover-Bild Mammut
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Schöffling
  • Themenbereich: Belletristik - Sonstiges
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 112
  • Ersterscheinung: 08.10.2025
  • ISBN: 9783690970075
Eva Baltasar

Mammut

Roman
Petra Zickmann (Übersetzer)

Tagsüber mit Senior:innen im Altersheim Interviews für eine wissenschaftliche Studie führen, nachts ungeschützter Sex mit fremden Männern: Frustriert von ihrem schlecht bezahlten Uni-Job und ihren erfolglosen Versuchen, schwanger zu werden, beschließt die Erzählerin von Mammut, in ihren rostigen Peugeot zu steigen und die Stadt zu verlassen. Was sie sucht, ist ein ursprünglicheres, einfacheres Leben, fernab der Gesellschaft und der Menschen, die sie so unerträglich machen. Doch auch auf dem Land sind die Mieten wucherisch, und das Geld reicht gerade mal für ein halb verfallenes Bauernhaus. Was sie dort findet, ist kein ländliches Idyll, sondern ein arbeits- und entbehrungsreicher Alltag. Sie putzt, hackt Holz, legt Vorräte für den Winter an und gibt Lämmern die Flasche. Ihre einzige Gesellschaft: ein alter Schäfer und ein dreckiger Hund. Und schon bald wird sie eins mit ihrer Umgebung, als würde das Wilde wie ein Keim in ihr austreiben.

Schonungs- und schnörkellos und mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor schreibt Eva Baltasar über die Widersprüche des modernen Lebens und der Versuche, daraus auszubrechen. Eine ungewöhnliche Aussteigerinnengeschichte, die auf beklemmend-faszinierende Weise das Urzeitliche freilegt, das noch immer in uns schlummert.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2025

Sprachgewaltig

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„Ich hatte Angst davor, dass die Einsamkeit sich vor mir nackt ausziehen und ihre Leere offenbaren würde.“

„Meine Verzweiflung stinkt noch übler als der Dreck auf seiner Haut und der gesamte Dreck auf ...

„Ich hatte Angst davor, dass die Einsamkeit sich vor mir nackt ausziehen und ihre Leere offenbaren würde.“

„Meine Verzweiflung stinkt noch übler als der Dreck auf seiner Haut und der gesamte Dreck auf diesem Planeten.“

Die Ich-Erzählerin wünscht sich ein unkonventionelles Leben, abseits der existierenden Rollenbilder. Sie erträgt die Menschen um sich kaum noch, flüchtet in die Stille. In einem abgelegenen Bergdorf findet sie genau das. Spartanisch lebt sie dort. Die Ruhe und die Natur tun ihr gut. Sie lernt harte, körperliche Arbeit kennen, muss sich ihren Ängsten stellen. Doch auch dort kann sie nicht vor ihrer traumatischen Vergangenheit entkommen. Sie ist innerlich zerrissen, weiß manchmal nicht wohin mit sich. Zarte Annäherungen an die anderen Dorfbewohner gibt es auch, doch eins bleibt. Die Suche nach einem Platz im Leben, einem echten Zuhause.

Anfangs war ich sehr verwirrt und wusste nicht so richtig wo die Reise hingeht. Die Erzählerin möchte unbedingt ein Kind, einen Vater braucht sie nicht, ein Erzeuger reicht. Es gab ein paar Zeitsprünge, die mich zusätzlich etwas verwirrt haben. Als ich aber einmal drin war, offenbarte sich ein sprachgewaltiger, wütender und schonungsloser Roman. Die Sprache ist einfach nur großartig, intensiv und poetisch. Die Erzählerin wirkt authentisch, das Leben hat sie hart gemacht. Das wird mit jedem Satz immer klarer. Schicht für Schicht wird abgetragen, bekommen wir einen immer tieferen Blick in ihre Gefühle. Die Story ist hart, es gibt viele recht heftige Abschnitte. Passt für mich aber wunderbar.

Ein sprachlich herausragender, harter Roman, der mich sehr überrascht hat. Empfehle ich sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Große Begeisterung für diesen intensiven und gehaltvollen Text

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Ich liebe, liebe, liebe Aussteiger*innengeschichten! Also Geschichten von Menschen, die von ihrem Leben die Nase voll haben, meistens auch vom Leben in der Stadt, und dann aus allem ausbrechen. Oft ziehen ...

Ich liebe, liebe, liebe Aussteiger*innengeschichten! Also Geschichten von Menschen, die von ihrem Leben die Nase voll haben, meistens auch vom Leben in der Stadt, und dann aus allem ausbrechen. Oft ziehen diese Menschen dann aufs Land. Aber ob dort dann alles so rosig und idyllisch ist, ob sie dort im Einklang mit der Natur leben können und sie ihr wahres Selbst finden, hängt von der Art des Romans und der Geschichte ab.

Allein schon deswegen ist „Mammut“ von Eva Baltasar, die als eine der wichtigsten Stimmen der katalanischen Gegenwartsliteratur gilt, ein perfektes Match für mich.

Darin kehrt die Ich-Erzählerin, eine Frau geschätzt um die 30, der Stadt den Rücken, nachdem ihre Versuche, schwanger zu werden, fehlgeschlagen sind. Die Erzählerin sieht gerade gar keine Richtung, die sie mit ihrem Leben einschlagen will. Ihre Arbeit an der Universität ist prekär und wenig erfolgsversprechend, ihre eigene wissenschaftliche Arbeit scheint ihr sinnlos und nicht zielgerichtet.
Einen Partner hat sie nicht, was auch ihre Versuche, schwanger zu werden, erschwert hat.
Nachdem sie sich eine Weile in ländlichen Regionen umgesehen hat, mietet sie schließlich einen alten, abgelegenen und verfallenen Hof bar jeglicher Annehmlichkeiten wie warmes Wasser oder Strom.
Sie beginnt mit harter körperlicher Arbeit, den Hof wieder bewohnbar zu machen.

„Mir gefällt dieser Zwang, mich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Dass die Notwendigkeit einer Wanne banale Gedanken vertreibt.“

Mir gefallen diese Beschreibungen, wie die Erzählerin pragmatisch ihre Vorhaben umsetzt, unglaublich gut. Hier ist keine Spur von Landidylle und knisterndem Lagerfeuer, sondern das Holz muss erst besorgt und mühsam gespalten werden, bevor es für den Winter eingelagert wird. Das Geld ist knapp und so muss sich die Erzählerin auch immer wieder überlegen, wie sie ihre Finanzen für die Miete und die rudimentäre Versorgung aufbessern kann.
In der Nähe wohnt noch ein älterer Schäfer, der ihr manchmal mit seinem Traktor hilft und bei dem sie anfängt zu putzen.

Alles besser auf dem Land also? Die Erzählerin arbeitet weiterhin prekär, ihre Wohnsituation hat sich dramatisch verschlechtert und für jede kleine Annehmlichkeit, wie warmes Wasser, muss sie hart arbeiten.

Dennoch findet die Erzählerin auf dem Hof auch genau das, was sie gesucht hat:

„Einsamkeit macht nicht intelligent, aber findig, sie bringt dich dazu, dich für das Leben zu entscheiden, sie zwingt dir eine immense Liebe auf, die wichtigste überhaupt: die Liebe zu dir selbst.“

Und die Männer? Sagen wir es so, die Probleme, die die Erzählerin mit Männern aus der Stadt hatte, lassen sich auch auf dem Land nicht so einfach abschütteln.

Baltasars Erzählstil ist reduziert und auf die Persönlichkeit ihrer Ich-Erzählerin ausgerichtet, die ich als zupackend, pragmatisch und moralisch flexibel empfinde und mir natürlich sehr gut gefällt.

Ich habe diesen Roman mit sehr großer Faszination gelesen und konnte ihn nicht aus der Hand legen, bis ich ihn zu Ende gelesen hatte (okay, er hat nur knapp über 100 Seiten). Gerade der Schluss hat mich super nachdenklich gemacht und sorgt dafür, dass mir der Roman noch einige Zeit im Kopf bleiben wird. Große Begeisterung für diesen intensiven und gehaltvollen Text der spanischen Poetin!

„Mammut“ ist übrigens der Abschluss von Baltasars lose zusammenhängender dreiteiliger Romanreihe über das Leben von Frauen in der modernen Gesellschaft. Meines Wissens nach ist aber bis jetzt nur „Mammut“ auf Deutsch erhältlich, die anderen beiden Romane der Trilogie wurden ins Englische übersetzt. Ich hoffe sehr auf weitere Übersetzungen ins Deutsche.

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Veröffentlicht am 27.11.2025

Ein erstrebenswertes Leben?

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Die Ich-Erzählerin in Eva Baltasars Roman „Mammut“ versuchte vergeblich, schwanger zu werden. Sie hat keinen festen Partner, sucht flüchtige Abenteuer, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen, aber es klappt ...

Die Ich-Erzählerin in Eva Baltasars Roman „Mammut“ versuchte vergeblich, schwanger zu werden. Sie hat keinen festen Partner, sucht flüchtige Abenteuer, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen, aber es klappt nicht:
„Ein paar Tage später bekam ich meine Regel. Der Blutfleck in der Unterhose war eine Beleidigung. Was glaubst du, wer du bist?, schien er mich zu verhöhnen. Das Blut, das die abgestorbenen Eier fortspült, ist sich seiner Herrschaft bewusst, unwirsch gemahnt es an die Vormacht des den Launen externer Begierden ausgesetzten Körpers.“

Sie beschließt, ihr Leben hinter sich zu lassen, kehrt der Stadt und ihrer Arbeit an der Universität den Rücken zu. In einer ländlichen Region mietet sie einen alten, abgelegenen Hof, ein baufälliges Haus; es gibt kein fließendes Wasser und keinen Strom. Sie arbeitet hart, lebt sparsam, ein einfaches Leben mit vielen Entbehrungen. Doch sie will es so; will nicht die alte Tretmühle wiederhaben.

„Ich arbeitete in einer Bäckerei, im Lager eines Supermarktes, in der Spülküche eines Hotels, als Verkäuferin in einem Laden für Schuhe und Handtaschen. Kaum dass ich die Stellen angetreten hatte und mich zurechtzufinden begann, gab ich sie wieder auf, weil mich die Vorstellung erschreckte, ich könnte mich an die Ausbeutung gewöhnen. Ich erkannte, dass die Arbeitswelt, die legale Arbeitswelt, ein schlechter Scherz war. Indem ich für jemand anderen arbeitete, überließ ich ihm das Wertvollste, was ich besaß, wertvoller als meine Zeit, wertvoller als mein Körper, wertvoller noch als die Bedeutung dieses so beunruhigenden Begriffs: meine Würde. Ich hatte das Gefühl, mich jedes Mal, wenn ich einen Vertrag unterschrieb oder in ein paar Tage auf Probe einwilligte, an einen Menschenhändler zu verkaufen, an jemanden, der mir den Pass abnahm, um sich auf meine Kosten zu bereichern.“

Ihre einzige Gesellschaft sind ein Hund und ein alter Schäfer in der Nachbarschaft; doch dieses Leben ist genau das, was sie gesucht hat.
„Einsamkeit macht nicht intelligent, aber findig, sie bringt dich dazu, dich für das Leben zu entscheiden, sie zwingt dir eine immense Liebe auf, die wichtigste überhaupt: die Liebe zu dir selbst.“

Und schließlich wird sie doch schwanger ...

Das Buch ist keine einfache Lektüre, obwohl es nur 112 Seiten hat. Das Ende lässt viele Fragen offen; dennoch war dieser Aussteigerinnen-Roman mit seinen existenziellen Fragen nach dem Sinn und der Würde eines Menschenlebens eine interessante Leseerfahrung.

Vielen Dank an den Schöffling Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

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